Inhaltsverzeichnis:
Seite :
I. Einleitung 3
II. Robert Wagner - Jugend und Kriegserlebnisse 4
III. Josef Bürckel - Jugend und Kriegserlebnisse 7
IV. Sozialisation und Herkunft - ein früher Vergleich
9
V. Der Weg zur Macht - Vom „alten Kämpfer“ zum Gauleiter
10
VI. Gauleiter Robert Wagner - Kampf und Herrschaft in Baden
11
VII. Gauleiter Josef Bürckel -Hitlers Mann für die Rückgliederung ans Reich
14
VIII. Das Elsass und Lothringen - Ein historischer Abriss
16
IX. Eine „verschleierte Annexion“?
19
X. Die Herrschaft der Chefs der Zivilverwaltung am Beispiel Elsass 21
XI. Bürckels Herrschaft in Lothringen - ein später Vergleich
29
XII. Kompetenzkonflikt und Unmittelbarkeit - Die Rolle der „Vizekönige“
31
XIII. Volkstumspolitik - „Germanisierung“ und „Entwelschung“
32
XIV. Die Bevölkerung - öffentliche Meinung und Widerstand
33
XV. Bürckels Ende - ein Freitod?
33
XVI. Wagners Ende - Prozess und Hinrichtung
34
XVII. Die Gauleiter im Vergleich - ein Fazit
35
Quellen - und Literaturverzeichnis 37
Abk ürzungsverzeichnis:
CdZ Chef der Zivilverwaltung
EHD Elsässischer Hilfsdienst
RMdI Reichsministerium des Innern
DVFB Deutschvölkische Freiheitsbewegung
NSDAP Nationalsozialistische Arbeiterpartei
HJ Hitlerjugend
BDM Bund Deutscher Mädel
RAD Reichsarbeitsdienst
2
I. Einleitung
„Wir haben vom Führer den schönsten Auftrag unseres Lebens erhalten. Wir werden den Auftrag lösen mit nationalsozialistischer Gründlichkeit. Wenn ein Jahrfünft gemeinsamer Arbeit abgeschlossen sein wird, dann wird es kein elsässisches Problem mehr geben!“ 1
Mit diesen Worten schloss Gauleiter Robert Wagner eine programmatische Rede vor den Funktionsträgern seiner Zivilverwaltung in Straßburg. Wie diese „nationalsozialistische Gründlichkeit“ aussah, welche Personen diese für sich in Anspruch nahmen und was mit den Termini „elsässisches Problem“ gemeint ist, soll in der Folgenden Untersuchung beantwortet werden. Anhand eines Vergleichs der beiden Gauleiter Robert Wagner und Josef Bürckel soll unter anderem die Frage geklärt werden, ob führende Nationalsozialisten, insbesondere jene, die in autonomer Weise eigene Territorien verwalteten, eine ähnliche Persönlichkeitsstruktur und/oder gleiche Charaktereigenschaften besaßen.
Diese Arbeit ist bemüht sich an eine chronologische Abfolge der Ereignisse zu halten, obwohl die Darstellung in der Sekundärliteratur oft thematisch gegliedert ist. Zunächst werden Jugend und Kriegserlebnisse der beiden Gauleiter betrachtet und durch einen frühen Vergleich abgeschlossen, um nach ähnlichen Prägungen in der Persönlichkeitsentwicklung zu suchen. Danach wird die Genese des Gauleiteramtes im Allgemeinen kurz angerissen, worauf eine ausführlichere Betrachtung Wagners und Bürckels im Amt und deren Weg dorthin folgt. Im Weiteren wird die Geschichte Elsass-Lothringens, mit besonderer Berücksichtigung der Zwischenkriegszeit, Erwähnung finden. Darauf folgt ein Exkurs über den Begriff der „verschleierten Annexion“. Nun steht die Herrschaft der „Chefs der Zivilverwaltung“ im Mittelpunkt der Untersuchung. Die oft parallelen Entwicklungen in beiden Gebieten werden am Beispiel des Elsass präzise fokussiert, um anschließend durch einen Vergleich mit der Herrschaft in Lothringen auch Differenzen sichtbar machen zu können. Im Anschluss daran werden drei wichtige Punkte der Besatzungsherrschaft gesondert vorgestellt: Die Kompetenzkonflikte, die Volkstumspolitik und der Widerstand gegen die Besatzer. Als nächstes wird auf das Ende der Besatzungsherrschaft eingegangen. Zum Abschluss soll Unterschieden und Parallelen zwischen Robert Wagner und Josef Bürckel Beachtung geschenkt werden.
