Gliederung
1. Vorüberlegungen 03
2. Der Strukturumbruch nach dem Zerfall der DDR 1990 04
3. Die Berufsstrukturen 07
4. Das Geschlechterverhältnis im Arbeitsprozess 09
5. Die Bildung 10
6. Das Einkommen 12
7. Zusammenfassung 13
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1. Vorüberlegungen
Diese Arbeit beschäftigt sich im Folgenden mit der Veränderung der Sozialstruktur in Ostdeutschland nach der deutschen Wiedervereinigung. Anfang der Neunziger Jahre kam es in der ehemaligen DDR zu großen Veränderungen, da ein ganzes System zusammengebro- chen war bzw. ein völlig anderes, ja gegensätzliches System eingeführt oder übernommen wurde. Dies hatte Auswirkungen auf alle Bereiche der Politik (von Sozialismus zu Kapitalis- mus), der Wirtschaft (von Planwirtschaft zu Marktwirtschaft) und natürlich auch der Gesell- schaft (von einer bevormundeten zu einer offenen) deutlich. Und dies vollzog bzw. vollzieht sich in einem enormen Tempo.
Der Zusammenbruch der DDR und die Vereinigung mit Westdeutschland brachte ei- nen gemeinsamen Staat mit gleichen politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen hervor. Menschen aus zwei gänzlich unterschiedlich strukturierten Systemen waren und sind nun aufgefordert, gemeinsam ein Staatswesen mit Leben zu füllen. Sie bringen Prägungen ein, die auf je spezifischen, durchaus verschiedenen Erfahrungen und unterschiedlich gewachse- nen gesellschaftlichen Strukturen beruhen. Heute trifft all dies aufeinander und gravierende Unterschiede in Lebensweise, Vorlieben und sozialen Wandlungsmöglichkeiten werden sichtbar. So kann der Prozess des Zusammenwachsens der beiden Deutschlands verstanden und befördert werden und die Gefahr gesellschaftlicher Konflikte gemindert werden. Dabei wird vor allem Toleranz und Flexibilität in allen Bereichen erwartet.
Strukturanalysen und ihre Typologisierung sind ein probates und gut erforschtes Mit- tel, um sozialen Aufbau und Wandel zu untersuchen. Hierzu sind Panelerhebungen notwen- dig, wie z.B. das Sozioökonomische Panel, welches seit 1984 jährlich ca.12.000 Deutsche und seit 1990 noch weitere 4.500 Personen zu zahlreichen Merkmalen der ökonomischen und so- zialen Lage, zur Erwerbstätigkeit, Familie u.a.m. befragt. Strukturanalysen geben Aufschluss über die Stabilität einer Sozialstruktur und können, in diesem spezifischen Fall, detaillierte Hinweise darüber geben, inwieweit die Menschen in Ostdeutschland den schwierigen Trans- formationsprozess verarbeiten konnten bzw. verarbeiten. Auch wird sichtbar, wie unterschied- lich und wie stark, von 40 Jahren unterschiedlicher politischer Führung geprägt, sich die Strukturen in Ost und West auseinanderentwickelt haben. Schließlich werden mögliche Kon- fliktlinien sichtbar, da einige Milieus ganz offenbar als Wendeverlierer dastehen, andere aber Vorteile aus dem Umbruch ziehen konnten. Strukturanalysen von Ostdeutschland zeigen ein Bild einer lange verschlossenen Gesellschaft auf, die noch immer von ihrer traditionellen Ori- entierung geprägt ist, jedoch heute unter massivem Modernisierungsdruck steht.
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Viele Entwicklungen, die im Westen Jahrzehnte in Anspruch nahmen, lassen sich heu- te im Osten einem Zeitraffer ähnlich nachvollziehen. Der Osten passt sich vielfach an - ohne aber seine Eigenarten abstreifen zu können und zu wollen. Strukturanalysen tragen auch dazu bei, im Westen den Aufbau und die damit einhergehenden Problem in dem neuen Staatsgebiet verstehen zu können. Im Osten wiederum eröffnen sie die Chance, die erfahrenen Wandel und Wechsel einordnen zu können. Für die Soziologie ist der Umstand besonders interessant, dass sich Wandlungsprozesse vollziehen, die teils voraussagbar, teils mit bereits bekannten Mitteln gut erfassbar sind, die aber in der Wucht ihres plötzlichen Auftretens ohne Beispiel und Vor- bild sind.
