1. Einleitung 3
1.1. Problemdarstellung 4
1.2. Zielsetzung und Hypothese 5
1.3. Organisation der Arbeit 5
2. Literaturüberblick 6
3. Methodik und Daten 7
4. Soziale Disparitäten in Brasilien 8
5. Blockade der Politik 9
6. MST als Ergebnis der Abwesenheit von politischer Konsensbildung 11
7. Schlussfolgerungen 13
Literaturliste 15
2
1. Einleitung
Brasilien. Spricht man als Westeuropäer von diesem Land, denken die meisten Menschen wohl zuerst an Fußball, Samba und Favela. Doch ein genauerer Blick lohnt sich. Denn im Zuge des wirtschaftlichen Aufstrebens von Brasilien, Russland, Indien und China (sog. BRIC-Staaten) wurde das Hauptinteresse stets dem „gelben Riesen“ geschenkt. China war für den deutschen Außenhandel wesentlich attraktiver, denn es lockte die Aussicht auf einen riesigen, wachsenden Absatzmarkt. Dadurch sind die wirtschaftlichen Fortschritte in der Entwicklung Brasiliens für die breite Masse beinahe unbemerkt geblieben. In den Jahren 1968 bis 1975 erfolgte der Aufstieg zur Musterwachstumsökonomie Südamerikas. In dieser Zeit hatte das Militär die Regierung übernommen und ein Staats-und Wachstumsprogramm initiiert, das eine staatsgestützte und -gesteuerte importsubstituierenden Industrialisierung 1 vorsah. 2 Im Zuge der Verschuldungskrise der 1980er Jahre stiegen die Zinsen rasant an, was das gesamte brasilianische Wirtschaftssystem aushebelte und schließlich ganz Südamerika in die Stagnation führte. Aufgrund der staatlichen Subventionen für die heimische Industrie und die Abschottung gegen den Weltmarkt, hatte die heimische Industrie keinen Zwang Güter zu produzieren, die auf dem Weltmarkt konkurrieren konnten. Deshalb waren brasilianische Güter von mangelhafter Qualität. 3 Des Weiteren führte die extreme Förderung der Industrie und die gleichzeitige Vernachlässigung der anderen Wirtschaftssektoren, z: B. die Landwirtschaft zu großen Einkommensungleichheiten. Erst durch die Redemokratisierung 1988 und durch wirtschaftliche Reformen der Regierung unter Präsident Cardoso konnte Brasilien in den 1990er Jahren aus der Krise geführt werden. 4 Trotz alledem sind die sozialen Unterschiede nach wie vor groß, da die Masse der Bevölkerung im ländlichen Raum am Wachstum kaum partizipieren konnte.
1 Das Modell der staatsgestützten und -gesteuerten importsubstituierenden Industrialisierung wurde in
Brasilien entwickelt, um sich gegen billige Importe aus dem Ausland abzuschotten und somit die
Binnenwirtschaft zu stärken. Dabei wird die im Land ansässige Industrie subventioniert und gefördert,
während gleichzeitig die Importzölle erhöht werden. Nach dem Militärputsch von 1964 wurden die
gestiegenen Kosten durch ausländisches Kapital gestützt, was die gesamte Wirtschaft abhängig von
fremden Kapitalflüssen machte. Vgl. dazu Boeckh, A., Gigant, 2003, S. 61.
2 Vgl. dazu Kohlhepp, G., Schwellenland, 2003, S. 13.
3 Vgl. dazu Boeckh, A., Gigant, 2003, S. 62.
4 Durch den Plano Real, dem Programm zur Stabilisierung der brasilianischen Währung, konnte 1994 die
galoppierende Inflation beendet werden, was als Voraussetzung für sämtliche Reformen der Cardoso-
Regierung gilt. Vgl. dazu Boeckh, A., Gigant, 2003, S. 67.