1 Zitiert nach: Lothar Kettenacker: Nationalsozialistische Volkstumspolitik im Elsass. Stuttgart 1973, S.74. Im Folgenden zitiert als: Kettenacker, Volkstumspolitik.
3
Die Quellenlage zu Wagner und auch zu Bürckel ist äußerst dürftig. Zahlreiche Akten und Dokumente, die über deren Tätigkeit Auskunft geben könnten, wurden gegen Ende des zweiten Weltkrieges vernichtet. Auch stellt eine wissenschaftliche Biographie Josef Bürckels ein Desiderat der Forschung dar. In der wissenschaftlichen Literatur erfahren beide trotzdem sehr große Aufmerksamkeit, im Vergleich zu anderen Gauleitern.
II. Robert Wagner - Jugend und Kriegserlebnisse
Robert Heinrich Backfisch kam am 13.10.1895 in Lindach, im badischen Odenwald, als Sohn eines Landwirts zur Welt. 2 Er war der Zweitgeborene von fünf Kindern und wurde protestantisch erzogen. Nach der 8 Jahre dauernden Volksschulzeit, bezeugte der Bauernsohn erstmals sein Bestreben zum sozialen Aufstieg. Er besuchte die auf den Lehrerberuf vorbereitende Präparandenanstalt in Heidelberg. Dieser dreijährigen Vorbereitungszeit sollte eine ebenfalls drei Jahre dauernde Studienzeit am Lehrerseminar folgen. Der Werdegang bot dem Jungen die Chance auch ohne Abitur einen angesehenen Beruf zu ergreifen. Doch zum Studienabschluss kam es nicht. Der 19jährige verfiel dem Reiz, den die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ 3 , der 1.Weltkrieg, auf viele seiner Altersgenossen ausübte und meldete sich im August 1914 freiwillig zum Dienst in der Armee. 4
Mit dem Eintritt in das 110. Grenadierregiment Mannheim am 21.09.1914 begann die militärische Laufbahn des Odenwälders, eine Zeit, die ihn bis zu seinem Lebensende in ideologischer und soziokultureller Hinsicht prägen sollte. Er erlebte, an der Westfront eingesetzt, einige der berüchtigtsten Schlachten des 1. Weltkrieges, unter anderem an der Somme, in Flandern und bei Verdun. 5 Die rasche Abfolge seiner Beförderungen lässt auf sein Draufgängertum und seine Führungsstärke schließen. Am 15.03.1915 wurde Robert Backfisch zum Gefreiten befördert, zwei Monate später zum Unteroffizier, am 15.08.1915 zum Vizefeldwebel und schließlich im Februar 1916, „wegen mehrfach bewiesener Tapferkeit vor dem Feind“, zum Leutnant. 6 Von seinem, den Anforderungen der Armee entsprechenden,
2 Die umfangreichste und ausführlichste Wagner Biographie bietet: Horst Ferdinand: Die Misere der totalen Dienstbarkeit: Robert Wagner (1895-1946), NSDAP-Gauleiter, Reichsstatthalter von Baden, Chef der Zivilverwaltung im Elsaß, in: Eberbacher Geschichtsblatt Bd.91 (1992), S.97-209. Im Folgenden zitiert als: Ferdinand, Wagner.
3 Hans-Ulrich Wehler über den 1. Weltkrieg, bspw. in: Spiegel spezial, Die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts, Bd.1(2004).
4 Vgl. Ferdinand, Wagner, S.101f.
5 Vgl. Johnpeter Horst Grill: Robert Wagner - Der „Herrenmensch“ im Elsaß, in: Ronald Smelser, Enrico Syring, Rainer Zitelmann (Hrsg.): Die braune Elite II. 21 weitere biographische Skizzen, Darmstadt 1993, S.254-267. Im Folgenden zitiert als: Grill, Herrenmensch.
