iii
Vorwort
Bei der Behandlung des Phänomens „Migration“ zeigen Medien am meistens Bilder armer Leute afrikanischer Herkunft, die von Ecke zu Ecke auf der Suche nach einem Stückbrot pendeln, in der Straße übernachten, der Polizei aus dem Weg gehen und sich besonders in behelfsmäßigen Booten zusammenpferchen. Beim Zuhören, Fernsehen, und Lesen solch fragwürdiger und gewiss hoch herabwürdigender Berichterstattungen über die Migration aus dem Süden fällt mir immer die Frage ein, ob die Migranten aus Afrika überhaupt über die geringste Integrationschance ins Abendland verfügen.
Als ich zum ersten Mal das Werk „Schwarzer sein im weißen Himmel“ von André Ekama an dem Goethe-Institut von Jaunde las, wurde ich dazu angespornt, das Wort zu ergreifen, um den Integrationsvoraussetzungen in Ankunftsländern auf den Grund zu gehen.
Da sie als meine ersten Schritte im literaturwissenschaftlichen Bereich gilt, fiel mir die Beschäftigung mit André Ekamas Werk zwar mühsam, aber auch spannend. Der größte Stein des Anstoßes bei der Abfassung dieser Arbeit war der Mangel an Dokumenten über die Primärliteratur. Nichtsdestotrotz ist mir dank zahlreicher intrinsischer und extrinsischer Motivationen gelungen, diese Hürde zu überstehen. Aus diesem Grund bin ich unzähliger Personen zum Dank verpflichtet, die mir bei der Durchführung der vorliegenden Forschungsarbeit mit Rat und Tat zur Seite standen. Leider könnte ich sie nicht alle erwähnen.
Von vorherein richte ich meinen Eltern Sadrack und Olive EKOBE einen herzlichen Dank für ihre ständige moralische und finanzielle Hilfe. Weil sie nicht nur meine akademische Bildung sondern auch mein Privatleben seit Jahren stark beeinflussen, schulde ich speziell meinen Brüdern Alain Germain EKOBE und Raymond EKOBE Dank.
Den größten Dank möchte ich aus tiefsten Herzen meinem Betreuer Dr. Phil Ignace NGOUEBENG EBOL aussprechen, der meine ersten noch zögernden Schritte in die Wissenschaft gesteuert hat, und dessen Ratschläge für die Erledigung dieser Arbeit von herausragender Bedeutung waren. In derselben Hinsicht bin ich all meinen Dozenten an der E.N.S für meine 5-jährige Deutschlehrerausbildung dankbar.
Gedankt werden auch meinen Freunden und Freundinnen Edwine FON, Bertrand MBIAKOP, Mathias DONFOUET, Jules-Ferry KOTCHE, Yannick GNIPEP-OO, Alfred DJEUPA, Christelle KWAYA, Francine GUIADEM, Charlotte MOCTO, Evelyne ZANGUE und Flora MINKA für ihre jeweiligen und vielfältigen Unterstützungen.
Jeannot MOUKOURI EKOBE, Jaunde, Mai 2011
iv
Résumé
Dans un contexte où l’immigration des jeunes africains pour l’Europe cristallise l’attention de l’opinion publique occidentale, où le débat sur l’identité nationale bat son plein, où les partis d’extrême droite gagnent de plus en plus en crédibilité auprès de l’électorat européen, où les propos d’un LEPEN ou d’une Marine LEPEN, la politique d’immigration d’un SARKOZY ou d’un SCHROEDER 1 et les reportages à tout point de vue problématiques des médias occidentaux contribuent énormément à embraser la polémique autour de l’immigration venant d’Afrique, la prise de position non seulement des experts mais aussi des jeunes chercheurs africains apparaît particulièrement urgente.
