INHALTSVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG 3
2. BEGRIFFSKLÄRUNG 3
3. STILISTISCHE ORDNUNG DES WORTSCHATZES 5
3.1 DIFFERENZIERUNG DES WORTSCHATZES 6
3.1.1 Stilistisch neutrale Wörter 7
3.1.2 Substantive 8
3.1.3 Adjektive 8
3.2 WEITERE MITTEL UM STILEFFEKTE ZU ERZEUGEN 9
4. FUNKTIONALSTILISTIK 9
5. ZWISCHENFAZIT 11
6. VERGLEICH DER ÖFFENTLICHEN REDEN VON BARACK OBAMA UND ANGELA
MERKEL 11
6.1 DEFINITION UND LINGUISTISCHE MERKMALE EINER POLITISCHEN REDE. 11
6.2 NEUJAHRSREDE VON ANGELA MERKEL 12
6.2.1 Kontext der Rede 12
6.2.2 Linguistische Stilanalyse und Interpretation 13
6.2.3 Wirkung und Funktion 19
6.3 REDE VON BARACK OBAMA IN DEUTSCHER ÜBERSETZUNG 19
6.3.1 Kontext der Rede 19
6.3.2 Linguistische Stilanalyse und Interpretation 20
6.3.3 Wirkung und Funktion 23
6.4 VERGLEICH DER BEIDEN POLITISCHEN REDEN 24
7. FAZIT 25
8. QUELLEN 27
9. ANHANG 28
REDE VON BARACK OBAMA AM 20.01.2009 28
REDE VON ANGELA MERKEL AM 31.12.2008 37
2
1. Einleitung
Der deutsche Philosoph Friedrich Nitzsche hat einmal gesagt: „Den Stil verbessern, das heißt den Gedanken verbessern“. Wenn einem also im Kopf klar ist, was man ausdrücken will, optimiert sich mein Stil parallel. Stil entsteht also automatisch durch die sprachliche Umsetzung von Gedanken?
„Moderne Stilauffassungen (pragmatische, kommunikative, funktionale) betrachten Stil als die sprachliche Realisierung der - wie auch immer - außersprachlich vorgegebenen Faktoren der Redesituation. Das bedeutet, dass jeder Text, da immer eine situativ geprägte Äußerung, Stil haben muss.“ Jede Äußerung besitzt Stil - entscheidend geprägt wird er letztlich vom außersprachlichen Kontext?
Um die verschiedenen Ansätze zu bewerten, gilt es also im Vorfeld zu definieren, was Stil eigentlich ist, welche Ausprägungen er haben kann und wie er zu erkennen ist. Der französische Maler, Dichter und Filmregisseur Jean Cocteau (1889-1936) kam schon vor über einem halben Jahrhundert zu folgendem Ergebnis: Stil ist die Fähigkeit, komplizierte Dinge einfach zu sagen, nicht umgekehrt.“ Je einfacher ein Text formuliert ist, desto verständlicher und stilvoller ist er demzufolge? So einfach scheint es nicht zu sein, deshalb soll im Folgenden, der Begriff Stil näher bestimmt und am konkreten Beispiel der politischen Rede analysiert und interpretiert werden.
