„Das Königreich Min – überflüssiges Chaos oder notwendiges Übel?“
„Grabinschriften aus der Zeit der Fünf Dynastien“
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 2
II. Das Erbe der Tang 3
III. Einigung und Zerfall unter den Wang Brüdern das Königreich Min 8
IV. Die Wiedervereinigung unter den Song 12
V. Schussfolgerungen 14
VI. Anhang:
A. Zur Person des Wang Shenzhi 15
B. Übersetzung: Grabinschrift der Renshi, Gattin
des Wang Shenzhi 16
C. Karte der Wu Dai-Zeit 19
VII. Literaturverzeichnis 20
1
I. Einleitung
Die chinesische Provinz Fujian gehört zu den wirtschaftlichen Gewinnern der chinesischen Öffnungspolitik. Sie gehört heute zu den größten Lieferanten für Tee, Gummi, Früchten und Fisch und ist besonders aktiv am Warenaustausch mit Taiwan beteiligt. Vor allem die fruchtbaren Flusstäler dienen der Provinz als Garant für den wirtschaftlichen Erfolg. Doch Fujian ist geographisch stark von seinen Nachbarn isoliert. Der von Bergen durchzogenen Provinz, gelang es erst in den letzten Jahrhunderten einen intensiven Binnenhandel aufzubauen. Da ist es nicht verwunderlich, dass sich die früheren Herrscher der Region auf den Außenhandel konzentrierten. Vor allem muslimische Kaufleute vertrieben dort ihre Waren und füllten ihre Schiffe mit Tee, Porzellan und Bronzestatuen. Anzeichen für diese Einflüsse lassen sich auch heute noch in Fujian finden. So befindet sich in Quanzhou, Fujians zweitgrößter Hafenstadt, die älteste Mosche auf dem chinesischen Festland und dient als Zeichen für den regen Handel mit arabischen Kaufleuten im 11. Jahrhundert. 1 Vor allem Tee wurde nach ganz Südostasien und dann auch nach Europa exportiert. Erst als die Briten Mitte des 19. Jahrhunderts anfingen Tee in Indien anzubauen, verlor die chinesische Provinz ihr Monopol auf dieses Produkt, dem sie sogar ihren Namen gegeben hat 2 . Erstmals wurde Tee in Fujian während der Tang Dynastie (618-907) angebaut und wurde bald darauf von ausländischen Kaufleuten in alle Welt verkauft. Doch nicht nur der Handel mit Tee war wegweisend für die heutige Entwicklung Fujians. Die Provinz hat sich seit der Tang Dynastie um einen intensiven Außenhandel bemüht. Auch die damaligen Herrscher förderten den Austausch mit Ausländern – nicht nur auf wirtschaftlichem Gebiet. Trotzdem sah sich die Region mit großen Herausforderungen konfrontiert als die Tang Dynastie zerbrach und das politische Chaos von nun an das Leben der Menschen bestimmte. Erstaunlich ist jedoch, dass gerade in dieser Zeit des Umbruchs, der Zeit der Fünf Dynastien (907-960), viele positiven Entwicklungen im Bereich der Wirtschaft und Kultur stattgefunden haben, die die fortwährende Geschichte Chinas geprägt haben. Vor allem in der heutigen Provinz Fujian, dem damaligen Königreich Min, blühte nicht nur der Außenhandel, sondern auch der Buddhismus. Trotz aller innerpolitischen Schwierigkeiten, schafften
1 Zur Geschichte Fujians siehe: Perkins
2 Tee wurde ursprünglich mit dem Wort „Lay“ bezeichnet und stammt aus dem Min-Dialekt, der in Fujian gesprochen wird. (Perkins)
2
es die Min-Herrscher wirtschaftliche und kulturelle Voraussetzungen zu schaffen, die einen Übergang zu der oft als Beginn der Moderne gesehenen Song Zeit (960-1279) erlaubten. Auch wenn die Zeit der Fünf Dynastien in vielen Geschichtsbüchern nur peripher als „Übergangszeit“ dargestellt wird, war diese Übergangszeit meiner Meinung nach ein wichtiger Bestandteil für die weitere Endwicklung Chinas im Allgemeinen und Fujians im Besonderen.
II. Das Erbe der Tang
Selbst wenn man nichts über China weiß, so hat man gewiss schon einmal von der glorreichen Tang Dynastie und den weltberühmten Gedichten die aus dieser Zeit stammen gehört. Meist wird die Tang Dynastie als weltoffene Zeit der kulturellen Blüte beschrieben, die zudem wirtschaftlich florierte. Aber die Tang Herrscher hatte gleichzeitig auch mit vielen unterschiedlichen politischen Strömungen zu kämpfen, die sie schussendlich nicht mehr zusammenhalten konnten – das Reich zerfiel. Doch die Tang setzten Standards die entscheidend für die zukünftige Entwicklung Chinas waren.
