Konfrontation riskieren? Dabei wird im Rahmen dieser Hausarbeit von der Prämisse ausgegangen, dass die US-Interessen gleichzusetzen sind mit den israelischen Interessen bezüglich des Irans. Die Haltung der EU-Staaten ist ebenfalls eine absolut pro-israelische. Ein militärischer Konflikt mit Israel bedeutet für den Iran höchstwahrscheinlich auch ebenfalls einen militärischen Konflikt mit den USA, gleiches gilt für die politische Ebene bezogen auf die EU. Ziel dieser Hausarbeit ist es zum einen die Analyse des Beziehungsgeflechtes der Staaten des Nahen-Ostens zu vollziehen. Dazu gehören eine politische Analyse der außenpolitischen Beziehungen des Irans zu seinen Nachbarn und wiederum auch eine Analyse der Beziehungen der Nachbarn gegenüber dem israelischen und amerikanischen Lagers. Dies soll eine Einteilung des Nahen- und Mittleren-Ostens in ein pro westliches und pro iranisches Lager ermöglichen mit der Beantwortung der Fragen nach den Determinanten dieser Lager und warum diese sich in eine pro israelische / pro westliche Haltung eingliedern lassen oder warum eine pro iranische Haltung besteht, auch unter Betrachtung der historischen Entwicklung dieser Beziehungen seit 1945. Frage ist, wo steht der Iran, wie ist seine machtpolitische Stellung im Nahen Osten, von wem kann es Unterstützung erwarten, wen kann es beeinflussen und welche Auswirkungen hat dies im Hinblick eines Konfliktes mit Israel und den USA? Ist gar von einer Art neuer „Pan-Arabischen“ und antiisraelischen Bewegung, initiiert durch den Iran und vergleichbar mit den Israelisch-Arabischen Kriegen, auszugehen? Des Weiteren sollen die militärischen Kapazitäten des Irans verdeutlicht werden. Kann es überhaupt Israel bedrohen, abgesehen einer eventuellen Atomwaffe in relativ ferner Zukunft? Wie weit reichen die militärischen Kapazitäten Irans um Israel und der USA die Stirn zu bieten bzw. sein Atomprogramm verteidigen zu können? Aber auch seine wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem „Westens“ und seiner Resourcen hinsichtlich eines möglichen Konfliktes muss analysiert werden mit der Frage, welche wirtschaftlichen Konsequenzen ein Konflikt nach sich ziehen würde. Im Fazit soll es dann möglich sein die Frage zu beantworten, ob die Behauptung, der Iran könnte politisch, militärisch und wirtschaftlich bzw. aus einer Kombination dieser Faktoren Israel bzw. einem israelisch-amerikanischen Bündnis gefährlich werden, zu halten ist.
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2. Die politische Betrachtung des Iran-Israel Konfliktes
Die Lage des Irans ist aus politischer Sicht unter zwei Aspekten zu betrachten: Den des regionalen und den des weltpolitischen Standpunktes. Hier geht es um den außenpolitischen Handlungsspielraum der iranischen Machthaber bezogen auf die politische Unterstützung bzw. Einstellung hinsichtlich der iranischen Politik. Dazu gehören die Beziehungen zu den direkten Nachbarstaaten und wiederum deren Beziehungen zu Israel und der USA, insbesondere Syrien, sowie der politischen Stellung des Irans auf der internationalen Bühne des Weltgeschehens.
2.1. Die wechselseitigen Beziehungen des Irans und Israels mit ihren
Nachbarstaaten und die Rolle der USA
Der Iran ist der einzige schiitische Staat der islamischen Welt. Diese Besonderheit ist im Falle Irans ein wichtiger Aspekt seiner Beziehungen zu seinen Nachbarn. Der Iran ist umgeben von insgesamt sieben Staaten: Irak, Türkei, Aserbaidschan Armenien Turkmenistan, Afghanistan, Pakistan. Des Weiteren sind hier wichtige Staaten zu benennen die zwar mit dem Iran keine gemeinsame Grenze teilen, jedoch politisch mit ihm entweder Interessen teilen - wie Syrien - oder politisch in einem Misstrauensverhältnis stehen wie die arabischen Staaten oder offen feindlich wie Israel sind. Kommen wir zunächst zu den direkten Nachbarn des Irans.