2. Begriffsklärung
Der Stil stammt von dem lateinischen Wort „stilus“ und bedeutet spitzer Pfahl, Schreibgerät oder Griffel - also ein Werkzeug zum Schreiben auf eine Metalltafel. 1 Spricht man heute von Stil, können damit verschiedenste Dinge verbunden sein. So spielt Stil etwa im Zusammenhang mit der Mode eine wichtige Rolle - ein Kleid im Stil der 20er Jahre oder ein stilvolles Jackett. Auch beim Tanz, im Bereich Sport oder in der Malerei gibt es verschiedene Stile. Allen Verwendungsbereich gemein ist aber, das Stil immer für das wie steht. Er zeigt die Art und Weise auf. Wenn der Philosoph Arthur Schopenhauer Stil aber als “der genaue Abdruck der Qualität des Denkens.“ 2 definiert,
1 DUDEN
2 Hübscher (1982): 394
3
bringt er den vielgestaltigen Begriff damit schon in den hier relevanten Zusammenhang mit Sprache - der Sprachstil beziehungsweise Schreibstil. „Theoretische Grundlage einer Stilistik, die sich als Rezeption und Analyse aller Formen sprachlicher Kommunikation versteht, ist die Stiltheorie, die ihrerseits Stil als sprachliche Gestaltung begreift.“ 3 Sanders ordnet damit Stil bereits 1977 einer wissenschaftlichen Disziplin, nämlich der Sprachwissenschaft zu und versucht den linguistisch schwer zu bestimmenden Ausdruck zu erfassen und definieren. Im Laufe der Jahre war immer wieder umstritten, ob Stil ein Teilgebiet anderer Wissenschaften, etwa der Sprach- oder Literaturwissenschaft ist, oder ob man Stilistik bereits als eigenständige Disziplin ansehen kann. Die Gradwanderung ergibt sich durch den Untersuchungsgegenstand der Diziplinen. Die Stilistik befasst sich, im Gegensatz zur Sprachwissenschaft, nur mit einem Teil der sprachlichen Elemente, nämlich mit eben jenen Stilelementen. Stilelemente sind natürlich immer auch Sprachelemente, aber sie gehen über ihre grammatische Wirkung hinaus. Sprachelemente sind auf der anderen Seite nicht immer Stilelement, denn dann wäre Sprache automatisch mit Stil gleichzusetzen.
Bei der hausarbeitsbezogenen Fragestellung nach der stilistisch relevanten Ordnung der sprachlichen Mittel am Beispiel des Wortschatzes, ist die exakte Klärung des Begriffes Stil jedoch von konsequenter Bedeutung. Dabei soll der Autor Hans-Werner Eroms helfen. Er versucht in seinem Grundlagenwerk Stil und Stilistik eine aktuelle, inhaltliche Definition zu formulieren und beschreibt Stil hinsichtlich seines Gebrauchs in der Sprachwissenschaft zunächst einmal als einen ambivalenten, also doppeldeutigen Begriff. Diese Doppeldeutigkeit, nennt er auch das „Janusgesicht des Stils“ 4 . Die Ambivalenz erklärt er einerseits aus der Bewertung, des von einem Text Erwarteten. Also die Einhaltung konventioneller Formulierungen. Andererseits beschreibt er die Eigenständigkeit, die sich aus selbst gewählten stilistischen Formulierungen, die eben jene Konventionen durchbrechen, ergibt 5 . Kurz zusammengefasst heißt das: Stil ist ein Wahlphänomen. Welcher Stil gewählt wird, hängt immer von Konventionen, Wirkungsabsichten und persönlichen Neigungen
3 Sanders (1977): 7
4 Eroms (2008): 16
5 Vgl. Eroms (2008): 5, 16
4
ab. Texten mit Stil kann nur gelingen, wenn man von konventionellen Festlegungen abweicht. Erst die Mischung aus normativen Vorgaben und eigenen Variationen kann dem Text oder Diskurs im Ganzen eine stilistische Marke verleihen. Dabei ist Text nicht zwangsläufig im Sinne von etwas Geschriebenen gemeint, wie es die Textlinguistik definiert, sondern als „jede mündliche oder schriftliche Sprachäußerung mit kommunikativer Funktion“ 6 . Wann man genau von dem gelungenen Einsatz von Stil sprechen kann, darüber herrscht ebenfalls Uneinigkeit, da jeder Mensch ein subjektives Stilgefühl hat. Um Stil möglichst objektiv zu bewerten, muss man das unterschiedliche stilistische Potential einzelner sprachlicher Mittel kennen. Dazu wird im Folgenden konkret der Stil des Wortschatzes untersucht.
3. Stilistische Ordnung des Wortschatzes
Wörterbücher nehmen oftmals eine Einteilung von Wörtern zu jeweils festgelegten Stilen vor. Sie erfassen das Stilpotential und charakterisieren die Wörter damit. Schlägt man etwa willkürliche Begriffe wie Leasing, Mätresse oder Ganove im Duden nach, erhält man Zuordnungen wie Wirtschaft, früher und aus der Gaunersprache, umgangssprachlich abwertend. 7 Weiter kann man auch Wörter finden die als „regional, salopp, veraltet, fachsprachlich“ 8 und so weiter charakterisiert werden. Mit einer solchen Stilgrammatik, also der stilistischen Markiertheit von Wörtern im Duden, werden diese von Anfang an einer Stilebene zugewiesen. Demzufolge werden sie allgemein scheinbar nicht als neutral wahrgenommen. Neutrale Wörter unterscheiden sich also von stilistischen und stehen ihnen gegenüber. Allerdings kann man Wörter in mehr als nur die zwei Kategorien ‚Stil‘ und ‚Neutralität‘ einteilen. Wird ein Wort als stilistisch empfunden, können nämlich im Grad des Stils noch einmal Abstufungen vorgenommen werden.
