zu ermöglichen, daß sie ihre praktischen Bedingungen kritisch hinterfragt“ (www.suhrkamp.de/autoren/pierre_bourdieu_535.html). 1993 schlug er die Gründung einer „Internationalen der Intellektuellen“ vor, welche Prestige und Kompetenz im Kampf gegen Globalisierung und Macht von Finanzmärkten abwägen sollte. Seinen Tod fand der begnadete Soziologe am 23. Januar 2002 in Paris. (vgl. www.suhrkamp.de/autoren/pierre_bourdieu_535.html; vgl. Robbins 2000, S. 1-24; vgl. Bourdieu 1979, Einbandbiographie)
Bücher wurden sowohl über ihn (z.B. Claudia Beckert-Zieglschmid: „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“? & Markus Schwingel: „Analytik der Kämpfe“), als auch von ihm geschrieben. Er brachte der Welt Theorien und Gedanken näher und steht in einem Zusammenhang mit der Soziologie Frankreichs.
Der von Bourdieu vorliegende Text behandelt die Kapitalarten des sozialen Lebens einer Gemeinschaft oder mehreren Gemeinschaften, welche da wären: das ökonomische, das kulturelle und das soziale Kapital (vgl. Bourdieu 1983, S. 185). Das Wort „Kapital“ an sich unterliegt jedoch mehreren Bedeutungen. In der Wirtschaft wird es im Sinne der von Eigennutz geleiteter Profitmaximierung gebraucht, wobei die Ökonomie unserer Zeit vollkommen vergisst, wie sich scheinbar Unökonomisches auf die Wirtschaft auswirkt (vgl. Bourdieu 1983, S. 184). Bourdieu beschäftigte sich hingegen mit einer weitreichenden Bedeutung dieser Kapitalarten und dies nicht ohne Grund. Eine Betrachtung des Kapitals und seiner verschiedenen Auswirkungen ist überaus wichtig für eine Gemeinschaft. „Das Kapital ist eine der Objektivität der Dinge innewohnende Kraft, die dafür sorgt, daß nicht alles gleich möglich oder gleich unmöglich ist“ (Bourdieu 1983, S. 183). Es repräsentiert das dauerhafte Funktionieren der gesellschaftlichen Wirklichkeit.
Ökonomisches Kapital ist direkt zur Geldgewinnung nötig und kann daher auch mehr oder minder mit Geld gleichgesetzt werden. Die anderen beiden grundlegenden Kapitalarten können unter gewissen Umständen in Ökonomisches konvertiert werden. Folgt man so Bourdieus Ausführungen, kann man durchaus Kapital mit Macht gleichsetzen. (vgl. Bourdieu 1983, S. 184 f.)
Das kulturelle Kapital wird schließlich genauer beleuchtet. Hier wird ausgeführt, dass sich dieses in drei Unterarten einteilen lässt: 1. der verinnerlichte, inkorporierte Zustand 2. der objektivierte Zustand und 3. der institutionalisierte Zustand. Diese Art des Kapitals dient zur Darstellung von Ungleichheiten in schulischen Leistungen aufgrund verschiedener sozialer Schichten (vgl. Bourdieu 1983, S. 185). In Unterpunkten dieses
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Kapitels nimmt der Autor die bereits erwähnten Unterarten schließlich auseinander, um einen näheren Einblick auf die genaue Bedeutung dieser Spezifikationen zu kriegen. Das Inkorporierte, wie man erfährt, ist dem Namen nach stets körpergebunden und setzt somit Verinnerlichung voraus. So wird als Beispiel hier die Bildung angeführt, welche durch schulische Titel (institutionalisiert) allerdings erst ausgedrückt wird, und „seinem Inhaber einen dauerhaften und rechtlich garantierten konventionellen Wert überträgt“ (Bourdieu 1983, S. 190). Dies bildet den sogenannten Habitus, welcher die Gesamtheit der Persönlichkeit und Fähigkeiten eines Menschen darstellt und nicht kurzfristig weitergegeben werden kann. Schon hier schrammt Bourdieu das Feld der Kapitalumwandlung, die allerdings erst im späteren Verlauf folgt, da er zeigt, dass man um Bildung zu erlangen, sowohl Zeit als auch andere Ressourcen, also im Prinzip ökonomisches Kapital oder auch soziales, aufwenden muss. Diese Unterart hat dadurch die besondere Eigenschaft, dass es nicht durch Dritte für einen selbst erworben werden kann. Die immer vorhandene Grundlage hierfür ist allerdings Zeit, wodurch das inkorporierte kulturelle Kapital zur Grundlage für jede Erlangung von Profiten wird. (vgl. Bourdieu 1983, S. 185-188)
Mit dem Objektivierten ist immer eine materiell übertragbare Ressource gemeint, wodurch allerdings ökonomisches Kapital vorausgesetzt ist. Und frei nach dem Motto: Wissen ist Macht, kann inkorporiertes Kapital objektiviert werden, um die biologischen Grenzen des Trägers aufzuheben. (vgl. Bourdieu 1983, S. 188-189) Die dritte Form des kulturellen Kapitals ist das institutionalisierte. Diese geben Maßstäbe für Kompetenzabstufungen wodurch die Möglichkeit eines Vergleichs entsteht. (vgl. Bourdieu 1983, S. 190) Die menschlichen Eigenschaften werden so in Werte gefasst, die sich feststellen lassen und den Menschen als einen Güterteil, wenn man so will, zur Verfügung stellen, der wie jedes Gut im kapitalistischen System durch Nachfrage und Angebot beeinflusst wird.
