1. Einleitung
Wir sehen uns täglich einer Fülle von Eindrücken und Reizen ausgesetzt, die uns dazu zwingen
Inhalte und Informationen zu selektieren und auszublenden.
Um die Aufmerksamkeit der Menschen zu gewinnen haben sich Marketingexperten unterschied-
liche Strategien einfallen lassen. Eine besonders aufwändige, aber auch wirksame Methode ist
der Einsatz prominenter Gesichter und Namen, um Produkte, Marken oder Events für die jewei-
lige Zielgruppe attraktiv zu gestalten. Am Beispiel der Münchner Medienregatta 2010 soll die
vorliegende Arbeit die Bedeutung von Prominenten für Veranstaltungen und deren Erfolg her-
ausarbeiten. Ergänzend zu Stimmen aus der Literatur und den während der Organisation und
Durchf ührung der Münchner Medienregatta 2010 gesammelten Erfahrungen hat die Verfasserin
eine Eventexpertin, Linda Ferber 1 , interviewt.
2. Die Münchner Medienregatta 2010
Am 26. Juni 2010 haben die Studenten der Macromedia Hochschule für Medien und Kommuni-
kation mhmk die zweite Münchner Medienregatta auf dem Herrschinger Ammersee veranstaltet.
Das Ereignis sollte den Drittsemestern einerseits Erfahrung in der Organisation von Veranstal-
tungen und den damit verknüpften Hürden vermitteln und andererseits die Möglichkeit bieten, mit
geladenen Medienvertretern (Sponsoren und Gästen) in persönlichen Kontakt zu treten. Die
Studenten wurden dabei fachlich kompetent vom Herrschinger Segelclub (HS)C unterstützt, der
seine Segelschiffe für Segelstunden und die Münchner Medienregatta zur Verfügung stellte.
Die Einnahmen der Veranstaltung spendete das Organisationsteam den FIDS, der Foundation
for integrated disabled sailing. Gesponsort wurde das Wettsegeln neben der mhmk, von Red
Bull , Bavaria, Bayern Film, Erhard, Synektar, Marine Pool, Rischart, Develey, Hüni Co, D-
Punkt , der Compass Communications GmbH, der Baumschule Wörlein und von Nino Haase.
3. Grundbegriffe
3.1. Event
Ein Event ist ein Ereignis, ein Vorfall, eine Begebenheit oder „das Besondere“2. Dazu zählen
auch sportliche Veranstaltungen.3 In der Fachliteratur wird das Wort „Event“ oftmals als bekannt
vorausgesetzt und deshalb nicht notgedrungen definiert.4 Die Münchner Medienregatta 2010 ist
ein Segelwettbewerb und damit eine sportliche Veranstaltung, wonach die Münchner Medienre-
gatta 2010 unter den Begriff Event zu subsumieren ist.
1 Name von der Verfasserin geändert
2 vgl. Kinnebrock 1993, S.10.
3 so auch: Langenscheidt 1983, S.196.
4 vgl. Erber 2005, S.16.
1
3.2. Arten von Events
Es gibt unterschiedliche Arten von Events. 5 Public-Events (öffentliche Events) sind an das breite Publikum gerichtet, sind allgemein zugänglich und meist gewinnorientiert. 6 Dazu gehören unter anderem Sportveranstaltungen und so genannte Mitmach-Events, das heißt Veranstaltungen bei denen Gäste am Sportereignis teilnehmen können.
Geschlossene Events beziehungsweise Corporate Events sprechen eine definierte Zielgruppe an, die eine Einladung zum Event erhält. 7 Damit haben nur ausgesuchte, geladene Gäste Zutritt zur Veranstaltung. Dazu können auch Marketingevents gehören. Diese so genannten „inszenierten Ereignisse“ in Form erlebnisorientierter Veranstaltungen und Aktionen dienen primär Marketingzielen und sollen den Adressaten produktbezogene Kommunikationsinhalte vermitteln. 8 Dabei sollen sie beim Adressaten einen Aktivierungsprozess auslösen, das heißt physische oder emotionale Reize werden in der Absicht der Profilbildung des Events erzeugt. 9 Events können unterhalten und gleichzeitig informieren, wobei die Informationen auf emotionalem Weg übermittelt werden. 10
Die Münchner Medienregatta 2010 ist eine Mischform. Offiziell begrüßt wurden nur geladene Gäste. Auch zur Teilnahme am Wettsegeln und zum Zuschauen sind nur ausgewählte Besucher zugelassen. Das Abendbuffet und das Public Viewing des Viertelfinales der Fußballweltmeisterschaft 2010 waren hingegen für jeden Interessierten gegen einen zuvor festgelegten Umkostenbeitrag zugänglich. Das Wettsegeln war darauf ausgelegt, dass sich die Studenten mit den gewonnenen Sponsoren austauschen. Ihr theoretisch erlerntes Wissen sollten sie mit der Planung, Organisation und Durchführung der Regatta in die Praxis umsetzten und sich somit vor den Sponsoren präsentieren und vermarkten. Damit verknüpft war die Absicht, die Chancen auf Praktika und Werksstudentenstellen zu steigern. Für die Sponsoren bot sich die Gelegenheit, Informationen über die mhmk zu erhalten und sich über deren Studenten aus dem dritten Semester des Studiengangs PR und Kommunikation zu informieren.
