Gliederung
1. Mehrsprachigkeit Mehrsprachigkeitsdidaktik - eine Einführung Seite 3-4
2. Mehrsprachigkeit fördern durch Sprachmittlung?
2.1. Definition von Sprachmittlung Seite 4-6
2.2. Funktionen Formen der Sprachmittlung Seite 6-7
2.3. Sprachmittlung im Fremdsprachenunterricht - damals und heute Seite 7-9
2.4. Ziele der Sprachmittlung im Fremdsprachenunterricht Seite 9-11
2.5. Gründe für die Sprachmittlung zwischen zwei Fremdsprachen Seite 12-13
3. Ein praktisches Beispiel für Sprachmittlungsübungen im Seite 14-16
Fremdsprachenunterricht
4. Schlusswort Seite 17
5. Bibliographie Seite 18-19
6. Anhang
2
1. Mehrsprachigkeit & Mehrsprachigkeitsdidaktik - eine Einführung
Ich möchte mich in dieser Arbeit mit dem Thema der Sprachmittlung im Fremdsprachenunterricht, mit besonderem Augenmerk auf das Sprachmitteln zwischen zwei Fremdsprachen beschäftigen. Im folgenden Kapitel soll es aber zunächst kurz um das übergeordnete Thema der Mehrsprachigkeit und ihrer Didaktik gehen.
Ein mehrsprachiger Mensch zeichnet sich heute dadurch aus, dass er mindestens drei moderne Sprachen beherrscht. Dies schließt die Muttersprache mit ein. Im Gegensatz dazu beherrscht ein zweisprachiger Mensch nur seine Muttersprache (L1) und eine weitere Sprache (L2), die als Zweit- oder Fremdsprache deklariert werden kann. Wenn hier nun von Sprachbeherrschung die Rede ist, meint dies nicht, dass die Person die fremde Sprache perfekt beherrscht; vielmehr sollten dem Sprecher zumindest elementare Bestandteile zur Verfügung stehen. Das bedeutet, es sollten zumindest Grundkenntnisse in den vier Fertigkeiten (Hören, Sprechen, Lesen, Schreiben) vorhanden sein. Nach Hallet/ Königs kann zwischen einer additiven und einer integrativen Mehrsprachigkeit unterschieden werden. Erstere wird als Ergebnis sukzessiven oder parallelen Erlernens einer Fremdsprache angesehen, während letztere die Fähigkeit meint, Kenntnisse in einer Sprache für das Erlernen anderer Fremdsprachen zu nutzen und zielt auf den Umgang mit der Sprache. 1
Die Mehrsprachigkeitsdidaktik (MSD) beschäftigt sich mit dem Umgang mit der Mehrsprachigkeit, und somit auch mit dem Verwendbarmachen für den Unterricht. „MSD entwickelt sich in vielsprachigen (multilingualen) Gemeinschaften […] als didaktisches Konzept des individuellen (plurilingualen) Erlernens von Sprachen im Rahmen des gesteuerten, institutionellen Lehrens.“ 2 Hierbei geht es jedoch nicht um eine willkürliche Mischung der Fremdsprachen, sondern um einen adressatenorientierten, polyglotten Sprachwechsel. Ein früher, intensiver und auch fachübergreifender Spracherwerb zählt damit zu den Leitlinien der Mehrsprachigkeitsdidaktik. Warum sie immer wichtiger bzw. notwendiger wird, zeigt die heutige Gesellschaft: die Lernergruppen sind multikulturell, damit multilingual - man spricht also von heterogenen Voraussetzungen. Eine Ignoranz dieser Tatsache kann im schulischen Kontext zu Misserfolgen bei Migranten führen. Weiterhin befinden wir uns in einer Phase des immer näher zusammenwachsenden Europas bzw. der wachsenden Globalisierung (nicht nur im kulturellen, auch im
