Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Familie in der DDR 3
3. Die Schule in der DDR 6
4. Die außerschulischen Organisationen in der DDR 9
5. Fazit 12
Literaturverzeichnis 13
Literaturverzeichnis 13
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1. Einleitung
Die Anfänge der sozialistischen Erziehung findet man in der Weimarer Republik, in den proletarischen Schichten der Gesellschaft. Gründer dieses Erziehungsstiles stützen sich auf die Marxsche Gesellschaftstheorie und versuchen die Theorie des Individuums, Begriffe wie Entfremdung, Klasseninteresse und Klassenbewusstsein mit einzubringen. Gestützt wurden sie durch die SPD, welche ein Programm der "Kinderfreundbewegung" proklamierten. Dies bedeutete, dass Arbeits-, Turn- und Sportvereine sowie Kindergruppen gebildet wurden, welche die Kinder in ihrer Freizeit besuchen konnten. Trotz der Ausweitung dieser Organisationen und dem sozialistischen Erziehungsstils. In der Weimarer Republik blieben relevante Probleme ungelöst, z.B. Wie entsteht Klassenbewusstsein und wie kann es verhindert werden? Welchen Beitrag muss dazu die Erziehung leisten? Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde dieser Erziehungsstil sehr abgewandelt und für die Zwecke von A. Hitler benutzt. Aufschwung erhielt die sozialistische Erziehung nach dem 2. Weltkrieg in der sowjetischen Besatzungszone im Rahmen der Entnazifizierung der Gesellschaft. Die Erziehung und Sozialisation in der Familie galt in der DDR als gesellschaftlich bedeutende Aufgabe. Inhalte und Ziele für die Erziehung der Kinder waren nicht nur für das öffentliche Bildungswesen, sondern auch für den Bereich der Familie festgelegt und vorgeschrieben. Die Erziehung zur Arbeit war ein wesentlicher Bereich der sozialistischen Erziehung. Die Beteiligung der Kinder an den reproduktiven Tätigkeiten in der Familie war einerseits ideologisch erwünscht und andererseits für das Funktionieren der Familie häufig unbedingt notwendig. Meine Hausarbeit soll sich mit den Kindern der DDR beschäftigen. Die Themenbearbeitung stützt sich vor allem auf die Frage inwiefern DDR Kinder zu treuen Sozialisten erzogen wurden, durch die Erziehung von Elternhaus und Schule.
2. Die Familie in der DDR
„Es ist die vornehmste Aufgabe der Eltern, ihre Kinder in vertrauensvollem Zusammenwirken mit staatlichen und gesellschaftlichen Einrichtungen zu gesunden und lebensfrohen, tüchtigen und allseitig gebildeten Menschen, zu aktiven Erbauern des Sozialismus zu erziehen.“(§ 3 Abs. 1 FGB). 1965 wurde in der DDR das BGB 3
außer Kraft gesetzt und das FGB eingesetzt. Der Erziehungsauftrag für Eltern in der DDR war klar vorgegeben: Die Kinder sollten „aktive Erbauer der Sozialismus“ werden. Hierfür erhielten die Eltern und insbesondere die Frauen eine Reihe von Unterstützungen. Die familienpolitischen Maßnahmen der DDR schufen optimale Bedingungen, um junge Familien Berufstätigkeit und die Verwirklichung ihres Kinderwunsches zu ermöglichen. Die Mieten waren sehr gering, Kinderkleidungen und Kindernahrung günstig und das Versorgungsnetz in Tages- und Wocheneinrichtungen umfassend und preiswert. Im Durchschnitt heirateten die Menschen in der DDR viel früher als in der BRD und ihre Jugendphase war entsprechend kürzer. Frauen bekamen ihr erstes Kind durchschnittlich mit 22 Jahren; die Männer wurden mit 23 - 24 Jahren zum ersten Mal Vater. Ein Kind bedeutete nahezu keine Einschränkung für das berufliche Leben der Erwachsenen. Der Staat sorgte für die Unterbringung der Kinder während der Arbeitszeit, wenn es sein musste sogar für mehrere Monate. Mitte der 60er Jahre begann in der DDR der Ausbau des Tagesversorgungsnetzes für Kinder. 1989 waren die meisten Frauen im arbeitsfähigen Alter berufstätig, wurden ausgebildet und studierten. 