C’est dans cette mouvance que s’inscrit le présent travail de recherche dont le but majeur est de présenter comment l’écrivain d’origine camerounaise, André Ekama, aborde la problématique de l’intégration dans son œuvre intitulée « Schwarzer sein im weißen Himmel » (être noir sous des cieux blancs- M. E. J)
Pour atteindre ce but nous nous appuyons sur deux questionnements principaux qui constituent l’ossature du présent travail, à savoir :
- Quelles sont les obstacles à l’intégration des africains en Occident ?
- Quelles conditions sont-elles requises pour permettre et faciliter l’intégration de ces immigrés ?
Les méthodes employées pour tenter de répondre à ces questions sont l’analyse du discours d’une part et l’analyse structurale d’autre part. Celles-ci permettent d’émettre l’hypothèse selon laquelle, nonobstant le flot de difficultés auxquelles les immigrés africains sont confrontés au quotidien, l’intégration en Europe reste possible à certaines conditions.
Ce travail jette ainsi les jalons d’une reconsidération du phénomène migratoire. Il s’y dégage en effet, l’idée selon laquelle, la migration plutôt qu’une menace, représente une chance aussi bien pour les pays de départ que pour ceux d’arrivée. En effet, à l’ère de la mondialisation, l’interpénétration et l’interconnexion entre les différentes cultures devraient être perçues comme possibilité d’enrichissement réciproque.
La présente étude peut donc être considérée comme tentative de remise en question du discours sur l’immigration tel que tenu par l’opinion publique européenne.
Ce travail débouche enfin sur un plaidoyer en faveur d’un rapprochement sans complexe et d’une entente fructueuse entre les différents peuples.
1 . La loi concernant la nouvelle politique d’immigration en Allemagne a été adoptée par le parlement en 2004 sous le gouvernement Schroeder. Vgl. O. Verf.„Neue Regelungen zum Bleiberecht“, in: http//www.Bundesausländerbeauftragte.de. (Gelesen am 21./04/11).
v
Abstract
In a context, where the immigration of young Africans to Europe draws the attention of western countries on the debate, where national identity has its full right, where extreme parties are winning more and more credibility close to the European elections, where proposers on the view points such as political immigration to Sarkozy or to Schroeder and the problematic aspect of western media, who contributes enormously in inflaming the debate of immigration coming from Africa, the reaction of experts and young African researchers seems particularly urgent.
It is in this context that the present research work registers and the main goal is to present the way the Cameroonian Author, André Ekama, points out the problem of integration in his writing “Schwarzer sein im weißen Himmel” (being black under white Sky.-M.E.J)
To reach this goal we are faced with two principal questions, which constitute the target point of our work:
-What are the obstacles to African integration in the west?
-Which conditions are put in place to facilitate the integration of these immigrants?
The methods employed to respond to these questions are analyzed discourse on the one hand and structural analyze on the other hand.
This study permits us to draw conclusions such as, despite the numerous obstacles faced by young Africans, integration into Europe remains possible under certain conditions.
This conclusion calls for a reconsideration of the phenomenon of migration. It brings about the idea that, the phenomenon of immigration is not a threat rather it offers a good chance of collaboration between the countries of departure and the receiving countries. It is during mondialisation that interpenetration and interconnection between different cultures seems possible.
The present study can be then considered as an attempt in solving the question of immigration, which is required by the public opinion of the Europeans.
This work ends with a call for understanding and bringing together different people.
