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Hat das durchgeführte Sportprogramm mit übergewichtigen und adipösen Kindern (8-12-jährig) einen positiven Einfluss auf ihr Bewegungsverhalten im Alltag?
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: BMI- Referenzperzentilen für Mädchen (oben) und Jungen (unten). Zum Vergleich in Blau die internationale Adipositas- und Übergewichtsdefinition (l`Allemand, Farpour-Lambert & Laimbacher, 2006, S. 13). ___________________________________________________________ 5 Abbildung 2: Das 3-Ebenen-Modell zur körperlichen Aktivitätssteigerung (modifiziert nach Koch, 2004, S. 30) __________________________________________________________________________ 10 Abbildung 3: Möglicher Entwicklungsverlauf durch die 5 Stadien des TTM (Fuchs, 1997, S. 159) __ 20 Abbildung 4: Hauptgrund für das Teilnehmen ___________________________________________ 31 Abbildung 5: Problem besteht seit (in Jahren)___________________________________________ 33 Abbildung 6: Vergleich BMI _________________________________________________________ 34 Abbildung 7: Vergleich Gewicht______________________________________________________ 35 Abbildung 8: Sport pro Woche_______________________________________________________ 37 Abbildung 9: TV pro Tag ___________________________________________________________ 37 Abbildung 10: Computer pro Tag_____________________________________________________ 38
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Gewichtsklassifikation für Erwachsene nach WHO (2003)
(http://www.who.int/hpr/NPH/docs/who_fao_expert_report.pdf, S. 69) _________________________ 6 Tabelle 2: Übersicht Unterscheidung von Übergewicht und Adipositas ________________________ 6 Tabelle 3: Übersicht Sportprogramm (Zusammenfassung)_________________________________ 16 Tabelle 4: Was stört Dich an Deinem Übergewicht? ______________________________________ 32 Tabelle 5: Wie gehe ich zur Schule? (vor Sportprogramm)_________________________________ 35 Tabelle 7: Wie gehe ich zur Schule? (nach Sportprogramm) _______________________________ 36
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Hat das durchgeführte Sportprogramm mit übergewichtigen und adipösen Kindern (8-12-jährig) einen positiven Einfluss auf ihr Bewegungsverhalten im Alltag?
1. Einleitung
Die Krankheitshäufigkeit von Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter nimmt weltweit zu. Auch in der Schweiz stellt der rasche Anstieg der Prävalenz der Adipositas im Kindesalter ein echtes Problem für das Gesundheitssystem dar. Erschreckend, aber leider wahr, ist die Tatsache, dass jedes fünfte bis sechste Schulkind in der Schweiz übergewichtig oder adipös ist (vgl. l`Allemand, Farpour-Lambert & Laimbacher, 2006, S. 13). Dabei gilt es festzuhalten, dass die Entstehung von Übergewicht multifaktoriell ist. Nebst genetischen Komponenten und sozioökonomischen Faktoren spielen vor allem die Fehlernährung und der Bewegungsmangel eine entscheidende Rolle, wenn es um die Gewichtsregulation geht. Eine Veränderung in der Genkonstellation ist in der heutigen Zeit (noch) unzulässig und eine Veränderung im sozioökonomischen Bereich ist schwer realisierbar. Aus diesem Grund sind bezüglich Übergewicht und Adipositas die Ernährung und das Bewegungsverhalten die Schlüsselgrössen. Zunehmend zeigt sich, dass körperliche Aktivität die wichtigere Komponente sein dürfte (vgl. Ehrsam, Stoffel, Mensink & Melges, 2004, S. 284). Denn entgegen der Meinung vieler, ist die in den letzten Jahren zu beobachtende Zunahme in der Adipositashäufigkeit kaum ernährungsbedingt