Informationsbeschaffung der jungen Obwaldner BürgerInnen vor nationalen Volksabstimmungen
Die 30 befragten Jugendlichen des Kantons Obwalden informierten sich während dem Abstimmungskampf der Volksabstimmung „Gegen den Bau von Minaretten“ vom 27. November 2009 am häufigsten mit redaktionellen Zeitungsartikeln, dabei haben die kostenpflichtigen Zeitungen 3% mehr Jugendliche angesprochen als die Gratiszeitungen. Mit nur 3% bzw. 6% Unterschied zu den kostenpflichtigen Zeitungen informierten sich die jungen Erwachsenen durch Gespräche mit Bekannten und Freunden bzw. durch Gespräche mit der Familie.
Der Fakt, dass Gespräche mit dem Umfeld den Jugendlichen in ihrer Informationensuche behilflich sind, spricht dafür, dass das soziokulturelle Umfeld der jeweiligen Personen einen grossen Einfluss auf die Meinungsfindung der Jugendlichen hat.
Die Bildung spielt in der Wahl der Informationsquellen auch eine Rolle. Berufsfachschulabsolventen informierten sich vermehrt mit Informationsmitteln welche kurz und inhaltsschwach sind. Dabei stehen an erster Stelle die Gratiszeitungen und auf dem zweiten bis zum vierten Platz Strassenplakate, Gespräche mit Bekannten/Freunden und Gespräche mit der Familie. Bei den Kantonsschülern sieht das Ergebnis ein bisschen anders aus. Sie nutzten am häufigsten Informationsquellen, welche umfangreich und inhaltsstark sind. An erster Stelle stehen hier die kostenpflichtigen Zeitungen und die Mitteilungen, welche sie in der Schule erhalten. Erst dann folgen die Gratiszeitungen, das Bundesbüchlein und Sendungen am Fernseher. Die Annahme, dass sich Jugendliche mit einem höheren Bildungsniveau eher mit „umfangreichen, inhaltsstarken Informationsquellen“ informierten als junge Erwachsene mit einem tieferen Bildungsniveau wird belegt.
Im Vergleich zu den Daten der Homepage www.polittrends.ch, welche Jugendliche zwischen 18 bis 29 Jahren befragt haben, verwendeten jene am häufigsten das Bundesbüchlein. Dies ist jedoch bei den Obwaldner Jugendlichen nur auf dem zehnten Platz. Ausserdem werden Inserate in Zeitschriften von den Obwaldner Jugendlichen im Vergleich zur „Schweizer Jugend“ nur selten verwendet. Die jungen Erwachsenen in Obwalden wählen vermehrt das Gespräch mit dem sozialen Umfeld. Diese Gespräche wurden bei der VOX-Analyse nicht als Auswahlmöglichkeit verwendet.
Informationsbeschaffung der jungen Obwaldner BürgerInnen vor nationalen Volksabstimmungen
3
1 Inhaltsverzeichnis
Abstract
1 Inhaltsverzeichnis 3
2 Einleitung. 4
3 Theorie 5
3.1 Sozialpsychologischer Ansatz 5
3.2 Sozialstruktureller Ansatz 6
3.3 Hypothesen. 7
3.4 Informationsquellen. 7
4 Empirische Untersuchung 9
4.1 Analyse zur Hypothese A. 9
4.2 Analyse der Hypothese B 11
4.3 Vergleich mit www.polittrends.ch / Daten des IPW 14
5 Fazit. 16
6 Methodenkritik 18
7 Schlusswort 18
8 Literaturliste. 19
9 Anhang 20
9.1 Genaue Analyse der Eingliederung 20
9.2 Umfrage 22
Informationsbeschaffung der jungen Obwaldner BürgerInnen vor nationalen Volksabstimmungen
2 Einleitung
In der Schweiz finden jedes Jahr ca. 4 Volksabstimmungen mit 2-3 Vorlagen statt. Oft sind diese Vorlagen sehr komplex formuliert und für die
Durchschnittsbevölkerung nur schwer verständlich. Aus diesem Grund investieren verschiedene Organisationen, Firmen und Parteien Geld in Informationsmittel, welche der Schweizer Gesellschaft helfen sollen diese komplexen Vorlagen besser zu verstehen
Doch wie sieht es mit den Jugendlichen aus, die gerade 18 Jahre alt geworden sind und sich das erste Mal mit einer Volksabstimmung auseinandersetzen. Wie informieren sich Jugendliche zwischen 18 und 20 Jahren? Immer wieder hört man, Jugendliche würden sich nicht für die Politik interessieren und nicht abstimmen gehen. Gerade für Jungwählerinnen und Jungwähler ist die spezielle Sprache, der sich die Politik bedient, oft neu und komplex zugleich. Man versteht erst mit zunehmendem Alter die Hintergründe und Thematiken hinter den Abstimmungen. Da Jugendliche jedoch auch abstimmen dürfen, stellt sich die Frage, welchen Informationsquellen Jugendliche sich bedienen um sich zu informieren, damit sie sich ihre Meinung bilden können. Diverse Fragen interessieren diesbezüglich. Durch welche äusseren Faktoren wird die Wahl der Informationsmittel beeinflusst? Spielt das Bildungsniveau, das persönliche Interesse oder sogar das soziale Umfeld eine Rolle? Diese Fragen werden in der vorliegenden Proseminararbeit bearbeitet. Damit eine empirische Untersuchung durchführbar war, wurde das Umfeld auf den Kanton Obwalden beschränkt. Die Empirie wird durch eine Umfrage erarbeitet und danach mit Daten der VOX-Analyse verglichen.