Die dritte und letzte Kapitalart ist das soziale Kapital. Es stellt „die Gesamtheit der aktuellen und potentiellen Ressourcen […] eines dauerhaften Netzes von […] institutionalisierten Beziehungen gegenseitigen Kennens oder Anerkennens“ (Bourdieu 1983, S. 190) dar. Mit anderen Worten, es sind Ressourcen, die auf die Zugehörigkeit zu einer Gruppe beruhen. Sie werden dabei durch z.B. gleiche Namen oder Betroffenheit institutionalisiert. Dadurch, dass bei dieser Kapitalart eine Netzstruktur vorliegt, wird ein Multiplikatoreffekt auf alle Kapitalarten ausgeübt. Dies zeigt sich schon darin, dass für die Reproduktion des sozialen Kapitals ständiger Austausch, also
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ökonomisches Kapital, zwingend nötig ist. Da dieses System unter einer gewissen Struktur lebt, bedarf es einen Repräsentanten, der das gesamte soziale Kapital innehat (vgl. Bourdieu 1983, S. 190 - 195).
Die schon immer wieder angerissene Kapitalumwandlung bildet das letzte Kapitel der vorliegenden Arbeit. Sehr schnell klärt der Autor hier, dass die meisten Gewinne durch Transformationsarbeit des ökonomischen Kapitals erworben werden können. Manches jedoch braucht auch soziales Kapital. Die Umwandlung beschreibt, dass Verschwendung als solche nicht existiert, da alle Kosten auch ihren Nutzen haben. Die Konvertierbarkeit von Kapital bildet hier eine entscheidende Tatsache, da sie den Ausgangspunkt für Strategien der Reproduktion des Kapitals mit möglichst geringen Kapitalumwandlungskosten darstellt. Diese Reproduzierbarkeit ist von Kapitalart zu Kapitalart verschieden. Wichtig hierbei ist die Schwundquote, also wie das Kapital durch die Umwandlung schwindet. Je mehr Möglichkeiten der Verschleierung der Kapitalumwandlung man hat, desto höher wird leider auch das Schwundrisiko. Ein weiteres Problem in diesem Zusammenhang stellt das kulturelle Kapital dar, da es nicht übertragbar oder käuflich ist. Eine Übertragung findet hier sehr heimlich aber auch sehr risikoreich statt. Die Reproduktionsstrategie ist somit immer auch eine Legitimationsstrategie und laut Bourdieu verhalten sich die Kapitalarten wie die Energie in der Physik. Kapital kann nicht verloren gehen, es kann nur in andere Kapitalarten umgewandelt werden. (vgl. Bourdieu 1983, S. 195-198) Bourdieu bietet mit dieser Arbeit einen weiteren Schritt nach vorn bei der Frage, wie es trotz möglichst gleicher Behandlung und Voraussetzungen zu sozialer Ungleichheit kommt, also dass Geld nicht die einzige entscheidende Größe in diesem Prozess darstellt.
Der Begriff Kapital taucht bereits bei Marx auf und hat die Welt stark beeinflusst. Mit der Benennung des ökonomischen Kapitals lehnt Bourdieu sich immerhin an das Wortverständnis des Ursozialisten an. So bleibt jedoch festzuhalten, dass Marx und Bourdieu sich nicht hundertprozentig decken. Weiterhin knüpft der Soziologe an die Forschung von Lyda Judson Hanifan an, der den Begriff „soziales Kapital“ bereits 1916 einführte (vgl. Hunning 2005, S. 254). Auch auf den „Habitus“ baut der französische Soziologe auf, den er zusammen mit Norbert Elias geprägt hat. Einer von Bourdieus bedeutendsten Neuerungen ist das kulturelle Kapital, da er hiermit eine neue Voraussetzung für die soziale Ungleichheit ins Spiel gebracht hat. Dies verbunden mit seiner Darlegung, dass Kapitalarten ineinander umwandelbar sind, macht diese
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Arbeit zitieren:
Jan Seichter, 2009, Textrezension zu Bourdieu, Pierre (1983). Ökonomisches Kapital, kulturelles Kapital, soziales Kapital. In: R. Kreckel (Hrsg.), Soziale Ungleichheiten (183-198). Göttingen: Schwartz., München, GRIN Verlag GmbH
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