Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis 2
Abk ürzungsverzeichnis. 3
1 Einleitung 4
2 Grundlagen der Bilanzanalyse nach IFRS bilanzierender Unternehmen 1
2.1 Bilanz-/Jahresabschlussanalyse 1
2.1.1 Definition, Ziel und Arten der Bilanzanalyse 1
2.1.2 Adressaten. 4
2.1.3 Vorgehensweisen und Instrumente 5
2.1.4 Einschränkungen der externen Bilanzanalyse 8
3 Rentabilitätsanalyse als Bestandteil der Bilanzanalyse 10
3.1 Grundlagen 10
3.1.1 Der Begriff der Rentabilität 10
3.1.2 Aussagekraft und Nutzen von Rentabilitätsanalysen 12
3.2 Rentabilitätsanalyse mithilfe von Kennzahlen 13
3.2 Vorstellung ausgewählter Kennzahlen 14
3.2.1 Die Ergebnisgrößen der Rentabilität 14
3.2.2 Vorstellung ausgewählter Kennzahlen 21
3.3. Überblick der ausgewählten Kennzahlen 41
4 Einsatz der Rentabilitätskennzahlen auf den Konzern RWE 42
4.1 Vorstellung des Konzerns RWE 42
4.2.2 Eigenkapitalrentabilität 48
4.2.3 Leverage-Effekt 51
4.2.5 Umsatzrentabilität 55
4.2.5 Betriebsrentabilität 57
4.3 Cashflow-Varianten 61
Fazit 64
Literaturverzeichnis 66
Anhang 69
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 Gliederung der Bilanzanalyse eigene Darstellung in Anlehnung an
Coenenberg
Abbildung 2: Grundform Gesamtkapitalrentabilität
Abbildung 3: Grundform Rentabilität
Abbildung 4: Handelsrechtliche- und bilanzanalytische Erfolgsspaltung
Abbildung 5: Grundform Gesamtkapitalrentabilität II
Abbildung 6: Gesamtkapitalrentabilität Variante I.
Abbildung 7: Gesamtkapitalrentabilität Variante II
Abbildung 8: Grundform Eigenkapitalrentabilität
Abbildung 9: Eigenkapitalrentabilität.
Abbildung 10: Herleitung Leverage - Effekt
Abbildung 11: Leverage-Effekt
Abbildung 12: Grafische Darstellung des Leverage-Effekts
Abbildung 13: Grundform Umsatzrentabilität.
Abbildung 14: Grundform Betriebsrentabilität
Abbildung 15: Berechnungsschema Betriebsnotwendiges Vermögen
Abbildung 16: Grundform Return on Investment (RoI)
Abbildung 17: Grundform Cashflow-Eigenkapitalrentabilität
Abbildung 18: Grundform Cashflow-Betriebsrentabilität
Abbildung 19: Darstellung der Geschäftsfelder und Umsatzverteilung des RWE
Konzerns.
Abbildung 20: Berechnung des ordentlichen Betriebsergebnisses
Abbildung 21: Berechnung des ordentlichen Finanzergebnisses
Abbildung 22: Ermittlung Gesamtkapitalrentabilität
Abbildung 23: Verlauf der Gesamtkapitalrentabilität RWE-Konzern
Abbildung 24: Ermittlung der Eigenkapitalrentabilität
Abbildung 25: Entwicklung Eigenkapitalrentabilität 2007-2009
Abbildung 26: Formel Leverage-Effekt
Abbildung 27: Ermittlung der Fremdkapitalzinssätze 2007-2008.
Abbildung 28: Ermittlung der Verschuldungsgrade 2007-2008
Abbildung 29: Leverage-Effekt anhand fiktivem Szenario
Abbildung 30: Formel Umsatzrentabilität
Abbildung 31: Berechnung Umsatzrentabilität 2007-2009
Abbildung 32: Entwicklung der Umsatzrentabilität 2007-2009
Abbildung 33: Formel Betriebsrentabilität
Abbildung 34: Berechnung Betriebsnotwendiges Vermögen 2007-2009
Abbildung 35: Berechnung Betriebsrentabilität 2007-2009
Abbildung 36: Entwicklung der Betriebsrentabilität 2007-2009.
Abbildung 37: Formel Return on Investment (RoI)
Abbildung 38: Berechnung der Umschlagshäufigkeit des BV 2007-2009
Abbildung 39: Berechnung des RoI 2007-2008
Abbildung 40: Cashflow-Eigenkapitalrentabilität
Abbildung 41: Berechnung Cashflow-Eigenkapitalrentabilität.