Informationsbeschaffung der jungen Obwaldner BürgerInnen vor nationalen Volksabstimmungen
3 Theorie
3.1 Sozialpsychologischer Ansatz
Die Sozialpsychologie wird heute als einflussreiche Theorie in der politischen Psychologie betrachtet. Sie befasst sich mit den Individuen einer Gesellschaft. Der Schwerpunkt ihrer Lehre liegt auf dem menschlichen Erleben und Verhalten in der Relation sozialer Interaktionen mit anderen Menschen in bzw. zwischen verschiedenen Gruppen. Die Sozialpsychologie wurde lange Zeit als Gebiet zwischen der Soziologie und der Psychologie betrachtet. Als Bereich, welcher die Wechselbeziehung zwischen Persönlichkeit und Gesellschaft bzw. zwischen Individuum und seinem sozialen Kontext untersucht. Durch verschiedenste Arbeiten wurde herausgefunden, dass die Sozialpsychologie viel eher eine individualistische Orientierung inne hat. 1
Die Grundlagenforschung der Sozialpsychologie hat Themen wie die soziale Kognition, Einstellungen, Aggressionen, Gruppenverhalten, Vorurteile und
Altruismus als Ziel. Einige dieser Teilbereiche sind für die politische Sozialpsychologie von grosser Wichtigkeit.
• Soziale Kognition: In diesem Grundlagengebiet wird betrachtet, wie sozial
wesentliche Informationen wahrgenommen, abgespeichert, organisiert und abgerufen werden. (Dabei sind Kategorien, Stereotypen und Prototypen wichtige Voraussetzungen.)
• Attribution: Dieser Teil der Sozialpsychologie befasst sich mit der
Ursachenforschung. Man versucht die Hintergründe der Bildung von bestimmtem Verhalten und dessen Auswirkungen näher zu bestimmen. • Einstellungen: Mit Einstellungen wird eine psychische Richtung bezeichnet,
die dadurch zum Ausdruck kommt, dass man ein bestimmtes Objekt mit einem gewissen Grad von Zuneigung oder Ablehnung bewertet (vgl. auch die Begriffe Wertvorstellung, Selbstwertgefühl und Vorurteile). Diese
1 SCHWARZ, Daniel (2009): Zwischen Fraktionszwang und freiem Mandat; Eine Untersuchung des fraktionsabweichenden Stimmverhaltens im schweizerischen Nationalrat zwischen 1996 und 2005. Norderstedt: Books on Demand GmbH (Dissertation), S. 16
Informationsbeschaffung der jungen Obwaldner BürgerInnen vor nationalen Volksabstimmungen
Einstellungen helfen uns z.B. bestimmte Ziele in unserem Leben zu
erreichen. 2
• Gruppenprozesse: Dieser Teilbereich beschäftigt sich mit dem Verhalten von
Individuen in Gruppen. Darüber hinaus Themen wie Konformität und Gehorsam, Meinungsbildung, Entscheidungsprozesse und Gruppenleistungen. 3
Auf die politische Psychologie übertragen, spielen folgende Faktoren eine wichtige Rolle: 1. Interesse für Politik 2. Einstellung zu bestimmten politischen Themen 3. Sympathie für eine bestimmte politische Partei 4
Die Sozialpsychologie ist wichtig um Erklärungen über die verwendeten Informationsmittel der Jugendlichen in Obwalden machen zu können. Wenn sich ein junger Erwachsener bzw. eine junge Erwachsene z.B. nicht für die Politik interessiert, wird er bzw. sie eher schlecht über die politischen Abläufe in der Schweiz informiert sein. Ob bei Jugendlichen ein Interesse für politische Fragen reifen kann, hängt massgeblich mit dem sozialpsychologischen Ansatz zusammen und dient deshalb als eine von zwei Grundlagetheorien dieser.
3.2 Sozialstruktureller Ansatz
Die zweite Grundlagentheorie für die vorliegende Arbeit beruht auf der sozialstrukturellen Theorie. Die Sozialstruktur einer Gesellschaft ist die Aufspaltung dieser in Grossgruppen. Diese werden wie folgt zusammengefasst: - soziale Lage - Status - Herkunft
2 FROMM, Erich (1999): Analytische Sozialpsychologie und Gesellschaftstheorie. Frankfurt a. M.: Suhrkamp Verlag, S. 37-57.
3 BIERHOFF, Hans-Werner und Frey Dieter (2006): Handbuch der Sozialpsychologie und Kommunikationspsychologie. Göttingen: Hogrefe Verlag GmbH, S 13 ff.
4 LINDER, Wolf (2005): Schweizerische Demokratie: Institutionen - Prozesse - Perspektiven. Bern: Haupt Verlag, S. 70 f.
Arbeit zitieren:
Lisa Imhof, 2009, Informationsbeschaffung der jungen Obwaldner BürgerInnen vor der nationalen Volksabstimmung - Gegen den Bau von Minaretten, München, GRIN Verlag GmbH
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