4. Fragestellung und methodisches Vorgehen
Der Aspekt methodisches Vorgehen beschreibt, wie und mit welchen Mitteln die vorliegende Studie erstellt wurde. Zunächst wird ein Forschungsgegenstand ausgewählt (3.1.). Im nächsten Schritt werden Forschungsfragen aufgestellt (3.2.) und von diesen Hypothesen abgeleitet (3.3.). Darauf folgt ein Einblick in das verwendete Untersuchungsdesign (3.4.). Schließlich werden die Annahmen überprüft (4.), dokumentiert und zusammengefasst (5.). Es folgt ein Fazit (6).
5 Bischof 2004, S.7ff unterscheidet drei Arten von Events, die im Folgenden vorgestellt werden.
6 vgl. Vögl 2004, S.5.
7 Wedekind/ Harries 2005, S. 12.
8 Sistenich 1999, S.60f; Breshey/Domning 2001, S.47.
9 so auch: Schäfer-Mehdi 2006, S.29.
10 vgl. Erber 2005, S.121.
2
4.1. Untersuchungsgegenstand
Der Untersuchungsgegenstand ist die Münchner Medienregatta 2010. Die vorliegende Studie soll herausarbeiten, wie wichtig prominente Teilnehmer und Gäste für den Event sind und welche Wirkung ihr Image auf die Veranstaltung hat.
4.2 Forschungsproblem
Viele Eventveranstalter bemühen sich darum, oft mit erheblichem Aufwand und den damit ver-bundenen Kosten, Prominente als Gäste zu gewinnen, um dem Event zusätzliches Prestige und erhöhte Aufmerksamkeit zu verschaffen. Auch die Münchner Medienregatta hat gezielt versucht, Prominente als Gäste und Imageträger zu gewinnen. Doch lohnt sich der Aufwand für Prominente überhaupt - oder kommt er nur der Eitelkeit des Eventveranstalters zugute? Welche konkreten Folgen der Auftritt von Prominenten für ein Event hat, bedarf ein genauen Untersuchung, um den Nutzen dieses Eventmarketinginstruments besser abschätzen zu können.
4.3. Forschungsleitende Fragen
1. Nach welchen Kriterien werden prominente Gäste, Redner oder Sponsoren ausgewählt? 2. Wie wichtig ist das Image der Prominenten?
3. Würden der Veranstalter einen Prominenten einladen, wenn er kein „positives“ Image hat? 4. Welche Vor- und Nachteile haben Prominente für einen Event? 5. Ist das positive Image prominenter Teilnehmer und Gäste ausschlaggebend für die Sponsorenakquise?
6. Kann ein gutes Image der Prominenten auf den Event transferiert werden?
4.4. Hypothesen
Aus den Forschungsleitenden Fragen sind nachfolgende Hypothesen entstanden: Hypothese 1: Prominente Gäste, Redner und Sponsoren werden nach ihrem Bekanntheitsgrad ausgewählt.
Hypothese 2: Das Image der Prominenten ist wichtig, da es sich auf das Image des Events auswirkt.
Hypothese 3: Ein Prominenter wird nur eingeladen, wenn sein Image für den Event förderlich respektive nützlich ist.
Hypothese 4: Die Anwesenheit von Prominenz bringt nicht nur Vorteile für den Event. Hypothese 5: Das Image der Prominenz beeinflusst die Sponsorenakquise. Hypothese 6: Ein positives Image der Prominenten wirkt sich positiv auf das Image des Events aus.
3
4.5. Untersuchungsdesign
Das Untersuchungsdesign soll beschreiben, welche Daten wo, wann und wie erhoben werden. Um die für vorliegende Studie erforderlichen Daten zu erheben hat der Autor ein Experteninterview geführt. Experten sind angesehene Personen, die als Beteiligte an einem bestimmten Prozess oder Ereignis über besonders ausgeprägtes Fachwissen verfügen. Durch langjährige Erfahrung erlangen sie bereichsspezifisches Wissen und Kompetenz in Theorie und Praxis. 11 Sie begründen ihr Wissen sachlich unter Ausschluss persönlicher Einflüsse. 12 Das Experteninterview ist demzufolge die Befragung eines Repräsentanten einer bestimmten Gruppe, die mittel-oder unmittelbar Teil der Untersuchung ist. 13 Für die vorliegende Arbeit wurde Verna Foag interviewt, die in einer Eventmanagementagentur unter anderem an der Organisation der der Fußball Europameisterschaft 2006 mitgewirkt hat.