zu erklären, sondern wird von der Mehrheit der Experten einem zunehmenden Bewegungsmangel zugeschrieben. Wer gesund leben will, muss sich bewegen. Mit diesen Worten weisen Fachleute darauf hin, dass veränderte Ernährung nicht genügt, wenn es um den Erfolg einer Gewichtsreduktion adipöser Kinder und Jugendlicher geht (vgl. Breithecker, 1991, S. 19). Es ist erwiesen, dass körperliche Inaktivität das Risiko erhöht, eine Adipositas zu entwickeln. Wie einige Studien beweisen, trägt verminderte Bewegung schon im Kindesalter zu einer höheren Adipositasinzidenz bei. Ein höheres körperliches Aktivitätsniveau erzeugt sowohl eine Primär- als auch eine Sekundärprävention (vgl. Vögele in Petermann & Pudel, 2003, S. 283). Aufgrund dieser immensen Bedeutung der körperlichen Aktivität im Kampf gegen das Übergewicht, wollen wir in dieser Arbeit untersuchen, ob ein durchgeführtes Sportprogramm mit übergewichtigen und adipösen Kindern einen Einfluss auf ihr Bewegungsverhalten im Alltag hat. Im Idealfall empfinden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Freude bei der sportlichen Aktivität und sind aufgrund dessen eher bereit, sich auch im täglichen Leben vermehrt aktiv zu bewegen. Es geht also darum, den Teilnehmenden einen Anstoss zur lustvollen körperlichen Betätigung zu geben, die sie im Alltag weiterverfolgen sollen. In dieser Arbeit wird nicht in erster Linie untersucht, ob die Betroffenen nach der Durchführung des Sportprogramms ab- oder allenfalls gar zugenommen haben, sondern ob sich ihr Bewegungsverhalten im Alltag verändert hat (also ob sie beispielsweise immer noch vor allem den Fahrstuhl benutzen oder ob sie nun ver-
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mehrt Treppen steigen). Optimalerweise kann dies mit einer Gewichtsreduktion einhergehen, muss es aber nicht.
Diese Arbeit dient als Vorbereitung zur Lizentiatsarbeit, welche die gleiche Problematik untersuchen wird, allerdings mit einer grösseren Anzahl an Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Somit kann diese Arbeit auch als Vorbereitung für die Lizentiatsarbeit angesehen werden.
Zuerst wird in einem theoretischen Teil die aktuelle Problematik des Übergewichts und der Adipositas, die sich epidemisch von der Erkrankung des Individuums zu einer Erkrankung der Gesellschaft ausgedehnt hat, dargestellt und kurz diskutiert. Anschliessend wird die Vielschichtigkeit und Problematik einer Bewegungstherapie besprochen und der Aufbau sowie wichtige Komponenten unseres Sportprogramms vorgestellt. Die der Fragestellung zugrunde liegende theoretische Basis wird anhand des Transtheoretischen Modells (TTM) erläutert. Am Schluss des Theorieteils werden bereits bestehende Präventionskonzepte in der Schweiz beschrieben. Im empirischen Teil werden das Untersuchungsdesign vorgestellt sowie die Untersuchungsdurchführung und das Verfahren der Datenverarbeitung bzw. Datenauswertung aufgezeigt. Den Abschluss der Arbeit bilden die Zusammenfassung und eine Diskussion über die zentralen Ergebnisse.
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2. Theoretische Grundlagen
Im Theorieteil soll die theoretische Basis erläutert werden, damit unsere Frage gestützt auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beantwortet werden kann. Dabei werden grundlegende Modelle und Konzepte vorgestellt.
2.1 Übergewicht und Adipositas
In diesem Unterkapitel wird der Unterschied zwischen Übergewicht und Adipositas beschrieben. Des Weiteren werden die Schwierigkeit einer Definition dieser beiden Begriffe sowie die Bedeutung des Body Mass Indexes (BMI) aufgezeigt.