2.1.1. Der Irak, Afghanistan und Pakistan als alte und neue Bedrohung
für den Iran
Durch den Einmarsch amerikanischer Truppen in den Irak im Jahre 2002, wurde der alte Rivale Saddam Hussein zwar entmachtet und die Bath-Partei ebenso, jedoch wurde hier nur ein schwacher und isolierter Rivale durch eine von der Supermacht USA unterstütze Regierung ausgetauscht. Der Iran hatte jetzt de facto eine gemeinsame Grenze mit der USA, bzw. der amerikanischen Streitkräften, die jetzt noch näher an die neuralgischen Punkte des iranischen Staates herangerückt waren, so
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wie sie es nach dem Einmarsch in Afghanistan viel geringerer Stärke im Jahre 2002 von Osten her bereits vollzogen wurde. Mit der zusehenden Emanzipierung der schiitischen Bevölkerung des Iraks, gewann der Iran jedoch gleichzeitig enormen Einfluss in seinem Nachbarland, das vor 2003 und spätestens seit dem 1. Golfkrieg in den 80er Jahren sein ärgster Feind war. Die nun entmachtete, sunnitische Führungselite des Iraks, musste seine Macht mit den Kurden im Norden und den nun nicht mehr durch Saddam Husseins Regime unterdrückten Schiiten im Süden teilen. Viele führende Politiker im Irak wie Präsident Talabani und Premier al-Maliki fanden während des Saddam-Regimes Asyl im Iran. 1 Letztere stehen natürlicherweise Teheran viel näher als sie es Washington tun. Somit hat de Iran nun direkten Einfluss auf eins seiner Nachbarländer, das im Focus des internationalen Interesses steht und als Maßstab des Erfolges oder Nicht-Erfolges des amerikanischen „Krieg gegen den Terror“ und Demokratisierungsprozesses im Nahen-Osten gilt. Somit kann der Iran durch Beeinflussung und Unterstützung des schiitischen Kräfte im Irak, was durch US-Militärs seit langem behauptet wird 2 , direkt Einfluss auf das amerikanische Engagement im Nahen Osten nehmen. 3 Im Falle eines Konfliktes mit den USA, könnte sich dies als ein Trumpf herausstellen, indem man die Mehrheit des Volkes im Irak auf Teherans Seite hätte.
In Bezug auf das amerikanische Präsens im Nahen-Osten ist selbstverständlich auch Afghanistan zu nennen. Zwar ist dort die Militärpräsens des US-Militärs geringer als im Irak, jedoch ist Afghanistan so wie der Irak, ebenfalls ein Stützpunkt des US-Militärs, das an die Grenzen des Irans reicht. Der Einfluss des Irans auf Afghanistan in ebenfalls wesentlich geringer als es im Irak der Fall ist. Afghanistan besitzt keine schiitische Bevölkerungsmehrheit, sondern „nur“ einen Anteil von 20 Prozent 4 an der Bevölkerung. Auch sind die Beziehungen zwischen Schiiten und Sunniten in Afghanistan nicht mit denen im Irak zu vergleichen. Gleich bleibt jedoch die Stellung der Regierung Afghanistans im Vergleich zum Irak, deren Existenz absolut abhängig ist vom Wohlwollen der US-Regierung. Somit ist auch in Afghanistan kein proiranisches Regime an der Macht, sondern allenfalls eine Art Marionettenregierunge
1 Vgl. Ulrich Leidholdt: Neues Kapitel für Iran-Irak-Beziehungen, 02.03.2008, http://www.tagesschau.de/ausland/iranirak2.html
2 Vgl. Sudarsan Raghavan: Iran Said to Support Shiite Militias in Iraq, 15.08.2006, http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2006/08/14/AR2006081400477.html
3 Vgl. Ulrich Leidholdt: Neues Kapitel für Iran-Irak-Beziehungen, 02.03.2008, http://www.tagesschau.de/ausland/iranirak2.html
4 Vgl. CIA - World Factbook, https://www.cia.gov/library/publications/the-worldfactbook/geos/af.html
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Washingtons, deren Außenpolitik und Verteidigung vor allem nach Innen aber auch nach Außen vom US-Militär (in Afghanistan auch von a Streitkräften aus anderen Ländern) übernommen wird. Auch wenn sich die Beziehungen zwischen Afghanistan und dem Iran verbesserten und auch eine tiefe historische und kulturelle Gemeinsamkeit zwischen den Iranern und dem persischen Bevölkerungsanteil der Afghanen besteht. 5
Ein weiterer wichtiger Nachbar Irans ist Pakistan an der Ostgrenze. Nirgendwo wird das starke gegensätzliche Verhältnis der Einstellung der Bevölkerung und der Regierung gegenüber dem „Westens“ oder der US-Regierung deutlicher als in Pakistan. Während große Teile der Bevölkerung, teils offen, die anti-amerikanischen Taliban unterstützen, sind die Machthaber in Islamabad um Pervez Musharaf proamerikanisch eingestellt und gehen selbst militärisch gegen radikal-islamische Taliban vor, da diese auch ihre eigene Existenz bedrohen. 6 . Die Grenzgebiete zu Pakistan sind der Ursprung der Taliban-Bewegung und gelten seit langem als Rückzugsort für diese. 7 So ist auch hier zwar die Bevölkerung teils anti-amerikanisch und damit gleichbedeutend anti-israelisch eingestellt, jedoch die Machthaber um Musharaf klarer Verbündeter der USA 8 . Auch hier sind wieder US-Basen zu finden und somit ist eine militärische Bedrohung für Teheran auch aus Pakistan zu befürchten. Somit ist Pakistan der dritte Nachbarstaat Irans, der politisch gesehen auf der Seite des Westens und somit der USA und Israels steht.