6 Sanders (1977): 11
7 Vgl. DUDEN
8 Eroms (2008): 57
5
3.1 Differenzierung des Wortschatzes
Gemäß Eroms Ausführungen kann der gesamte Wortschatz durch entsprechende Kategorien in stilistische Schichten eingeteilt werden. Die erste Schicht nennt er Grundschicht. Sie umfasst alle als neutral empfundenen Wörter. Wobei hier von einer virtuellen Neutralität gesprochen werden muss, denn eine wirkliche universelle Neutralität existiert nicht. Die Auffassung dessen, was man als sprachlichen Stil oder sprachliche Neutralität bezeichnen kann, variiert stark. Eine Schicht über den von Eroms als neutral eingestuften Worten, sammeln sich Wörter, die sich stilistisch von den neutralen Wörtern abheben, weil sie einen bestimmten Vorkommensbereich markieren und dadurch einen Stilwert aufweisen. Wahrnehmen kann man diese Wörter allerdings nur vor dem Hintergrund der neutralen Wörter, die sozusagen ihre Basis bilden.
Wörter mit denen sich spezielle Stileffekte erzielen lassen, die also extrem stilistisch auffällig sind, bilden die oberste Schicht des Wortschatzes. Sie haben ein höheres Stilpotenzial und weisen ein „Kolorit“ 9 , das heißt eine natürliche Färbung auf. Wörter, die einen Stileffekt erzeugen zeigen individuelle kommunikative Absichten. Bei dieser Schichtung des Wortschatzes sollte beachtet werden, dass die Wörter im Einzelnen bewertet werden, eine Aussage zum Stil eines Textes sich aber nur treffen lässt, wenn der Text im Ganzen analysiert wird. Es sind also nicht einzelne sprachliche Phänomene wie zum Beispiel Stilfiguren oder nur die Stilgrammatik, sondern die Gesamtheit des Textes entscheidend, wenn der Stil beurteilt wird. Barbara Sandig unterteilt Wörter deshalb in „Merkmalstypen“ beziehungsweise „Merkmalsbündel“ 10 . Ein Text wird auf einen bestimmten Merkmalstyp hin untersucht, zum Beispiel bei einem behördlichen Anschreiben, die Häufung von Wörtern aus der Beamtensprache. Danach können weitere Merkmale untersucht werden, die in eine ähnliche Richtung gehen also zum Beispiel die höfliche Anrede. Die verschiedenen Merkmalstypen zusammen, bilden dann ein gemeinsames Merkmalsbündel. Sammeln sich zum Beispiel umgangssprachliche oder fachsprachliche Wörter, enthält der Text eher lustige oder ernste Formulierungen, wurden viele Anglizismen verwendet und so weiter.