Abbildung 42: Cashflow-Betriebsrentabilität
Abbildung 43: Berechnung Cashflow-Betriebsrentabilität
1 Einleitung
Wie rentabel und gewinnträchtig sind Unternehmen? Diese Frage beschäftigt nicht nur potentielle Börsenanalysten und Aktienkäufer. Die Zahl der Interessenten an ausgewerteten Informationen ist bei international operierenden Unternehmen groß, zumal der Kreis der von der Unternehmensentwicklung berührten Personen sich nicht nur auf diejenigen im Inland beschränkt. Eine erste Antwort auf die Frage nach Gewinnträchtigkeit bieten unter anderem Erfolgsanalysen, die ein wichtiger Bestandteil von Jahresabschlussanalysen sind.
Die vorliegende Arbeit hat die erfolgswirtschaftliche Analyse des international agierenden Energieunternehmens RWE, mit dem Fokus auf der Rentabilität zum Gegen-stand.
Im Rahmen der Jahresabschlussanalyse bietet die Analyse der Rentabilität mit Hilfe von Kennzahlen die Möglichkeit den wichtigsten Aspekt erwerbswirtschaftlich orientierter Unternehmen zu untersuchen. Die Rentabilität als der relative Ausdruck von Erfolg ist nach der Wirtschaftlichkeit die wichtigste Prämisse für das Fortbestehen von Unternehmen und ist somit ein vorrangiges Ziel. Sie zeigt die Ertragslage und Ertragskraft auf und ermöglicht dadurch Rückschlüsse auf die zukünftige Gewinnentwicklung.
Im zweiten Kapitel wird die Bilanzanalyse definiert, beschrieben und ihre Grundlagen erläutert. Es werden die Adressaten und die Methoden der Bilanzanalyse erörtert. Mit dem Aufzeigen der Einschränkungen werden die Möglichkeiten der Bilanzanalyse abgegrenzt und die Beschreibung ihrer Grundlagen abgeschlossen.
Das dritte Kapitel widmet sich den theoretischen Grundlagen der Rentabilitätsanalyse. Nach der Definition des Begriffs der Rentabilität und der Darlegung ihres Nutzenpotentials wird die Vorgehensweise von Rentabilitätsanalysen beschrieben. Hierbei spielen Kennzahlen die zentrale Rolle. Die für die Bildung dieser Kennzahlen entscheidenden Ergebnisgrößen werden im Rahmen der Beschreibung von Erfolgs-
spaltungskonzeptionen auf Eignungskriterien hin geprüft und ausgewählt. Hiernach erfolgt die Vorstellung ausgewählter Kennzahlen der Rentabilitätsanalyse. Nach der Darstellung der theoretischen Grundlagen der Bilanz- und Rentabilitätsanalyse wird einleitend im vierten Kapitel der zu analysierende Konzern kurz beschrieben. Die zuvor erläuterten Kennzahlen werden auf den Konzern angewandt und somit die Rentabilität und der Erfolg des Unternehmens analysiert. Hierzu werden die Geschäftsberichte der Jahre 2007, 2008 und 2009 herangezogen. Zum Abschluss des vierten Kapitels werden die aus der praktischen Untersuchung resultierenden Er- kenntnisse in einem kurzen Fazit zusammengefasst.
1
2 Grundlagen der Bilanzanalyse nach IFRS bilanzierender Unternehmen
2.1 Bilanz-/Jahresabschlussanalyse
2.1.1 Definition, Ziel und Arten der Bilanzanalyse
Mit dem Begriff Bilanzanalyse wird die Gesamtheit der Methoden und Aktivitäten bezeichnet, mit deren Hilfe der Jahresabschluss und andere Informationen aufbereitet und ausgewertet werden, um ein Bild von der wirtschaftlichen Lage eines Unterneh-
mens zu erhalten. 1 Der Begriff der „wirtschaftlichen Lage“ schließt sowohl die Vermögens-, die Finanz- als auch die Ertragslage mit ein. 2 Die Bilanzanalyse hat die Gewinnung von entscheidungsnützlichen Informationen über die gegenwärtige Lage
und der zukünftigen Entwicklung eines Unternehmens zum Ziel. 3 Der zunächst ausschließliche Bezug auf die Abschlussbestandteile Bilanz, GuV, Kapitalflussrechnung
sowie den Anhang kann als Bilanzanalyse im engeren Sinne bezeichnet werden. 4
1 Vgl. Lachnit,L. (2004), S. 1 , Vgl. Baetge/Kirsch/Thiele (2004), S. 1
2 Vgl. Baetge/Kirsch/Thiele (2004), S. 1;
3 Vgl. Baetge/Kirsch/Thiele (2004), S. 1
4 Vgl. Coenenberg, Adolf G. (2005), S. 951
2
Abbildung 1 Gliederung der Bilanzanalyse eigene Darstellung in Anlehnung an
Coenenberg 5
Analog werden in die Bilanzanalyse im weiteren Sinne jegliche sonstigen sachdienli-chen und freiwillig veröffentlichten Informationen des Unternehmens einbezogen. 6 Weiterhin wird in der Fachliteratur wie in der Abbildung 1 dargestellt stets eine Unterscheidung in externe und interne Bilanzanalyse angenommen. Der externen Bilanzanalyse stehen lediglich allgemein zugängliche Informationen zur Verfügung, wohingegen der internen Bilanzanalyse, die auch als Betriebsanalyse bezeichnet