2. Strukturumbruch nach dem Zerfall der DDR 1990
„Transformation kann allgemein als spezifischer Typ sozialen Wandels verstanden werden, der sich im engeren theoretischen Sinne durch soziale Umwandlungsprozesse unter qualitativer Beibehaltung der institutionellen Verhältnisse auszeichnet. Ein solcher inhaltlich nicht weiter bestimmter, rein formaler Transformationsbegriff trifft jedoch nur unzureichend den Kern des neuen kapitalistischen Vergesellschaftungstypus in Ostdeutschland, da sich die grundlegenden Umwälzungen innerhalb eines völlig veränderten rechtlich-institutionellen Rahmens vollziehen und somit ein ‚Überleitungscharakter’ zu einer neuen Gesellschaftsfor- mation nicht gegeben ist.“ (Jakowatz 1998: 21).
Stefan Jakowatz fragt sich, ob die strukturellen Veränderungen in der ehemaligen
DDR ein transitiver, also ein kurzfristiger Prozess, der alle institutionelle und soziale Bereiche
umfasst oder einen langfristigen transformativen Prozess handelt. Er meint, man kann durch- aus sagen, dass es sich im Fall der gesamtdeutschen Vereinigung um eine Mischung aus par- tieller Transition, auf dem Gebiet der ehemaligen DDR und totaler Transformation, auf dem Gebiet des wiedervereinigten Deutschlands handelt (vgl. Jakowatz 1998: 19).
Die Transition in Ostdeutschland bezieht sich auf die Auflösung der wirtschaftlichen und juristischen grundlegenden Eigenstrukturen sowie der politischen Institutionen der DDR bei gleichzeitiger Durchsetzung von bürgerlich-kapitalistischer Basisinstitutionen, von Marktwirtschaft, Konkurrenzdemokratie, Rechts- und Sozialstaat (vgl. Jakowatz 1998: 19). Hierbei sei angemerkt, dass die soziale Absicherung in der ehemaligen DDR, abgesehen von Wirtschaftlichkeit und Finanzierbarkeit, im Vergleich zur BRD positiv zu bewerten war.
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Der Prozess der Transition lässt sich zeitlich eingrenzen, indem man als Beginn den unmittelbaren Umsturz des SED-Regimes benennt und als Ende den Beitritt der 5 neuen Län- der Ostdeutschlands zur Bundesrepublik Deutschland am 03.10.1990. Was außerdem die Wirtschafts- und Währungsreform beinhaltet (vgl. Jakowatz 1998: 20).
Die sozialstrukturellen Veränderungen in Ostdeutschland kann man in 5 Strukturbrü-
che einteilen:
a) Dramatischer Rückgang der Beschäftigung
b) Zusammenbruch der staatssozialistischen Wirtschaftstruktur
c) Abbau zentralstaatlicher „Überbau-Institutionen“
d) Veränderung im Erwerbssystem entlang der Geschlechterlinie
e) Veränderung entlang der Qualifikationsstruktur (vgl. Jakowatz 1998: 22).
a) Dramatischer Rückgang der Beschäftigung
In den Jahren von 1991 bis 1995 sank die Zahl der Erwerbstätigen in Ostdeutschland dramatisch von 7,3 Mio. auf gerade 6,4 Mio., was unter anderem auch auf die sinkende Ein- wohnerzahl (von 15,91 Mio. auf 15,45 Mio.) durch Abwanderung in die „alten“ Länder zu- rückzuführen ist. Parallel hierzu stieg auch die Zahl der Arbeitslosen von 0,91 Mio. auf 1,05 Mio. Menschen. Allerdings ging die Zahl der verdeckt Arbeitslosen leicht zurück. Immerhin ging die Gesamtzahl der Menschen, die nicht am „normalen“ Erwerbssystem teil nahmen, durch ABM, Kurzarbeit, Fortbildung, Vorruhestand, Altersübergang oder Arbeitslosigkeit von ca.2,8 Mio. auf ca.2,2 Mio. Menschen zurück. (vgl. Jakowatz 1998: 22f).
b) Zusammenbruch der staatssozialistischen Wirtschaftstruktur
Die staatssozialistische Wirtschaftsstruktur brach zusammen, aufgrund des Versuches der schnellen Anpassung einer technologisch und ökonomisch relativ rückständigen Wirt- schaft an den kapitalistischen Weltmarkt, aufgrund des Zusammenbruches der Wirtschaftsbe- ziehungen zum osteuropäischen Markt sowie durch die Privatisierung der ehemaligen Staats- betriebe. So gab es infolge dieses Prozesses große Veränderungen in den verschiedenen Be- reichen, z.B. in der Dienstleistungsbranche stieg die Zahl der Beschäftigten von 45,6 % (1990) auf 53,8 % (1993). Ein deutlichen Rückgang gab es z.B. im verarbeitenden Gewerbe, von 45,4 % auf 42,2 % und in der Landwirtschaft, von 9 % auf 4 % (vgl. Jakowatz 1998: 24f).
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Quote paper:
Steffen Knäbe, 2003, Strukturwandel in Ostdeutschland nach der Wiedervereinigung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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