Universität Mannheim Philosophische Fakultät
Proseminar: Ausgewählte Kapitel aus Kants „Kritik der reinen Vernunft“ WS 02/03
IMMANUEL KANTS ÜBERLEGUNGEN ZUR
Anna Sacco
0
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 2
Der Transzendentalen Elementarlehre Erster Teil 3
Die Transzendentale Ästhetik 4
Zweiter Abschnitt: Von der Zeit 5
§4 Metaphysische Erörterung des Begriffs der Zeit 6
Erstes Zeitargument: Ideas temporis non oritur, sed supponitur a sensibus. 6
Zweites Zeitargument: Absolute und relative Notwendigkeit der Zeit. 8
Viertes Zeitargument: Idea temporis est singularis, non generalis. 10
F ünftes Zeitargument: Unendlichkeit und Kontinuität der Zeit. 12
Literaturverzeichnis 15
Untertitel nach Hans Vaihinger, Commentar zu Kants Kritik der reinen Vernunft, Zweiter Band, Stuttgart,
Berlin , Leipzig: Union Deutsche Verlagsgesellschaft, 1892.
1
EINLEITUNG
Der Paragraph 4 der „Transzendentalen Ästhetik“ aus Kants Kritik der reinen Vernunft (KrV) ist unterteilt in fünf Abschnitte, die nahezu analog zur „Metaphysischen Erörterung des Raumbegriffs“ (§2) aufgebaut sind.
Ich werde in meiner Hausarbeit versuchen; die Abschnitte eins bis zwei und vier bis fünf (korrespondierend mit den Abschnitten eins bis vier des §2) abzuhandeln unter Bezugnahme von Kommentaren und Beiträgen anderer Philosophen.
Den dritten Abschnitt des §4 werde ich bewußt übergehen, da es sich hierbei um eine Vorwegnahme Kants handelt; dieser Abschnitt gehört thematisch zur „Transzendentalen Erörterung des Begriffs der Zeit“ (§5), die der Darlegung des Begriffs unter dem Gesichtspunkt wie er zur Quelle (Prinzip) anderer synthetischer Erkenntnisse a priori werden kann, 1 dient.
Während nun also das Beweisthema des ersten Argumentenpaars der metaphysischen Untersuchung die Apriorität der Zeitvorstellung ist, so stellen die letzten beiden Argumente ihren Anschauungscharakter dar.
Kants Abhandlung verfolgt das Ziel, unsere Sinnlichkeit als eine durch Raum und Zeit bestimmte zu enttarnen; er will beweisen, dass dies die einzige Form ist, durch die wir Dinge wahrnehmen, das heißt anschauen können. Nur auf diesem Weg kann der Mensch zu Erkenntnis gelangen.
1 KrV B 40.
2
Der Transzendentalen Elementarlehre Erster Teil
Der erste Teil der Allgemeinen Transzendentalphilosophie Kants, die Transzendentale Ästhetik, behandelt die Prinzipien apriorischer Erkenntnisform durch sinnliche Wahrnehmung.
In dem vorangehenden Paragraphen 1 legt Kant zunächst einige Definitionen und Prämissen fest:
Alles Denken und daher jede Erkenntnis bezieht sich auf Anschauung, die wiederum vermittels der Sinnlichkeit geliefert wird.
Die Sinnlichkeit (Fähigkeit der Rezeptivität) ist unsere „Erkenntnisquelle“, sie wird von schon vorhandenen (gegebenen) Gegenstände gereizt (affiziert), nur auf diese Weise bekommen wir Vorstellungen, da wir Menschen keinen „anschauenden“ Verstand besitzen. Streng davon getrennt bezeichnet Verstand bei Kant das „Vermögen der Begriffe“, d.h. der Verstand denkt aktiv die durch die eher passive Sinnlichkeit gelieferten Anschauungen und kann sie dadurch in Begriffe fassen. 2
Aus dieser Festlegung rührt der bekannte Ausspruch Kants: „Anschauung ohne Begriffe sind blind und Begriffe ohne Anschauung leer.“
Nur das Zusammenwirken von Sinnlichkeit und Verstand verhilft zu einer Erkenntnis. Beide Vermögen, Sinne und Verstand, sind beim Erkennen immer beteiligt 3 , nur in Verbindung können sie Gegenstände bestimmen. 4
Wenn Gegenstände unsere Sinnlichkeit affizieren, so bewirkt dies eine Empfindung, sie liefert empirische Anschauung, bleibt der Gegenstand einer empirischen Anschauung allerdings unbestimmt, d.h. ist er allgemein gedacht und bleibt ohne bestimmte Prädikate in der Sinnlichkeit, nennt Kant dies Erscheinung.
Weiterhin unterscheidet Kant zwischen Materie und Form einer Erscheinung. 5 Während die Materie, korrespondierend mit der Empfindung, die Inhalte der Erscheinung bezeichnet, also empirisch und damit aposteriorisch ist, benennt die Form der Erscheinung die geordneten Verhältnisse der Erscheinung in Raum und Zeit. An diesem Dualismus setzt nun die These Kants an: Aus der Behauptung, dass dieses ordnende Prinzip wiederum nicht selbst auf Empfindung beruhen kann folgert Kant, dass es schon a priori in der Vorstellungskraft vorhanden sein muß.
Da für Kant alle Vorstellungen rein sind, sofern nichts Empirisches an ihnen haftet, und er der Überzeugung ist, dass diese „reine Form sinnlicher Anschauung“ 6 frei von aller Empfindung a priori im Gemüte anzutreffen und anzuschauen ist, nennt er diese „apriorische Erkenntnis der apriorischen Form der Anschauung“ 7 selbst auch eine reine Anschauung. Aus einer empirischen Anschauung wird somit alles abgezogen was vom Verstande (logisch) gedacht (Substanz, Kraft, Teilbarkeit) und von der Sinnlichkeit (empirisch) empfunden wird (Undurchdringlichkeit, Härte, Farbe); dabei bleibt nur Ausdehnung und Gestalt der Vorstellung eines Körpers übrig und nur diese bezeichnet die reine Anschauung. Nur diese als „bloße Form der Sinnlichkeit“ findet „ohne wirklichen Gegenstand der Sinne oder Empfindung“ 8 a priori im Gemüte statt.
2 Vgl. KrV B 33/A 19.
3 Ingeborg Strohmeyer, Transzendentalphilosophische und physikalische Raum- Zeit- Lehre, Zürich 1980, S.27.
4 Vgl. KrV A 256.
5 Vgl. KrV A 20, B 34.
6 Vgl. KrV B 35/ A 20.
7 Vgl. Adickes 68N.
8 Vgl. KrV B 35/ A 21.
3
Arbeit zitieren:
Anna Sacco, 2003, Immanuel Kants Überlegungen zur Transzendentalen Ästhetik §4 "Von der Zeit", München, GRIN Verlag GmbH
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