wird, grundsätzlich alle betrieblichen Daten uneingeschränkt zugänglich sind. 7 Durch die erweiterte Informationsbasis ist die interne Analyse daher umfassender und zuverlässiger als eine Analyse, die sich nur auf gesetzliche und freiwillige Berichter-
stattung stützt. 8 Daher kann der internen Analyse mit Bezug auf die Unternehmensleitung neben der Informationsfunktion auch eine Planungs- und Lenkungsfunktion
zugesprochen werden. 9 Weiterhin kann die Bilanzanalyse als Hilfsmittel für die Umwandlung von allgemeinen Unternehmensdaten in bedarfsorientierte und ent-
scheidungsnützliche Informationen angesehen werden. 10
Ziel jeder (gewinnorientieren, Anm. d. Verf.) Unternehmung ist es Geld zu verdienen
und die Verdienstquelle zu sichern. 11 Analog zu diesen zwei Zielen können die beiden Hauptziele der Bilanzanalyse in Gewinnung von Informationen über die Ertragslage einerseits und Gewinnung von Informationen über die Vermögens- und Finanz-
lage andererseits getrennt werden. 12 Die Bilanzanalyse wird daher traditionell auch in erfolgswirtschaftliche und finanzwirtschaftliche Analyse unterteilt. 13
Die finanzwirtschaftliche Analyse hat ihren Fokus auf der Vermögens- und Finanzlage. Sie soll Erkenntnisse über die Sicherung der jederzeitigen - also der kurz-, mit-tel- und langfristigen - Zahlungsfähigkeit liefern. 14 Da der Schwerpunkt dieser Arbeit
5 Vgl. Coenenberg, Adolf G. (2005), S. 1017
6 Vgl. Coenenberg, Adolf G. (2005), S. 951
7 Vgl. Küting/Weber (2009), S. 3 f.
8 Vgl. Coenenberg, Adolf G. (2009), S. 1013
9 Vgl. Küting/Weber (2009), S. 11
10 Vgl. Küting/Weber (2009), S. 7
11 Vgl. Baetge (2004), S.2
12 Vgl Baetge (2004), S.2
13 Vgl. Gräfer (2008), S3
14 Vgl. Lachnit, L. (2008), S. 11
3
auf der Rentabilitätsanalyse als Teil der erfolgswirtschaftlichen Analyse liegt, wird die finanzwirtschaftliche Analyse an dieser Stelle nicht weiter ausgeführt.
Die erfolgswirtschaftliche Analyse hat die Abbildung der Erfolgslage und Ertrags-
kraft zum Gegenstand. 15 Da die Ertragskraft die Fähigkeit ist, in der Zukunft Gewinne erzielen zu können, der Jahresabschluss jedoch vergangenheitsbezogen ist, kann die zukünftige Ergebnisentwicklung aus der vergangenen Entwicklung lediglich nä-herungsweise hochgerechnet werden. 16 Hierbei wird der erfolgswirtschaftlichen Analyse daher auch eine Ermittlungs- und Erklärungsaufgabe zugesprochen. 17 Im Rahmen der Ermittlungsaufgabe werden die in den vergangenen Perioden tatsächlich
erwirtschafteten Erfolge als Basis für die Vorausschau bestimmt. 18 Hierbei kommt jedoch das Problem auf, dass aufgrund von Bilanzgestaltungsspielräumen die Kennziffern Bilanzgewinn und Jahresüberschuss nicht dem tatsächlichen betriebswirt-
schaftlichen Gewinn entsprechen. 19 Es wird daher versucht durch eine betragsmäßige Ergebnisanalyse die Höhe der stillen Reserven und Lasten zu bestimmen. 20 Im Rahmen der Erklärungsaufgabe wird eine strukturelle Analyse durchgeführt, die durch Erfolgsspaltung die Quellen des Erfolgs aufzeigen und seine Entstehung beleuchten
soll. 21 Primäres Ziel des Bilanzanalytikers ist es, die wichtigsten Erfolgsquellen zu bestimmen und Aussagen über die Nachhaltigkeit des Erfolges zu erhalten. 22 „Die Nachhaltigkeit ist der zentrale Begriff der Bilanzanalyse.“ 23 Weiterer und wichtiger Bestandteil der Untersuchung der Erfolgslage und der Ertragskraft ist die Rentabilitätsanalyse. Da beispielsweise ein in aufeinanderfolgenden Perioden gleich hoher Gewinn oder Verlust mit unterschiedlichem Kapital- oder Vermögenseinsatz erzielt worden sein kann, sind relative Erfolgsmaße der Rentabilität erforderlich, die die Effizienz des eingesetzten Kapitals und Vermögens ausdrü-
cken können. 24 Relatives Erfolgsmaß bedeutet in diesem Zusammenhang eine Verhältniszahl bei der eine Ergebnisgröße ins Verhältnis gesetzt wird zu einer vermute-ten Einflussgröße. 25 Als Einflussgrößen werden insbesondere Kapital, Vermögen und
