Inhaltsverzeichnis
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1. Einleitung
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2. Theologische und ideengeschichtliche Voraussetzungen der Zwei-Reiche-Lehre
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3. Grundverständnis Zwei-Reiche-Lehre
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4. Interpretationskontroversen der Zwei-Reiche-Lehre
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4.1 Johannes Heckel vs. Paul Althaus
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4.2 Ulrich Duchrow
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4.3 Eike Wolgast
5. Folgen der Zwei-Reiche-Lehre 12
5.1 Konkret-individuelle Konsequenzen 12
5.2 Abstrakt-staatstheoretische Konsequenzen 13
6. Fazit 14
7. Literaturverzeichnis 15
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1. Einleitung
„Ich liebe ihn nicht […]. 1 Das Deutsche in Reinkultur, das Separatistisch-Antirömische, Anti-Europäische befremdet und ängstigt mich, auch wenn es als evangelische Freiheit und geistliche Emanzipation erscheint, und das Spezifisch Lutherische, das Cholerisch-Grobianische, das Schimpfen, Speien und Wüten verbunden mit […] massivsten Aberglauben an Dämonen, Incubi und Kielkröpfe, erregt meine instinktive Abneigung. Ich hätte nicht Luthers Tischgast sein mögen […] und ich bin überzeugt, daß ich mit […] Giovanni de Medici, […] viel besser ausgekommen wäre.“ 2
In Bezug auf die Aussagen Thomas Manns können innerhalb der Wissenschaft äquivalente Meinungen zum Leben und Wirken Martin Luthers konstatiert werden. 3 Gemäß den Aussagen Karl Barths leidet Deutschland „[…] an der Erbschaft des größten christlichen Deutschen: an dem Irrtum Martin Luthers hinsichtlich des Verhältnisses von Gesetz und Evangelium.“ 4 In Ergänzung hierzu formuliert Max Scheler, Luther sei „[…] der Beginn deutscher Krankheit […] verantwortlich für das Auseinandertreten von Innerlichkeit und Äußerlichkeit.“ 5 Sofern der zuletzt aufgeführte Autor in seinen Postulaten von Innerlichkeit und Äußerlichkeit spricht, benennt er damit den Ausgangspunkt des lutherischen Denkens zur Zeit der Reformation, die Scheidung der Welt in die Regimenter weltlicher und geistlicher Natur. Dabei wird seitens Martin Luthers der Versuch unternommen, die Trennung von Kirche und Staat mit einem Fundament biblischer Nachweise und theologischer Neuinterpretationen zu begründen. Vor dem Hintergrund dieses fundamentalen Bruchs mit römisch-katholischen Dogmen und der Spätscholastik, können mögliche politische und staatstheoretische Konsequenzen lediglich erahnt werden.
Das genaue Thema der Hausarbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob aus Zwiespältigkeiten der Zwei-Reiche-Lehre staatstheoretische und politische Folgen abgeleitet werden können. Methodisch wird dabei zunächst eine theologische und ideengeschichtliche Basis gelegt. Auf diesem Wege soll das zunächst monumental wirkende Thema sowohl eingegrenzt, wie auch
1 Thomas Mann nimmt hier Bezug auf Martin Luther.
2 Blickle, Peter, Die Reformation im Reich, 3. Auflage, Stuttgart 2000, S. 14.
3 Vgl. ebd, S. 13 - 22.
4 Vgl. ebd, S. 15.
5 Vgl. ebd, S. 16.
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kontextualisiert werden, um primär-erkennbare Bezüge zwischen Reformation und der Zwei-Reiche-Lehre herstellen zu können.
