- 2 -
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung. 3
II. Wissenschaftssprache, Fachsprache, Umgangssprache und Bildungssprache. 4
2.1. Kennzeichen von Wissenschafts- und Fachsprache. 4
2.1.1. Die Kompliziertheitsstruktur von Fach- und Wissenschaftssprachen. 5
2.1.2. Funktion von Fach- und Wissenschaftssprachen. 7
2.2. Kennzeichen von Umgangs- und Bildungssprache. 9
III. Wissenschaft und Öffentlichkeit. 10
3.1. Die Koexistenz und gegenseitige Abhängigkeit der Umgangs- und Fachsprache. 10
3.2. Popularisierung von Wissenschaft. 11
IV. Professionalisierung für die Erwachsenenbildung. 13
4.1. Folgerungen für die Bildung Erwachsener. 13
4.2. Eine „personenzentrierte Beschreibung der Handlungskompetenzen von
Weiterbildnern. 15
V. Abschlußbemerkung. 17
VI. Literaturverzeichnis 19
- 3 - I.Einleitung
In der folgenden Arbeit soll der Versuch unternommen werden, das Verhältnis von Popularisierung zu Akademisierung unter dem sprachlichen Aspekt näher zu beleuchten. Es scheint besonders in der Erwachsenenbildung vonnöten, sich um Sprachverständlichkeit zu bemühen, denn in den Institutionen der Erwachsenenbildung treffen Akademiker auf Nicht-Akademiker, wobei schnell die Forderung erhoben wird, der Kursleiter oder Teamer müsse eben die Sprache der Teilnehmer sprechen, um die Sprachbarrieren zu unterlaufen.
Im Folgenden soll daher herausgefunden werden, ob und wie dies möglich scheint. Im Mittelpunkt des zweiten Kapitels steht daher die Definition der einzelnen Sprachen, der Wissenschafts-, Fach-, Umgangs- und Bildungssprache. Mit besonderem Nachdruck sollen die Fach- und Wissenschaftssprachen erläutert und definiert werden, das heißt auch Antwort auf die Frage zu finden: Was macht eine Fachsprache eigentlich so kompliziert und welche Funktion hat eine entsprechende Kompliziertheitsstruktur? In allen nachfolgenden Erläuterungen wird der Einfachheit halber lediglich von den oder Fachsprache(n) die Rede sein, da die einzelnen Wissenschaftssprachen auch als wissenschaftliche Fachsprachen resp. Fachsprachen bezeichnet werden. Für das dritte Kapitel ist das Verhältnis von Wissenschaft zu Öffentlichkeit von besonderem Interesse. Ausgangspunkt stellt die Erörterung von der Koexistenz und der gegenseitigen Abhängigkeit der Fach- und Umgangssprachen dar. Ferner sollen unter dem Stichwort der Popularisierung, Hinweise gegeben werden, inwiefern die Popularisierung von wissenschaftlichen Ergebnissen möglich scheint und welche Aufgaben der Erwachsenenbildung bei diesem Prozeß zufallen. Abschließend soll auf verschiedene Lösungsmöglichkeiten eingegangen werden, d. h. wie ist eine Annäherung von Lehrenden und Lernenden in der Erwachsenenbildung möglich, so daß beide Teile einen entsprechenden Erfolg für sich verzeichnen können, dazu soll abschließend einen personenzentrierte Beschreibung der Handlungskompetenzen von Weiterbildnern exemplarisch dargelegt werden.
- 4 - II.Wissenschaftssprache, Fachsprache, Umgangssprache und Bildungssprache
2.1. Kennzeichen von Wissenschafts- und Fachsprache
Wenn Teilnehmer in der Erwachsenenbildung über sprachliche Schwierigkeiten in Lernsituationen klagen, so betrifft dies fast immer die Phase des Besprechens. Zwischen der oft als neu und fremd empfundenen Fachsprache, in deren Gewand sich der Wissenschaftsstoff kleidet und der gewohnten Umgangssprache der Teilnehmer ist nicht immer leicht zu vermitteln 1 . Zunächst muss man sich die Kennzeichen der Fach- und Wissenschaftssprachen bewußt machen, um nachhaltiger überlegen zu können, welche Art von Vermittlung möglich scheint. Fachsprachen sind eigentlich keine vollständig neuen Sprachen. Sie beziehen immer Vokabular und Syntax der Gemeinsprache ein, d. h. kein Satz könnte allein in Fachsprache gesprochen werden. Bei den Fachsprachen handelt es sich also um Sprachvarietäten der allgemeinen Sprache. Die Ausdrücke der Fachsprache sind gegenüber den Wörtern der Umgangssprache möglichst genau festgelegt, so daß sie dem Laien als verschlossen, normiert und deshalb künstlich erscheinen. Man erwirbt eine Fachsprache, indem man sich spezielle Kenntnisse aneignet, z. B. Berufskenntnisse: „so haben die Bergleute, Jäger und Fischer, überhaupt Seeleute, natürlich auch Bauern und Handwerker einen Schatz von Fachworten angesammelt, für den sich die Sprachwissenschaft seit langem interessiert” 2 .
