Inhaltsverzeichnis
1. Theoretische Grundlagen
1.1 Interesse und Rechtschreibleistung S.3
1.2 Rechtschreibentwicklung 5
1.3 Entstehung von Regelwissen 6
1.4 Grundwortschätze und individueller Wortschatz 7
2. Methodik: Individuelle Rechtschreibkartei
2.1 Aufbau der Rechtschreibkartei 8
2.2 Üben mit der Rechtschreibkartei 9
2.2..1 Einprägen von Wortbildern
2.2..2 Systematische Erarbeitung von Rechtschreib-Regeln
3. Bezug zum Lehrplan S.10
3.1 Interessenbezogenes Rechtschreiben in Jahrgangsstufe 1 und 2
3.2 Interessenbezogenes Rechtschreiben in Jahrgangsstufe 3
3.3 Interessenbezogenes Rechtschreiben in Jahrgangsstufe 4
4. Diskussion zur Individuellen Rechtschreibkartei 11
4.1 Nachteile der Individuellen Rechtschreibkartei
4.2 Vorteile der Individuellen Rechtschreibkartei
5. Literaturverzeichnis S.13
2
1. Theoretische Grundlagen
1.1 Interesse und Rechtschreibleistung
Der Begriff Interesse wird in der Pädagogik diskutiert seit Rousseau. Dieser hat das Kind als aktives Wesen gesehen. Später wurde Interesse relevant u. a. bei Herbart, Dewey und Kerschensteiner. Nachdem der Behaviorismus die Diskussion um Interesse verbannte, hat sie Schiefele (1974) wiederentdeckt mit dem Wunsch nach veränderten Motivationstheorien. 1
Interesse wird definiert als Person-Gegenstands-Konzeption und die Forschung will herausfinden welchen Einfluss Interesse auf die Schulleistung hat. Im Gegensatz zu Herbart, der Interesse als Ergebnis von Erziehung angesehen hat, beschreiben Dewey und Schiefele Interesse als Voraussetzung und Ziel des Lernens. 2 In der Schule wird die Anbahnung von Interessen oftmals vernachlässigt, obwohl es deren Aufgabe ist, Angebote zur Interessenentwicklung zu geben. Um Interessen aufrechtzuerhalten, müssen drei Komponenten berücksichtigt werden: „Kognition, Emotion, Wertbezug“. 3
Die erste Komponente erfolgt durch eine Wissenserweiterung aufgrund einer kognitiven Diskrepanz, d. h. bisherige Erklärungsmuster reichen nicht mehr aus um neue Informationen erarbeiten zu können. Dies ist sodann eine Bedingung für die emotionalen Komponenten, nämlich, dass sich Freude oder Staunen über einen bestimmten Gegenstand einstellen kann. Das dritte Merkmal bezieht sich auf die individuelle Wertehierarchie, welche die Bevorzugung von bestimmten Handlungen veranlasst. Für die Schule bedeutet dies, dass man Unter- und Überforderung vermeiden muss und Schüler Aufgaben mit einer mittleren kognitiven Diskrepanz brauchen. 4
Untersuchungen nach Hoffmann/Lehrke (1986) zeigen, dass die Unterrichtsart eine große Rolle bezüglich der Interessenentwicklung spielt. Hoffmann/Lehrke untersuchten das Interesse an Physik und stellten fest, dass das Interesse an Physik mit Beginn des Physikunterrichts abnimmt. Die Untersuchungen von Schiefele und
1 Vgl. Richter: Interessenbezogenes Rechtschreiben, S. 17
2 Vgl. ebd., S. 18
3 Ebd., S. 19
4 Vgl. ebd., S. 18f
3
Krapp zum Zusammenhang von Interesse und Schulerfolg können diese Abnahme von Interesse bestätigen. Der Zusammenhang zwischen Interesse und Schulerfolg liegt bei r=.30, ist bei Jungen höher als bei Mädchen und steigt im Verlauf der Schulzeit an. 5
Es stellt sich also die Frage, wie man Unterricht gestalten muss, dass Interessen nicht abnehmen, sondern gefördert werden. Krapp hat zudem herausgefunden, dass „von Interesse geleitete Lernerinnen und Lerner“ 6 Lernstrategien entwickeln und nutzen und somit effektiver lernen.
Allerdings können Lehrer Interessen nicht erzwingen oder herstellen wie Werkzeuge, sondern man kann lediglich die familiäre und schulische Lernumgebung so gestalten, dass sie die Interessen der Kinder fördern bzw. neue Interessen entwickeln. Die Schulpädagogik und die Fachdidaktik haben somit zur Aufgabe an den Interessen der Kinder anzuknüpfen. 7
Analysiert man den Spracherwerb bei Kindern, so stellt man fest, dass der Begriffsbildungsprozess nicht durch systematische Unterweisung erfolgt, sondern, dass die Kinder ihren Wortschatz aufbauen, indem sie zunächst die Laute semantisch einordnen und erst später zunehmend die genaue Bedeutung erfahren. 8 Das Wissen wird also nicht von einer Lehrperson in das Gehirn eines Kindes transportiert, sondern der Mensch „baut sich sein Wissen intern auf“ 9 . Ob das Wissen letztendlich behalten wird, ob es also ins Langzeitgedächtnis übermittelt wird, hängt von internen Bewertungsleistungen ab. Die Interessenforschung zeigt, „dass die Lernleistung um so größer ist, je positiver das Interesse der Lernenden am Gegenstand ist“ 10 .
Kinder, die an der Schriftsprache interessiert sind, erlernen diese früher und mit weniger Aufwand. Zu Schulbeginn kann dieses Interesse von den meisten Kindern vorausgesetzt werden. Fraglich ist jedoch, ob diese Anfangsmotivation ausreicht für das Erlernen der deutschen Rechtschreibung bis hin zu einer sicheren Orthografie. Wenn der Unterricht die Interessen der Kinder nicht berücksichtigt, kann vermutet werden, dass die anfängliche Motivation für das Lesen und Schreiben lernen
5 Vgl. Richter: Interessenbezogenes Rechtschreiben, S. 19
6 Ebd., S. 20
7 Vgl. ebd., S. 20
8 Vgl. ebd., S. 20
9 Ebd., S. 21
10 Ebd., S. 21
4
Arbeit zitieren:
Anita Schrems, 2010, Interessenbezogenes Rechtschreiben am Beispiel der Individuellen Rechtschreibkartei, München, GRIN Verlag GmbH
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