Inhaltsverzeichnis
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1. Einleitung 3
2. Implikationen der Machiavellschen Lehre vom politischen Handeln 5
2.1 Die politische Krise Italiens 5
2.2 Die Verdorbenheit der Menschen 7
2.3 Trennung von (Macht-)Politik und Moral 8
3. Interpretationskontroversen der Lehre vom politischen Handeln 9
3.1 Leo Strauss 9
3.2 Isaiah Berlin 13
4. Symbiose der Interpretationen: Politik als Machttechnik 18
5. Fazit 19
6. Literaturverzeichnis 21
2
1. Einleitung
„Machiavellis Lehre war ein Schwert, das in den staatlichen Leib der abendländischen Menschheit gestoßen wurde und sie aufschreien und sich aufbäumen machte.“ 1 Jacques Maritain bemerkte, die Ausführungen des Niccolo seien die grausamste Verstümmelung, die der praktische Verstand des Menschen je erlitten hat. 2 Ist er ein „Lehrer des Bösen“ 3 oder Begründer der Wissenschaft von der Politik? 4 In Bezug auf die Aussagen Friedrich Meineckes können innerhalb der Wissenschaft äquivalente Meinungen zum Leben und Wirken Niccolo Machiavellis konstatiert werden. 5 Gemäß den Aussagen Quentin Skinners ist es geboten, damit Missverständnisse präventiv ausgeräumt werden, „[…] dass wir, um Machiavellis Lehren zu verstehen, erst einmal die Probleme verstehen müssen, denen er sich selbst […] in […] seinen Schriften über politische Philosophie gegenübersah. Um seine Perspektive einnehmen zu können, müssen wir der Reihe nach den Kontext rekonstruieren, in dem diese Werke ursprünglich verfasst worden sind.“ 6
Sofern der zuletzt aufgeführte Autor in seinen Postulaten von Problemen zu Zeiten der Renaissance spricht, benennt er damit den Ausgangspunkt des Denkens Machiavellis im humanistischen Stil. Dabei wird seitens Niccolo Machiavellis der Versuch unternommen, die „Geschichte von Florenz“ in eine republikanische Zukunft zu transferieren. Vor dem Hintergrund des fundamentalen Bruchs mit christlichen Moralitäten, sowie westlich geprägter Denktraditionen, können mögliche politische und staatstheoretische Konsequenzen lediglich erahnt werden. Das genaue Thema der Hausarbeit beschäftigt sich primär mit der Frage, inwieweit Interpretationsstränge durch die den Autoren anhaftenden Charakteristika geprägt sind. Ferner werden diese Rezeptionslinien bis zu einem symbiotischen Urteil weitergeführt. Dabei werden methodisch Implikationen der machiavellschen Lehre vom politischen Handeln dargestellt. Auf diesem Wege soll das zunächst monumental wirkende Thema
1 Meinecke, Friedrich, Die Idee der Staatsräson in der neueren Geschichte, 1. Auflage, München 1927, S.
61.
2 Vgl. Maritain, Jacques, The End of Machiavellianism, in: Review of Politics, New York 1942, S. 1-33.
3 Strauss, Leo, Thoughts on Machiavelli, 1. Auflage, Chicago 1958, S. 9.
4 Vgl. Buck, August, Machiavelli, 1. Auflage, Darmstadt 1985, S. 156 ff.
5 Den besten Überblick liefert Cochrane. Vgl. Cochrane, Eric W., Machiavelli 1940-1960, in: Journal of
Modern History, Chicago 1961, S. 113-136.
6 Skinner, Quentin, Machiavelli zur Einführung, 2. Auflage, Hamburg 1990, S. 12.
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sowohl eingegrenzt, wie auch kontextualisiert werden, um erkennbare Bezüge zwischen Renaissance und der staatstheoretischen Lehre Niccolos herstellen zu können. Darauf basierend werden im nächsten Schritt Aussagen ergänzt und abstrakt weitergeführt. Gerechtfertigt ist dies durch die Tatsache, dass unmerklich erst durch ein vorhandenes Grundverständnis verschiedene Interpretationslinien verfolgt und verstanden werden können.