Für spezielle Lebensbereiche stellen Fachsprachen eine größere Präzision der Rede möglich. Jedoch ist die Verwendung fachsprachlicher Ausdrücke nicht immer explizit geregelt. In diesem Zusammenhang unterscheidet sich die Wissenschaftssprache von den übrigen Fachsprachen. Eine Wissenschaftssprache „muß sich für die Funktion der tatsachenfeststellenden Rede und speziell für die Prüfung von Aussagen eignen” 3 . Der kontextfreie Gebrauch der sprachlichen Ausdrücke sowie die Einbettung in einen theoretischen Zusammenhang trägt zur Normierung bei, deren Grad entsprechend hoch ist. Wissenschaftliche Termini belasten denjenigen, der sie verwendet, mit stärkeren Verteidigungspflichten; „wer sie verwendet, erweckt beim Hörer bestimmte Begründungserwartungen: ‚Zu behaupten, daß Eisen ein Element sein, Wasser aber
1 Auf die Kennzeichen von Umgangssprache wird im Kapitel 2.2. eingegangen werden.
2 zit. nach: Habermas, Jürgen, Die Moderne - Ein unvollendetes Projekt, Philosophisch-politische
Aufsätze 1977 - 1992, Leipzig 1992, S. 11.
3 zit. ebd. S. 12.
- 5 - nicht,schließt andere Verteidigungspflichten ein als die Behauptung, daß die Elemente auch im Zeitalter der Technik ihre Gefährlichkeit für den Menschen nicht verloren hätten‘” 4 .
2.1.1. Die Kompliziertheitsstruktur von Fach- und Wissenschaftssprachen
Die Wissenschaftssprachen und Fachsprachen sind oft unverständlich oder zumindest schwerverständlich. Das ergibt sich zunächst aus der geringen Vertrautheit mit dem Sachgebiet, auf das sich ein entsprechender Text bezieht; der Leser kennt den Sinn der Fachausdrücke zuwenig, selbst wenn er sich manches darunter vorstellen kann. Und darin liegt eine besondere Gefahr, weil vage Vorstellungen über die Bedeutung eines Wortes zwangsläufig zu Mißverständnissen führen 5 . Es muß kaum „(...) näher begründet werden, daß die Technik, den Leser den intendierten Sinn von Aussagen raten zu lassen, der Wahrheitsprüfung und dem wissenschaftlichen Fortschritt nicht sehr förderlich ist” 6 . Je klarer und eindeutiger wissenschaftliche Texte formuliert sind und je weniger sie Anlaß geben mißverstanden zu werden, desto größer ist die Chance, daß Leser und Zuhörer Schlußfolgerungen ziehen, die mit den dargestellten Aussagen vereinbar sind und desto geringer ist die Gefahr, daß sie sich Vorstellungen bilden und daraus Bewertungen ableiten, die nicht mit den richtig verstandenen Ergebnissen begründet werden können. Die wissenschaftlichen Texte unserer Zeit sind jedoch unpersönlich, leblos und scheinbar höchst objektiv und rein sachlich. Dazu ein Beispiel aus dem Jahre 1974, die ersten Sätze über Sprachwandel. „Anscheinend enthält das Problem des Sprachwandels eine grundlegende Aphorie. Denn bereits die kausale Fragestellung, die Frage, weshalb die Sprachen sich ändern (als ob sie sich nicht ändern dürften), scheint auf eine durch das Werden gestörte, ja negierte natürliche Statizität hinzuweisen, wobei das Werden im Gegensatz zum eigentlichen Wesen der Sprache stünde." Mit diesen einleitenden Sätzen haben die meisten Laien das Buch beiseite gelegt. Der Autor gibt sich nicht die geringste Mühe, den Leser in die Thematik einzuführen. Er springt sofort mitten ins Thema, setzt das Interesse des Wissenschaftlers einfach voraus und kümmert sich um einen möglichen Laien, der auch Interesse an diesem Thema haben könnte, überhaupt nicht 7 .