15 Vgl. Lachnit, L. (2008), S. 164
16 Vgl. Coenenberg A.(2009), S. 1085 f.
17 Vgl. Coenenberg A.(2009), S.1086
18 Vgl. Ebd.
19 Vgl. Gräfer, H. (2008), S. 27. f.
20 Vgl. Zdrowomyslaw N. (2001), S. 745
21 Vgl. Coenenberg A.(2009), S. 1086
22 Vgl. Baetge J./Kirsch H.-J., Thiele S. (2004), S.336
23 Vgl. Werner T./Padberg T./Kriete T. (2005), S.3
24 Vgl. Lachnit L. (2008), S. 214
25 Vgl. Küting, Weber ...
4
Umsatz herangezogen, als Ergebnisgrößen das Jahresergebnis vor oder nach Steuern, spezifisch ermittelte Teilergebnisse wie ordentliches Jahresergebnis, ordentliches
Betriebsergebnis oder alternativ zu einem Ergebnis der Cashflow erfasst. 26 Im Rahmen der in dieser Arbeit durchgeführten Rentabilitätsanalyse werden sowohl die regelmäßig angewandten Rentabilitätskennzahlen Gesamtkapital-, Eigenkapital-, Betriebs- und Umsatzrentabilität als auch der Return on Investment und der Cashflow untersucht.
2.1.2 Adressaten
Der Aufteilung in interne und externe Analyse folgend, werden die Adressaten eben-
diesen Sichtweisen zugeordnet: 27
Interne Adressaten: Unternehmensleitung (Vorstand, Geschäfsführung), Kon-trollorgane (Aufsichtsrat, Beirat, Abschlussprüfer), Beteiligungscontroller, Großaktionäre, Großkreditgeber, Finanzverwaltung
Externe Adressaten: Kreditgeber, Kreditversicherer, Auskunfteien, (Klein-) Aktionäre, externe Gesellschafter, Rating-Agenturen, Lieferanten, Kunden, Finanzanalysten, Bundesbank, Arbeitnehmer, Gewerkschaften, Konkurrenzunternehmen, Presse
Die verschiedenen Adressaten von Bilanzanalysen haben ebenso unterschiedliche Interessen, die sie motivieren sich über das Unternehmen zu informieren. Im folgenden soll exemplarisch auf Aktionäre, Fremdkapitalgeber und Arbeitnehmer eingegangen werden.
Aktionäre können ihr eingesetztes Kapital teilweise oder vollständig verlieren. Bei gutem Geschäftsverlauf hingegen sind sie es, die über einen Rechtsanspruch von
Ausschüttungen profitieren. 28 Naturgemäß haben Investoren die sich am Unternehmen beteiligt haben somit ein Interesse daran, die Entwicklung der wirtschaftlichen Lage mitzuverfolgen. Sie treffen Anlageentscheidungen auf Basis der Informationen
26 Vgl. Lachnit, L. (2008), S. 214 f.
27 Vgl. Baetge/Kirsch/Thiele (2004), S. 15 ff. , Coenenberg, A. (2004), S. 1017 f.
28 Vgl. Gräfer,H. (2008), S. 6
5
der Jahresabschlussanalyse darüber, ob sie ihre vorhandenen Investments beibehal-
ten, diese beenden oder neue Investments tätigen. 29
Die Fremdkapitalgeber informieren sich anhand der Jahresabschlussanalyse über die Sicherheit der gewährten Kredite bzw. die Wahrscheinlichkeit, dass das Unterneh-men die Tilgungs- und Zinszahlungsverpflichtung einhalten kann. 30 Neben den Aktionären und Fremdkapitalgebern erkundigen sich auch Arbeitnehmer mittels Bilanzanalyse. Sie erhalten Informationen z.B. über die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes, Vermögens- und Erfolgsbeteiligungssystemen am Bilanzgewinn und betriebliche Sozialleistungen. Auch Gewerkschaften, Betriebsräte und Wirtschaftsausschüsse sammeln somit Informationen um beispielsweise bei Tarifverhandlungen auf gestiegene Gewinne verweisen zu können.
