same Einzelzüge“ ergänzt werden, dazu zählen stehende Metaphern wie der Weinberg für Israel, ungewöhnliche Züge, die den zeitgenössischen Erwartungen zuwider liefen und die Verschränkung von Gleichnis- und Hörerrealität, die der Identifizierung dienen sollte. Dazu kann das Murren der Arbeiter im Gleichnis vom Weinberg gezählt werden. 8
Die Forschung setzte sich mit verschiedenen Aspekten von Jülichers Gleichnisauslegung auseinander. Einige einflussreiche Ansätze der Forschungsgeschichte seien hier darum kurz skizziert.
Religionsgeschichtliche Ansätze verweisen auf die Tradition rabbinischer Gleichnissezu Jesu Zeiten waren sie eine populäre Form mündlicher religiöser Unterweisungen. Paul Fiebig 9 verwies darauf, dass es sich dabei im Normalfall um Mischformen aus Gleichnis und Allegorie handelte und keineswegs eine idealtypische Trennung vorgelegen hätte. 10
Das historisierende Gleichnisverständnis unterstreicht die Bedeutung des Kontexts der Verkündigung. 11 Charles Harold Dodd 12 sah durch die Gleichnisse die Präsenz des Reichs Gottes in der Person Jesu verkündet. Die Hörenden seien vor die Entscheidung gestellt worden, das bisherige Leben aufzugeben und Jesus nachzufolgen. Joachim Jeremias 13 betont den häufig konkreten Ursprung der Gleichnisbilder. Adressat sei die Öffentlichkeit gewesen, erst nachösterlich wurden die Gleichnisse an die Jünger umadressiert. 14 Theißen sieht zwei Grundprobleme im kontextualisierenden Ansatz: Die Rekonstruktion des Kontextes bleibe stets hypothetisch und je stärker die Verankerung der Gleichnisse im historischen Kontext sei, desto schwerer falle es, „ihnen über diese einmalige Situation hinaus Bedeutung zuzuerkennen.“ 15
Einen anderen Weg schlagen das hermeneutische und das ästhetische Gleichnisverständnis ein: Sie sehen die Gleichnisse als autonome Gebilde, die Botschaft sei in ihnen selbst enthalten. So versteht der hermeneutische Ansatz Gleichnisse als dynamisches Sprachereignis, das die Hörenden für Gottes Wirklichkeit öffnet. Die Metapher wird als
8 Vgl. Theißen/Merz, S.293.
9 Fiebig: Altjüdische Gleichnisse und die Gleichnisse Jesu, Tübingen 1904.
10 Vgl. Erlemann, S.24.; Theißen/Merz, S.291.
11 Vgl. Theißen/Merz, S.287.
12 Dodd: The Parables of the Kingdom, 1935.
13 Jeremias: Die Gleichnisse Jesu, 1947
14 Vgl. Theißen/Merz, S.287f.
15 Theißen/Merz, S.288.
2
Grundlage der Bildlichkeit gesehen, die die von ihr gemeinte Wirklichkeit (mit)schaffe. 16 Insofern wird hier der Allegoriekritik Jülichers eine „Rehabilitierung der Metapher“ 17 entgegengesetzt. Der ästhetische Ansatz betrachtet das Gleichnis als literarisches Werk, dessen Sinn im Zusammenspiel der aufeinander bezogenen Elemente entstehe und dabei unabhängig von Ursprungssituation und Autor sei. Gleichnisse seien darum „autonome ästhetische Objekte“. 18 Ihre Botschaft betreffe die Menschen daher unabhängig von ihrer jeweiligen historischen Bedingtheit, da sie die Offenheit des Gleichnisses mit ihrem eigenen „hermeneutischen Entwurf“ füllen könnten. 19
Mit einem feministisch-sozialgeschichtlichen Ansatz rückt Luise Schottroff 20 den sozialen Kontext in den Vordergrund. Das Bildmaterial stamme aus zu rekonstruierenden sozial-ökonomischen Realitäten und für die Botschaft der Gleichnisse würden konkrete gesellschaftliche Verhältnisse vorausgesetzt. 21
Gemeinsam ist all diesen Ansätzen, dass sie auf eine allegoresefreie Auslegung im Sinne Jülichers abzielen und weiterhin die Existenz einer Haupt-Pointe bejahen. Sie sehen die Metapher als eigentliche Redeweise als Bestandteil der Gleichnisse an. Als kontrovers gelten das Verhältnis zwischen Allegorie und Gleichnis, die Frage nach dem Zweck der Gleichnisse, die Bedeutung des historischen Kontextes, die Rolle der Adressaten und die Auslegbarkeit einzelner Gleichniselemente. Die teilweise divergierenden Forschungsansätze sind bisher nicht darauf geprüft worden, ob es möglich ist, sie zusammen zu führen. 22
II. Methodik
Für eine umfassende Methodik zur Gleichnisauslegung sind also sowohl die Ansätze zu betrachten, die den autonomen, zeitlosen Charakter der Gleichnisse herausstellen, als auch diejenigen, bei denen der Kontext eine große Rolle spielt. Kurt Erlemann, von dem das hier dargelegte Vorgehen stammt, sieht das Gleichnis als in sich abgeschlossene aber mehrsinnige Erzähleinheit: Die narratio ist zum einen aus sich selbst verständlich, wird aber durch die „Sache“ zu einem Gleichnis. Die „Sache“ ist hierbei der Bereich re- 16Vgl. Theißen/Merz, S.288f.
17 Erlemann, S.30.
18 Theißen/Merz, S.289.
19 Vgl. Erlemann, S.34.
20 Schottroff: Lydias ungeduldige Schwestern, Gütersloh 1994.
21 Vgl. Theißen/Merz, S.290f.
22 Vgl. Erlemann, S.50f.
3
Arbeit zitieren:
Silvio Schwartz, 2007, Forschungsansätze und Methodik zur Gleichnisauslegung, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike: neuer Titel erschienen: Forschungsansätze und Methodik zur Gleichnisauslegung
Silvio Schwartz hat einen neuen Text hochgeladen
Ausserbiblische Zeugnisse über Jesus und das frühe Christentum
Frederick F. Bruce, Eberhard Güting
0 Kommentare