Inhaltsverzeichnis Seite
1 Einleitung 2
2 Newspeak - grammatikalische Theorie einer
fiktiven Sprache
2.1 A-Vokabular 3- 4
2.2 B-Vokabular 4- 6
2.3 C-Vokabular 6
2.4 Allgemeines 7
3 Einige Funktionen von Newspeak 7- 8
4 Vergleich von Newspeak mit Orwells Sprachideologie
in „Politics and the English language“ 9- 11
5 Zusammenfassung und Schluß 11
Literaturangaben 12
1
1 Einleitung
“The revolution will be complete when the language is perfect” 1
Sprache und deren Kontrolle ist der Kern des totalitären Systems, das Orwell in seinem Roman 1984 erschuf. System und Sprache sind voneinander abhängig und entscheiden über den wechselseitigen Erfolg. Die Bedeutung und die Macht von Sprache sind zentrale Themen in 1984 und Orwells Aufsatz Politics and the English Language. Dabei ist anzumerken, daß 1984 nicht als Zukunftsvision, sondern als Parodie der damaligen, vor allem linguistischen Verhältnisse, geschaffen wurde. Orwell wollte und damit auch nicht zum ersten Mal in seiner Schriftstellerkarriere, auf die Missstände in der englischen Sprache aufmerksam machen: Verkürzungen, Entlehnungen aus anderen Sprachen und allgemeinere Stilprobleme. Orwell selbst ist in seinem linguistischen Anliegen vor allem Sprachbewahrer und ist in dieser Eigenschaft bis heute eine Institution für andere Linguisten, die jedoch seine konträren Absichten über Sinn der Grammatik im kreativen Schreiben, gern unter den Tisch fallen lassen. Er sieht vor Sprache vor allem als Träger von Wahrheit. 1984 und Politics and the English Language stellen die beiden Pole in Orwells Sprachverständnis dar. Sie sind vollkommen konträr in ihrer Ausführung, jedoch in ihren Theorien teilweise identisch. Darauf soll in Kapitel 4 noch genauer eingegangen werden.
In vorliegender Hausarbeit wird die fiktive Sprache Newspeak aus George Orwells 1984 untersucht. Dabei sollen zuerst die linguistische Struktur und des weiteren die gesellschafts-politische Funktion dargestellt werden. Abschließend erfolgt ein Vergleich der Funktion von Newspeak mit der Funktion der realen englischen Sprache zur Zeit Orwells, wie sie von ihm in seinem Aufsatz Politics and the English Language erklärt wird.
1 Orwell, George: 1984. London 1949; S. 55
2
2 Newspeak - grammatikalische Theorie einer fiktiven Sprache
George Orwell war Anhänger der sogenannten „mechanics“-Theorie. Diese beschäftigt sich mit Sprachäußerung in ihrer physischen Form und den Organen, die sie produzieren. Die mental/ psychischen Prozesse treten dabei in den Hintergrund. 2 Wir finden diese Denkrichtung in seiner Grammatik des Newspeak deutlich wieder.
Im Appendix zu 1984 findet sich eine linguistische Theorie des Newspeak. Sie ist, basierend auf der englischen Sprache, gegliedert in A-, B- und C-Vokabular, das im folgenden dargestellt werden soll.
2.1 A-Vokabular
Das A-Vokabular besteht aus Wörtern, die für den Alltagsgebrauch bestimmt sind. Dabei werden in geringer Zahl Wörter aus dem Oldspeak 3 verwendet, deren Bedeutungen jedoch viel strenger definiert sind. Alle Bedeutungsnuancen werden getilgt. Orwell beschreibt es so: „So far as it could be achieved, a Newspeak word of this class was simply a staccato sound expressing one clearly understood concept.” 4
Es ist nicht möglich, sich mit dem A-Vokabular zu politischen oder philosophischen Themen zu äußern, da die Wörter im Geist des Sprechenden nur das Bild eines konkreten Gegenstandes oder einer physischen Handlung hervorrufen sollen. 5
2.1.1 Grammatikalische Besonderheiten
Alle einzelnen Sprachelemente sind beliebig untereinander austauschbar. Das heißt, daß jedes Wort sowohl als Adjektiv, als auch als Verb, Substantiv oder Adverb nutzbar ist. Bei gleichem Wortstamm gab es zwischen Verb und Substantiv keine Variationen mehr. Beispielsweise ersetzte think die Form thought im Substantiv. Dahinter steht jedoch kein etymologisches Prinzip, es wird in einigen Fällen die frühere Substantivform als allgemeingültige verwendet, bei anderen das ehemalige Verb. Bei Verben und Substantiven mit verwandter Bedeutung, die jedoch nicht etymologisch verknüpft sind wird eine von den beiden Formen unterdrückt. Als Beispiel dafür ist cut und knife zu nennen: die Bedeutung von cut wird durch knife hinreichend abgedeckt. Die Existenz des Wortes cut wird somit hinfällig.
Adjektive werden gebildet durch das Hinzufügen des Suffixes -ful zum Substantiv/ Verb und Adverbien durch das Hinzufügen des Suffixes -wise. Well wird zum Beispiel ersetzt durch goodwise.
2 vgl. Bolton, W. F.: The Language of 1984. Orwell´s English and Ours. Knoxville 1984
3 Oldspeak ist das „normale“ Englisch, auf das sich Orwells Theorien beziehen, siehe Orwell, a.a.O.; S.
4 siehe Orwell, a.a.O.; S. 314
5 vgl. Orwell, a.a.O.; S. 314
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Arbeit zitieren:
Albertine Selunka, 2003, Sprache als Kontroll- und Machtfaktor in George Orwells "1984", München, GRIN Verlag GmbH
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