6 Vgl. Ferdinand, Wagner, S.102.
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soldatischen Naturell zeugen auch die ihm verliehenen Auszeichnungen. Schon im Oktober 1915 erhielt er das Eiserne Kreuz II. Klasse, im November 1917 das, an untere Dienstgrade selten vergebene, EKI und im August 1918 das „Ritterkreuz“ 7 II. Kl. des Ordens vom Zähringer Löwen. Für eine 1915 erlittene Verletzung am Oberschenkel verlieh man ihm 1918 nachträglich das Verwundetenabzeichen in Schwarz. 8
Die Erfahrungen während des Krieges bildeten den Ausgangspunkt zweier Prägungen in der Persönlichkeitsstruktur des jungen Leutnants, die sich kontinuierlich, im Verlauf seines Lebens ausformten und während seiner Herrschaft über das Elsass ihren faktischen Höhepunkt erreichten. Zum einen der radikale Nationalismus, verbunden mit dem Feindbild alles Französischen, zum anderen der Hunger nach Macht und Autorität, geweckt durch seinen rasanten Aufstieg innerhalb der Militärhierarchie. 9 Betrachtet man die Werdegänge anderer NS-Größen, so finden sich viele Parallelen bezüglich ihrer Persönlichkeitsbildung, insbesondere im Zusammenhang mit Militarismus und den Erlebnissen des 1. Weltkrieges. 10 Robert Backfisch kann als Paradebeispiel dieser „alten Kämpfer“ angesehen werden. Wie für diese, war auch für ihn der Zusammenbruch des Kaiserreiches 1918 und die als „Dolchstoß“ und „Verrat“ empfundene Niederlage Deutschlands eine Katastrophe unermesslichen Ausmaßes. 11 Ein Schlüsselerlebnis, welches seinen Hass auf Linke und Deserteure wachsen ließ, ereignete sich bei Kriegsende am 2. November 1918. Backfisch wurde beauftragt bei Valenciennes meuternde Soldaten wieder an die Front zurück zu führen. Diese waren aber bereits so unwillig weiter zu kämpfen, dass er ein Gewehr auf die Brust gesetzt bekam und ihm eine Handgranate hinterher geworfen wurde. Nach Backfischs eigener Aussage wurden die Soldaten vom Neffen des damaligen SPD Reichspräsidenten Ebert „aufgehetzt“. 12
Wie vielen Anderen seiner Generation gelang es dem Leutnant nicht, die militärische und politische Schmach des Versailler Vertrages und die eigene Ehrverletzung zu bewältigen. Anstatt seine zivile Laufbahn mit dem Abschluss seines Studiums fortzusetzen, entschied er
7 Diese badische Auszeichnung ist, nach Horst Ferdinand, nicht mit dem Status eines Ritterkreuzes des II. Weltkrieges zu vergleichen.
8 Vgl. Ferdinand, Wagner, S.102-103.
9 Vgl. Ludger Syré: Der Führer vom Oberrhein. Robert Wagner, Gauleiter, Reichsstatthalter in Baden und Chef der Zivilverwaltung im Elsaß, in: Michael Kißener, Joachim Scholtyseck (Hrsg.): Die Führer der Provinz. NS-Biographien aus Baden und Württemberg, Konstanz 1997, S.733-779. Im Folgenden zitiert als: Syré, Oberrhein.
10 Kurzbiographien aller Gauleiter in: Karl Höffkes: Hitlers politische Generäle. Die Gauleiter des 3. Reiches, Tübingen 1986. Dieses Werk dient aufgrund einiger Ungenauigkeiten nur als Kurzinformationsquelle.
11 Vgl. Syré, Oberrhein, S.737.
12 Vgl. Der Hitler-Prozeß vor dem Volksgericht in München. Bd.1, München 1924, S.88. Zitiert nach: Syré, Oberrhein S.737.
5
sich Soldat zu bleiben. 13 Am 28.02.1919 trat er in das II. Badische Freiwilligenbataillon ein und beteiligte sich an der Niederschlagung kommunistischer Aufstände, ironischer Weise im Auftrag der sozialdemokratischen Regierung des Landes. 14 Im August des selben Jahres wurde er erneut als Leutnant in die Reichswehr aufgenommen und zum 14. Infanterieregiment nach Konstanz versetzt. 15 Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrages musste Baden von allen Truppen geräumt werden. Robert Backfisch wurde nach Thüringen beordert. Hier begann er, seinen Kampf für „die nationale Sache“ fortsetzend, Waffen außerhalb der Kaserne zu horten. Die sozialistische Regierung des Landes wurde in Kenntnis gesetzt und Backfisch vor den Staatsgerichtshof gebracht. 16 Die Intervention des Reichswehrministeriums verhinderte jedoch eine Strafverfolgung. 17 Nach eigener Aussage war das Maß seiner Erbitterung voll und sein Sozialisten-Hass wurde zum zentralen Punkt innerhalb seines politischen Bewusstseins. Seine pädagogischen Fähigkeiten sollten nun ausschließlich der Erziehung seiner Untergebenen im nationalen Sinne dienen. 18
In der Thüringer Zeit müssen noch weitere unangenehme Erlebnisse das Selbstwertgefühl des nun 25-Jährigen drangsaliert haben. Am 20.01.1921 wurde seinem Antrag statt gegeben den Mädchennamen seiner Mutter annehmen zu dürfen. Er hieß nun Robert Heinrich Wagner. 19 Mehrere seiner Biographen vermuten, dass Hänseleien im Offizierskasino die Ursache sein könnten (u.a. L. Kettenacker u. H. Ferdinand). Vorstellbar ist aber auch eine Änderung aus ideologisch-nationalistischen Beweggründen: Der Name Wagner entspricht viel eher dem mystisch verklärten Germanentums-Glauben, der im Denken des jungen Mannes zunehmend den Protestantismus ersetzte, als der Name Backfisch.