3
Von der Wahl des Gewerkschaftsführers Luiz Inacio Lula da Silva (genannt Lula) 2003 zum Präsidenten versprach sich besonders die arme Bevölkerung des Landes sehr viel. Zum ersten Mal in der Geschichte Brasiliens war eine linke Partei an der Macht und stellte den Präsidenten. Doch zur Überraschung vieler hat Lula die Wirtschaftspolitik seines Vorgängers fortgesetzt. „Denn Lula war klar, dass Wachstum mit Inflation - wozu seine Koalition ihn gerne überredet hätte - gerade den Armen Brasiliens schaden würde.“ 5 Und die Armen sind Lula‘s Wähler. Wirtschaftliche Eliten hatten zuvor 15 Jahre lang versucht, die Wahl Lula‘s zu verhindern, da die Befürchtung groß war, eine linke Regierung würde den Arbeiter bevorzugen und die Arbeitgeber und Unternehmen benachteiligen. Mittlerweile hat Lula sogar eine zweite Amtszeit abgeschlossen und seine Leiterin des Präsidialamtes Dilma Roussef wurde erst kürzlich zu seiner Nachfolgerin gewählt - trotz des Widerstands der verschiedenen wirtschaftlichen und konservativen Gruppen des Landes. 6 Dies zeigt auch die Problematik der politischen Führung des Landes auf: Die wirtschaftliche Kraft des Landes ist fast ausschließlich auf den Südosten des Landes mit seinem Motor Sao Paulo fokussiert. Die Wohlstandsverteilung ist höchst verschieden, so liegt der Nordosten des Landes Jahrzehnte hinter der Entwicklung des Südostes zurück. 7 Regionale Eliten schirmen sich gegen den Einfluss des Bundes regelrecht ab und das Steuersystem ist so komplex, dass fast alle Unternehmen Abgaben an den Staat und den Bund entrichten, wobei sie nicht einmal selbst wissen, wie die jeweiligen Sätze berechnet werden. 8
1.1. Problemdarstellung
Die obigen Ausführungen zeigen, dass der brasilianische Staat eine industrie- und arbeitgeberfreundliche Politik betreibt. Die Mehrzahl der Bürger, insbesondere die Arbeiter, Kleinbauern und Landlosen sehen sich teilweise ineffizienten Sozialpolitiken gegenüber. Ihre Lebensgrundlagen sind verletzlich und sie sind in der Regel arm. An dieser Stelle gewinnt die Entwicklungszusammenarbeit an Bedeutung. Unternehmen, ausländische und inländische Nichtregierungsorganisationen (NROs) und der brasilianische Staat selbst nutzen ihre Kanäle und Ressourcen, um die Entwicklung in Brasilien voranzutreiben.
5 Busch, A., Wirtschaftsmacht, 2009, S. 154.
6 Vgl. dazu ebd., S. 156.
7 Vgl. dazu Neuburger, M., Armutsgruppen, 2003, S. 171 ff.
8 Vgl. dazu Boeckh, A., 2003, S. 59 ff.
4
Aufgrund der föderalen Struktur des Landes und der starken Autonomie der Einzelstaaten ist es jedoch schwierig, nationale Strategien durchzusetzen. Die daraus resultierenden politischen Handlungshemmnisse behindern die Umsetzung von staatlichen Entwicklungsstrategien, die insbesondere auf eine Armutsreduzierung abzielen.
1.2. Zielsetzung und Hypothese
Ziel der Arbeit soll es sein, anhand einer exemplarisch gewählen NRO und staatlicher Programme die brasilianische Entwicklungszusammenarbeit zu beleuchten und der Frage nachzugehen, inwiefern die politischen und sozioökonomischen Bedingungen die Entwicklung Brasiliens hin zu einer geringeren Einkommensdisparität behindern. Die Hypothesen lauten: (1) Die föderale Staatsstruktur Brasiliens blockiert eine breit angelegte nationale Entwicklungspolitik. (2) Aufgrund dieses politischen Vakuums ü b e r n i m m t d i e Z i v i l g e s e l l s c h a f t ( b e i s p i e l s w e i s e i n F o r m v o n Nichtregierungsorganisationen) Aufgaben des Staates im Bereich der sozioökonomischen Entwicklung der armen brasilianischen Bevölkerung.
Die Hausarbeit zielt zuerst darauf ab die Ursachen für die mangelnde Involvierung des Staates in die Entwicklungspolitik zu beschreiben. Das Hauptaugenmerk der Arbeit liegt auf der Darstellung der Arbeit der Zivilgesellschaft - wie nimmt sie die Arbeit der Regierung wahr und wie versucht sie Lücken zu schließen?
1.3. Organisation der Arbeit
Nach einem kurzen Überblick über den Forschungsstand sollen die Methodik und die Instrumente vorgestellt werden, die in dieser Arbeit verwendet werden. Eine Lagefeststellung über die sozialen Disparitäten und Probleme des Landes bilden die Grundlage für die Analyse der Politik- und Governance-Probleme. Danach soll anhand eines Fallbeispiels gezeigt werden, wie NROs (nach mittel- und nordeuropäischem Verständnis) staatliche Aufgaben wahrnehmen und erfüllen, um so die der Arbeit zugrunde liegende Hypothese bearbeiten zu können.
5
Arbeit zitieren:
Christoph Blepp, 2010, Blockaden und Disparitäten?, München, GRIN Verlag GmbH
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