85% der 1 - 3jährigen besuchten Kinderkrippen. Rund 95% aller 3 - 6-jährigen waren in Kindergärten untergebracht und die Schulpflichtigen konnten nach dem Unterricht den Hort besuchen. Daneben gab es Angebote an den Nachmittagen in Form von Pionierveranstaltungen, Arbeitsgemeinschaften und Ferienlager für die Urlaubszeit. Der Anteil der außerfamiliären Erziehung in staatlichen Einrichtungen war in der DDR sehr groß, und damit könnte man einen großen Einfluss des Staates auf die Erziehung der Kinder zu „sozialistischen Persönlichkeiten“ vermuten. Die Eltern hatten wenige Möglichkeiten, auf die Erziehung ihrer Kinder in den Einrichtungen Einfluss zu nehmen; auch nicht als Mitglieder des Elternaktivs, das es in jeder Einrichtung gab. In den Krippen, Tägesstätten und Horten galt das staatlich verordnete Erziehungskonzept, bestehend aus Inhalten, Zielen und Erziehungsmethoden. Natürlich waren auch in der DDR offizielles
Erziehungsprogramm und Erziehungsrealität mitunter zwei verschiedene Dinge, doch reichten die Kontrollmöglichkeiten des Staates häufig bis in die Familien hinein. Im Neunten Jugendbericht heißt es: ,,Die Institution Familie war jedoch (...) eher eine Komplementärstruktur zur realsozialistischen Gesellschaft als eine wirkliche 4
alternative Gegenstruktur“ (1994, S. 28). Die Stellung der Frau, die in der DDR durch ihre Berufstätigkeit als gleichberechtigt mit dem Mann angesehen wurde, erweist sich bei genauerem Hinsehen als problematisch. Das Mutterjahr war den Frauen vorbehalten und die 40-Stunden Woche verhalf den Frauen zu mehr Zeit für den Haushalt. Durch die rechtlichen Regelungen und besonders durch ihre Umsetzung im Alltag wurde weniger eine Gleichberechtigung der Frauen erreicht als ihre Doppelbelastung erträglicher gestaltet. „Kinder und Jugendliche erlebten ihre Mütter als zuständig für den Haushalt und Kindererziehung. Die Beteiligung der Väter an der Hausarbeit war eher sporadisch und betraf typisch männliches Terrain, wie die Pflege und Wartung des Familienfahrzeuges oder kleinere Reparaturen in Wohnung, Haus und Garten“ (Gysi, 1989). Das Kind wurde im offiziellen Erziehungskonzept der DDR weniger in seiner Individualität gesehen. Es ging mehr um das Kind im Kollektiv, in das es sich einpassen musste. Es wurde eine Vorstellung von Sozialisation entwickelt, in der die Seite der Gesellschaft sehr hoch und die des Individuums sehr gering bewertet wurden. Die unter staatlichen Einfluss stehenden Erziehungsinstanzen wurden als besser geeignet als die Familie angesehen, um die Einpassung in das sozialistische Kollektiv zu fördern. Die Familie trägt hinsichtlich der Erziehung ihrer Kinder große Aufgaben und eine hohe Verantwortung. Sie soll ihre Kinder zu tüchtigen Menschen und zu guten Staatsbürgern erziehen. Im sozialistischen Staat geht man davon aus, dass die gesellschaftlichen Bildungs- und Erziehungsziele mit den Interessen der Eltern übereinstimmen: Die Familie besitzt aufgrund ihrer Besonderheiten als intime, auf tiefen emotionalen Beziehungen beruhende soziale Gruppe, als Lebensgemeinschaft von Erwachsenen und Kindern spezifische, unersetzbare Möglichkeiten für die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder. In der Familie vollzieht sich ein natürlicher Prozess der Formung und Erziehung der Kinder vom ersten Lebenstag an. So werden beispielsweise grundlegende Einstellungen zum Leben, zur Gesellschaft, zum Staat, zum Kollektiv und zum Mitmenschen, zum Lernen und zur Arbeit usw. durch die Familie geprägt. Eltern erhoffen sich für ihre Kinder eine friedliche Zukunft, eine sichere Perspektive und eine gründliche Bildung und Erziehung, die auf das Leben vorbereitet. Sie sind aus diesen Gründen an der Arbeit der Schule und an einem vertrauensvollen Miteinander mit den Pädagogen interessiert. Diese Zusammenarbeit wird als ein 5
wechselseitiger Prozess verstanden: ebenso wie die Eltern die Arbeit der Schule unterstützen, unterstützen die Pädagogen auch die Familie bei der Lösung ihrer Erziehungsaufgaben. Die Rolle der Familie bei der Erziehung der Kinder war unbestritten. In der Familie wurden entscheidende Grundlagen für die gesamte Persönlichkeitsentwicklung gelegt. Alle Kinder sollten von klein auf zu guten und bewussten Staatsbürgern erzogen werden.