2.1.3 Vorgehensweisen und Instrumente
Grundsätzlich bedienen sich alle bilanzanalytischen Methoden der gleichen Instru-
mente: 31 1. Aufbereitung 2. Auswertung 3. Vergleich
Um das umfangreiche und vielgestaltige Informationsmaterial wie Abschluss, Kapitalflussrechnung, Segmentreport usw. für die Zwecke der Analyse gezielt auswerten
zu können ist es erforderlich dass die Daten zuerst aufbereitet werden. 32 Durch gezielte Aufbereitung und Auswertung sollen andere - latent vorhandene - Informationen erschlossen werden als sie in ihrer ursprünglichen Form, wie beispielsweise
dem Jahresabschluss, vorhanden sind. 33 Im Zuge der Aufbereitung werden, entweder durch Umgliederung oder durch Umbewertung, die Grunddaten 34 wie beispielsweise Eigenkapital, langfristiges oder kurzfristiges Kapital, betriebsnotwendiges Vermögen etc. aus dem Abschluss abgeleitet. Umgliederung kann durch Umgruppierung, Neu- 29 Vgl.Gräfer, H. (2008), S. 6;
30 Vgl. Ebd. S. 6
31 Vgl. Peemöller V. (2003), S. 229
32 Vgl. Lachnit L. (2008), S. 15
33 Vgl. Peemöller V. (2003), S. 230
34 Vgl. Peemöller V. (2003), S. 229-231, Vgl. auch Lachnit L. (2004), S. 15 „Analysebasisgrößen“
6
bildung, Aufspaltung oder ganz oder teilweiser Saldierung von verschiedenen Posten
erreicht werden. 35
Die Auswertung der Grunddaten erfolgt über Kennzahlen. „Als Analysemethoden bedient sich die Bilanzanalyse vorwiegend der Kennzahlenbildung und des Kennzahlenvergleichs. Insofern wird die Bilanzanalyse häufig auch als Kennzahlenrechnung betrachtet oder die Kennzahlenrechnung als klassische, traditionelle oder konventio-
nelleBilanzanalyse bezeichnet.“ 36 „Die Auswahl, die Errechnung und der Vergleich von Kennzahlen stellen den Kern der Bilanzanalyse dar.“ 37 Der Schwerpunkt dieser Arbeit ist die Untersuchung der ausgewählten Kennzahlen der Rentabilität und der zusätzlichen Kennzahl Cashflow. Mit Hilfe von betriebswirtschaftlichen Kennzahlen werden komplizierte betriebswirtschaftliche Sachverhalte in verdichteter Form abgebildet um die Transparenz der Bilanzanalyse zu erhöhen und Informationen mög-
lichst prägnant zu vermitteln. 38 Die Voraussetzung dafür ist die Quantifizierbarkeit der Sachverhalte, d.h. die Möglichkeit sie in Zahlen ausdrücken zu können. 39 Für die bilanzanalytische Auswertung kommen absolute Kennzahlen wie beispielsweise Jahresüberschuss, Gesamtvermögen, Cashflow etc. und relative Kennzahlen
in Betracht. 40 Absolute Zahlen können Einzelkennzahlen, Summen, Differenzen, Mittelwerte, Produkte und Quotienten sein. 41 Ohne eine Vergleichs- oder Bezugsgröße ist die Aussagekraft einer absoluten Kennzahl jedoch gering. 42 Daher werden aus i.d.R. zwei absoluten Kennzahlen relative Kennzahlen in Form von Quotienten
gebildet. 43 Relative Kennzahlen verdeutlichen eine Beziehung zwischen einer Ergebnisgröße im Zähler und einer Einflussgröße im Nenner des Quotienten. Relative
Kennzahlen werden daher auch Verhältniszahlen genannt und werden unterteilt in: 44
- Gliederungszahlen
Als Beispiel kann hier genannt werden, dass bei Gliederungszahlen Teilgrößen werden ihrer ensprechenden Gesamtgröße gegenübergestellt um das relative Gewicht einzelner Größen zum Ganzen aufzuzeigen.
