“The revolution will be complete when the language is perfect”1 Sprache und deren Kontrolle ist der Kern des totalitären Systems, das Orwell in seinem Roman 1984 erschuf. System und Sprache sind voneinander abhängig und entscheiden über den wechselseitigen Erfolg. Die Bedeutung und die Macht von Sprache sind zentrale Themen in 1984 und Orwells Aufsatz Politics and the English Language. Dabei ist anzumerken, daß 1984 nicht als Zukunftsvision, sondern als Parodie der damaligen, vor allem linguistischen Verhältnisse, geschaffen wurde. Orwell wollte und damit auch nicht zum ersten Mal in seiner Schriftstellerkarriere, auf die Missstände in der englischen Sprache aufmerksam machen: Verkürzungen, Entlehnungen aus anderen Sprachen und allgemeinere Stilprobleme. Orwell selbst ist in seinem linguistischen Anliegen vor allem Sprachbewahrer und ist in dieser Eigenschaft bis heute eine Institution für andere Linguisten, die jedoch seine konträren Absichten über Sinn der Grammatik im kreativen Schreiben, gern unter den Tisch fallen lassen. Er sieht vor Sprache vor allem als Träger von Wahrheit. 1984 und Politics and the English Language stellen die beiden Pole in Orwells Sprachverständnis dar. Sie sind vollkommen konträr in ihrer Ausführung, jedoch in ihren Theorien teilweise identisch. Darauf soll in Kapitel 4 noch genauer eingegangen werden.
In vorliegender Hausarbeit wird die fiktive Sprache Newspeak aus George Orwells 1984 untersucht. Dabei sollen zuerst die linguistische Struktur und des weiteren die gesellschafts-politische Funktion dargestellt werden. Abschließend erfolgt ein Vergleich der Funktion von Newspeak mit der Funktion der realen englischen Sprache zur Zeit Orwells, wie sie von ihm in seinem Aufsatz Politics and the English Language erklärt wird. George Orwell war Anhänger der sogenannten „mechanics“-Theorie. Diese beschäftigt sich mit Sprachäußerung in ihrer physischen Form und den Organen, die sie produzieren. Die mental/ psychischen Prozesse treten dabei in den Hintergrund.2 Wir finden diese Denkrichtung in seiner Grammatik des Newspeak deutlich wieder. Im Appendix zu 1984 findet sich eine linguistische Theorie des Newspeak. Sie ist, basierend auf der englischen Sprache, gegliedert in A-, B- und C-Vokabular, das im folgenden dargestellt werden soll.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Newspeak – grammatikalische Theorie einer fiktiven Sprache
2.1 A-Vokabular
2.2 B-Vokabular
2.3 C-Vokabular
2.4 Allgemeines
3 Einige Funktionen von Newspeak
4 Vergleich von Newspeak mit Orwells Sprachideologie in „Politics and the English language“
5 Zusammenfassung und Schluß
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die fiktive Sprache "Newspeak" aus George Orwells Roman 1984 als Instrument totalitärer Machtausübung. Das Hauptziel besteht darin, die linguistische Struktur und die gesellschaftspolitische Funktion von Newspeak zu analysieren und diese mit Orwells sprachideologischen Ansätzen in seinem Aufsatz "Politics and the English Language" kritisch zu vergleichen.
- Linguistische Analyse des A-, B- und C-Vokabulars von Newspeak.
- Untersuchung der politischen und psychologischen Funktionen von Sprache als Kontrollinstanz.
- Vergleich zwischen der konstruierten Sprache im Roman und der realen Sprachkritik Orwells.
- Die Rolle der Sprache bei der Manipulation von Denkvorgängen und der Ausschaltung kritischen Bewusstseins.
Auszug aus dem Buch
2 Newspeak – grammatikalische Theorie einer fiktiven Sprache
George Orwell war Anhänger der sogenannten „mechanics“-Theorie. Diese beschäftigt sich mit Sprachäußerung in ihrer physischen Form und den Organen, die sie produzieren. Die mental/ psychischen Prozesse treten dabei in den Hintergrund. Wir finden diese Denkrichtung in seiner Grammatik des Newspeak deutlich wieder.