3. Die Schule in der DDR
Erich Honecker beschreibt noch 1985 ganz offen die politische Funktion von Schule in der DDR: »Nur haben wir uns im Gegensatz zur Bourgeoisie, die die ideologische Funktion ihrer Schule leugnet, stets offen zur politischen Zielstellung unserer Schule bekannt. (...) Unsere Schule hat die Aufgabe, den jungen Menschen unsere Ideologie, die wissenschaftlich begründete Ideologie der Arbeiterklasse zu vermitteln (...) Die Bildung und Erziehung in unserer Schule ist voll und ganz an unserer Ideologie orientiert.« Gemeinsam von den Eltern, den gesellschaftlichen Organisationen und den Bildungseinrichtungen wird die Grundlage für eine allseitige Persönlichkeitsentwicklung in der Kindheit und in der Jugend gelegt. „Gemeinsam bemühen sich die Heranwachsenden, Pädagogen, Eltern und gesellschaftlichen Kräfte, die Einheit von Wort und Tat, Ehrlichkeit, Parteilichkeit, Engagiertheit für die Sache des Friedens, des Fortschritts und des Sozialismus, patriotische und internationalistische Einstellungen auszuprägen und der sozialistischen Moral fremde Haltungen zu überwinden. Wachsende Bedeutung gewinnen dabei die kollektiven Beziehungen, in denen die jungen Menschen lernen und arbeiten, hat die gesamte Lebensweise, haben die Erziehung zur Selbständigkeit, zum
Verantwortungsbewußtsein und zu einer aktiven Einstellung zum Leben.“ (1989, S. 21) Die systematische Bildung und Erziehung, die auf die Herausbildung der Grundlagen wesentlicher Persönlichkeitseigenschaften gerichtet ist, ist dabei vor allem Aufgabe des sozialistischen Bildungssystems.
