Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Juden in der Weimarer Republik 4
3. Antisemitismus in der Weimarer Republik 7
4. Antisemitismus an Universitäten der Weimarer Republik 11
4.1 Professoren und Antisemitismus in der Weimarer Republik 12
4.2 Studenten und Antisemitismus in der Weimarer Republik 13
5. Zusammenfassung 16
Literaturverzeichnis 18
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1. Einleitung
Es ist sehr wahrscheinlich, dass jeder Deutsche ab einem gewissen Alter in der Lage ist, etwas zum Antisemitismus während der NS-Zeit zu sagen. Dieses Thema wurde eingehend untersucht, wird regelmäßig in der Schule behandelt, von Zeit zu Zeit beschäftigt sich auch die Presse damit. Das nach der sogenannten „Machtergreifung“ Hitlers antisemitisches Gedankengut weit gestreut wurde und dementsprechend verbreitet war, „Rassenlehre“ in den Lehrplan aufgenommen und Juden aus allen öffentlichen Einrichtungen und den meisten Berufen vertrieben wurden bis es zum Holocaust, dem Höhepunkt der antisemitischen Hetze kam, ist allgemein bekannt. Doch wie konnte es dazu kommen? Waren es Hitler und seine Schergen, die diesen Antisemitismus heraufbeschworen, oder war der Grundstein dafür schon davor, während der Weimarer Republik, vorhanden? Wie stand die sogenannte „geistige Elite“ zu Antisemitismus, also Professoren, Dozenten und Studenten an den Hochschulen? Konnten sie sich aufgrund ihres höheren Bildungsstandes der Vorurteile gegenüber Juden entziehen? Oder waren auch hier schon die Tendenzen längst vorhanden, die unter anderem am 10. Mai 1933 zur Bücherverbrennung durch Studenten führten? War der Antisemitismus in den Hochschulen der Weimarer Republik eine Konstante für den späteren, verschärften Antisemitismus im „3. Reich“?
Mit diesen Fragen soll sich die vorliegende Arbeit auseinandersetzen. Daraus resultierend wird als erstes die deutsch-jüdische Bevölkerung in der Weimarer Republik behandelt, um die Situation und damit den Ausgangspunkt der Juden zu veranschaulichen. Es folgt der Antisemitismus in Deutschland zu dieser Zeit, um einen groben Überblick über die Standpunkte in anderen Lebensbereichen zu geben. Im dritten Kapitel soll dann explizit der Antisemitismus an den Hochschulen der Weimarer Republik vorgestellt werden. Dazu wird als erstes auf die Professoren eingegangen, anschließend auf die Studierenden.
Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, stütze ich mich vor allem auf die Bücher „Geschichte der Juden in Deutschland 1781 - 1931“ von Andreas Reinke, für die Darlegung der Situation der Juden in der Weimarer Republik auf „Antisemitismus“ von Walter Mohrmann, um den Antisemitismus dieser Zeit darzustellen. In dem Schwerpunkt „Antisemitismus an den Hochschulen der Weimarer Republik“ stütze ich mich hauptsächlich auf Walter Laqueurs „Weimar. Die Kultur der Republik“, auf Notker Hammersteins „Antisemitismus und deutsche Universitäten 1871 -1933“ und auf Bleuels und Klinnerts „Deutsche Studenten auf dem Weg ins Dritte Reich“.
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2. Juden in der Weimarer Republik
Die Weimarer Republik stellte eine grundlegende Zäsur in der Geschichte der deutschen Juden dar. Es vollzog sich für sie ein Wandel in nahezu allen Lebensbereichen. Von den Zeiten des Umbruchs war die jüdische Bevölkerung stärker betroffen als die übrigen deutschen Bürger. So kam es endlich zur völligen rechtlichen Gleichstellung der Juden und ihrer wachsenden Teilhabe am kulturellen und sozialen Leben. Diese zogen allerdings auch ein extremes Anwachsen der antisemitischen Grundhaltung in der übrigen Bevölkerung nach sich, doch dazu mehr im nächsten Kapitel. Aus der politischen Öffentlichkeit zogen sich Juden jedoch recht schnell wieder zurück. Während des Ersten Weltkrieges und in der unmittelbaren Nachkriegszeit stiegen jüdische Politiker teilweise in sehr begehrte Positionen im Staatsdienst und vor allem in den liberalen und linken Parteien auf. Doch schon ab 1919 ging der Anteil an Juden in gehobenen politischen Positionen stark zurück. Auf Reichsebene gab es nach 1922 gerade einen jüdischen Minister, in den Länderregierungen gar keinen und auch auf kommunale Ebene ging ihre Anzahl stark zurück. Außer der SPD stellte auch keine Partei jüdische Kandidaten auf.