Die Gelegenheit seine Ideale zu verbreiten und den eigenen Nationalismus zu festigen ergab sich durch seine Versetzung an die Infanterieschule München und der gleichzeitigen Beförderung zum Oberleutnant im September 1923. 20 In München nahm er, wie andere Kadetten der Offiziersschule, an Kundgebungen Adolf Hitlers teil und war begeistert. 21 Der völkische Nationalismus und die Ablehnung der politischen Linken, so wie der Juden, die er
13 Vgl. Syré, Oberrhein, S.737.
14 Vgl. Ferdinand, Wagner, S.103. Siehe auch: Kettenacker, Volkstumspolitik, S.68.
15 Vgl. Ferdinand, Wagner, S.103.
16 Vgl. Kettenacker, Volkstumspolitik, S.68.
17 Vgl. Syré, Oberrhein, S.738.
18 Vgl. Kettenacker, Volkstumspolitik, S.68.
19 Vgl. Ferdinand, Wagner, S.101.
20 Vgl. Kettenacker, Volkstumspolitik, S.68.
21 Vgl. Grill, Herrenmensch, S.256.
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aus dem Mund des späteren Diktators vernahm, bekräftigten sein eindimensionales Weltbild und ließen einen engagierten, getreuen Anhänger Hitlers entstehen. 22 Am 9. November 1923 nahm er aktiv, als Stellvertreter des befehlshabenden Oberstleutnants Roßbach, mit anderen Kadetten am Hitler Putsch teil. 23 Nach dem Scheitern wurden alle ergreifbaren Beteiligten in der Festung Landsberg inhaftiert. Am 26. Februar 1924 wurde gegen Hitler, General Ludendorf und acht weitere Beschuldigte, darunter Wagner, Anklage wegen gemeinschaftlich begangenen Hochverrats erhoben. 24 Am 1. April 1924 wurde Wagner der Beihilfe des Hochverrats für schuldig befunden und zu 1 Jahr und 3 Monaten Festungshaft, sowie einer Geldstrafe verurteilt. 25 Auf den, durch die Untersuchungshaft noch nicht abgegoltenen Strafanteil, wurde ihm Bewährung gestattet. Er blieb eine Zeit lang in München, kehrte aber noch im Verlauf des Herbstes 1924 in seinen Heimatort Lindach zurück. 26 Die einschneidenden militärischen wie politischen Erfahrungen seiner Jugend, sollten den Badener in der Folgezeit zu einem Wegbereiter des Nationalsozialismus und zu einem untergebenen Vasallen Hitlers machen. Eigenschaften, die auch seinem späteren Parteikameraden Josef Bürckel zukamen.
III. Josef Bürckel - Jugend und Kriegserlebnisse
Josef Bürckel wurde am 30.03.1895 im pfälzischen Lingenfeld in eine alteingesessene katholische Handwerkerfamilie hinein geboren. 27 Nach abgeschlossener Volks- und Realschule, letztere in Karlsruhe, trat er im Jahre 1909 in das Lehrerseminar in Speyer ein. 28 Hier lässt sein als „sehr lobenswert“ bezeugtes „religiös-sittliches Betragen“ auf eine enge Bindung an das katholische Christentum schließen. 29 Doch auch Bürckel wurde, wie Wagner, vom nationalen Aufbegehren des Jahres 1914 erfasst. Er verließ die Abschlussklasse des Seminars und trat im August 1914 als Kriegsfreiwilliger in das 17. Infanterieregiment ein. 30 Sein Fronteinsatz wurde im Jahr 1915 kurzfristig unterbrochen, da Bürckel erfolgreich die Seminarabschlussprüfung ablegte. Anschließend ging er wieder zurück zur Front. Im April 1916 wurde er jedoch, sicherlich gegen seine Überzeugung, mit dem Prädikat „nicht mehr
22 Vgl. Ebd. S.254.
23 Vgl. Ferdinand, Wagner, S.104 ff.
24 Vgl. Syré, Oberrhein, S.739.
25 Vgl. Ferdinand, Wagner, S.114.
26 Vgl. Ebd. S.115.
27 Vgl. Gerhard Paul: Josef Bürckel - Der rote Gauleiter, in: Ronald Smelser, Enrico Syring, Rainer Zitelmann (Hrsg.): Die braune Elite II. 21 weitere biographische Skizzen, Darmstadt 1993, S.51-65, hier S.51. Im Folgenden zitiert als: Paul, Bürckel.
