Gliederung 2
1 Einleitung 3
2 Bergriffsetymologie 4
3 Begriffskonzeptualisierung 4
3.1 absolute Armut 4
3.2 relative Armut 6
4 Armutsproblem in Entwicklungsländern 8
4.1 Was sind Entwicklungsländer 8
4.2 Symptome der Unterentwicklung 10
4 der Armut 13
4 Ziele und Wege zur Bekämpfung der Armut 16
4 Wege der Entwicklung 20
4.6 Fazit 23
5 Literaturverzeichnis 25
1. Einleitung
In der Forschung ist der Armutsbegriff ein Thema, das äußerst kontrovers diskutiert wird. Umstritten ist unter anderem, welcher Maßstab zur Begriffsdefinition anzuwenden und gemessen woran ein Zustand als arm zu bezeichnen ist.
Wer ist also arm? Und was ist Armut? In Indien beispielsweise wird die Armut an der zur Verfügung stehenden Menge von Kalorien gemessen – 2400 am Tag haben oder nicht haben, entscheiden über die Zugehörigkeit in der Gruppe der Armen, und nach dieser Berechnung trifft die Bezeichnung arm, auf über die Hälfte der Einwohner zu. Das sind mehr als 300 Millionen Menschen. Würde man die Kaloriengrenze nur um 100 Kalorien senken (etwa eine Scheibe trockenes Brot), wären plötzlich einige Millionen dieser Menschen nicht mehr arm. Ihnen ginge es zwar keinen Deut besser als vorher, doch die Klassifizierung arm würde nicht mehr auf sie zutreffen. Dieses einfache Beispiel zeigt recht deutlich wie machtvoll Klassifikationen sind und wie einfach es sein kann – wenigstens auf dem Papier – Armut hinwegzudefinieren. Es ist demzufolge ein Begriff der nur schwer festzulegen ist, da er sich immer an einer von einer bestimmten Gesellschaft als Mindestbedarf angesehenen Größe orientiert.
Unabhängig von dieser Frage kann Armut für persönliche Schicksale wie Krankheit, Arbeitslosigkeit oder Bildungsdefizite (z.B. Legasthenie) im Sinne von ´arm dran´ stehen. Wobei ich dieser Möglichkeit der Definition keine Beachtung schenken möchte. Vielmehr möchte ich auf folgenden Seiten die Begriffsklärung der Armut mit weitergreifenden Ereignissen wie Naturkatastrophen, Wirtschaftskrisen oder Kriegen assoziieren und
2. Bergriffsetymologie
Bevor ich zur Definition des Armutsbegriffes kommen werde, ist es meiner Meinung nach notwendig das Wort als solches, in geschichtlicher Perspektive zu analysieren. Das Adjektiv ´arm´ kommt aus dem Germanischen und besitzt die Wurzel ´armaz´, die im Sinne von ´verwaist´ steht. Zunächst wurde der Ausdruck unter der Bedeutung ´vereinsamt´, ´verlassen´, ´bemitleidenswert´ bzw. ´unglücklich´ verwendet. Und im christlichen Sinne schloss sich später auch der Gebrauch des Wortes als ´barmherzig´ an. Doch als ´besitzlos´ trat ´arm´ dann im Westgermanischen erstmalig als Gegenwort zu ´reich´ auf, so wie es heutzutage immer noch gebraucht wird.
3. Begriffskonzeptualisierung
Jede Definition von Armut sollte genau und leicht operationalisierbar sein. Es gibt zahlreiche Definitionsmöglichkeiten, die sich jedoch primär darin unterscheiden, ob Armut als absoluter oder relativer Begriff betrachtet wird.
3.1 absolute Armut
Der absoluten Armutstheorie liegt die Vermutung zugrunde, dass Armut dort beginnt, wo die Mittel zum Überleben auf die Dauer nicht gesichert sind. Diese Konzept basiert auf der Vorstellung eines physischen Existenzminimums und kommt dem ursprünglichen Sinngehalt des Begriffes "Armut" am nächsten. Armut wird anhand von Subsistenzstandards erfasst, welche einen Minimalbedarf an überlebenswichtigen Gütern, wie z.B. Obdach, Nahrungs- und Gesundheitspflegemitteln und Kleidung festlegen, und somit die Lebenserhaltung einer Person gewährleisten. Die Bestimmung eines Existenzminimums ist in erster Linie von biologischen Faktoren abhängig. Je nach Konstitution, Alter und Geschlecht kann die Menge der Grundbedürfnisse differieren.