• die Einrichtungen der Vorschulerziehung (Krippen und Kindergärten für Kinder im Alter von 2 Monaten bis zu 6 Jahren)
• die zehnklassige allgemeinbildende polytechnische Oberschule, die von allen Kindern besucht wird
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• die Berufsausbildung, die in der Regel im Anschluss an die zehnklassige Oberschule von der Mehrzahl der Jugendlichen durchlaufen wird
• die Einrichtungen der Hochschulvorbereitung (Wege zum Abitur)
• die Ingenieur- und Fachschulen
• die Universitäten und Hochschulen und
• die Einrichtungen für die Weiterbildung
Schule in der DDR sollte ihre Schüler zu »sozialistischen Persönlichkeiten« erziehen. Die SED beschreibt diese Zielstellung 1976 in ihrem Programm so: »Das Bildungswesen hat die Aufgabe, junge Menschen zu erziehen und auszubilden, die, mit solidem Wissen und Können ausgerüstet, zu schöpferischem Denken und selbstständigem Handeln befähigt sind, deren marxistisch-leninistisch fundiertes Weltbild die persönlichen Überzeugungen und Verhaltensweisen durchdringt, die als Patrioten ihres sozialistischen Vaterlandes und proletarische Internationalisten fühlen, denken und handeln.« Die Arbeit aller Bildungsinstitutionen unterliegt staatlicher Aufsicht. Jeder Bildungsinstitution steht dabei ein staatlicher Leiter vor. Die Leitung des Bildungswesens obliegt den staatlichen Organen, dem Ministerium für Gesundheitswesen (zuständig für die Kinderkrippen), dem Ministerium für Volksbildung (zuständig für Kindergarten, allgemeinbildende Schulen,
Volkshochschulen, Einrichtungen der Jugendhilfe), dem Staatssekretariat für Berufsbildung, dem Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen sowie weiteren Fachministerien. Die Lehrer in der DDR hatten nicht nur die Aufgabe, den Schülern rein fachliche Inhalte zu vermitteln, sondern sie sollten in erster Linie politischideologische Erziehungsarbeit leisten. Für die politischen Organe gehörten die Lehrer zu den wichtigsten Mitgliedern der Gesellschaft, da es in einem entscheidenden Maße von ihnen abhing, ob die Schüler die zuvor beschriebenen Erziehungsziele erreichen würden. Diese große Verantwortung der Lehrerschaft kam auch im Bildungsgesetz von 1965 zum Ausdruck. Dort hieß es, dass sie die heranwachsende Generation ,,auf das Leben im Sozialismus" vorbereiten und ,,einen bedeutenden Beitrag für die Entwicklung unseres Volkes zur gebildeten sozialistischen Nation" leisten sollten(§ 25 (1) Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungssystem der DDR vom 25.Februar 1965). Das lässt sich einerseits dadurch erklären, dass in 7
der DDR nicht nur die Staatsbürgerkunde sondern sämtliche Fächer die Aufgabe hatten, an der politisch-ideologischen Erziehungsarbeit mitzuwirken. Die politischideologische Erziehung war durchgängiges Unterrichtsprinzip. Das bedingte, dass jedem einzelnen Fach neben den fachspezifischen Bildungszielen auch politisch-ideologische Zielsetzungen auferlegt wurden. So hatte der mathematischnaturwissenschaftliche Unterricht neben der Aufgabe, den Schülern exaktes, systematisches wissen über die grundlegenden Erscheinungen und
Gesetzmäßigkeiten der Natur zu vermitteln, auch das ziel, die politisch-moralische Verantwortung für die Anwendung dieses Wissens zum Wohle des Volkes und für die Stärkung der DDR zu lehren. Die Schüler sollten erkennen, wie im Sozialismus dieses Wissen zur unmittelbaren Produktivkraft wird und hilft, die wissenschaftlichtechnische Revolution zu meistern. Auch sollte spezielles Aufgabenmaterial, z.B. aus den Bereichen der Wirtschaft oder des Militärs, dafür sorgen, dass die Überlegenheit der sozialistischen Gesellschaftsordnung gegenüber der kapitalistischen verdeutlicht wird und die Schüler zu einer parteilichen Wertung veranlasst