vi
Inhaltsverzeichnis
Widmung i
Vorwort und Danksagung ii
R ésumé iii
Abstract iv
Inhaltsverzeichnis v
Abbildungsverzeichnis vii
Einf ührung 1
KAPITEL I : THEORETISCHE ÜBERLEGUNGEN ÜBER DAS NEUE
LITERATURGENRE : „MIGRATIONSLITERATUR“ 8
1.1 Gastarbeiterliteratur / Migrationsliteratur: Zum Paradigmenwechsel? 9
1.1.1 Die Gastarbeiterliteratur 10
1.1.2 Die Migrationsliteratur 12
1.1.2.1 Migration und Mobilität 13
1.1.2.2 Die schwarzafrikanische Migrationsliteratur 15
1.2. Fremdheit und Interkulturalität als wiederkehrende Thematiken der
Migrationsliteratur 17
1.2.1 Fremdheit 17
1.2.2 Interkulturalität 21
1.3 Modelle des (Zusammen)Lebens in einer Gesellschaft mit kultureller Vielfalt 23
1.3.1 Segregation 23
1.3.2 Die Integration 25
vii
KAPITEL II: ANALYSE DES WERKES 29
2.1. Handlungsübersicht 30
2.2. Figurenkonstellation 35
2.2.1 Die Migranten 35
2.2.2 Die Einheimischen 40
2.3. Raumdarstellung 43
2.3.1. Der wahrgenommene Raum 43
2.3.2 Der vorgestellte Raum 45
2.3.3 Der Erlebte Raum 50
2.4. Die Zeit 52
KAPITELIII : INTEGRATION UND MIGRATIONSSITUATION 54
3.1.Integrationshemmende Faktoren 55
3.1.1 Politisch-administrative Grenzen 55
3.1.1.1 Institutionelle Diskriminierung 55
3.1.2 Wirtschaftliche Grenzen 59
3.1.2.1 Arbeitslosigkeit 59
3.1.3 Soziokulturelle Grenzen 60
3.1.3.1 Einfluss der Heimat auf den Migrant 61
3.1.3.2 Ausländerfeindlichkeit 64
3.2 Integrationsfördernde Faktoren 67
3.2.1 Politisch-administrative Faktoren 67
viii
3.2.2 Wirtschaftlicher Faktor………………………………………………………………69 3.2.2.1 Arbeit………………………………………………………………………………69 3.2.3 Soziokultureller Faktor…………………………………………………………....…73 3.2.3.1 Interkultureller Dialog………………………………………..……………………73 Schlussbetrachtung………………………………………………………………………77 Literaturverzeichnis………………………………………………...……………………79
1
Einführung
Thema der Arbeit
Barack Obama wurde 2008 zum Staatspräsidenten der vereinigten Staaten gewählt. Dieser Sohn eines aus Kenia stammenden Migranten hat somit in einer gewissen Maße die Schranken der Vorurteile schwarzer Migranten gegenüber zerbrochen. Selbst wenn die vereinigten Staaten als klassisches Einwanderungsland gelten, erweist sich die „Saga Obama“ 2 als eine tiefgründige Infragestellung des sogenannten „mythe de l’éboueur“ 3 , wonach die Schwarzen nur für untergeordnete Berufsstellen bestimmt seien. In anderen abendländischen Staaten, etwa Frankreich 4 und Deutschland 5 , haben wir viele Beispiele gelungener Integrationen. Wiederum erscheinen einige Ausländerviertel, etwa das Stadtrandgebiet von Paris, als brennende Unruheherde mit gewaltigen Ereignissen. Auch das von Frankreich verabschiedete Gesetz gegen den „voile integral“ 6 , die Minaretsschlüsse 7 in der Schweiz und die von der spanischen Regierung ständigen Rückführungen von Schwarzafrikanern stehen exemplarisch als Beweise dafür, dass die
2 . Jean-Emmanuel PONDI, Barack Obama. De L’interrogation à l’admiration. From Question to admiration. (Edition bilingue), Yaoundé, Edition ClE , 2009, S. 21.
3 . Gaston KELMAN, Je suis noir et je n’aime pas le manioc, Paris, Edition Max Milo, 2004, S. 24.
4 . Vgl. O. Verf. « Rama Yade, la belle étoile de Sarkozy », in : http://www.Liberation.com, (Gelesen am 11./11/10.)