Im Folgenden gilt es, neben einer thematischen Aufarbeitung, sich mit grundlegenden Argumentations- und Nachweismustern Machiavellis auseinander zu setzen. Anschließend wird eine konstruktive Analyse des aktuellen Forschungsstandes vorgenommen. Sowohl die zentralen Aussagen von Leo Strauss, als auch von Isaiah Berlin lassen Rückschlüsse zu, wie die Republik errichtet und sich der Fürst verhalten soll.
Des Weiteren werden bezüglich der politischen Lehre Folgen unterschiedlichster Art und Weise aufgezeigt, um so im Sinne von abstrahierten Schlussfolgerungen eine Einschätzung vornehmen zu können.
Im Fazit soll in zusammenfassenden Stil aufgezeigt werden, ob und inwieweit Auffassungen, welche ein negatives Bild Machiavellis skizzieren, mit dessen möglicherweise vorhandener Gegenwartsbedeutung vereinbar sind.
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2. Implikationen der machiavellschen Lehre vom politischen Handeln
2.1 Die politische Krise Italiens
Eingeleitet mittels Reformation, der Entdeckung Amerikas, sowie dem Fall von Konstantinopel entstand der Begriff „Neuzeit“ 7 nicht aus sich selbst heraus, er war keine „creatio ex nihilo“ 8 . Staaten formierten sich neu, die Gesellschaft ordnete sich fernab der mittelalterlichen Feudalherrschaft hin zum Recht des Menschen und mit Hilfe einer nicht gekannten Vielfalt an Lebensformen erreichten die Individuen ein gewisses Maß an Freiheit. Nichts desto trotz lässt sich die Wiederkunft des Alten im Sinne der Renaissance feststellen, die neben dem „Pathos des Neuen“ 9 existierte. Diese Epoche des Universalismus, geprägt durch erste Entstehungstendenzen des Völkerrechts, sowie einer allgemein gültigen und reflexiven Moral, stand im Spannungsfeld divergierender staatlicher bzw. politischer Ordnungsmuster. Einige Autoren sahen darin ein „Zeitalter der Zerstörung des Naturrechts“ 10 bzw. die „Epoche gnostischer Selbstüberhebung des Menschen“ 11 . Im Konkurrenzkampf zwischen republikanischen und modern liberalen Strömungen befand sich ebenso das Italien zu Zeiten Machiavellis.
Die Krise und Schwäche Italiens spielte eine zentrale Rolle für Machiavellis politische Theorie. 12 Seit dem Frieden von Lodi im Jahre 1454 waren die Beziehungen zwischen den fünf italienischen Staaten Florenz, Mailand, Venedig, Neapel und dem Kirchenstaat in gemäßigten Bahnen verlaufen, es herrschte zunächst ein Machtgleichgewicht. Das Einmarschieren französischer Truppen unter Karl VIII. bis in die Toskana Italiens im Jahre 1494 zerstörte den Zustand friedlicher Existenzen, offenbarte die instabile innenpolitische Lage. Kämpfe auf italienischem Terrain symbolisierten fortan im Sinne von Stellvertreterkonflikten das Ringen der Großmächte um die Vorherrschaft in
7 Vgl. Koselleck, Robert, Neuzeit. Zur Semantik moderner Bewegungsbegriffe, in: ders., Vergangene
Zukunft, 2. Auflage, Frankfurt am Main 1992, S. 300-348.
8 Ottmann, Henning, Geschichte des politischen Denkens, Band 3: Neuzeit, 1. Auflage, Stuttgart 2006, S.
2.