Im Appendix zu 1984 findet sich eine linguistische Theorie des Newspeak. Sie ist, basierend auf der englischen Sprache, gegliedert in A-, B- und C-Vokabular, das im folgenden dargestellt werden soll.
2.1 A-Vokabular
Das A-Vokabular besteht aus Wörtern, die für den Alltagsgebrauch bestimmt sind. Dabei werden in geringer Zahl Wörter aus dem Oldspeak verwendet, deren Bedeutungen jedoch viel strenger definiert sind. Alle Bedeutungsnuancen werden getilgt. Orwell beschreibt es so: „So far as it could be achieved, a Newspeak word of this class was simply a staccato sound expressing one clearly understood concept.”
Es ist nicht möglich, sich mit dem A-Vokabular zu politischen oder philosophischen Themen zu äußern, da die Wörter im Geist des Sprechenden nur das Bild eines konkreten Gegenstandes oder einer physischen Handlung hervorrufen sollen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Sprachkontrolle in Orwells 1984 und Vorstellung der Forschungsabsicht.
2 Newspeak – grammatikalische Theorie einer fiktiven Sprache: Detaillierte Darstellung der linguistischen Struktur von Newspeak, unterteilt in A-, B- und C-Vokabular.
3 Einige Funktionen von Newspeak: Analyse der politischen und psychologischen Auswirkungen von Newspeak, insbesondere im Hinblick auf die Unterdrückung kritischen Denkens.
4 Vergleich von Newspeak mit Orwells Sprachideologie in „Politics and the English language“: Gegenüberstellung der fiktiven Sprache mit Orwells realer Sprachkritik und seinen linguistischen Theorien.
5 Zusammenfassung und Schluß: Fazit zur Rolle der Sprache als Instrument der Ideologiekritik und Machtausübung bei Orwell.
Schlüsselwörter
Newspeak, 1984, George Orwell, Sprachkontrolle, Totalitarismus, Politics and the English Language, linguistische Struktur, Machtfaktor, Ideologiekritik, Sprachkritik, Doublethink, Kommunikation, Oceania, A-Vokabular, B-Vokabular.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die fiktive Sprache "Newspeak" in George Orwells Roman "1984" und untersucht, wie diese Sprache als Werkzeug zur totalitären Machtausübung und Kontrolle über das menschliche Denken eingesetzt wird.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?
Die zentralen Felder umfassen die linguistische Analyse der Newspeak-Struktur, die politische Instrumentalisierung von Sprache sowie den Vergleich mit Orwells essayistischer Sprachkritik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Sprache durch Reduktion und Neuordnung die Realität beeinflussen und politisches Handeln bzw. Denken determinieren kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine linguistische Analyse der im Roman beschriebenen Sprachmerkmale sowie eine vergleichende Literaturanalyse von Orwells "1984" und seinem Aufsatz "Politics and the English Language".
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Vorstellung des A-, B- und C-Vokabulars von Newspeak, die Erläuterung der politischen und psychologischen Funktionen der Sprache sowie einen systematischen Vergleich mit Orwells eigener Sprachphilosophie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Text?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Newspeak, Sprachkontrolle, Totalitarismus, Machtfaktor und Ideologiekritik.
Wie unterscheidet sich das A-Vokabular vom B-Vokabular im Roman?
Das A-Vokabular dient dem simplen Alltagsgebrauch ohne politische Nuancen, während das B-Vokabular gezielt für politische Zwecke konstruiert wurde, um ideologische Einstellungen zu erzwingen.
Was bedeutet der Begriff "Doublethink" im Kontext der Sprachanalyse?
Doublethink bezeichnet die Fähigkeit, zwei widersprüchliche Konzepte gleichzeitig zu akzeptieren und die unerwünschte Bedeutung von Wörtern systematisch zu vergessen, was für die Aufrechterhaltung des totalitären Systems essenziell ist.
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- Albertine Selunka (Author), 2003, Sprache als Kontroll- und Machtfaktor in George Orwells "1984", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17379