5 . Die deutsche Fußballnationalmannschaft wird als multikulturell betrachtet. Denn elf der dreiundzwanzig Spieler haben ausländische Wurzeln. Vgl. O. Verf.
http://www.lwkoeln.de/Publikationen /wd/Archiv/tabid/1122/article id/30287/Default.asp (Gelesen am 11./11/10)
5.. Vgl. « Voile intégral et identité nationale », in : http://www. 20 minutes.fr/article/596964/société-voileintegral-le-projet-de-loi-definitivement-adopté-par-le-parlement (Gelsen am 13.//11/10)
7 . O. Verf. « Fermeture des Minarets », in : http://www.france24.com/fr/2009 1129-Suisse-referendum- interdiction-minaret-sondage-sortie-urnes-favorables. (Gelsen am 13.//11/10)
2
Integration von Migranten in das Ankunftsland heutzutage problematisch ist. Diese angestrebte Integration wird nun erst recht durch die Ereignisse vom 11. September erschwert. Von da an gewinnen Parteien der Rechtslinke immer mehr an Bedeutung 8 und einige kulturelle Minderheiten werden als Störfaktoren angesehen. Der Literaturforscher als Augenzeuge seiner Epoche kann sich gegenüber einer solchen heiklen und bestimmt hochaktuellen Debatte der Integration der Migranten in Ankunftsländer nicht in Schweigen hüllen. So lautet das Thema der vorliegenden Arbeit: Die Integrationsproblematik in der Migrationsliteratur am Beispiel von André Ekamas „Schwarzer sein im weißen Himmel“ 9
Problematik
Grundhypothese meiner Arbeit ist die Auffassung, dass die Migranten ins Besondere aus Schwarzafrika stammende Migranten nicht zum Scheitern verurteilt sind. Eine solche Arbeitshypothese setzt die Tatsache voraus, dass ich auf die folgenden Fragen eingehe: Auf welche Schwierigkeiten stoßen die Migranten? Welche Faktoren liegen einer gelungenen Integration zugrunde?
Als Korpus bediene ich mich des Werkes „Schwarzer sein im weißen Himmel“ von dem Kameruner André Ékama. In den Erzählungen des Werkes thematisiert der aus Kamerun stammende und in Deutschland als Migrant lebende Autor die Problematik der Integration in der Migrationssituation. Diese Erzählungen berichten von Erfahrungen afrikanischer Migranten in Deutschland.
Die erste Erzählung berichtet darüber, wie es dazu kam, dass Okomje, die Hauptfigur, die in der DDR erst Agrarwissenschaft studierte und dann eine Ausbildung
8 .Vgl. Bashy QURAISH, La migration, l’integration,et le rôle de l’éducation. In: Education des adultes et développement, Heribert B. HINZEN (Hg.), Bonn, in puncto druck+medien gmbh , 2008, S. 114.
9 André EKAMA, Schwarzer sein im weißen Himmel. Erzählungen. Afrikanische Kurzgeschichten aus den fernen Heimatländern, Freiburg, Autorenverlag artep, 2007. Nachfolgend wird das Werk mit SSWH abgekürzt.
3
zum Gastronomiefachwirt machte, nicht nur zu einem erfolgreichen Gastwirt wurde, sondern auch zum Bürgermeister der Gemeinde Wamsbuk.
Kebiyono, die Hauptfigur der nächsten Erzählung, ist von Kamerun nach einer Stadt in Sachsen geflogen, um erst einen Ingenieur- dann ein Medizinstudium zu absolvieren. Die dritte Erzählung inszeniert die Geschichte eines Migranten namens Midoros aus Kongo, der am Anfang als Facharbeiter in einer Firma gut integriert, aber nach seiner Entlassung arbeitslos wird.