Aber die Zahl der Juden in Deutschland ging auch allgemein zurück. 1910 lebten ca. 615.000 Juden in Deutschland. Dies entspricht einem Anteil von knapp einem Prozent an der Gesamtbevölkerung. Diese Zahl verringerte sich im Laufe der Weimarer Republik auf ungefähr 564.000 im Jahr 1925, was einem Anteil von 0,9% der Gesamtbevölkerung entspricht und 1933 schließlich auf knapp 500.000, also nur noch 0,77% der Bevölkerung 1 . Dieser Umstand hatte seine Ursache in verschiedenen Faktoren. Als erstes wäre der im Vergleich zur übrigen Bevölkerung verstärkte Geburtenrückgang zu nennen: Von 1920 bis 1925 kamen auf 1000 deutsche Juden 15 Geburten pro Jahr, im Zeitraum von 1930 bis 1932 waren es nur noch 7,2. Außerdem war seit 1925 die Zahl der gestorbenen Juden höher als die der geborenen. Dies führte zu einer Überalterung der jüdischen Bevölkerung. 1925 betrug das Durchschnittsalter 34,5 Jahre, in der restlichen Bevölkerung 27,3 Jahre. 1933 stieg es sogar auf 38,7, das der übrigen Bevölkerung nur auf 30,4 Jahre 2 . Dazu kam eine steigende Zahl von Ehen von Juden mit Menschen anderer Konfessionen, denn die Kinder aus solchen Ehen waren meist nicht mehr der jüdischen Gemeinschaft angehörig. Hier ist also eine Schwächung der jüdischen Bevölkerung in Deutschland erkennbar, durch eine Verminderung ihrer Vertreter in wichtigen politischen Gremien, wie auch durch den Rückgang ihrer Anzahl in der Gesamtbevölkerung.
Aber nicht nur die Gesamtanzahl der deutschen Juden wurde kleiner, auch die ihrer Gemeinden. Dies lässt sich mit der steigenden Urbanisierung zur Zeit der Weimarer Republik erklären. Die Großstadt wurde bevorzugt, da Menschen jüdischer Herkunft in den deutschen Kleinstädten
1 Vgl.: Reinke, Andreas: Geschichte der Juden in Deutschland 1781 - 1933. Darmstadt 2007, S. 115
2 Vgl.: ebd. S. 116
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antisemitischen Zusetzungen eher ausgeliefert waren, obwohl sich feststellen lässt, dass der Anteil von Juden in ländlichen Gebieten oder Kleinstädten im eher rechts gerichteten Süden Deutschlands höher war als im Reichsdurchschnitt. Aber allein in Berlin wohnte fast ein Drittel aller in Deutschland lebenden Juden, wovon wiederum ca. 80% in sechs der 20 Verwaltungsbezirke der Stadt lebten 3 . Durch diese Ballung in den Großstädten mussten sich natürlich viele Gemeinden auflösen, während die Mitgliederzahlen in den Gemeinden der Großstädte nie gekannte Ausmaße erreichten.
Auch in wirtschaftlicher Hinsicht gab es Unterschiede zur Gesamtbevölkerung. Wie in der folgenden Tabelle deutlich wird, waren gerade in der Land- und Forstwirtschaft und im Handel und Verkehr die Unterschiede gravierend:
(aus: Reinke, Andreas: Geschichte der Juden in Deutschland 1781 - 1933. Darmstadt 2007)
Wie hieraus abzuleiten ist, war die jüdische Minderheit in Deutschland also hauptsächlich in der mittelständischen Bevölkerungsgruppe zu finden, die sich im Wesentlichen aus Besitzern kleiner und mittlerer Handlungsunternehmen zusammensetzte. Sie hielten schon immer, aus Sicherheitsgründen, lieber an der Selbstständigkeit fest. Hier zeigen sich - außer der Religionverschiedene Bereiche des alltäglichen Lebens, in denen sich Juden von ihren Mitbürgern abhoben. Die demografischen und wirtschaftlichen Unterschiede bestätigten viele Menschen darin, dass ihre jüdischen Mitbürger „anders“ sind.
Durch Krieg, Krisen und Antisemitismus in der Weimarer Republik vergrößerte sich das Vereinswesen der Juden in Deutschland erheblich. Nicht nur die Mitgliederzahlen stiegen, es gründeten sich auch neue Vereine und Organisationen, für die verschiedensten politischen, sozialen und weltanschaulichen Bedürfnisse. „Innerhalb dieser sich verdichtenden jüdischen Infrastruktur
3 Vgl.: Kaplan, Marion (Hrsg.): Geschichte des jüdischen Alltags in Deutschland. Vom 17. Jahrhundert bis 1945.
München 2003, S. 348
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Arbeit zitieren:
Svenja Gerbendorf, 2011, Auch die „geistige Elite“?, München, GRIN Verlag GmbH
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