2.1.1 Vorbemerkungen
Eine Person gilt als übergewichtig, wenn das körperhöhenbezogene Körpergewicht ein bestimmtes Mass übersteigt. Bei einer Adipositas ist hingegen die erhöhte Fettmasse ausschlaggebend. So wird eine Person als adipös angesehen, wenn der Anteil des Fettgewebes an der Gesamtkörpermasse über eine definierte Grenze kritisch erhöht ist (vgl. Kromeyer-Hauschild in Wabitsch, Zwiauer, Hebebrand & Kiess, 2005, S. 4). Es ist allerdings schwierig, sich unter diesen Definitionen etwas Konkretes vorzustellen. Dank des Body Mass Indexes (BMI), der sich aus den Komponenten Körpergrösse und Körpergewicht zusammensetzt, können immerhin Zahlen miteinander verglichen werden, was die Trennung von Übergewicht und Adipositas zumindest optisch erleichtert. Der BMI hat sich im ärztlichen Alltag nicht zuletzt wegen seiner einfach messbaren Parameter durchgesetzt. Obwohl er nur indirekt die Fettmasse bestimmt, hat sich der BMI gegenüber genaueren Methoden zur Bestimmung der Körperfettmasse behauptet. So misst beispielsweise die “Dual-X-ray-Absorptiometrie“ exakt die Fett- und Magermasse, ist jedoch auf Grund der Verstrahlung bei Kindern nur in ausgewählten Fällen vertretbar (vgl. Fusch in Wabitsch et al., 2005, S. 272). Die direkten Methoden zur Bestimmung der Körperfettmasse bergen entweder gesundheitliche Risiken, sind aufwändig oder sehr kostspielig. Deshalb werden indirekte Methoden zur Ermittlung der Fettmasse in den meisten Fällen direkten Methoden vorgezogen. Nebst dem BMI gehören u.a. Hautfaltmessungen zu den indirekten Methoden, die auf Grund messmethodischer Fehler jedoch nur sporadisch zum Einsatz kommen (vgl. Kromeyer-Hauschild in Wabitsch et al., 2005, S. 12). Der BMI bietet ein günstiges Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag. Somit scheint er seine Berechtigung im ärztlichen Alltag zu haben.
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2.1.2 Der Body Mass Index (BMI)
Der BMI ist eine Verhältniszahl von Gewicht und quadrierter Körperlänge. Er wurde als Näherungsmass eingeführt, um den Ernährungszustand unabhängig von der Körpergrösse einschätzen zu können (vgl. Fusch in Wabitsch et al., 2005, S. 267).
Nebst der simplen Berechnungsmethode, spricht die Zuverlässigkeit der Identifizierung von adipösen Personen für den BMI. Auf der anderen Seite können beispielsweise sehr muskulöse, jedoch fettarme Personen als übergewichtig eingestuft werden, da Muskelmasse schwerer wiegt als Fettmasse. Nichts desto trotz empfiehlt die World Health Organisation (WHO) den BMI als Mass zur Bestimmung von Übergewicht und Adipositas bei erwachsenen Personen. Daniels, Khoury & Morrison (1997) sowie Pietrobelli et al. (1998) zeigten in ihren Untersuchungen, dass der BMI auch bei Kindern und Jugendlichen ein geeignetes Mass zur Ermittlung der Gesamtkörperfettmasse darstellt. Für die Verwendung des BMI bei Kindern und Jugendlichen spricht einerseits die Tatsache, dass der BMI im Vergleich zu anderen Gewichts-Grössen-Indizes die geringste Korrelation zur Körpergrösse aufweist und andererseits, dass die Altersveränderungen beim BMI denen beim Körperfett ähnlich sind (vgl. Kromeyer-Hauschild in Wabitsch et al., 2005, S. 4). Deshalb empfehlen die Childhood Group, die International Obesity Task Force (IOTF) und die European Childhood Obesity Group (ECOG) die Anwendung des BMI zur Definition von Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter. Allerdings müssen im Kindes-und Jugendalter sogenannte BMI-Perzentilkurven berücksichtigt werden, da die Kinder und Jugendlichen alters- und geschlechtsspezifischen Schwankungen sowie Veränderungen unterliegen, die einerseits durch unterschiedliches Wachstum und andererseits durch unterschiedliche Pubertätsentwicklung hervorgerufen werden. BMI-Perzentilkurven sind länderspezifisch, da ein Perzentil angibt, wie viel Prozent der gleichaltrigen Kinder gleichen Geschlechts einen niedrigeren BMI-Wert aufweisen (vgl. Kromeyer-Hauschild in Wabitsch et al., 2005, S. 4-5). Die Schweiz (zumindest in Bern, Basel, St. Gallen und Zürich) und Österreich halten sich an die deutschen Referenzdaten von Kromeyer-Hauschild (2001). Diese basieren auf Querschnittdaten von über 34`000 Mädchen und Jungen aus Deutschland. Für den internationalen Vergleich werden die BMI-Referenzen von Cole et al. (2000) empfohlen. Hier wurden die Daten von über 94`000 Mädchen und über 97`000 Knaben im Alter von 2-18 Jahren aus sechs weltweiten Studien herangezogen. Die Referenzdaten
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von Kromeyer-Hauschild (2001) sind denjenigen von Cole et al. (2000) am ähnlichsten, was bedeutet, dass die Referenzkurven von Kromeyer-Hauschild (2001) eurokompatibel sind (vgl. l`Allemand, Farpour-Lambert, Sempach & Laimbacher, 2006, S. 38).