1 Hallet, Wolfgang/ Königs, Frank (2010). Mehrsprachigkeit und vernetztes Sprachlernen, S. 303.
2 http://www.hueber.de/wiki-99-stichwoerter/index.php/Mehrsprachigkeitsdidaktik
3
wirtschaftlichen Sinne), was eine mehrsprachige Gesellschaft nicht nur wünschenswert, sondern auch nötig macht. Ein anderer Grund ist, dass durch eine erlernte Sprache oft der Zugang zu einer anderen Sprache erleichtert wird (zum Beispiel kann das Erlernen des Italienischen durch Kenntnisse aus der vorab gelernten Sprache Französisch erleichtert werden); somit entstehen verkürzte Lernzeiten bzw. ein geringerer Lernaufwand, wodurch wiederum Raum für weitere Fremdsprachen entstehen kann. Die Mehrsprachigkeitsdidaktik zielt aber nicht nur auf Spracherwerbsprozesse ab, sondern sie sieht die Herausbildung der Mehrsprachigkeit auch als Bildungsaufgabe. 3 So heißt es beispielsweise in den Rahmenrichtlinien Sachsen-Anhalts für das Fach Französisch: „Fächerübergreifendes Arbeiten dient der ganzheitlichen Bildung und Erziehung. Es betrifft Arbeitsweisen und -methoden, Themen und Perspektiven. Das Zusammenwirken verschiedener Fächer unter einer bestimmten Thematik fördert interdisziplinäres Lernen und Handeln und erschließt das Gegenstandsgebiet in einem erweiterten Kontext.“ 4
2. Mehrsprachigkeit fördern durch Sprachmittlung?
2.1. Definition von Sprachmittlung
Sprachmittlung umfasst die Tätigkeiten des Dolmetschens und Übersetzens. Diese These soll nun differenzierter betrachtet werden. Knapp zum Beispiel bezieht sich in seinen Ausführungen zum Sprachmitteln eher auf das Dolmetschen. Doch er ist der Ansicht, dass es verschiedene Arten des Dolmetschens gibt, die sich jedoch nicht alle für den Begriff der Sprachmittlung eignen; so das Simultan- oder das konsekutive Dolmetschen, das eher in formellen Situationen angewandt wird. Knapp bezeichnet die Form des nichtprofessionellen Dolmetschens als Sprachmittlung, denn er sagt: „Sprachmitteln liegt vor, wenn in alltäglichen Situationen in Gesprächen zwischen Personen, die einander mangels gemeinsamer Sprache sonst nicht verstehen können, ein Dritter (oder eine Dritte) ad hoc dolmetscht, der (oder die) die jeweiligen Sprachen zufällig mehr oder weniger gut beherrscht, und eine nur sinngemäße Wiedergabe des Gesagten ist gewöhnlich ausreichend.“ 5 Hierbei handelt es sich also um informelle Situationen, wie u.a. in
3 Gründe für die Notwendigkeit einer Mehrsprachigkeitsdidaktik in: Hallet, Wolfgang/ Königs, Frank (2010). Mehrsprachigkeit und vernetztes Sprachlernen, S. 303 ff.
4 http://www.bildung-lsa.de/pool/RRL_Lehrplaene/franzgyma.pdf, S. 21
5 Knapp, Karlfried (2006). Dolmetschen im Fremdsprachenunterricht, S. 175.
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mehrsprachigen Familien, bei Auslandsbesuchen etc. Knapp hat wahrscheinlich gerade dieser Form so viel Aufmerksamkeit geschenkt, weil es die heute am häufigsten vorkommende Form des Dolmetschens ist, weshalb es im Hinblick auf den schulischen Kontext wichtig ist, darauf vorzubereiten.
Und doch ist Knapps Definition nicht ausreichend für den Terminus Sprachmitteln, denn zwar ist es eine kommunikative Tätigkeit, umfasst aber nicht nur die mündliche Übertragung von einer Sprache in eine andere, sondern laut dem Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen jegliche Form der Übertragung von Inhalten aus einer Sprache in eine andere. So bekommt auch die schriftliche Übertragung ihren Stellenwert zugewiesen. Es müssen insgesamt alle möglichen Varianten der Übertragung berücksichtigt werden (mündlich mündlich; schriftlich mündlich; mündlich schriftlich; schriftlich schriftlich 6 ). Wobei es aber auch hier nicht nur um die textäquivalente Übertragung geht, sondern auch um eine freiere, sinngemäße Überführung. In diesem Sinne bezeichnet Rössler die Sprachmittlung als „die adressaten-, sinn- und situationsgerechte Übermittlung von Inhalten geschriebener und gesprochener Texte von einer Sprache in die andere.“ 7 Diese Definition schließt jedoch die textäquivalente Übertragung nicht aus, sofern es den Anforderungen der Situation und des Adressaten entspricht. Wichtig ist, sich am Kommunikationszweck zu orientieren. So lässt sich Sprachmittlung auch beschreiben „als [eine Form der] Kommunikation, bei der sich zwei primäre Interaktionspartner, ein Sprecher mit der Sprache A und einer mit der Sprache B, eines sekundären Interaktionspartners d.h. eines Mittlers bedienen.“ 8 Daraus entstehen sehr komplexe Anforderungen an den Mittler. Auch Rössler bekräftigt dies mit ihrer Aussage, dass „Sprachmittlung […] eine komplexe, unter Umständen auch interaktive Aktivität in einer mindestens zweisprachigen Sprechhandlungssituation [ist], zu deren Realisierung sowohl rezeptive als auch produktive kommunikative Fertigkeiten beherrscht und angewandt werden müssen.“ 9 Folgende Fertigkeiten müssen daher gegeben sein: zum einen spielt das Hörverstehen eine große Rolle, denn aus den verschiedenen Redebeiträgen muss das Essentielle herausgefiltert und übertragen werden. Wichtig ist auch der Faktor der Textverarbeitung. Das Gesagte muss sinngemäß wiedergegeben werden, so kann eine Umstellung von Inhaltselementen nützlich für das