2.1.2. Die Türkei als Vermittler
Gleiches wie bei Pakistan gilt auch für einen weiteren, wichtigen Nachbarn Irans - der Türkei. Die Türkei verbindet kulturell höchstens der Islam als Glaube mit dem Iran, jedoch auch wieder mit dem schiitisch-sunitischen Gegensatz. Politisch ist die Türkei ein scheinbar nicht zu überwindbarer Gegensatz des Irans. Die Türkei ist ein
5 Vgl. Bahman Nirumand: Ahmadinedschad fliegt gen Osten, 14.08.2007, http://www.taz.de/?id=digi-artikel&ressort=au&art=3179&no_cache=1
6 Vgl. Hasnain Kazim: Pakistan zerschlägt Taliban-Führung, 26.02.2010, http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,680397,00.html
7 Vgl. Conrad Schetter: Die letzte Grenze: Die paschtunischen Stammesgebiete zwischen Taliban und NATO, INAMO (Informationsprojekt Naher und Mittlerer Osten e.V.), Heft Nr. 48/Winter 2006, 12. Jahrg., S. 10-13
8 Vgl. Kelly, Charles B. / Beasley, Francis: Pakistan and US-Relations, Nova Science Publishers, New York, 2009, S.1-10
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säkularer Staat, der sich zwar seit dem Machtantritt Erdogans wieder versucht auf traditionelle religiöse Werte zu berufen, letztendlich aber der säkularste Staat der islamischen Welt ist. Außenpolitisch ist die Türkei seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil der „westlichen Welt“ als Mitglied der Nato und als Aspirant auf die EU-Mitgliedschaft. So sind die Annäherungen eher von Pragmatismus geprägt, denn „der Iran und die Türkei schienen immer Rivalen in der Region zu sein, jedoch sind sie vor dem Hintergrund gemeinsamer Interessen und Bedrohungen zur Zusammenarbeit gezwungen“ 9 . Bezogen auf den Konflikt Irans mit Israel ist jedoch eine Tatsache ebenfalls signifikant: Die Türkei ist mit Israel verbündet. Gleichzeitig sind die Beziehungen zwischen der Türkei und dem Iran durch Erdogan wesentlich verbessert worden. Ebenfalls versucht sich Erdogan als Vermittler zwischen den seit Jahren andauernden politischen Konflikts Irans mit dem Westen 10 , was auch damit zu tun hat, dass aufgrund der existentiellen Abhängigkeit vom iranischen Erdöl und Erdgas die Türkei an einer Eskalation nicht interessiert ist 11 . Jüngst verkündigte Erdogan auch, dass die Türkei im Falle eines Konfliktes des Irans mit Israel, nicht als Überflugsroute für israelische Kampflugzeuge dienen würde 12 . Auch kam es zur massiver Kritik gegenüber Israel Anfang 2009, was jedoch auch mit den anstehen Wahlen zu tun hatte, da Erdogan das konservative Klientel der AKP mobilisieren wollte. 13 Trotzdem ist und bleibt die Türkei ein fester Bestandteil des westlichen Lagers und die Annäherungen der Türkei und des Irans kann höchstens als ein Versuch der Vermittlung oder Schlichtung des Konfliktes gesehen werden und als Wahrnehmung wirtschaftlicher Interessen, nicht jedoch als Seitenwechsel der türkischen Außenpolitik. Wenn die diplomatischen Bemühungen im Hinblick auf das nukleare Programm im Iran auch weiterhin fehlschlagen, dann wird die Türkei das einzige Land in der Nachbarschaft zum Iran sein, auf dessen Staatsgebiet die Vereinigten Staaten taktische nukleare Waffen stationiert hat, die sie gegen die
9 Vgl. Sariisik, Döndü: Turkey, Iran seek increased cooperation in energy, security, Hürriyet, 29.10. 2009, http://www.hurriyetdailynews.com/n.php?n=turkey-and-iran-aim-at-30-billion-trade-volume-2009-10-29
10 Vgl. Erdoğan arrives in Iran on second official visit, Hürriyet, 27.10.2009, http://www.hurriyetdailynews.com/n.php?n=erdogan-well-received-on-second-official-to-iran-2009-
10-27
11 Vgl. Gerd Höhler: Türkei sucht Schutz vor iranischen Raketen, 23.02.2006, http://www.handelsblatt.com/pshb?fn=tt&sfn=go&id=1196818
12 Vgl. Turkey warns IAF against using airspace, The Jerusalem Post, 10.12.2009, http://www.jpost.com/Home/Article.aspx?id=162784
13 Vgl. Kalnoky, Boris: Warum die Türkei die Beziehungen zu Israel riskiert, Welt.de, http://www.welt.de/politik/article3055409/Warum-die-Tuerkei-die-Beziehungen-zu-Israel-riskiert.html
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Arbeit zitieren:
Kuba McKowski, 2010, Der Iran - Eine Bedrohung für Israel?, München, GRIN Verlag GmbH
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