4.6. Auswertung
Die Ergebnisse des Experteninterviews, die Auswertung der auf der Münchner Medienregatta 2010 gesammelten Erfahrungen und die Erkenntnisse der wissenschaftlichen Literatur wurden systematisiert und den forschungsleitenden Hypothesen gegenübergestellt.
4.7. Untersuchungszeitraum
Die Erkenntnisse ergaben sich zu Teilen bereits während der Planung des Events. Daher dauert der Untersuchungszeitraum vom 15. März bis zum 01. Juli 2010 an.
5. Prominente und ihr Eventpotential
Die Praxis, mit berühmten Persönlichkeiten zu werben, reicht bis weit ins 19. Jahrhundert zurück. Vormals waren es Staatsmänner oder Adelige, die für Werbezwecke dienten. Heute sind etwa Schauspieler oder Sportler. 14
Auch die Münchner Medienregatta 2010 sollte mittels Prominenter Unterstützung per se aufgewertet und die Anziehungskraft des Events durch Anwesenheit von Prominenz erhöht werden. Was unter dem Begriff Prominenz zu verstehen ist (4.1), nach welchen Schemata Prominente für Events ausgesucht werden (4.2), wie wichtig die Anwesenheit von Medien an Events auch für die Prominenz ist (4.2.2.), wie hilfreich Prominente bei der Vermarktung eines Events sind (4.3.) und inwiefern Prominente für Events bedeutsam sind (4.4.), wird im Folgenden am Beispiel der Münchner Medienregatta 2010 näher erläutert.
11 Deeke 1995, S. 9 ff.
12 Deeke 1995, S. 9 ff.
13 Deeke 1995, S. 9 ff.
14 Herbst 2003, S.318.
4
5.1. Begriffsbestimmung Prominenz
Unter Celebrities oder Prominenz versteht man „Personen, die im öffentlichen Leben über einen hohen Bekanntheitsgrad und Unterhaltungswert verfügen“. 15 Prominente kommen in der Regel aus Unterhaltung, Sport, Politik, dem kulturellen Bereich (wo die historischen Wurzeln des Prominentenkults liegen) 16 oder sie sind adelig. Sie „setzen sich von der Masse der Menschen“ ab und erhalten dafür in der Öffentlichkeit besondere Aufmerksamkeit. 17 Aufgrund ihrer öffentlichen Ämter oder ihrer Berühmtheit genießen sie besonderes Ansehen und gelten als repräsentierende Eliten ihrer Branche. 18
Auch für die Münchner Medienregatta 2010 haben wir ausgesuchte Prominenz aus dem Segel-sport eingeladen. Als Gastredner wollten wir etwa Wilhelm Kuhweide, Olympiasieger und dreifachen Europameister im Regattasegeln, und Jochen Schürmann, ehemaligen Sportdirektor des Alinghiteams, gewinnen. Aus Zeitmangel sagten beide Sportler ab. Auch Joachim Piesker, me-teorologischer Betreuer von Regattaseglern, musste unsere Bitte ausschlagen, eine Rede zu halten. Ebenso konnte Matchrace-Europameisterin Silke Hahlbrock unserer Anfrage, als Gastrednerin aufzutreten, nicht nachkommen. Roland Kirst, mehrmaliger Vizeweltmeister und Vizeeuropameister hingegen nahm an der Münchner Medienregatta teil und belegte den ersten Platz beim Wettsegeln.
5.2. Die Bedeutung der Medien für Prominente
„Die Grundvoraussetzung für den Erfolg eines Prominenten ist (…) Medienpräsenz“, wodurch dessen Bekanntheitsgrad gesteigert wird. 19 Am Entstehungsprozess des Bekanntheitsgrades, sind sich gegenseitig bedingende Selektionsfaktoren, das Publikum und die Medien beteiligt. 20 Um berühmt zu werden müssen Prominente einerseits zumindest einem spezifischen Laienpublikum bekannt sein und bei diesem muss ein gewisser Konsens darüber bestehen, wer zum Kreis der Prominenten zählt. 21
Andererseits ist für Personen, die den Prominentenstatus erreichen und diejenigen, die ihn halten wollen, Medienpräsenz existentiell; denn nur, wer Interesse der Medien für sich generiert findet Zugang zum Publikum, erhält dessen Aufmerksamkeit und damit die Chance (weiterhin) als „prominent“ zu gelten“. 22 Dabei kommt den Medien „als selektierende und vermittelnde Instanz „besondere Bedeutung“ bei der Entstehung des Prominentenstatus zu: erst sie ermöglichen entsprechenden Personen den Zugang zu einer breiten Öffentlichkeit und nehmen durch
15 Gierl 2007, S.6; Peters 1996, S. 194.
16 Peters 1996, S. 104.
17 Schierl 2007, S.123.
18 Herbst 2003, S.318.
19 Herbst 2003, S. 322.
20 Peters 1996, S.115.
21 Peters 1996, S. 80; Peters 1996, S.52.
22 Schierl 2007, S.145; Peters 1996, S.96.
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Katharina Maute, 2010, Die Bedeutung von Prominenz für Events , München, GRIN Verlag GmbH
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