werden. Der polytechnische Unterricht sollte die Jugendlichen nicht nur auf das Berufsleben vorbereiten, sondern sie auch zu einer „sozialistischen Einstellung zur Arbeit und zum Eigentum“ erziehen. Er formte das Arbeitsbewusstsein und die Bereitschaft der Schüler, jede gesellschaftlich notwendige Arbeit pflichtbewusst zu erfüllen. Ebenso sollten wichtige Charaktereigenschaften, die eine sozialistische Persönlichkeit ausmachten, wie z. B. Ausdauer, Disziplin, Fleiß, Gewissenhaftigkeit oder Verantwortungsbewusstsein, durch den polytechnischen Unterricht ausgeprägt werden. Zur Verbundenheit mit der „sozialistischen Nationalkultur“ und dem „sozialistischen Vaterland" sowie zur ,,Verantwortung für ein inhaltsreiches, kulturvolles Leben in der sozialistischen Gesellschaft" sollte der Schulunterricht in Deutsch, Musik und Zeichnen führen. Im Russischunterricht sollte neben den reinen Sprachkenntnissen die ,,Liebe und Verbundenheit zur Sowjetunion“ vermittelt werden und vom Sportunterricht wurde unter anderem erwartet, dass er die ,,Entwicklung einer guten Kampfmoral" sowie die ,,Einordnung in das Mannschaftskollektiv“ förderte. So lassen sich für jedes Fach neben dem reinen Bildungsauftrag Ziele ausmachen, die auf die Erziehung sozialistischer Persönlichkeiten ausgerichtet waren. Zudem wurden die Lehrpläne der einzelnen Fächer derart konstruiert, dass 8
sie untereinander abgestimmt waren, sich gegenseitig ergänzten und aufeinander Bezug nahmen. Diese Fächerübergreifende Koordinierung, dieses System der Unterrichtsfächer“ wurde als besonders wichtig für die Herausbildung ideologischer Grundüberzeugungen angesehen. Erst in ihrer Gesamtheit, in ihrem Zusammenwirken tragen die verschiedenen Unterrichtsfächer zur Verwirklichung des Ziels der allseitigen Entwicklung sozialistischer Persönlichkeiten bei. Um die Handhabung der Fächerübergreifenden Koordinierung für die Lehrer zu erleichtern, wurden zahlreiche Möglichkeiten der Vernetzung von Unterrichtsinhalten in der Fachliteratur veröffentlicht. Am Beispiel der Koordinierung der Inhalte der Unterrichtsfächer Staatsbürgerkunde, Geographie, Geschichte und Deutsch/Literatur soll gezeigt werden, wie die Schüler zum sozialistischen Internationalismus erzogen werden sollten. Die folgende Abbildung liefert eine schematische Übersicht, wie diFächer innerhalb der Klassen 7. - 10. inhaltlich zusammenarbeiten sollten, um die ideologischen Einstellungen der Schüler zu bestätigen und zu bekräftigen.(Bunke, 2005)
4. Die außerschulischen Organisationen in der DDR
Kinder und Jugendorganisationen in der DDR hatten die Aufgabe, »daß kommunistische Überzeugungen und Verhaltensweisen entwickelt werden.« (Programm SED 1976). Im Programm der SED 1976 wurden FDJ und Pionierorganisation als »engster Verbündeter der sozialistischen Schule bei der Verwirklichung des gemeinsamen Erziehungsziels« bezeichnet. In der Pionierorganisation »Ernst Thälmann« (Klasse 1-7) waren 90% der Schüler der DDR organisiert. In der nachfolgenden Jugendorganisation »Freie Deutsche Jugend« (FDJ) waren um die 70% der Schüler organisert (Klasse 8-10 bzw. 12). Eine Mitgliedschaft war für jeden Schüler ein sogenannter »freiwilliger Zwang«, wie es im Volksmund der DDR hieß. Schüler, die sich beiden Organisationen entzogen, wie z.B. Kinder aus kirchlichen Elternhäusern, mussten mit massiven Benachteiligungen rechnen. Dies begann mit Isolation in den Klassen bis hin zur Nichtzulassung zu Abitur und/oder Studium trotz nachweislich sehr guter Leistungen. Die SED sah Schule und Pionierorganisation/FDJ als eine Einheit an und somit waren die Kinder-und Jugendorganisationen der DDR ein weiterer wichtiger Bestandteil im