So braucht ein stattlicher, ausgewachsener Mann von 100 Kilogramm weitaus mehr Kalorien damit er seinen Tagesbedarf deckt, als eine ältere Frau mit 55 kg Gewicht. Des weiteren kann sich das physische Existenzminimum immer nur auf eine bestimmte Gesellschaft zu einer gewissen Zeit beziehen, wobei natürliche Gegebenheiten, wie z.B. das Klima, ebenfalls vergleichbar sein müssen. Im Europa des 20. Jahrhunderts haben sich die Standards für Bekleidung, Wohnung und Freizeit in den letzten Jahren beträchtlich verändert. Der Zugang zu neuen, qualitativ besseren Ressourcen zur Befriedigung der Grundbedürfnisse hat neue Bedarfe entstehen lassen. So besteht heutzutage zum Beispiel ein höherer Transportbedarf, und die Verbreitung von Telefon, Rundfunk und Fernsehen hat neue Mindestvoraussetzungen für die Beteiligung am gesellschaftlichen Leben geschaffen. Was in Europa als Existenzminimum verstanden wird, stellt wie bereits erwähnt, möglicherweise einen durchschnittlich normalen Lebensstandard in der Dritten Welt dar. Da die Formulierung eines immer und überall gültigen Existenzminimums nicht möglich ist, lehnen es viele Sozialforscher ab, Armut absolut zu definieren.
"Wenn also die Festlegung eines Existenzminimums als absolut bezeichnet wird, so muss man die relative Gültigkeit dieses Absolutheitsanspruchs im Auge behalten."
Die Fixierung eines physischen Existenzminimums lässt sich schwerlich exakt begründen. Denn man könnte den Minimalbedarf eines Menschen willkürlich hoch beziehungsweise niedrig ansetzen. Bei niedrigem Ansatz stellt er einen bloßen Überlebensstandard dar. Setzt man ihn jedoch höher an, könnte er auch die Notwendigkeit der Beteiligung am kulturellen Leben, den Besitz gewisser Transportmittel und den Bedarf ordentlicher Kleidung umfassen. Ebenso schwer ist die Beantwortung der Frage, was tatsächlich ein Grundbedürfnis (´basic capability´) des Menschen ist. Die absolute Definition von Armut kann aber trotzdem mit dem Argument verteidigt werden, dass die vom Menschen benötigten Güter zwar variieren, die wesentlichen Handlungsnotwendigkeiten und Grundbedürfnisse, denen diese Güter dienen, jedoch unveränderlich sind. Man geht davon aus, dass die menschliche Grundnatur konstant ist. Jeder Mensch hat z.B. das Bedürfnis sich fortzubewegen bzw. zu reisen. Lediglich die für dieses Bedürfnis verwendeten Güter sind abhängig von Zeit und Gesellschaftsstand variabel (z.B. Pferd, Auto oder Flugzeug). In jedem Fall bleiben absolute Armutstheorien angreifbar und ihre praktische Umsetzung äußerst kompliziert.
3.2 relative Armut
Die relative Armutstheorie bezeichnet Armut als eine relative Schlechterstellung einer Bevölkerungsgruppe innerhalb der Gesellschaft. Diese Benachteiligung besteht einerseits hinsichtlich des durchschnittlichen Wohlstands der Bevölkerung und andererseits bezüglich des potentiellen Reichtums der Gesellschaft. Die benachteiligte Bevölkerungs- gruppe ist als arm zu bezeichnen, wenn ihr soziokulturelles Existenzminimum, welches über das physische Überleben hinausgeht, nicht gesichert ist.
