1. Einleitung 3
2. Forschungsstand 4
3. Begriffe, Kriterien und Instrumente 5
3.1. Säkularisierung 5
3.2. Religion und Politik 6
3.3. Der Religionsmonitor 6
4. Methodische Vorgehensweise 7
5. Der Katholische Katechismus 7
5.1. Geschichte des Katechismus 8
5.2. Der Katholische Katechismus von 1992 und 2005 8
6. Bürgerliche Interessengruppen und christliche Werte 10
6.1. Bürgerliche Interessengruppen und ihre Inhalte 10
6.1.1. BUND. Freunde der Erde 11
6.1.2. Amnesty International Deutschland 11
6.1.3. Verein für Sozialarbeit München 11
6.2. Korrelation zwischen Katholischem Katechismus und Bürgerlichen Interessengruppen 12
7. Zusammenfassung 14
Literaturverzeichnis 16
2
1. Einleitung
Die Zivilgesellschaft als Bedeutung für den Fortbestand und die Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft hat seit langem größere Aufmerksamkeit in Wissenschaft und Politik gefunden. Trotz sinkender Wahlbeteiligungen und angeblicher Politikverdrossenheit finden sich immer mehr Menschen in Deutschland in Verbänden und Gruppen zusammen, durch die sie ihre politischen Ansichten am besten vertreten fühlen und in denen sie aktiv am politischen und gesellschaftlichen Diskurs beteiligt sind. Bürgerliche Interessengruppen, 1 die erheblichen Einfluss auf den politischen Willensbildungsprozess ausüben, haben in ihrer Zahl und organisatorischer Ausprägung in den letzten vierzig Jahren erheblich zugenommen. 2 Menschen glauben an eine Sache, für die sie sich einsetzen und durch die sie sich - subjektiv betrachtet - einem höheren Ziel zugehörig fühlen können. Eingebettet in ein westliches, positives Rechtssystem, werden so menschlich-moralische Tugenden wie Mitgefühl oder Verantwortung für Mitmenschen und Umwelt praktiziert. Vor allem in westlich-demokratischen Gesellschaften werden diese Werte internalisiert und ggf. konserviert. Solche demokratische Verfahren scheinenfunktional gesehen - eine Methode zur Erzeugung von Legitimität und Legalität in einer westlichen Gesellschaft zu sein, da die Partizipation zur Debatte und die Debatte zum Konsens führt. Daraus ergeben sich wiederum neue Werte (oder bestehende Werte werden gefestigt) und Regeln, nach denen die Menschen dann handeln. 3 Wozu also noch Religion? Wir leben in einem säkularisierten Staat - hat der heilige Stuhl noch Einfluss auf die deutsche Politik und wenn ja, ist diese Einflussnahme überhaupt notwendig? Sei es Abtreibung, Umweltschutz, Gentechnik, Erziehung oder Ethik: Überall scheint sich die Kirche in das politische Leben einzumischen. In Zeiten der offenbar religiös motivierten Konflikte und rückgängigen Mitgliederzahlen der katholischen und evangelischen Kirche in Deutschland wirft sich die Frage nach der vollständigen Säkularisierung von Politik und Religion auf. Ob politische Herrschaft noch auf religiöse Überlieferungen angewiesen ist und ein pluralistisches Gemeinwesen über einen bloßen modus vivendi hinaus zu stabilisieren ist, ist die Frage, die sich vielen Menschen heutzutage stellt. In den letzten Jahren ist die totgeglaubte Religion in den westlichen Gesellschaften wieder in die Öffentlichkeit zurückgekehrt; die Forschung beschäftigt sich
1 Bürgerliche Interessengruppen sind hier „dauerhaft organisierte, in der Regel auf freiwilliger Mitgliedschaft basierende Zusammenschlüsse [...] gesellschaftlicher Gruppen mit dem Zweck, nach außen gemeinsame unterdessen zu artikulieren [...]. Sie vermitteln ihre Interessen [...] durch direkte oder indirekte Formen der Einflussnahme [...]. Dies geschieht durch personelle Kontakte und Verflechtungen mit staatlichen Akteuren und anderen Interessengruppen, der Bereitstellung von Fachwissen durch Expertisen, Gutachten und Stellungnahmen sowie durch öffentliche Kampagnen und Demonstrationen [...]. Trampusch, C., Interessengruppen, 2010, S.424.
2 Vgl. dazu Schreyer, B., Grundkurs, 2005, S. 61.
3 Vgl. dazu Pappi, F., Wertewandel, 2010, S. 1222 ff.
3
wieder verstärkt mit der Säkularisierungsthese und die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Politik und Religion wird wieder gestellt. Dazu geht das Gespenst der Islamisierung Europas um. Durch die islamischen Migrationsgruppen, die ihren Glauben in den Staaten Europas ausüben, fühlen sich viele Menschen geängstigt. Rechtskonservative fordern die Rückkehr zum christlichen Glauben, um ein Bollwerk gegen die verstärkte Einflussnahme der in Deutschland und Europa lebenden Muslime zu errichten. Doch ist es um den christlichen Glauben und die christlichen Werte, die das europäische Abendland über Jahrhunderte geprägt haben, so schlecht bestelltund ist europäisch-westliche Politik, respektive Politik durch bürgerliche Interessengruppen, ohne Religion praktizierbar?