In Zukunft könnte der BMI jedoch durch andere Messverfahren verdrängt werden. Beispielsweise wird die waist-to-hip ratio (WHR), die Berechnung des Taillen- zu Hüftumfang, schon heute von mehreren Experten empfohlen. Ob sie aber die Rolle des BMI übernehmen wird, wird die Zukunft zeigen.
Abbildung 1: BMI- Referenzperzentilen für Mädchen (oben) und Jungen (unten). Zum Vergleich in Blau die internationale Adipositas- und Übergewichtsdefinition (l`Allemand, Farpour-Lambert & Laimbacher, 2006, S. 13).
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2.1.3 Definition von Übergewicht und Adipositas
Die World Health Organisation (WHO) definiert eine erwachsene Person als übergewichtig, wenn sie einen BMI im Bereich von 25 kg/m 2 bis 29.9 kg/m 2 aufweist und als adipös, wenn sie einen BMI von 30 oder mehr kg/m 2 hat.
Tabelle 1: Gewichtsklassifikation für Erwachsene nach WHO (2003)
(http://www.who.int/hpr/NPH/docs/who_fao_expert_report.pdf, S. 69)
Für deutsche Kinder und Jugendliche empfiehlt die Arbeitsgemeinschaft gegen Adipositas (AGA) die Verwendung der 90. alters- und geschlechtsspezifischen Perzentile der Referenzdaten von Kromeyer-Hauschild (2001) als Grenzwert zur Definition von Übergewicht und die Verwendung der 97. Perzentile als Grenzwert zur Definition von Adipositas (vgl. Wabitsch & Kunze, 2006, S. 13-14). Die Österreicher und mindestens vier Grossstädte der Schweiz halten sich ebenfalls an diese Definition.
Tabelle 2: Übersicht Unterscheidung von Übergewicht und Adipositas
2.2 Folgen von körperlicher Inaktivität
Immobilität bestimmt den Alltag des heutigen Menschen, vor allem den des adipösen, der beispielsweise unter der zusätzlichen Last seines Übergewichts, anstelle der Treppe lieber die Rolltreppe bzw. den Fahrstuhl benutzt. Die Wandlung vom immobilen zum aktiveren Menschen stellt offensichtlich hohe Anforderungen an Motivation und Durchhaltewillen. In der körperlichen Inaktivität muss eine wesentliche Ursa-
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che der Adipositasprävalenz gesehen werden, denn der heutige Energieverbrauch ist im Vergleich zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erheblich reduziert worden (vgl. Pudel in Petermann & Pudel, 2003, S. 211).
