Ein wichtiger Zug des zeitgenössischen Theaters ist die Fokussierung auf die performative Ebene der Aufführung: Das heißt, dass das Schauspiel nicht mehr als Werk angesehen wird, sondern als Ereignis oder als Prozess. 1 Deshalb ist der Begriff „Performativität“ bei der Betrachtung des postdramatischen Theaters besonders wichtig. Im Folgenden möchte ich zunächst klären, was das „Performative“ ist und danach zeigen inwiefern dieses Konzept für die Interpretation von Peter Handkes Kaspar nützlich sein kann.
Die genaue Definition des Begriffs „Performativität“ scheint problematisch zu sein. Er wurde zum ersten Mal von John L. Austin im Rahmen des sprachphilosophischen Ansatzes eingeführt. Er behauptete, dass sprachliche Äußerungen eine andere Funktion besitzen als nur etwas zu beschreiben oder zu behaupten, und zwar können sie auch „performativ“ sein. 2 Als „performative“ Äußerung wird also diejenige genannt, deren Inhalt mit den Handlungen, die im Laufe dieser Äußerung stattfinden, übereinstimmt.
Der Begriff erschien aber auch für die anderen Disziplinen sehr furchtbar, insbesondere für die Kulturwissenschaft. Hier wurden die performativen Züge der Kultur in den Blick genommen. Judith Butler beschäftigt sich mit der Frage der „phänomenalen Verkörperungsbedingungen“ 3 , wobei sie den Prozess der performativen Erzeugung mit einem Prozess von Verkörperung identifiziert. Darüber hinaus macht sie einen wichtigen Vergleich zwischen Verkörperungsbedingungen und den Bedingungen der Theateraufführung. 4
Das Stück Kaspar gehört zu den sogenannten „Sprechstücken“ von Peter Handke, in denen er sich mit Themen wie der Rolle des Publikums in der Aufführung und der Macht der Sprache beschäftigte. Kaspar liegt eine rätselhafte Geschichte zugrunde über Kaspar Hauser, der 1828 in Nürnberg erschien und wie wahnsinnig aussah. Er konnte kaum sprechen und gehen, weil er seit seiner Geburt 16 Jahre im dunklen Keller verbracht hatte. Die einzige Phrase, die er wusste war: „Ich möcht ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist“. Gerade diese
1 Vgl. Gabriele. Klein: „Der entzogene Text. Performativität im zeitgenössischen Theater“. In:
Ulrike Maria Stuart. Hrsg. Ortrud Gutjahr. S. 65-78. Hier S. 65.
2 Vgl. Erika Fischer-Lichte: Ästhetik des Performativen. S. 31.
3 Ebd., S 38.
4 Vgl. ebd., S. 38f.
2
Arbeit zitieren:
Ievgeniia Bogomolova (Karashchuk), 2010, Performativität am Beispiel von Peter Handkes "Kaspar", München, GRIN Verlag GmbH
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