II
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Merkmale der Substantivkomposita 2
2.1 Strukturelle Merkmale 2
2.2 Produktivität 3
3. Grundlegende Bemerkungen zu den Texten
Benjamin von Stuckrad-Barres 4
3.1 Biographie 4
3.2 Beobachtungen zur Verwendung von Komposita 5
4. Strukturanalyse der Komposita bei Benjamin
von Stuckrad-Barre 7
4.1 Zweigliedrige Komposita 7
4.2 Dreigliedrige Komposita 7
4.3 Viergliedrige Komposita 9
4.4 Komposita mit fünf und mehr Gliedern 10
5. Zusammenfassung 11
Literaturverzeichnis 12
Anhang: Übersicht der gefundenen Komposita
in Deutsches Theater und Remix 13
1
1. Einleitung
„Die aktuellen Kenntnisse […] mussten ihn auch nicht gleich dazu verführen, gewagte Verben wie ‚hühnern’ zu kreieren […] und dem Lektorat einen ‚bestaussehendsten’ unterzujubeln. Das gibt sich mit den Jahren, könnte ich glatt ‚jovialen’. 1 In diesem Satz aus einer Kritik zum Roman Soloalbum 2 spiegelt sich das Verhältnis des Journalisten und Schriftstellers Benjamin von Stuckrad-Barre zur Wortbildung des Deutschen wieder, er liebt es, damit zu spielen. Die im oben aufgeführten Zitat vorkommenden Phänomene möchte ich hierbei allerdings nicht in den Mittelpunkt stellen, da das literarische Werk Stuckrad-Barres vergleichsweise wenig hergibt, verglichen mit den im „gedrechselten Stil“ 3 geschriebenen journalistischen Texten, die wesentlich mehr Material bieten. Besonders ins Auge fallen hierbei die vielen, ad hoc gebildeten Komposita, die Verwendung finden, und die in dieser Arbeit im Mittelpunkt stehen sollen. Hierbei hat sich der 2001 erschienenen Sammelband Deutsches Theater 4 als besonders reich an Komposita erwiesen, die im Band Remix 5 zusammengestellten Texte enthalten wesentlich weniger Komposita und werden nur gelegentlich zu Untersuchungen der Entwicklung des Stils herangezogen.
Nach Auswertung der gefundenen Belege (in Deutsches Theater) wurde dann das Untersuchungsgebiet nochmals auf den Bereich der Substantivkomposita beschränkt, da sich unter 116 Belegen lediglich drei nicht-substantivische Komposita fanden.
Zu Beginn erfolgt ein kurzer allgemeiner Blick auf die Bildung der Komposita im Deutschen. Daran schließt sich ein kurzer Überblick über das Werk Stuckrad-Barres und Betrachtungen zur Verwendung von Komposita in seinen Texten an. Danach schließt sich eine Untersuchung der in den Texten gefundenen Komposita unter strukturellen Aspekten an.
1 Otto, Ralph: Onanie in den Nordseedünen. In: Xcentric. Kassel 1998.
2 Stuckrad-Barre, Benjamin von: Soloalbum. Köln 1998.
3 Marquardt, Volker: Postpubertäre Würstchenwelt. Die tageszeitung 15./16.08.1998.
4 Stuckrad-Barre, Benjamin von: Deutsches Theater. Köln 3 2002.
5 Ders.: Remix. Texte 1996-1999. Köln 1999.
2
2. Merkmale der Substantivkomposita
2.1 Strukturelle Merkmale
Als Komposita werden Wörter bezeichnet, die wiederum aus mindestens zwei wortfähigen Konstituenten bestehen, dass heißt, beide Teile können auch allein als Wort verwendet werden. Auch können beide Teile ihrerseits Komposita sein, so dass die Anzahl der einzelnen Konstituenten der gesamten Konstruktion durchaus höher sein kann. Man geht allerdings bei der Strukturanalyse davon aus, dass Komposita immer binär angelegt sind und sich somit in zwei Konstituenten unterteilen lassen, wobei die Konstituenten ihrerseits dann wieder binär zerlegt werden können. 6 Somit ergeben sich drei Grundmuster der Verzweigung:
Rechtsverzweigung ist die zweite Konstituente weiter zerlegbar, bei der Rechts-Links-Verzweigung sind beide Konstituenten Komposita.