Von grossem Interesse sind die Folgen körperlicher Inaktivität auf die körperliche Leistungsfähigkeit. Bös (2003) konnte in einem Review feststellen, dass sich die mo-torische Leistungsfähigkeit bei Kindern und Jugendlichen in den letzten 25 Jahren um 10% verschlechtert hat. Des Weiteren kann die Tatsache nicht von der Hand gewiesen werden, dass mit zunehmendem BMI im Kindesalter grobmotorische Fähigkeiten und körperliche Ausdauer schlechter werden. Normalgewichtige Kinder haben in der Tat eine signifikant bessere Fitness als übergewichtige oder adipöse Kinder (vgl. Hebebrand & Bös in Wabitsch et al., 2005, S. 52). Somit kann gesagt werden, dass Bewegungsmangel einerseits die Leistungsfähigkeit senkt, andererseits das Risiko erhöht, eine Adipositas zu entwickeln. Denn es konnte gezeigt werden, dass verminderte Bewegung im Kindesalter zu einer höheren Adipositasinzidenz beiträgt (vgl. Vögele in Petermann & Pudel, 2003, S. 283). Das bedeutet für denjenigen, welcher den Anschluss an das „sich bewegen“ verpasst, Gefahr läuft, sich Aktivitäten im Alltag auszusuchen, die mit geringer körperlicher Anstrengung einhergehen. Somit entsteht ein Teufelskreis mit fatalen Folgen. Denn körperliche Bewegung leistet einen wichtigen Beitrag zur sekundären Prävention vor Krankheiten, die mit der Adipositas zusammenhängen. Wer sich nicht genügend bewegt, wird krank. Übergewicht und vor allem Adipositas verursachen weitere Krankheiten. Da Adipositas selbst schon als Krankheit angesehen wird, spricht man in solchen Fällen von Komorbidität, also von mehrfach diagnostizierten Krankheiten. Nebst genetischen Komponenten und dem Ernährungsverhalten verursacht vor allem körperliche Inaktivität Fettleibigkeit. Diese wiederum kann Begleiterkrankungen verursachen wie Veränderungen der Insulinsensivität und -resistenz, Störungen der Glukosetoleranz und Diabetes-mellitus-Typ-2, Blutdruck und kardiale Veränderungen, respiratorische Veränderungen und Schlaf-Apnoe, psychische Störungen wie Depressivität bzw. endokrinologische Auffälligkeiten um nur einige zu nennen.
2.3 Bewegungstherapie
Reinehr trennt die Bewegung in drei Bereiche auf (vgl. Reinehr in Wabitsch et al., 2005, S. 303):
• aktive sportliche Betätigung,
• Bewegung im Alltag (z.B. mit Fahrrad statt Bus zur Schule), • Anteil sitzender Tätigkeiten (v.a. Fernseh- und Computerkonsum)
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Sportprogramme zielen heutzutage vor allem auf die Gewichtsreduktion ab. Dabei wird nebst aerobem Ausdauertraining auch Krafttraining des Muskel- und Halteapparates empfohlen. Wegen der zeitlichen Begrenzung eines Sportprogramms zeigen reine, aerobe Ausdauertrainings keine langfristigen Erfolge in der Gewichtsreduktion bei übergewichtigen Menschen. Was jedoch häufig unterschätzt wird, sind die „Begleiterscheinungen“ welche ein solches Sportprogramm mit sich bringt. „Neben dem Aufbau eines motivationsfördernden Gruppengefühls können das Selbstbewusstsein der Kinder gestärkt und ein neues Körpergefühl vermittelt werden“ (Reinehr in Wabitsch et al., 2005, S. 303). Im Optimalfall gewinnt der sportliche Aspekt durch eine Veränderung der Bewegung im Alltag an Bedeutung und das Konsumverhalten verändert sich. In Amerika wird mittlerweile eine Reduktion des Fernsehkonsums an-hand aktiver Bewegung provoziert. Dort gibt es Fernsehgeräte zu kaufen, die nur bei gleichzeitiger Fahrt auf einem Ergometer funktionieren, was den Fernsehkonsum senken und die aktive Bewegung steigern soll (vgl. Reinehr in Wabitsch et al., 2005, S. 304).
2.3.1 Präventionssport bei Adipositas
Nach Koinzer (1997) zielen, aus physiologischer Sicht, regelmässige sportliche Belastungen bei adipositasgefährdeten und adipösen Kindern und Jugendlichen im Sinne der Sekundärprävention auf zwei Richtungen ab (vgl. Koinzer, 1997, S. 72):
1. Erreichen dauerhafter negativer Energiebilanzen, die kurzfristig durch Energieverbrauch und mittel- bis langfristig durch anpassende Umstellungen des Stoffwechsels erreichbar sind.