4 zit. ebd. S. 12.
5 Glaser, Ernst, Kann Wissenschaft verständlich sein? Von der Schwierigkeit ihrer Popularisierung, Wien -
Düsseldorf 1965, S. 87, zit. Glaser, Wissenschaft.
6 zit. nach: Kraak, Bernhard, „Wenn ich Sie richtig verstanden habe”, Sind wissenschaftliche Texte mit
Vorbedacht nicht klar und eindeutig?, Bonn 1982, S. 17, zit. Kraak, wissenschaftliche Texte.
7 Steinig, Wolfgang, Rollenverständnis und Sprachverhalten, Möglichkeiten zur besseren Verständigung
- 6 - Dochworin zeigt sich die heute so starke Spezialisierung der Wissenschaftssprachen und welche Gründe hat sie? Zunächst ist eine befremdliche Entpersönlichung in den Aussagen festzustellen; der Wissenschaftler spricht von „man kann beobachten” Statt von „ich beobachte”, er verwendet unpersönliche Passiv-, Infinitiv-und
Partizipalkonstruktionen statt sich als Person zu nennen. Es treten abstrakte nichtmenschliche Größen in die Rolle des Menschen, wenn es heißt: „Die Relativitätstheorie schuf ein neues physikalisches Weltbild” statt: „Einstein schuf durch seine Relativitätstheorie ein neues physikalisches Weltbild” 8 . Man bezeichnet dieses Phänomen auch als „Subjektschub”, infolgedessen etwas als Subjekt des Satzes fungiert, was eigentlich nicht diese Stelle einnehmen kann. So kann eine ehemalige adverbiale Bestimmung die Rolle des Subjektes übernehmen. Statt „Wegen dieses Widerspruchs ist eine Anwendung dieser Theorie nicht möglich” heißt es nun „Dieser Widerspruch läßt eine Anwendung dieser Theorie nicht zu” 9 . Besonders auffällig wird „meinen” anstelle von „bedeuten” verwendet, etwa: „Szientismus meint den Glauben der Wissenschaft an sich selbst” 10 .
Ein weiterer Aspekt der Kompliziertheitsstruktur stellt die Häufung von fachsprachlichen Ausdrücken dar, diese führt zu einer Ballung von Hauptwörtern in einem Satz, zur sogenannten Nominalisierung. „Man tut so, als ob Innovation etwas anderes sei als Neuerung und rigide etwas anderes als starr. Man unterschlägt also, bewußt oder unbewußt, die schlichte Synonymität der Wortpaare, die jeden Übersetzer geläufig ist, und tut so, als könne man mit Innovation und rigide atemberaubend neue Sachverhalte bezeichnen” 11 . Ferner häufen sich in der Schriftsprache, die aber z. B. in den Nachrichten auch öffentlich gesprochen wird, Schachtelungen von Nebensätzen und komplexen Attribut-Ketten, mit deren Hilfe gleichsam eine Information in die andere gesteckt wird.
zwischen Wissenschaftlern und Laien, Bonn 1982, S. 13.
8 zit. nach: Bungarten, Theo, Das neue Latein der Gelehrten, Das Prinzip der Genauigkeit, die Sprache
der Experten und die Abhängigkeit von den Spezialisten, Bonn 1982, S. 10.
9 zit. nach: Schlutz, Erhard, Sprache, Bildung und Verständigung, Bad Heilbronn 1984, S. 118, zit. Schlutz,
Sprache.
10 zit. ebd. S. 118.
11 zit. nach: Wagner, Wolf, Uni-Angst und Uni-Bluff, Wie studieren und sich nicht verlieren, Berlin 1992.
Arbeit zitieren:
Sandra Anni Lang, 1993, Alle Macht den Profis?, München, GRIN Verlag GmbH
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