Mafopa, der Medizinstudent, ist die Hauptfigur der vierten Erzählung. Nach der Geburt eines Babys in seiner Familie lädt er seine Mutter nach Deutschland ein. Die Erfahrung dieses neuen kulturellen Raums wird für die Mutter unerträglich. In den weiteren Erzählungen begegnen wir verschiedenen Figuren wie Babakolé, dem Tschader, der in Berlin ohne Genehmigung landet; dem aus Tanganjika stammenden fußballbesessenen Zanima, der alle Hebel in Bewegung setzt, um in Deutschland eine Profikarriere zu machen; oder der schönen intelligenten Deutschlehrerin namens Binda, die nach Deutschland auf der Suche nach dem Vater ihres Babys fliegt. Im Grunde genommen lassen die Gesamtheit dieser Erzählungen Figuren auftreten, die in Deutschland auf so manche lebens-und ausländerfeindliche Situationen stoßen, aber sich nicht entmutigen.
Stand der Forschung
„Schwarzer sein im weißen Himmel“ von André Ekama ist ein Werk, das neulich erschienen ist. Meines Wissens gibt es bis jetzt keine wissenschaftliche Arbeit darüber. Es steht mir daher keine Sekundärliteratur über diesen Untersuchungsgegenstand zur Verfügung.
Die Migration als Forschungsobjekt wird aber ihrerseits in unterschiedlichen Disziplinen erarbeitet. Daher variieren die Ansätze je nach Forschungsfeldern. Wie dem
4
auch sei, unterscheiden die Wissenschaftler zwei Arten von Migrationstheorien und zwar „Klassische“ und „neue Migrationstheorien“ 10 .
„Klassische“ Migrationstheorien legen den Akzent auf die Gründe der Migration. Diese Ansätze lassen die Migration nur als einen negativen Faktor erscheinen. Von da an wird der Migrant zum Eindringling, der die Reinheit, die Kontinuität und die Kohärenz der Ankunftskultur zerstört.
Die „neuen Migrationstheorien“, die durch postkoloniale Diskurse bestimmt sind, betrachten keineswegs die Kultur als eine homogene Einheit. Sie vertreten eher die Auffassung, dass Kultur bzw. kulturelle Identität etwas Wandelbares ist. In diesem Zusammenhang erscheinen die Migration und die dadurch verursachte Heterotopie und Pluralität nicht mehr als Bedrohung, sondern als Chance. Hier erfahren wir auch eine Verlegung des Augenmerks von dem „Warum“ auf das „Wie“ der Migration. Im Rahmen der Literaturwissenschaft sind die Arbeiten von David Simo, Albert Gouaffo, Ludger Pries und Horst Hamm über die Migration, für meinen Ansatzpunkt, besonders wichtig.
Beispielsweise untersucht David Simo in seinem Artikel „Migration, Imagination und Literatur“ die neuen Paradigmen, die sich auf dieses neue Literaturgenre beziehen. Aus dieser Untersuchung geht etwa hervor, dass in der Migrationssituation drei verschiedene Räume zu unterscheiden sind: den wahrgenommenen Raum, den vorgestellten Raum, und den erlebten Raum 11 .
Albert Gouaffo für seinen Teil untersucht das Potential der Migrationsliteratur für das interkulturelle Training in seinem Artikel betitelt „Afrikanische Migrationsliteratur und interkulturelles Lernen. Zu ihrem Stellenwert im Literatur-oder Landeskundeunterricht des Deutschen als Fremdsprache im deutschsprachigen Kulturraum“. Er zieht den Schluss,
10 . Vgl. Klaus MÜLLER-RICHTER, Imaginäre Topografien. Migration und Verortung, in: Klaus Müller-RICHTER und Ramona URITESCU-LOMBARD (Hg.), Imaginäre Topografien. Migration und Verortung, Bielefeld 2007, S. 11ff.
11 . Vgl. David SIMO, Migration, Imagination und Literatur, in: David SIMO/Leo KREUTZER (Hg.): Weltengarten. Deutsch-Afrikanische Jahrbuch für interkulturelles Denken, Hannover, Wehrhahn Verlag, , 2009/2010, S.7-58.