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Schulwesen auf dem Weg der Erziehung der Kinder zur »sozialistischen Persönlichkeit«. Gleichzeitig hatten Pionierorganisation und FDJ ein Monopol in ihrem Bereich - andere, unabhängige Jugendorganisationen gab es in der DDR nicht. Beide Organisationen bestimmten große Teile der Jugendpolitik in der DDR: Jugendpresse, Jugendhörfunk, Jugendliteratur, Kulturleben, Freizeit und Feriengestaltung wurden von Pionierorganisation und FDJ führend organisiert. Schlüsselpositionen waren immer mit SED-treuem Personal besetzt, das Bekenntnis zur SED und zum Marxismus-Leninismus war Pflicht. Wie stark beide Organisationen dem offiziellen staatlichen Bildungsziel unterworfen waren, beschreiben die Statuten der Pioniere und der FDJ: »Unsere Pionierorganisation erzieht in enger Zusammenarbeit mit der sozialistischen Schule die Pioniere und Schüler zu klassenbewussten Sozialisten. (...) Wir wollen und wirken aktiv mit, daß alle Jungen Pioniere und Schüler zu aufrechten sozialistischen Patrioten und proletarischen Internationalisten heranwachsen. (...) Wir hassen den Imperialismus.« (Statut der Pionierorganisation) »Die Freie Deutsche Jugend arbeitet unter der Führung der SED und betrachtet sich als deren Helfer und Kampfreserve. Grundlage für ihre gesamte Tätigkeit sind das Programm und die Beschlüsse der SED (...) Die FDJ tritt immer und überall für die Politik der SED ein und hilft mit ganzer Kraft, ihre Beschlüsse zu verwirklichen.« (Statut der FDJ) Die Aktivitäten der DDR-Jugendorganisationen sind zum Teil außerschulisch angelegt, zum Teil innerschulisch, der Übergang war absolut fließend. Nicht alle Aktivitäten waren dabei direkt politisch-ideologisch ausgerichtet, die Bandbreite reichte von politikfrei, über subtile bis hin zu direkter Indoktrination. So bot beispielsweise die Pionierorganisation eine ganze Reihe von eher unpolitischen und auf die Freizeitbedürfnisse der Kinder zugeschnittenen Freizeitaktivitäten an: Dazu gehörten »Pioniernachmittage « mit Basteln, Lernpatenschaften (Hilfe stärkerer für schwächere Schüler), Lernkonferenzen, Gestaltung von Schulhöfen, Parks und Spielplätzen, Wanderungen, Spiele oder Theater. 150 Pionierhäuser (mit Möglichkeiten für Theater, Fernsehräume, Spielräume, Diskothekenplatz), 50 Pionierlager, 200 »Stationen junger Naturforscher und Techniker«, 50 »Stationen junger Touristen« (Wandern etc.) standen den Schülern in der DDR zur Verfügung. Eher ökonomischen Hintergrund hatten Aktionen wie »Specki braucht Futter« (Sammlung von Eicheln und Kastanien für die 10
Schweineversorgung im Winter) oder Altstoff-Sammlungen. Diese sollten einerseits das Verantwortungsgefühl stärken, dienten subtil aber auch der Teilhabe an der »sozialistischen Wirtschaft«. Die Pionierorganisation war dabei sehr straff organisiert. Kleinste Einheit war der sogenannte »Gruppenrat«, die Gruppe aller Pioniere einer einzelnen Schulklasse. Der Klassenlehrer hatte die Aufgabe, diese Pioniergruppe anzuleiten. Der sogenannte »Freundschaftsrat« war die Leitungsebene für alle Pioniere einer Schule und bestand aus ausgewählten Pionieren der Klassen 4-7 und wurde von einem hauptamtlichen »Pionierleiter« für die Schule geführt. »Pionierleiter« war in der DDR ein eigener Beruf, mit eigener Ausbildung - auch das macht die Bedeutung der Kinder-und Jugendorganisationen für die Ideologisierung der Kinder in der DDR deutlich. Die Hierarchie sowohl in der Pionierorganisation wie auch in der FDJ war deutlich von Oben nach Unten organisiert. Obwohl es zu den einzelnen Organen Wahlen gab - basisdemokratische Formen waren weitgehend unerwünscht. Es galt auch hier, »den Kindern die Politik der Partei und die Weltanschauung und Moral der Arbeiterklasse zu vermitteln«. (Akademie der Pädagogischen Wissenschaften) Beide Jugendorganisationen gaben sich deutliche äußere