35 Vgl. Peemöller V. (2003), S. 230 f.
36 Vgl. Küting K., Weber C.-P. (2009), S. 13
37 Vgl. Gräfer H. (2008), S. 18
38 Vgl. Schult E., Brösel G. (2008), S. 72 in Baetge/Kirsch/Thiele (2004a), S. 35 f.
39 Vgl. Ebd.
40 Vgl. Lachnit L. (2004), S. 39
41 Vgl. Peemöller V. (2003), S. 237
42 Vgl. Schult E., Brösel G. (2008), S. 72
43 Vgl. Schult E., Brösel G. (2008), S. 72
44 Vgl. Coenenberg A., Haller A., Schulze W. (2009), S. 1034-1036
7
- Beziehungszahlen
Verschiedenartige Entitäten (Ganzheiten), die in einem sachlogischen Zusammenhang zueinander stehen werden aufeinander bezogen. Als Beispiel sei hier die Gesamtkapitalrentabilität genannt, also Gewinn vor Fremdkapitalzinsen zu Gesamtkapital. Beispielhaft hier die Gesamtkapitalrentabilität:
Abbildung 2: Grundform Gesamtkapitalrentabilität
- Indexzahlen
Ein Einzelwert einer Größe wird zu einem bestimmten Zeitpunkt als 100% deklariert, also als Basiswert festgesetzt, und alle weiteren Werte der gleichen Größe, jedoch verschiedener Zeitpunkte werden auf den Basiswert bezogen und so gemessen. Als Beispiel können hier Aktien- und Preisindizes genannt werden. Naturgemäß eignen sich Indizes zur Darstellung zeitlicher Veränderungen und Entwicklungen.
Bei praktischen Untersuchungen besteht die Kunstfertigkeit der Bilanzanalyse darin
die jeweils zweckmäßigen Kennzahlen auszuwählen und richtig zu interpretieren. 45
Eine Beurteilung und Interpretation der aufbereiteten und ausgewerteten Sachverhal-
te ist ohne Vergleiche nicht möglich. 46 Zwar beinhaltet die Bilanzanalyse auch implizite Vergleiche durch Normvorstellungen des Analytikers, jedoch reicht eine statische Betrachtung von beispielsweise einem einzigen Jahresabschluss trotz Erkenn-barkeit einiger Auffälligkeiten im Abschluss nicht aus. 47 Folglich werden Vergleichsmaßstäbe herangezogen mittels Zeit-, Soll-Ist- und Betriebsvergleich. 48 Im Zeitvergleich werden Daten des besagten Unternehmens aus früheren Perioden herangezogen um die Entwicklung z.B. einzelner Kennzahlen zu beobachten und zu
untersuchen. 49 Soll-Ist-Vergleiche ermöglichen den Abgleich zwischen vorgegeben
45 Vgl. Gräfer H. (2008), S.18
46 Vgl. Peemöller V. (2003), S. 250
47 Vgl. Gräfer H. (2008), S.
48 Vgl. Coenenberg A., Haller A., Schulze W. (2009), S. 1033
49 Vgl. Schult E., Brösel G. (2008), S. 43
8
oder geplanten Zielwerten und tatsächlich erreichten Werten. Es kann sein dass solche Werte nicht verfügbar sind und der Soll-Ist-Vergleich daher für eine externe
Analyse nicht durchführbar ist. 50 Im Betriebsvergleich werden die Kennzahlen mit denen eines anderen Unternehmens oder dem Branchendurchschnitt verglichen. Der Branchenvergleich, bei dem neben dem Branchendurchschnitt auch der Durschnitt einer Zahl ausgewählter Repräsentativer Unternehmen herangezogen werden kann,
zählt ebenfalls zum Betriebsvergleich. 51 Auch wenn viele Störquellen existieren, wie beispielsweise unterschiedliche Abschlussstichtage, unterschieliche Größe, techn. Ausstattung usw. zeigt dennoch erst ein Betriebsvergleich die spezifischen Stärken und Schwächen eines Unternehmens gegenüber Wettbewerbern und ermöglicht wei-
tere Untersuchungen der Hintergründe der Unterschiede. 52
2.1.4 Einschränkungen der externen Bilanzanalyse
Die Aussagekraft der externen Bilanzanalyse ist eingeschränkt, aufgrund der zur Verfügung gestellten Informationen, der Aktualität der Quellen und den Fähigkeiten und Begrenzungen der Analytiker.