5
dass diese Literatur in der Migrationssituation als Dialogangebot sowohl an die Minderheits- als auch an die Mehrheitsgesellschaft gelten kann 12 . Ludger Pries ergründet die verschiedenen Typen von Migranten und erhebt den Transmigrant zum Migrantenvorbild in seinem Artikel betitelt: „Migration und Integration in Zeiten der Transnationalisierung, oder warum braucht Deutschland eine ‚Kulturrevolution‘?“ 13 .
Hort Hamm untersucht den Übergang der Bundesrepublik von einem Auswanderungs- zu einem Einwanderungsland in dem ersten Kapitel seinem Buch betitelt: „Fremdgegangen-freigeschrieben. Eine Einführung in die deutschsprachige Gastarbeiterliteratur“ 14 und er unterstreicht somit die Permanenz des Phänomens „Migration“.
Methode der Arbeit
Die Migrationsliteratur gilt als interkulturelle Kommunikation. Demgemäß hat man die Möglichkeit bei der Untersuchung eines dazu gehörenden Werkes, sich zwei verschiedener methodischer Verfahren zu bedienen und zwar des Komparatistischen und des Diskursanalytischen. Ich für meinen Teil halte es für angebracht, mich für die Ausarbeitung meiner Untersuchung auf die Diskursanalyse zu stützen. Jürgen Bolten definiert das diskursanalytische Verfahren folgenderweise: Diskursanalytisch gehen jene Untersuchungen vor, die sich überwiegend mit mündlicher Kommunikation befassen. Sie gehen von interkulturellen Missverständnissituationen oder diagnostizierten Kommunikations-bzw. Handlungsstörungen in
12 . Vgl. Albert GOUAFFO, Afrikanische Migrationsliteratur und interkulturelles Lernen. Zu ihrem Stellenwert im Literatur-oder Landeskundeunterricht des Deutschen als Fremdsprache im deutschsprachigen Kulturraum, in Albert GOUAFFO (Hg), Mont Cameroun. Literaturen der Migration in Deutschland: Das Beispiel Afrika. Les littératures de migration en Allemagne : le cas de l’Afrique, Dschang, Dschang University Press, décembre 2009, S. 53ff.
13 . Vgl. „Migration und Integration in Zeiten Transnationalisierung, oder warum braucht Deutschland eine Kulturrevolution? In: http://www.inccas.de/es/download/publ-2001_lp_miguintegration.pdf. (Gelesen am 18./12/10).
14 . Vgl. Horst HAMM, Fremdgegangen-freigeschrieben. Eine Einführung in die deutschsprachige Gastarbeiterliteratur, Würzburg, Könnigshausen v. Neumann, 1988.
6
interkulturellen Interaktionen aus und versuchen, sprachlich bedingte Ursache für diese Störungen zu ermitteln. 15
Ich stütze mich auf diese Methode, um die Stellungnahme der verschiedenen Figuren zu dem interkulturellen Befinden in der Fremden durchzuarbeiten und daher könnte ich die daraus entstehenden Migrationsdiskurse darstellen.
Auch wäre es angebracht, auf die Strukturanalyse 16 zurückzugreifen, um die Struktur des Werks tiefgreifend zu erforschen.
Aufbau der Arbeit
Die vorliegende Arbeit besteht aus drei Kapiteln.
Im ersten Kapitel verfolge ich das Ziel, es herauszustellen, wie dieses neue literarische Feld, und zwar die Migrationsliteratur, entstanden ist. Dieses Kapitel wird freilich als eine Art allgemeine Betrachtung fungieren. Hierbei wird der Versuch unternommen, es hervorzuheben, inwiefern der Übergang von der Gastarbeiterliteratur 17 zu der Migrationsliteratur ein Paradigmenwechsel aufweist. In diesem Kapitel wird auch die Gelegenheit ergriffen, die verschiedenen Modelle des Zusammenlebens in einer multi-oder interkulturellen Gesellschaft darzubieten. Es handelt sich ja um Segregation, und/oder Integration. 18
Im Mittelpunkt des zweiten Kapitels steht die Absicht, es zu zeigen, inwiefern das Werk „Schwarzer sein im weißen Himmel“ als ein Werk der Migrationsliteratur betrachtet werden kann. In dieser Hinsicht wird die Textstruktur besonders berücksichtigt. Daher werde ich die verschiedenen Auffassungen des Raums 19 , die Typisierung der Figuren und die Dauer des Aufenthalts in der Migrationssituation tiefgründig untersuchen.