9 Eroms (2008): 59
10 Sandig (2006): 62
6
3.1.1 Stilistisch neutrale Wörter
Obwohl das Stilempfinden der Menschen sehr unterschiedlich ist und deshalb die Stilanalyse immer wieder der Kritik der Subjektivität ausgesetzt ist, hat Eroms ziemliche exakte Vorstellungen davon, welches Wort welcher Stilschicht zugeordnet werden sollte. So sind etwa die Wörter als stilistisch neutral zu bezeichnen, die in allen Funktionalstilen vorkommen. Funktionalstile sind etwa Alltagssprache,
Wissenschaftssprache, literarische Sprache und so weiter, die ebenfalls durch entsprechende Merkmale gekennzeichnet sind. Das heißt, dass die Ausdrücke, die in jedem beliebigen anderen Text vorkommen könnten, als neutral charakterisiert werden. Dies würde vorrangig Wörter mit rein grammatischer Information oder fehlendem Synonym innerhalb eines Funktionalsstils betreffen. Man kann aber nicht allgemein davon ausgehen, dass Wörter, die hauptsächlich einen grammatischen Auftrag erfüllen, wie beispielsweise Pronomen zwangsläufig neutral sind. Alle Sprachelemente können potentielle Stilelemente sein. Das Prädikat Stilelement tragen nicht zwangsläufig nur Substantive, Adjektive und Verben. Stil ist abhängig von der Art des Gebrauchs. Dieser entscheidet darüber, ob ein Wort stilrelevant ist oder nicht. Wortneutralität kann auf zwei verschiedenen Wegen erreicht werden: durch „Systemzwang“ oder „Systemneutralisierung“ 11 . Systemzwang bedeutet, dass das Paradigma beziehungsweise Wortfeld einelementig ist. Es gibt keine Alternativen, kein Synonym. Das ist vorrangig bei Präpositionen, Adverbien und Pronomina der Fall, zum Beispiel und, mit, für, bei und so weiter, aber auch bei dem Substantiv Schwester. Systemneutralisierung erklärt, dass aus einem Wortfeld beziehungsweise Paradigma Alternativen ausgewählt werden können 12 . Das heißt, es existieren zwar Synonyme für einen bestimmten Ausdruck, aber sie sind nur für einen bestimmte Funktionalstil neutral und würden in einem anderen Funktionalstil angewandt wiederum hervorstechen und einen Stilwert oder Stileffekt erzeugen. Sagt beispielsweise ein Arzt zu seinem Patienten, dass dieser an Influenza leide, ist dieser Ausdruck für den Fachsprachbereich des Arztes normal. Trotzdem erzeugt er einen Stilwert, weil er den Funktionsbereich markiert beziehungsweise auf ihn hinweist. Würde aber, der Patient zu Hause erzählen
11 Eroms (2008): 60 f.
12 Vgl. Eroms (2007): 60f.
7
er habe Influenza, würde dieses Wort stark von dem umgangssprachlichen Stil abweichen und einen Stileffekt erzeugen. Obwohl die neutralen Wörter eine Art „stilistische Leerstellen“ 13 bilden, sind sie in einem Text unerlässlich. Sie bilden den Kontext der Stilwörter.
Um neutrale Wörter zu umgehen und damit eine Monotonie zu vermeiden, wird häufig auf Stilfiguren zurück gegriffen. Diese führen im Regelfall immer zu Stileffekten. Doch auch Stilfiguren wirken im Übermaß verwendet störend. Stilelemente sind zum Beispiel Historismen, Anachronismen, Fremdwörter, Fachwörter oder Wörter anderer Funktionalstile sein.
3.1.2 Substantive
Ein ähnliches Beispiel wie die ärztliche Influenza gibt das Paradigma Zahlungsmittel. Ihm unterstehen verschiedene Ausdrücke wie etwa Geld, Mäuse, Zaster, Moneten, Kohle, Kies, Zahlungsmittel und so weiter. Die Verwendung des passenden Ausdrucks erfolgt entsprechend der kommunikativen Absicht. Benutzt werden, kann aber in jedem Fall der Begriff Geld, denn wird in der Regel als neutral wahrgenommen. Zahlungsmittel wiederum erzeugt einen Stileffekt, weil es ein Ausdruck ist, der normalerweise in der Fachsprache der Banken verwendet wird. Benutzt ein Bankangestellter den Begriff, ist er zwar für diesen normal beziehungsweise unauffällig, ihm wird aber trotzdem ein Stilwert zugeordnet, denn er ist das Signal für einen bestimmen funktionalen Kommunikationsbereich. Würde der Bankangestellte aber das Wort Moneten bei einer Kundenberatung benutzen, erzeugt er einen auffälligen, negativen Stileffekt - eine so genannte Stilblüte. 14
3.1.3 Adjektive
Bei Adjektiven ist die Stilbetrachtung etwas schwieriger als bei Nomen, weil sie von vornherein oft eine wertende Position einnehmen. Bei dem Wortfeld mit sehr gut, stark, dufte, knorke, ausgezeichnet, toll, phänomenal, super, irre sind nur die beiden
13 Sanders (1977). 67
14 Vgl. Eroms (2007): 62 ff
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Arbeit zitieren:
Stefanie Groß, 2011, Linguistische Stilanalyse: Die stilistisch relevante Ordnung der sprachlichen Mittel am Beispiel des Wortschatzes unter praktischer Anwendung durch den Vergleich politischer Reden von Merkel und Obama, München, GRIN Verlag GmbH
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