Jahresabschlüsse sind dominiert von einem Vergangenheitsbezug. 53 Zudem liegt zwischen Bilanzstichtag und Jahresabschlussveröffentlichung ein längerer Zeitraum,
was die Daten somit veraltet wirken lässt. 54 Die mangelnde Zukunftsbezogenheit erschwert somit das Ziel, Erkenntnisse über zukünftige Entwicklungen zu erlangen. 55 Es zeichnet sich jedoch allmählich ab, dass vorgeschriebene und zusätzliche prospektive Publizität wie z.B. Lagebericht und Zwischenberichte, umfangreicher und zuver-
lässiger werden. 56
Wesentliche qualitative Aspekte - wie z.B. Image, technologischer Entwicklungs-stand der Prozesse und Produkte, Wettbewerbsposition auf den Märkten - sind als signifikante Einflussgrößen zum nachhaltigen Erfolg des Unternehmens zu betrach-ten und können von einem Externen jedoch kaum eingeschätzt werden. 57 Da der Jah-
50 Vgl.Lachnit L. (2004), S. 51
51 Vgl. Baetge/Kirsch/Thiele (2004), S. 175
52 Vgl. Ebd. S. 174 In Ihde, G.-B, Betriebsvergleich, Sp.580 f. et al.
53 Vgl. Küting K., C.-P. Weber 2009 S. 75
54 Vgl. ebd.
55 Vgl. Schult Brösel S. 31.
56 Vgl. Coenenberg A. (2009), S.1018
57 Vgl. Gräfer H. (2008), S. 9
9
resabschluss somit nicht alle, für eine aussagefähige Bilanzanalyse erfoderlichen Informationen enthält und die qualitativen Aspekte nicht in die Kennzahlen mit einfließen, wirkt sich die Unvollständigkeit des Jahresabschlusses insoweit auch auf die
Bilanzanalyse aus und schränkt deren Aussagekraft ein. 58 Born 59 betont in diesem Zusammenhang die steigende Bedeutung von immateriellen Werten gegenüber den materiellen.
Als weitere Einschränkung muss zweifelsohne die Verzerrung der Bilanzen durch Bilanzpolitik erwähnt werden. Eine Bilanzanalyse muss demnach bemüht sein, die
Färbung durch bilanzpolitische Maßnahmen zu neutralisieren. 60 Da im Rahmen dieser Diplomarbeit das vorrangige Ziel jedoch die Analyse der ausgewählten Rentabilitätskennzahlen ist, kann aus Gründen des Umfangs nicht oder nur in begrenztem Maße auf bilanzpolitische Maßnahmen eingegangen werden. Dennoch seien die wichtigsten kurz erwähnt. Das Ausnutzen von Ansatz- und Bewertungswahlrechten, Ermessenspielräumen sowie Sachverhaltsgestaltungen sind die Instrumente der Bilanzpolitik. Wahrgenommene explizite Wahlrechte stellen kein großes Problem mehr dar, da sie meist im Anhang angegeben werden und ihre Anzahl durch Gesetze und
Standards kontinuierlich abnimmt. 61 Ermessenspielräume und Sachverhaltsgestaltungen, die gerade in der internationalen Rechnungslegung häufig antreffbar sind, sind dagegen als problematischer anzusehen, da sie oft nicht nachprüfbar und erkennbar sind für Externe. 62
Auf die Einschränkungen die sich durch die Kennzahlenrechnung als vorrangiges Analyseinstrument ergeben, wird im Kapitel 3.2.1 gesondert eingegangen. Vielfach wird in der Literatur aufgeführt, dass die Ableitung und Verdichtung von Informationen aus einem ohnehin die Realität reduziert spiegelnden Abbild, dem
Jahresabschluss, nicht aussagekräftig sein kann. Hierzu betont Subramanyam: 63 „Accounting for Business Activities is imperfect and has limitations. It is easy to focus on these imperfections and limitations. However, there is no comparable substitute. Financial accounting is and remains the only relevant and reliable system for recording, classifying, and summarizing business activities. Improvement rests with
58 Vgl. Küting K. Weber C.-P., (2009) S.76
59 Vgl. Born K. (2008), S. 10
60 Vgl. Küting K. Weber C.-P., (2009) S.48, Im gleichen Atemzug werden die Erfolgsaussichten dieses Versuchs jedoch skeptisch gesehen.