Dieses Modell gilt für die Gruppe der Determinativkomposita, bei denen durch die Reihenfolge der Konstituenten (auch Bestimmungswort und Grundwort genannt) festlegt, welche Bedeutung durch die andere näher beschrieben wird. So wird bei Güterzug etwa durch die erste Konstituente (das Bestimmungswort), Güter, die Art des Zuges beschrieben (im Gegensatz zu z.B. Reisezug). Die Reihenfolge der Konstituenten ist festgelegt, eine Änderung würde auch eine Veränderung der Bedeutung mit sich bringen, etwa bei Reisezug und Zugreise. 7 Den Determinativkomposita gegenüber stehen als zweite Gruppe die Kopulativkomposita. Als solche werden Verbindungen zweier Glieder der gleichen
6 Vgl. DUDEN Grammatik, S. 432.
7 Vgl.: ebd., S. 482.
3
Bezeichnungsklasse bezeichnet, in denen beide Konstituenten einander gleich geordnet sind und beliebig miteinander vertauscht werden können, ohne dass sich eine Änderung in der Bedeutung ergibt, z.B. Hosenrock. 8 Die grammatische Einordnung des Kompositums nach Wortart, Genus etc. wird durch die entsprechenden Eigenschaften des Grundworts festgelegt. Im Gegensatz zu anderen Sprachen, wie etwa dem Englischen werden Komposita im Deutschen immer zusammen geschrieben. 9 In der gesprochenen Sprache werden die beiden Teile des Kompositums unter einem Intonationsbogen verbunden, wobei der Hauptakzent auf dem vorderen Teil, der „merkmalangebend und dadurch informativ wichtig“ 10 ist, der Nebenakzent auf dem hinteren Teil, der die „begriffliche Oberklasse“ 11 angibt. 12
Es ist nicht sicher, auf welche Konstruktionen sich Komposita zurückführen lassen. Die Bildungen können zwar durch eine Paraphrase inhaltlich umschrieben werden, also etwa: Ein Personenzug ist ein Zug, der zum Transport von Personen verwendet wird, die Bedeutung ist aber vielfach „mit der vergleichbaren syntaktischen Fügung nicht ganz identisch“, 13 vor allem wenn Bezeichnungen in den allgemeinen Sprachgebrauch übernommen werden und dabei die Bedeutung des Kompositums enger ist, als die Bedeutung der Umschreibung, so ist zum Beispiel eine Erbsensuppe eine Suppe, die Erbsen enthält, aber nicht jede Suppe, die Erbsen enthält ist eine Erbsensuppe. Manche Konstruktionen sind mittlerweile auch als feste Fügung in den Wortschatz aufgenommen und lassen sich auf diese Art gar nicht mehr beschreiben. 14
2.2 Produktivität
Aufgrund der Tatsache, dass Substantive fähig sind Komposita mit allen Wortraten als Erstglied zu bilden ist es nicht weiter verwunderlich, dass etwa zwei Drittel des deutschen Wortschatzes aus Substantivkomposita bestehen. Davon entfallen etwa 80% auf die Verbindung von substantivischem Erst- und Zweitglied, also auf Bildungen mit der gleichen Wortart. Ein Phänomen, das bei adjektivischen und
8 Vgl.: ebd., S. 481.
9 DUDEN Grammatik, S. 432 f.
10 Wellmann: Morphologie der Substantivkomposita, S. 5.
11 ebd.
12 Vgl. Wellmann: Morphologie der Substantivkomposita, S. 5 sowie DUDEN Die Grammatik, S. 433.
13 Wellmann: Morphologie der Substantivkomposita, S. 5.
14 vgl. DUDEN Grammatik, S. 434 f.
Arbeit zitieren:
Sascha Schmitt, 2003, Analyse der Verwendung von Substantivkomposita bei Benjamin von Stuckrad-Barre, München, GRIN Verlag GmbH
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