2. Minimierung der metabolen und kardiozirkulatorischen Komplikationsgefahren.
Daraus ergeben sich pädagogische, sportdidaktische und psychologische Zielstellungen (vgl. Koinzer, 1997, S. 72):
• Steigerung der sportlichen Bewegungsbereitschaft = Erziehung und Befähigung zu regelmässigem indikationsbezogenem Sporttreiben. • Erhöhung der allgemeinen körperlichen Leistungsfähigkeit und des Körperbewusstseins • Steigerung des Selbstbewusstseins
• Anwenden sinnvoller Wechselwirkungen von angemessenen sportlichen und diätetischen Verhaltensweisen.
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2.3.2 Pädagogisch-didaktische Aspekte im Präventionssport
Ein schrittweiser Belastungsaufbau ist im Präventionssport mit adipösen Kindern und Jugendlichen sehr wichtig. Wichtig sind die Beachtung der spezifischen Zielsetzungen des Präventionssports sowie die Festlegung der individuellen Belastbarkeit der Teilnehmenden. Es gilt, das Sportprogramm nach dem Prinzip der allmählichen Steigerung aufzubauen. Anfangs sollte die Belastung in geringen Dosen verabreicht werden. Mit der Zeit sollte die Belastung, angepasst an die individuelle Leistungsfähigkeit, gesteigert werden (vgl. Koinzer, 1997, S. 76).
2.3.3 Steigerung der körperlichen Aktivität
(vgl. Koch, 2004, S. 29-30)
Um eine Verringerung von Inaktivität mit gleichzeitiger Erhöhung der körperlichen Aktivität zu erreichen, unterscheidet die AGA (2004) drei Ebenen, auf denen Veränderungen des Bewegungsverhaltens stattfinden sollten. Dabei sind es primär die Alltags- und die spontanen Freizeitaktivitäten der Kinder, die sich als Gegenpol zur Bewegungsarmut deutlich spürbar machen. Der gemeinsam mit der Freundin oder Freund zurückgelegte Schulweg, die Fahrt mit dem Fahrrad ins Einkaufszentrum oder das Ball spielen im Quartier sind nur drei einfache, aber sehr effektive Bewegungsbeispiele für einen realitätsnahen und kindgerechten aktiveren Lebensstil. Diese Formen der Bewegung, die vom Heranwachsenden eigeninitiiert und in den Alltag integriert werden, sind die ausschlaggebenden Instrumente in der Bekämpfung von Übergewicht und Fettleibigkeit. Langeweile, Trägheit und Inaktivität von Kindern und Jugendlichen sollten von der Familie mit viel Geduld, Einfühlungsvermögen aber auch Humor angegangen werden. Die Vorbildfunktion der Eltern wird im Zusammenhang mit dem Bewegungsverhalten meist nur am Rande betrachtet, obwohl sie von ausserordentlicher Bedeutung ist (vgl. Koch, 2004, S. 29-30). Denn Eltern sind für die Kinder Vorbilder in Bezug auf Ernährungs- und Bewegungsverhalten. Des Weiteren übernehmen sie Kontrollfunktionen für das Verhalten des Kindes (vgl. Reinehr in Wabitsch et al., 2005, S. 304). So konnte in einer Studie von Moore et al. (1991) nachgewiesen werden, dass Kinder deren Väter sportlich aktiv sind, dreimal so aktiv sind wie die Kinder von inaktiven Vätern (vgl. Korsten-Reck, 2007, S. 38). Deshalb macht es für einen erfolgreichen Therapieansatz Sinn, die Eltern oder gar die ganze Familie mit einzubeziehen. Die Eltern sollten mit wichtigen Informationen zum entsprechenden Thema eingedeckt werden. Dabei müssen auch sie lernen, sich ver-antwortungsvoll zu verhalten und zu handeln. Die Kinder und Jugendliche sollten in ihrem Tun von den Eltern unterstützt und gefördert werden. Nur wenn beide Parteien sich an die Spielregeln halten, ist die Erfolgschance intakt.
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Arbeit zitieren:
M. Sc. Christian Wyss, Cyrill Meier, 2007, Sport und Gesundheit, München, GRIN Verlag GmbH
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