28 Vgl. Karl Höffkes: Hitlers politische Generäle. Die Gauleiter des 3. Reiches, Tübingen 1986, S.40.
29 Vgl. Dieter Wolfganger: Die nationalsozialistische Politik in Lothringen (1940-1945). Diss. phil. Universität Saarbrücken 1977, S.16. Im Folgenden zitiert als: Wolfganger, Lothringen.
30 Vgl. Wolfganger, Lothringen, S.16.
7
kriegsverwendungsfähig“ aus dem Heer entlassen. 31 Ob er sich eine Verletzung zuzog, kann nur gemutmaßt werden, den Grund für diese Entlassung sucht man in der ihn behandelnden Literatur vergebens. Die Tatsache, dass Bürckel im letzten Kriegsjahr, nach erneutem Melden, in ein Feldartillerieregiment eingereiht wurde, lässt darauf schließen, dass er aufgrund von Verletzungen nicht mehr in der Infanterie eingesetzt werden konnte. 32 Zurück in Lingenfeld, setzte Bürckel die Lehrerausbildung fort und legte 1919 erfolgreich die Anstellungsprüfung in Speyer ab. 33 Zunächst arbeitete Josef Bürckel als Hilfslehrer in Roxheim, ab 1920 in Rodalben, wo er noch im selben Jahr die Landauerin Hilda Spieß heiratete. Aus ihrer Ehe gingen zwei Söhne hervor, die aber in der Forschungsliteratur keine weitere Erwähnung finden. 34
Bis 1927 blieb Bürckel in Rodalben, in dieser Zeit muss er mit der Bewegung Hitlers Bekanntschaft gemacht haben. In der Parteiinternen Personalakte ist zu lesen, dass sich der „Aktivist Bürckel“ schon 1921 für den „Aktivisten Hitler“ entschieden hätte. 35 Ob es sich hierbei um eine beschönigende Anpassung seines Lebenslaufes an die NS Propaganda handelt oder um Tatsachen muss leider, aufgrund ermangelnder Quellen, offen bleiben. Ideologisch war der junge Lehrer mit Sicherheit schon auf dem Wege Hitlers und seiner Parteigenossen angekommen. Während den Putschisten in München der Prozess gemacht wurde, beteiligte er sich an einem bewaffneten Sturm auf das Bezirksamt Pirmasens, dass von pfälzischen Separatisten besetzt gehalten wurde. 36 Welche Kontakte es zwischen Hitler, dessen Bewegung und Bürckel in der unmittelbaren Nachkriegszeit gab, muss noch erschlossen werden. Sicher ist, dass es sie gab. Im August 1925 trat Bürckel der neu gegründeten NSDAP bei, wurde Parteiredner und bereits im folgenden Jahr zum Gauleiter der Pfalz ernannt. 37 Dieser rasante Aufstieg in der Partei Hierarchie ist ohne vorherige Fühlungnahme auf Seiten Hitlers nur schwer vorstellbar.
Wie der Historiker Gerhard Paul bemerkt, ist die Quellenlage zu Josef Bürckel, insbesondere was seine Erfahrungen und Aktivitäten vor der Parteikarriere betrifft, äußerst dürftig. 38 Um seine politische Bewusstseinsbildung in Ansätzen erschließen zu können, ist es hilfreich nach
31 Vgl. Ebd. S.16.
32 Vgl. Ebd. S.17.
33 Vgl. Paul, Bürckel, S.51.
34 Vgl. Wolfganger, Lothringen, S.17.
35 Berlin Dokument Center „Bürckel“, zitiert nach: Wolfganger, Lothringen, S.17.
36 Vgl. Paul, Bürckel, S.52.
37 Vgl. Ebd. S.52.
38 Vgl. Ebd. S.63.
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Wenzel Seibold, 2006, Nationalsozialistische Herrschaft im Elsass und in Lothringen 1940 - 1944, München, GRIN Verlag GmbH
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