Neben der materiellen Mangelausstattung mit Gütern und Dienstleistungen, leidet er zusätzlich an der immateriellen Unterversorgung hinsichtlich seiner kulturellen und politischen Partizipation, sowie seiner psychosozialen Lage. Das soziokulturelle Existenzminimum ist hierbei abhängig von materiellen, sozialen und kulturellen Standards und Lebensgewohnheiten eines Landes. Unter die Armutslinie fallen also Personen denen es nicht mehr möglich ist, am allgemeinen Lebensstil ihrer Gesellschaft teilzunehmen.
Der Ratsbeschluss der Europäischen Union vom 19. 12. 1984 greift zu folgender
„Als verarmt sind jene Einzelpersonen, Familien und Personengruppen anzusehen, die über so geringe (materielle, kulturelle und soziale Mittel) verfügen, dass sie von der Lebensweise ausgeschlossen sind, die in dem Mitgliedstaat in dem sie leben, als Minimum anwendbar ist.“
Bezogen auf Deutschland gelten bestimmte Richtlinien, die ich folgend beschreiben
Nachdem die Armut in einigen Jahrzehnten der Nachkriegszeit als ´Randphänomen der Wohlstandsgesellschaft´ gesehen wurde, wird sie ungefähr ab Ende der siebziger Jahre wieder als Gesellschaftsproblem diskutiert, und es wird versucht Anzeichen für Armut festzulegen und zu bestimmen. Als ein sehr pragmatischer Indikator gilt die Prognose über eine Einkommensarmut. In der Forschung ist die ´relative Einkommensarmut´ als die Schlüsselkategorie bei der Beschäftigung mit Armut bezeichnet. Sie orientiert sich dabei an der zu Beginn der 90er Jahre von der EU-Kommission festgelegten Grenze von 50 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens des betreffenden Landes. Man spricht von einem
´materiellen Einkommensbegriff´ mit einem ´eindimensionalen´ Indikator, nämlich dem Einkommen. Ersatzweise wird häufig auch auf den Bezug von Sozialhilfe zurück gegriffen. Der Mindestbedarf, den das Bundessozialhilfegesetz garantiert, gilt daher als offizielle Armutsgrenze, liegt geringfügig über 40 Prozent des verfügbaren Haushalteinkommens pro Person und bezeichnet die strenge Armut. Nicht alle berechtigten Sozialhilfeempfänger nehmen diese Hilfe auch in Anspruch, was aus unterschiedlichsten Gründen der Fall sein kann. Zum einen geschieht dies häufig durch fehlende Information über diverse Möglichkeiten von etwaigen Zusatzleistungen der Ämter. Zum anderen bestehen auch Ängste und Unsicherheiten vor einer Stigmatisierung als Sozialhilfeempfänger. Dies lässt die Dunkelziffer enorm ansteigen und zeigt demzufolge keine detaillierte Analyse zum Bestand der Armut in einer Region.
Da das Einkommen aber keinen Aufschluss über eine eventuelle Entbehrung in kultureller, politischer oder gesellschaftlicher Sicht erkennen lässt, und die Armut ein mehrdimensionales Problem mit wechselseitig bedingenden Facetten ist, versuchen Wissenschaftler eine Häufung bestimmter Unterversorgungslagen (z.B. die Kombination von niedrigem Bildungsabschluss und schlechter Wohnsituation) herauszufinden und kulturelle, nicht-materielle Indikatoren zu berücksichtigen und in Beziehung zu setzen (Forschungen über den ´Lebenslagenansatz´). Alle Armutsbegriffe (z.B. Einkommensarmut, Lebenslagenansatz) die mit unterschiedlichen Merkmalen gemessen werden, ergeben einen Anteil der armen Bevölkerung der zwischen 8,8 und 14,3% liegt. Einzig der Indikator des Sozialhilfeempfangs lässt, aus oben genannten Gründen, größere Abweichungen zu den Prozentzahlen erkennen (vgl. Klocke).
Es wird also deutlich, dass der Diskurs um Armut immer auch ein Diskurs ist, an dem sich die ideologischen Fronten verhärten, und wenn wir in unseren Breitenkreisen von Armut sprechen, spricht man in dritten Welt- oder eben in Schwellenländern wie Taiwan oder Brasilien vom relativen Wohlstand.
Quote paper:
Steffen Knäbe, 2003, Armut und deren Dimensionen in Entwicklungsländern, Munich, GRIN Publishing GmbH
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