Kennzeichen: Die »Jungpioniere« (Klasse 1-3) trugen zu offiziellen Anlässen das blaue Halstuch und eine Pionieruniform, die »Thälmannpioniere « (Klasse 4-7) das rote Halstuch, die FDJler ein blaues Hemd. Wöchentliche Fahnenappelle mit Singen und militärisch angehauchten Meldungen zur Anwesenheit, wöchentliche politische Pioniernachmittage und in der FDJ schließlich das »FDJ-Studienjahr« durchsetzten den Schulalltag konsequent und regelmäßig mit politischer Betätigung. Auch die Jugendorganisation FDJ bot den Jugendlichen in der DDR eine Vielzahl nichtideologischer Betätigungen - sie verfügte über Jugendklubs, Ensembles für Musik, Theater, Kabarett, Jugendbibliotheken, Verlagsanstalten, ein
Jugendreisebüro; sie war beteiligt an Jugendherbergen und kümmerte sich um den Breitensport. Mit fortschreitendem Bestehen der DDR versuchte die SED hier vor allem, Jugendliche mit attraktiven Freizeitangeboten zu gewinnen. Denn die kritische Auseinandersetzung mit dem Zustand des Systems in der DDR wuchs in den letzten 20 Jahren bei den Jugendlichen enorm. Auch wenn ganz offiziell erwünscht war, daß die Mitgliedschaft in der FDJ eine Vorbereitung auf die spätere SED-Mitgliedschaft sein sollte und für eine spätere berufliche Tätigkeit in der NVA geworben wurde - die 11
DDR-Jugend erhielt sich an vielen Stellen ihre Kritikfähigkeit und wurde schließlich sogar eine Keimzelle der Opposition in der DDR.
5. Fazit
Nachdem ich mich nun mit den einzelnen Erziehungszielen, Methoden und Institutionen beschäftigt habe, bin ich der Meinung das die Kinder in der ehemaligen DDR in ihrer Erziehung politisch beeinflusst wurden sind. Die Einbindung der Kinder in verschiedene Organisationen erinnert stark an die des Nationalsozialismus 1933-1945. Die Ausbildung eines sozialistischen Menschen in und für die Gruppe stand an vorderster Stelle der Bildung. Zwar wird in jeder Gesellschaft daraufhin gearbeitet, dass der „fertige“ Mensch sich in die Gesellschaft integrieren kann und auch soll, doch in der DDR sollte seit 1945 eine neue sozialistische Gesellschaft entstehen, weg vom Nationalsozialismus. Zudem sollte sich klar vom Klassenfeind Westdeutschland und der westlichen Welt distanziert werden. Jeder Schritt im Leben des Kindes wurde systematisch vorbereitet und mit Zielen und Aufgaben bestückt. Selbst die Einbindung von sozialistischen Freizeitorganisationen wie z.B. der Thälmannpioniere und später der FDJ hatte ihr klares Ziel. So blieb ein DDR-Bürger vom sechsten Lebensjahr bis zum Ende seines Arbeitslebens eingebunden in diverse sozialistische Organisationen. Selbst die Schulferien wurden genutzt um den sozialistischen Bürger auszubilden in verschiedenen Ferienlagern. Das Kind in der DDR wurde nicht als Individuum gesehen denn als Rad in der Gesellschaft. Und wie ein defektes Rad in einer Maschine wurde es entweder repariert oder ausgesondert. Die verschiedenen Stilmittel waren zahlreich und auch durchaus effektiv.
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Literaturverzeichnis
Blankertz, H. (1992). Die Geschichte der Pädagogik. Wetzlar.
Bunke, F. (2005). Wir lernen und lehren im Geiste Lenins. Oldenburg. Das Bildungswesen der DDR. (1989). Berlin: Volkseigener Verlag. Familiengesetzbuch der DDR. Gysi, J. (1989). Familienleben in der DDR. Berlin.
Handbuch der deutschen Bildungsgeschichte Band VI. (1998). München: CH Beck München. (1994). Neunter Deutscher Jugendbericht .
Steinhöfel. (1993). Spuren der DDR‐Pädagogik. Weinheim: Deutscher Studien Verlag. Ute Geiling, F. H. (2000). Erinnerungsreise ‐ Kindheit in der DDR. Schneider Verlag.
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Michael Donner, 2011, Erziehung in der DDR, München, GRIN Verlag GmbH
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