15 .Vgl. Alois MOOSMÜLLER (Hg.), Interkulturelle Kommunikation. Zitiert nach: SIMO, Migration, Integration und Literatur. a. a. O. S. 171.
16 . Vgl. Jürgen SCHUTTE, Einführung in die Literaturinterpretation, Stuttgart, Metzler, 1985.
17 . Vgl. Horst HAMM, Fremdgegangen-freigeschrieben, a.a.O.
18 . Vgl. Hans-Jürgen LÜSEBRINK, Interkulturelle Kommunikation. Interaktion, Fremdwahrnehmung, Kulturtransfer, Stuttgart, Weimar, 2005, S. 130.
19 . David SIMO, Migration, Integration und Literatur, a. a. O, S. 21f.
7
Das dritte Kapitel ist so aufgebaut, dass zuerst die Integrationshürden und dann die einer gelungenen Integration zugrunde liegenden Faktoren präsentiert werden. Ich gehe von der Grundannahme aus, dass die Integration 20 schwarzer Afrikaner im Abendland nicht reibungslos geschieht. Es gibt tatsächlich eine Fülle von integrationshemmenden Faktoren, die alle Ebenen des gesellschaftlichen Lebens -soziokulturelle, wirtschaftliche, und politische Ebene- umfassen. Ebenso kann man von einer gelungenen Integration erst sprechen, wenn das Individuum oder die kulturelle Minderheit sich soziokulturell, ökonomisch und politisch frei entfaltet.
20 . „Unter einem soziologischen Gesichtspunkt meinen wir mit Integration die Ausbildung einer Wertegemeinsamkeit mit dem Einbezug von Gruppierungen, die zunächst oder neuerdings andere Werthaltungen vertreten, oder einer Lebens-und Arbeitsgemeinschaft mit dem Einbezug von Menschen, die aus den verschiedensten Gründen von dieser ausgeschlossen und teilweise in Sondergemeinschaften zusammengefasst waren“. GOUAFFO, Afrikanische Migrationsliteratur und interkulturelles Lernen, a. a. O, S. 55.
THEORETISCHE ÜBERLEGUNGEN ÜBER DAS NEUE LITERATURGENRE: „MIGRATIONSLITERATUR“
Inhaltlicher Schwerpunkt dieses Kapitels betrifft die theoretischen Überlegungen über die Migrationsliteratur. Die Grenzziehung zwischen Gastarbeiterliteratur und Migrationsliteratur wird erstens unternommen. Zweitens werden die Grundbegriffe dieses Literaturgenres geklärt. Der Frage, welche die verschiedenen Modelle des (Zusammen)Lebens in einer Gesellschaft mit kultureller Vielfalt sind, wird drittens nachgegangen. Diesem Kapitel wird freilich eine ausschlaggebende Bedeutung anerkannt, insofern als ich hiermit die Gelegenheit ergreife, für die Migrationsliteratur unentbehrliche theoretische Grundkategorien zu klären, ehe es in den Kern der Sache vorgedrungen wird.