61 Vgl. Coenenberg A. (2009), S.1019
62 Vgl. ebd.
63 Subramanyam K., Wild J. (2009), S. 77 f.
10
refinements in this time-tested system. It is incumbent on anyone who desires to per-form effective financial analysis to understand accounting, its terminology, and its practices, including its imperfections and limitations.“
Die benannten Umstände schränken die Aussagefähigkeit der Bilanzanalyse ein. Dennoch ist sie bei der Unternehmensbeurteilung unverzichtbar, da sie nicht endgültige, sichere Urteile über Unternehmen abgeben soll, sondern vielmehr Entwick-lungstendenzen, Fehlentwicklungen und andere Auffälligkeiten erkennbar macht. 64 Neben der Analysefunktion ist somit die Existenz einer Indikatorfunktion zu beto-
nen. 65
3 Rentabilitätsanalyse als Bestandteil der Bilanzanalyse
3.1 Grundlagen
3.1.1 Der Begriff der Rentabilität
„Obwohl der Begriff der Rentabilität nicht einheitlich definiert ist, kann er in allge- meinerForm als Beziehungszahl dargestellt werden, die sich als Quotient aus einer Erfolgsgröße und einer Bezugsgröße bilden lässt. Hierdurch wird eine wertmäßige Ergiebigkeit ( Effizienz ) der Bezugsgröße in einem relativen Ausdruck ermittelt. In der Literatur werden z.T. unter dem Begriff der Rentabilität auch absolute Erfolgsgrößen wie z.B. Gewinn subsumiert(…). Rentabilitätskennzahlen werden in der Regel als Informationen für betriebliche Entscheidungsrechnungen genutzt. Dabei kann eine solche Zahl sowohl als Ziel als auch als Instrument zur Zielerreichung einge-setzt werden.“ 66 Die in Frage kommenden Einflussgrößen - auch Bezugsgrößen genannt - sind das Kapital, das eingesetzte Vermögen sowie der Umsatz. 67
64 Vgl. Gräfer H. (2008), S. 10
65 Vgl. Peemöller V. (2003), S. 256
66 Vgl. Küpper H.-U., Weber J. (1995), S. 284
67 Vgl. Coenenberg A. (2009), S. 1132
Abbildung 3: Grundform Rentabilität
Kennzahl besteht und die hier im Fokus steht - muss bei der Darstellung ihrer Relation durch Ergebnisgröße und Einflussgröße eine sachliche, zeitliche und wertmäßige
Entsprechung von Zähler und Nenner beachten. 68 Dennoch liegt der vorgezeigten Relation kein direkter funktionaler Zusammenhang zugrunde sondern eine vermute-
te Ursache-Wirkungs-Beziehung. 69
Von den Begriffen der Produktivität und der Wirtschaftlichkeit ist die Rentabilität
folgendermaßen abzugrenzen: 70
- Produktivität ist als das Verhältnis der Ausbringungsmenge produzierter Güter zu der Einsatzmenge ihrer Produktionsfaktoren definiert. - Wirtschaftlichkeit ist das Verhältnis von Ertrag zu Aufwand oder Leistung zu Kosten.
Die Kennzahlen der Produktivität, der Wirtschaftlichkeit und der Rentabilität werden als Erscheinungsformen des Rationalprinzips charakterisiert wobei die Rentabilität
die finanzwirtschaftliche Rationalität aufzeigt. 71 Gräfer 72 definiert allgemein, jedoch nicht minder zutreffend: „Unter Rentabilität versteht man das prozentuale Verhältnis des in einer Periode erzielten Gewinnes zum eingesetzten Kapital. Der Gewinn wird gewissermaßen als Verzinsung des investierten Kapitals betrachtet.“ Ein solcher Prozentsatz kann intern als zu erreichende Mindestrendite vorgegeben werden um ein Unternehmensweites Ziel zu kommunizieren und die Ressourcen im Unternehmen dahingehend zu mobilisieren und zu motivieren. Neben der Messung und Darstellung der relativen Gewinnträchtigkeit, die auf englisch mit Profitability übersetzt werden kann, dient die Rentabilität somit auch zur Messung der Zielerreichung des gesamten Unternehmens oder wahlweise von Tochterunternehmen, einzelner Segmente, Teilbetriebe, Projekte usw. In der vorliegenden Arbeit wird das Unternehmen als ganzes,
68 Vgl. Baetge J., Kirsch H.-J., Thiele S. (2004), S. 349
69 Vgl. ebd. S. 350
70 Vgl. Küting K., Weber C.-P. (2009) S. 318
71 Vgl. Küting K., Weber C.-P. (2009) S. 319
72 Vgl. Gräfer H. (2008), S. 61
Arbeit zitieren:
Ömer H. Aydogan, 2010, Erfolgsanalyse in der Energiewirtschaft – Untersucht am Beispiel des Konzerns RWE, München, GRIN Verlag GmbH
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