ihre Fahn“ (V.1). hier handelt es sich um eine Personifizierung, da die Nacht ja eigentlich nichts schwingen kann. Dieses Stilmittel wirkt auf den Leser, als ob die Nacht schon erwartet wird. Mit „ihre Fahn“ (V.1) wird die mit ihr kommende Dunkelheit beschrieben, die sich wie eine Fahne um alles legt. Die Personifizierung wirkt wie ein Triumph, da man nur bei solchen Augenblicken eigentlich einen Grund hat mit der Fahne zu schwingen. In dem ersten Teil des Aufgesanges, also in dem ersten Quartett, wird außerdem beschrieben, dass die Nacht auf die Menschen wie eine Art Erlösung wirkt, da sie mit dem Einbruch des Abends ihre harte Arbeit auf dem Feld oder in dem Werk verlassen können (vgl. V.3). Tiere und Vögel sind nicht mehr vorhanden (vgl. V.3), an ihrer Stelle ist jetzt die trauernde Einsamkeit (vgl. V.4). Diese weitere Personifizierung lässt das Gedicht sehr real wirken und der Leser bekommt das Gefühl der trostlosen Einsamkeit. Dass früher alles besser war drückt der Satz aus „Wie ist die Zeit vertan!“ (V.4). Dies könnte aber auch dafür stehen, dass sich der Tag für die Bevölkerung immer sehr lange zieht, da es so scheint, als ob sie die Zeit mit dem Gedanken an die Nacht erfolglos versuchen totschlagen. Die zweite Strophe verdeutlicht dem Leser, die Tatsache des Lebens und Sterbens, der sowohl das lyrische Ich als auch das lyrische Du folgen müssen. Durch die Metapher und die Personifizierung, dem sich des Körpers nähernden Hafen, gewinnt das Substantiv an Bedeutung. So könnte man diese Passage des Gedichtes mit dem Sprichwort „der rettende Hafen“ vergleichen, weil man durch ihn von der Rennebahn des Lebens erlöst wird (vgl. V.8). Durch die Steigerung „mehr und mehr“ (vgl. V.5) wird deutlich, dass es sich nur noch um eine geringe Anzahl an Jahren bis zum Tod dreht, wie auch in einem weiteren Vers betont wird, in dem wörtlich geschrieben steht, dass es sich nur noch um wenige Jahre bis zum Lebensende handelt (vgl. V.6). Nach den beiden Quartetten folgt der Abgesang, hierbei handelt es sich um die beiden Terzette. Die Zäsur zwischen diesen beiden Strophen wirkt auf den Leser wie eine Art Themenwechsel. Dies wird auch im Wechsel der formalen Sprache deutlich, da es sich nun um einen Schweifreim handelt (vgl. V.9 - V.14). das Metrum ist zwar immer noch ein Jambus, jedoch ist die klingende Kadenz nur noch bei dem jeweils ersten und zweiten Vers enthalten. Bei den Kadenzen der letzten Verse der Terzette kommt immer eine stumpfe Kadenz vor. Dies erweckt für den Leser den Eindruck, wie wichtig das diese beiden Versende für die Aussage des Gedichtes ist. Denn beide Kadenzen enden auf ein personenbezogenes Bezugswort. Bei dem Versende
des ersten Terzettes handelt es sich hierbei um das Wort „mir“ (V.11), bei der vierten Strophe um das Wort „Dir“ (V.14). Das „mir“ steht für das lyrische Ich, während das Wort „Dir“ für Gott, die zweite Hauptperson dieses Sonetts stehen könnte. Das erste Terzett handelt davon, dass das lyrische Ich zu Gott selbst spricht. Es bittet um ein zeitloses Beiseitebleiben von Gott. Durch das Stilmittel Pleonasmus bei der Wortverbindung „ewigheller Glanz“ (V.10) wird der Stellenwert von Gott aus Sicht des lyrischen Ich’s dem Leser vermittelt. Gott stehet an oberster Spitze und es gibt nichts was ihn übertrumpfen kann. Der Parallelismus „nicht Ach, nicht Pach, nicht Lust, nicht Angst“ (V.10) verdeutlicht, dass man sich nicht von nichts verleiten lassen darf, nicht aus einem lustvollen Grund wie Lust, noch aus einem eingeschüchterten wie Angst. Bei der Versuchung um welche es sich hier handelt, könnte es sich um eventuell um Selbstmord handeln, da das lyrische ICH auf dem Laufplatz (V.9), was soviel wie die Anlegestelle eines Hafen bedeutet, warten muss, sich jedoch wünscht endlich sterben zu können.
Der letzte Teil des Abgesangs besteht ebenfalls aus einem Terzett und stellt eine Art Höhepunkt des Gedichtes da, weil in dieser Strophe die Themen der vorhergehenden Strophen noch einmal aufgegriffen werden. Durch die Wortwiederholung von „müde“ (V.12) wird dem Leser vermittelt, dass nur noch wenig Kraft vorhanden ist um sein Leben fortzuführen. Eine weitere Wortwiederholung ist das Wort „Tag“ (V.13). Anhand dieser Betonung wird ausgedrückt, wie unerwünscht der Tag ist, wenn er über der Bevölkerung wacht.
Die Seele soll auch wachen, wenn dass müde Leib entschläft (vgl. V.12). Dadurch soll das endlose Leben des inneren Geistes nach dem Tod ausgedrückt werden. Mit der Metapher “Tal der Finsternis“ (V.14) wird das momentane trostlose Leben beschrieben, was nur aus harter Arbeit besteht. Man wünscht sich eine Erlösung von Gott, der auch hier das lyrische Du darstellt (vgl. V.14). Der Infinitiv von „lassen“ (vgl. V.12) wird auch in dieser Strophe noch einmal wiederholt und macht den Leser so auf gewisse Parallelen zwischen dem der Abgesang des Sonetts und einem Gebet aufmerksam. Neben dem Wort „Lass“ (V.12) erinnert ebenfalls der schon erwähnte Pleonasmus „ewigheller Glanz“ (V.10) und die Personalpronomen „Dein“ (V.11), „Dir“ (V.14) an ein kirchliches Gebet, da auch bei diesen Gott immer indirekt angesprochen wird und Pleonasmen typisch verwendete Stilmittel sind.
Arbeit zitieren:
Genevieve Mulack, 2009, Interpretation Andreas Gryphius "Abend", München, GRIN Verlag GmbH
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