1.1. Gastarbeiterliteratur / Migrationsliteratur: Zum Paradigmenwechsel? In der Literaturgeschichte gibt es zahlreiche Termini und Begriffe zur Bezeichnung literarischer Werke von Autoren, die aus einer von mindestens zwei Kulturräumen geprägten Sichtweise schreiben. Diese Fülle von Bezeichnungsmöglichkeiten, etwa „Ausländerliteratur“, „Literatur von außen“, „Literatur von innen“, „kleine oder andere Literatur“, „Gastarbeiterliteratur“, „Migrationsliteratur“, „Migrantenliteratur“ und „inter- oder multikulturelle Literatur“, gibt die Schwierigkeit der Literaturwissenschaft wieder, das Phänomen der multi- oder interkulturellen Literatur in seinen zahlreichen Facetten zu benennen. Der vorliegende Unterteil meiner Arbeit macht sich die Erforschung der wichtigsten Bereiche dieser Literatur, nämlich Gastarbeiterliteratur und Migrationsliteratur, und die Hervorhebung der daraus ergebenen Unterschiede zur Aufgabe. Ich halte es auch für angebracht, die wiederkehrenden Grundkategorien „Fremdheit und Interkulturalität“ zu untersuchen.
10
1.1.1. Die Gastarbeiterliteratur
Ab 1955 kommen künftige Autoren neuentstehender multikultureller Literatur zunächst hauptsächlich aus der Türkei, Italien, Spanien, Portugal, Jugoslawien und Griechenland an den deutschen Literaturstandort. Dieser große Teilbereich der deutschsprachigen multikulturellen Literatur im 20. Jahrhundert, der Literatur von Migranten, die in der ersten Phase der sich neu entwickelnden Migration in den deutschsprachigen Raum entsteht, wird zunächst als Gastarbeiterliteratur bezeichnet. Der Weg zu solchem Erfolg ist jedoch nicht reibungslos gewesen. Zwar gibt es bald hierhin, bald dorthin einige Veröffentlichungen von Gastarbeitern oft auch in der deutschen Sprache aber diese erfolgt nur vereinzelt. Autoren bleiben durch nationale Schranken getrennt. Horst Hamm schildert diese Situation wie folgt: Einheitliche Literatur, die sich umfassend mit der Situation der Fremde auseinandergesetzt hätte, entstand nicht, noch nicht, muss man einschränken. Die einzelnen (nationalen) Gruppen beharrten auf ihren Traditionen; sie verstanden sich als Türken, Italiener oder Griechen, nicht aber als multinationale und multikulturelle Einheit: Keiner hatte mit einem Schriftsteller aus einem ihm fremden Herkunftsland etwas gemein. 21
In Anlehnung daran kann man zu jenem Zeitpunkt nicht von Gastarbeiterliteratur als übergeordnetem Gattungsbegriff Sprechen. Literarische Werke sind in der Sprache des Herkunftslands verfasst und haben daher keinen Zugang zur Öffentlichkeit. Die 1979 in der deutschen Sprache erschienenen Gedichte „Nicht nur gastarbeiterdeutsch“ von Franco Biondi bedeutet einen entscheidenden Wendepunkt in der deutschsprachigen Gastarbeiterliteratur. „Die deutsche Sprache [ wird ] in eine Lingua Franca umgewandelt.“ 22 Gastarbeiter beschreiben ihren Alltag - meistens mühseligen, anstrengenden Alltag- durch die Verwendung der deutschen Sprache und entziehen sich daher ihrer bis dahin hoffnungslosen Isolationslage: Sie [ die Literatur der Gastarbeiter- M.E.J ] soll vielmehr die ansprechen, die mit Gastarbeitern auf derselben Ebene stehen, aber auch die, die von ihrer Situation, wie sie noch ist und werden kann, erfahren wollen, damit sie sie besser verstehen.
21 . Horst HAMM, Fremdgegangen-freigeschrieben, a. a. O, S. 31.
22 . Gino CHIELLINO, Literatur und Identität in der Fremde, Augsburg 1985, S. 45.
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Jeannot Moukouri Ekobe, 2011, Die Integrationsproblematik in der Migrationsliteratur am Beispiel von André Ekamas "Schwarzer sein im weissen Himmel", München, GRIN Verlag GmbH
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