9 Ebd.
10 Vgl. Strauss, Leo, Naturrecht und Geschichte, 2. Auflage, Frankfurt am Main 1989.
11 Vgl. Voegelin, Eric, Die neue Wissenschaft der Politik, 1. Auflage, München 2004, S. 119 ff.
12 Vgl. Buck, August, 1985, S. 26 ff.; Münkler, Herfried, Im Namen des Staates. Die Begründung der
Staatsraison in der Frühen Neuzeit, 1. Auflage, Frankfurt am Main 1987, S. 27 ff.
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Europa. 13 Unterstützt von Mailand und Florenz eroberte Karl VIII. 1495 die Provinz Neapel, woraufhin auch Spanien im Rahmen der „Heiligen Liga“ (Kirchenstaat, Spanien, Kaiser, Venedig, Sforza) intervenierte und Frankreich zum Rückzug zwang. Die inneren Angelegenheiten betreffend, stellte Italien ein Geflecht zahlreicher großer und kleiner Fürstentümer und Republiken dar, welche sich ständig in Konfliktsituationen befanden. 14 Charakteristisch für den schwelenden Konkurrenzkampf war die Figur der „Condottiere“, ein Heerführer, bei diesem der monetäre Gewinn im Vordergrund stand. Er führte eine Söldnertruppe und vermietete diese an den meistbietenden Fürsten. Verfassungsgemäße Untermauerungen politischer Handlungen waren nicht von tragender Bedeutung, einzig der Erfolg rückte in den Fokus der Gesellschaft. Mit dieser das Individuum in den Mittelpunkt rückenden Lebensweise verschwommen moralische Bindungen. Verdeutlicht werden kann dies anhand der Aussagen Hans Maiers, der erklärt: „In diesen vergleichsweise kleinen, in ein unaufhörliches bellum omnium contra omnes verstrickten Kommunen ist Politik nicht mehr eine sinnvolle Tätigkeit, die der Ordnung des Gemeinwesens dient, sie schrumpft zum technischen Utensil der Machtbehauptung.“ 15
Die Isolation Italiens gegenüber anderen Staaten, verfestigt durch innere Zerklüftungen und Fremdherrschaft auf eigenem Territorium, wurde für Machiavelli zu einer ausschlaggebenden Erfahrung. 16 Daneben wurde sein politischer Habitus durch unbeirrt angewandte und willkürlich anmutende Macht geprägt, Gewalt rückte in den Mittelpunkt der empirischen Betrachtungen. 17 Humanistische Schriften und traditionelle Fürstenspiegelliteratur des Erasmus ablehnend, widmete sich Niccolo dem politischen Realismus, schafft damit einen „[…] Fürstenzerrspiegel, der im altvertrauten Genrerahmen das edle Herrscherantlitz zur machtpolitischen Fratze eines
13 Vgl. Münkler, Herfried, Niccolo Machiavelli, in: Denzer, Horst (Hrsg.) / Maier, Hans, Klassiker des
politischen Denkens. Erster Band. Von Plato bis Thomas Hobbes, 3. überarbeitete Auflage, München
2007, S. 125 ff.
14 Ebd.
15 Maier, Hans, Die Lehre der Politik an den deutschen Universitäten vornehmlich vom 16. bis 18.
Jahrhundert, in: Oberndörfer, Dieter, Wissenschaftliche Politik. Eine Einführung in die Grundfragen ihrer
Tradition und Theorie, 2. Auflage, Freiburg im Breisgau 1966, S. 74.
16 Vgl. Münkler, Herfried, 1987, S. 27 ff.
17 Schmitt, Eberhard, Machiavelli, in: Maier, Hans / Rausch, Heinz / Denzer, Horst (Hrsg.), Klassiker des
politischen Denkens. Erster Band: Von Plato bis Hobbes, 6. überarbeitete und erweiterte Auflage,
München 1986, S. 165-180.
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Arbeit zitieren:
Torsten Biedermann, 2010, „Einem solchen Namen wird keine Interpretation gerecht.“ – Rezeptionsstränge Niccolo Machiavellis im 20. Jahrhundert, München, GRIN Verlag GmbH
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