6 De Florio-Hansen, Prof. Dr. Inez (2008). Sprachmitteln. Überlegungen zur Mediation im Fremdsprachenunterricht, S. 3.
7 Rössler, Andrea ( 2008). Die sechste Fertigkeit? Zum didaktischen Potenzial von Sprachmittlungsaufgaben im Fremdsprachenunterricht, S. 58.
8 Knapp, Karlfried (2006). Dolmetschen im Fremdsprachenunterricht, S. 176.
9 Rössler, Andrea ( 2008). Die sechste Fertigkeit? Zum didaktischen Potenzial von Sprachmittlungsaufgaben im Fremdsprachenunterricht, S. 61.
5
Verständnis sein bzw. ist unter Umständen eine Raffung der Redebeiträge nötig. Aber auch soziale Aspekte sollten berücksichtigt werden, wie der Grad der Höflichkeit und auch affektive Zustände können vom Mittler weitergegeben werden, sofern diese relevant für den weiteren Gesprächsverlauf sind. Zuletzt sind auch formale Veränderungen des Gesagten notwendig, zum Beispiel durch einleitende Wendungen wie „er sagte, dass…“. Ebenso von Bedeutung ist es, dass dem Mittler bewusst ist, dass er ein Gespräch auch lenken kann, indem er den Interaktionspartnern das Wort erteilt oder bei längeren Redebeiträgen unterbricht, noch mal nachfragt, etwas wiederholt und auch bei einem Streitgespräch eventuell schlichtendere Worte als die entsprechenden Parteien verwendet. Diese eben genannten „Freiheiten“ sind allerdings stets abhängig von der sozialen Rolle, die der Mittler selbst einnimmt. Weiterhin ist es wichtig, dass der Sprachmittler beachtet, dass es sich bei der Mittlung zwischen zwei Sprachen auch immer um eine Mittlung zwischen zwei Kulturen handelt, und er somit zur interkulturellen Verständigung beitragen kann. 10
2.2. Funktionen & Formen der Sprachmittlung
Wie bereits erwähnt geht es „bei sprachmittelnden Aktivitäten […] den Sprachverwendenden nicht darum, seine/ihre eigenen Absichten zum Ausdruck zu bringen, sondern darum, Mittler zwischen Gesprächspartnern zu sein, die einander nicht direkt verstehen können, weil sie Sprecher verschiedener Sprachen sind (was der häufigste, aber nicht der einzige Fall ist). Zu den sprachmittelnden Aktivitäten gehören Dolmetschen und Übersetzen sowie das Zusammenfassen und Paraphrasieren von Texten in derselben Sprache, wenn derjenige, für den der Text gedacht ist, den Originaltext nicht versteht“. 11 Somit unterscheidet der Gemeinsame europäische Referenzrahmen nicht nur zwischen der mündlichen und schriftlichen Übertragung, sondern untergliedert dies nochmals in Unterpunkte. Zu den schriftlichen Formen gehören die genaue sowie die literarische Übersetzung, das Zusammenfassen der wesentlichsten Punkte und das Paraphrasieren; während zu den mündlichen Formen das Simultandolmetschen, das konsekutive Dolmetschen und das informelle Dolmetschen zählen. Bei all diesen unterschiedlichen Formen der Sprachmittlung sind verschiedene Sprachrichtungen möglich, so beispielsweise von der Muttersprache in die Fremdsprache bzw. umgekehrt
10 die verschiedenen Fertigkeiten wurden entnommen aus: Knapp, Karlfried (2006). Dolmetschen im Fremdsprachenunterricht, S. 176 ff.
11 http://www.goethe.de/Z/50/commeuro/40404.htm
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Arbeit zitieren:
Alida Ziehm, 2011, Sprachmittlung zwischen zwei Fremdsprachen, München, GRIN Verlag GmbH
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