Diese Fragestellung soll anhand verschiedener Daten der Religionsmonitore 2008 und 2009 und Programmen bürgerlicher Interessengruppen überprüft werden. Die die Arbeit anleitende These dazu lautet:
Inhalte und Beteiligung bürgerlicher Interessengruppen in westlichen Gesellschaften sind maßgeblich abhängig vom Wertesystem, dem der christliche Glaube zu Grunde liegt. Somit ist Politik ohne Religion nicht praktizierbar.
Dieser These soll im Folgenden nachgegangen werden. Dazu werden zunächst die in der Arbeit verwendeten Begriffe und Konzepte, sowie die angewandten Datensätze definiert und voneinander abgegrenzt und die Geschichte des christlichen-katholischen Glaubens 4 im deutschen Rechtssystem betrachtet, um dann die die Arbeit anleitende These anhand der verwendeten Daten zu überprüfen und auszuwerten. Der katholische Katechismus von 1992 soll als Leitwerk der praktizierten katholischen Religion dienen, anhand dessen Aussagen über politische Debatten der Gegenwart als Beispiele für christlich geprägte bürgerliche Interessengruppen anschließend angeführt werden.
2. Forschungsstand
Über Jahrzehnte hinweg wurde das Verhältnis von Religion und Moderne von Sozialwissenschaftlern als zumindest spannungsvoll dargestellt. Sei es Auguste Comte, der voraussah, dass eine auf Fakten gegründete Wissenschaft die religiösen Wirklichkeitsvorstellungen komplett ersetzen sollte, 5 Émile Durkheim, der die
4 Hier wird grundsätzlich der katholische Katechismus von 1992 als Leitwerk des katholischen Glaubens verwendet. Die geschichtliche Betrachtung des Christentum dient der Vervollständigung und Vermittlung der Struktur der römisch-katholischen Religion. Auf die Reformation und ihre Auswirkungen auf die bürgerliche Gesellschaft wird in dieser Arbeit nur am Rande eingegangen.
5 Vgl. dazu Bock, M., Auguste Comte, 2006, S. 40 ff.
4
Zusammenhaltskraft der Religion in der modernen Gesellschaft anzweifelte, 6 oder Max Weber, der die Ablösung der Religion durch die Herrschaft der kapitalistischen Ordnung prophezeite - in allen Fällen wurden Religion und Moderne als inkompatibel beschrieben. In den letzten Jahren hat sich die Forschung jedoch wieder verstärkt mit Religion beschäftigt. Dabei wird der Zusammenhang zwischen Modernisierung und Säkularisierung öfter in Frage gestellt. Die Einwände gegen die Säkularisierungstheorie kommen aus unterschiedlichen Richtungen. Zum einen wird die nach wie vor hohe Relevanz der Religion auf gesamtgesellschaftlicher Ebene mit dem Begriff der
Zivilreligion umschrieben, die die veränderte Gestalt der Religion im Alltagsleben berücksichtigt. Die sog. Individualisierungsthese nimmt Rücksicht auf die veränderte Struktur der postmodernen Gesellschaft und postuliert einen Aufschwung außerkirchlicher, synkretistischer Religiosität, trotz des Bedeutungsrückganges der institutionalisierten Kirchen. In der Sozialkapitalforschung gewinnt das Thema Religion immer mehr an Bedeutung. Besonders in Nordamerika, aber auch zunehmend im deutschsprachigen Raum, wird das sozialintegrative Potential von Religion erneut aufgenommen und untersucht. 7
Der entsprechend moderne Religionsbegriff muss daher erheblich vieldeutiger ausgedrückt werden und drückt in der Regel einen normativ strukturierten Komplex aus, der aus Verhaltensweisen und Ideen bestimmt ist, welche einen gemeinsamen Bezug zu einer übernatürlichen Wirklichkeit haben. Die Sakralisierung sozialer Sachverhalte ist bei dieser Begriffsgebung von zentraler Bedeutung. 8
3. Begriffe, Kriterien und Instrumente
Zunächst müssen die Begriffe, die in dieser Arbeit verwendet werden, definiert werden. Die bereits im Forschungsstand thematisierten Begriffe Säkularisierung und den Zusammenhang zwischen Politik und Religion gilt es voneinander abzugrenzen und genau festzulegen, um so eine trennscharfe Argumentation zu gewährleisten.
3.1. Säkularisierung
Der Begriff der Säkularisierung beschreibt „die weltliche Ablösung der politischen Ordnung von ihrer geistig-religiösen Bestimmung, die zu einer formal-rechtlichen Trennung von
6 Vgl. dazu Kippenberg, H., Émile Durkheim, 1997, S. 103 ff.
7 Vgl. dazu Putnam, R., Bowling Alone, 2000, S. 20 ff. und Campbell, D., Religion, 2003, S. 87 ff.
8 Vgl. dazu Gebhard, J., Religion und Politik, 2010, S. 914 ff.
5
Arbeit zitieren:
Christoph Blepp, 2010, Politik der christlichen Werte, München, GRIN Verlag GmbH
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