Darauf basierend werden im nächsten Schritt Aussagen ergänzt und abstrakt weitergeführt. Gerechtfertigt ist dies durch die Tatsache, dass unmerklich erst durch ein vorhandenes Grundverständnis verschiedenste Interpretationslinien verfolgt und verstanden werden können. Im Folgenden gilt es, neben einer theoretisch-thematischen Aufarbeitung der „Thematik Zwei-Reiche-Lehre“, sich mit grundlegenden Argumentations- und Nachweismustern Martin Luthers auseinander zu setzen. Anschließend wird eine konstruktive Analyse des aktuellen Forschungsstandes vorgenommen. Sowohl die zentralen Aussagen von Ulrich Duchrow, als auch von Eike Wolgast lassen Rückschlüsse zu, wonach der Christ Bürger zweier Reiche sein kann und ein Über- bzw. Unterordnungsverhältnis zwischen den Regimenten nicht existent ist. Des Weiteren werden bezüglich der Zwei-Reiche-Lehre Folgen unterschiedlichster Art und Weise aufgezeigt, um so im Sinne von abstrahierten Schlussfolgerungen eine Einschätzung Lutherisch-politischen und Lutherisch-staatstheoretischen Wirkens vornehmen zu können. Im Fazit soll in zusammenfassenden Stil aufgezeigt werden, ob und inwieweit Auffassungen, welche eine negatives Bild Luthers skizzieren mit dessen möglicherweise vorhandenen Gegenwartsbedeutung vereinbar sind.
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2. Theologische und ideengeschichtliche Voraussetzungen der Zwei-Reiche-Lehre
Der Reformation ging ein umfassender Wandel der Gesellschaft voraus. Hervorzuheben ist, dass dieser Umwälzungsprozess seinen Ursprung in der innerkirchlichen Reformbewegung hatte, woran sich soziale Auswirkungen anschlossen. Im Zuge dessen wurden Forderungen der Bevölkerung Europas nach einer Stellungnahme der Herrschenden laut, weshalb sich politische Konsequenzen im Sinne der Reformation erst später ergaben. Prägend für die deutsche Bevölkerung um 1500 waren sowohl das Vorhandensein einer Volksfrömmigkeit, als auch die gesteigerte Heilssehnsucht der Menschen im Zusammenhang mit einer gesteigerten Kirchenkritik. 6 Das Individuum dieser Zeit beschäftigte sich trotz nur rudimentär vorhandenen Wissens mit der Heiligen Schrift. 7 Begründet wird dies durch die Tatsache, dass die größte Anzahl an landessprachlichen Übersetzungen der Bibel in Deutschland auffindbar war. 8 Analog dazu verhielt sich zunehmender Pessimismus gegenüber der sakramentalen Kirche, welcher im „Antiklerikalismus“ 9 mündete. Kennzeichnend für diese Kritik am Papsttum Roms im Sinne der „Gravamina deutscher Nation“ 10 , den Beschwerden von Reichsständen gegenüber dem Klerus, waren Forderungen nach einer Neuordnung im Hinblick auf die Besetzung kirchlicher Ämter und die Abschaffung der „Fiskalisierung“ der Spiritualia (Weihesteuern, Stolgebühren, Ablass). 11
Eine etwaige Auflösung bzw. Minderung dieser Missstände strebte Martin Luther an, indem er sich intensiv mit theologischen Positionen seiner Zeit auseinandersetzte. Primär sah er sich nebst anderen Theologen mit der Frage konfrontiert, wie sich der Mensch in der Welt verhalten soll, damit er in ein geheiligtes Verhältnis zu Gott ohne Mithilfe der sakralen Kirche treten kann.
6 Vgl. Moeller, Bernd, Frömmigkeit in Deutschland um 1500, in: Archiv für Reformationsgeschichte 56 (1965),
S. 5 - 30.
7 Vgl. Schreiner, Klaus, Laienfrömmigkeit - Frömmigkeit von Eliten oder Frömmigkeit des Volkes? Zur sozialen
Verfasstheit laikaler Frömmigkeitspraxis im späten Mittelalter, in: Ders., Laienfrömmigkeit im späten Mittelalter.
Formen, Funktionen, politisch-soziale Zusammenhänge, München 1992, S. 1 - 78.
8 Bäumer, Remigius, in: Kottje, Raymund; Moeller, Bernd, Ökumenische Kirchengeschichte, 5. Auflage, Mainz
1993, S. 278.
9 Vgl. Cohn, Henry, Reformatorische Bewegung und Antiklerikalismus in Deutschland und England, in: Mommsen,
Wolfgang, Stadtbürgertum und Adel in der Reformation. Studien zur Sozialgeschichte der Reformation in England
und Deutschland, Stuttgart 1979, S. 309 - 330.
10 Blickle, Peter, Reformation im Reich, 3. Auflage, Stuttgart 2000, S. 34.
11 Vgl. ebd, S. 34 - 38.
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Arbeit zitieren:
Torsten Biedermann, 2009, Das Phänomen Luther im Zuge der Reformation, München, GRIN Verlag GmbH
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