Das Reich der Tang wurde zentralistisch verwaltet und wurde bestimmt durch das Prinzip der Erbfolge. Aristrokatenfamilien besetzten üblicherweise hohe Regierungsposten und bestimmten ihre Abkömmlinge zu ihren Nachfolgern. Beamtentitel konnten zwar auch durch ein Bestehen der kaiserlichen Prüfung 3 erlangt werden, jedoch war dies eher die Ausnahme. Mehrheitlich 4 setzten die Tang Herrscher auf die Unterstützung der mächtigen Adelsfamilien die sie an die Macht gebracht hatten. Und aus dieser Schicht rekrutierten sie auch ihre Beamten. Doch nicht nur der Verwaltungsapparat war diesem Prinzip der Erfolge unterworfen. Auch das Militär 5 war von diesem System geprägt. So war es zum Beispiel für Offiziere und Kommandanten allgemein üblich, sich ihre leitenden Offiziere selbst auszuwählen. Diese wurden dann aufgrund ihrer Beliebtheit zu einem Rang erhoben und konnten diesen dann weitervererben. Diese Praxis ist nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, dass die Armee damals aus Teilzeit-Soldaten bestand und
3 Die Prüfung wurde vom Kaiser persönlich geleitet und bestand hauptsächlich daraus, konfuzianische Klassiker zu interpretieren.(Tang)
4 Eine Ausnahme war hier die Kaiserin Wu Ze Tian, die von 690 bis 705 herrschte. Sie entschied sich bewußt für erfolgreiche Prüflinge, um wichtige Posten zu besetzen. Cottrell sieht darin den Versuch die mächtigen Adelsfamilien zu schwächen, die ihrer Herrschaft entgegenwirkten.
5 Das Militär war zu dieser Zeit nicht nur wichtig, weil es die Sicherheit der Grenzen gewährleistete, sondern verwaltete in vielen Regionen auch Länderein und erlangte daher großen Einfluss in manchen Gebieten.
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größtenteils von Zivilpersonen gestellt wurde. 6 Vor allem Bauern die in der Nähe der Grenzen lebten und ihre Felder bestellten, wurden für die Infantrie rekrutiert 7 – schliesslich ist ein Mann, der sein eigen Hab und Gut verteiligt wesentlich motivierter, als ein bezahlter Berufssoldat. Doch wirklich zufrieden waren die Tang Herrscher mit diesem System wohl nicht. Der Kaiser Tai Zong (626-49) war sich bereits darüber im Klaren, welche Gefahren das Militär, sowie die großen Adelsfamilien für seine Regentschaft bedeuten könnten. Er versuchte, die Machtverhältnisse zu kippen, und durch eine Förderung des Prüfungssystems eine auf Können basierende Beamtenschicht zu erschaffen. Dieses Vorhaben missglückte ihm aber langfristig. Zur Mitte der Tang Zeit hatten lediglich 15 Prozent 8 der Beamten ihren Titel durch eine staatliche Prüfung erlangt. Die Adligen und Militäroffiziere setzten sich durch und führten das Prinzip der Erbfolge weiterhin fort. Arthur Cottrell schreibt zu der recht willkürlichen Offizierernennung: „It was a practice that the Tang Court disliked but dared not alter.“ 9
Finanziert wurde dieser Beamtenstaat zunächst durch eine Kopfsteuer, d.h. eine Steuer die pro Person in Form von Getreide, Fronarbeiten und Textilien 10 entrichtet werden musste. Durch das „equal-land-system“ 11 wurden die Anbauflächen in gleich große Parzellen unterteilt und an die Bauern auf Lebenszeit (entsprechend der Anzahl der männlichen Familienangehörigen) 12 vergeben. Zudem hatten die Bauern eigene Grundstücke, auf denen sie dann z.B. Seide oder Hanf anpflanzten. Gewisse Ländereien unterlagen jedoch nicht oder nur teilweise diesem Tribut- und Steuersystem, wie z.B. Klostergüter oder Beamtenland. Große Familienklans, Adelige und religiöse Gemeinschaften besaßen große Ländereien, die nicht vom Staat besteuert werden konnten und profitierten daher von dieser Ausnahmeregelung. Und der Staat, der durch die Einführung des „equal-landsystems“ auf ein regelmäßiges Steuereinkommen hoffte, nahm immer weniger Steuern ein. Durch korrupte Beamte verschwanden ganze Familien aus den Registern, die für eine genaue Berechnung der Steuern notwendig waren. Zudem übten reiche Adelige mit privaten Darlehen an Bauern Druck auf diese aus und
6 Siehe hierzu: Tang
7 Gernet
8 Fairbank, S. 94
9 Cottrell, S. 155, Z. 21
10 Je nach Region zählten Seide oder Hanftücher zu den Tributleistungen.
11 Tang
12 Grundstücke auf Lebenszeit wurden nicht an Alte, Kranke, Witwen, Händler, Handwerker , Nonnen oder Mönche vergeben.(Gernet, S. 209)
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Quote paper:
Anja Schmidt, 2003, Das Königreich Min, Munich, GRIN Publishing GmbH
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