1. Lernbereichsplanung Klasse 8 - Lernbereich 2:
Das Doppelgesicht des Fortschritts - Industrialisierung und die Folgen 14 Ustd.
2. Stundenziele
Da der Deutsche Zollverein und der Eisenbahnbau in Deutschland Kognitiv:
Die Schüler üben weiterhin die Analyse und Auswertung von Instrumentell:
Die Schüler sind in der Lage eine Beurteilung vorzunehmen, bezüglich Affektiv:
3. Sachanalyse
In Deutschland begann die Industrielle Revolution erst Mitte der 1840iger Jahre. 1 Ein genaues Datum für den Beginn der Industriellen Revolution in Deutschland ist jedoch schwer zu nennen, da vor allem Schulbücher das Zentrum der Industrialisierung oft auf andere Zeitpunkte legen. 2 Dementsprechend sollte dieser Anfang für die Schüler als ein relativ fließender dargestellt werden. Tatsache ist jedoch dass die Industrialisierung in Deutschland auf sich warten ließ und zwar bis frühestens in die 1830iger Jahre hinein. Die Hemmnisse für die Industrialisierung auf deutschem Boden, was vor allem die „Schranken freier wirtschaftlicher Entfaltung ebenso wie die noch ungünstigen Verkehrsverhältnisse […] und die politischen Strukturen der deutschen Staatenwelt“ 3 waren, untermauern diese Behauptung. Der Deutsche Zollverein und der Bau und Ausbau der Eisenbahn in Deutschland, beseitigten die Investitionshemmnisse, die Deutschland wirtschaftlich schadeten. 4 Somit ist zu sehen, dass eine wirtschaftliche Einigung und das Verkehrssystem für diesen Fortschritt unumgänglich waren.
Der erste zu behandelnde Gegenstand dieser Stunde ist also der Deutsche Zollverein. Die Gründung dieses Vereins war zweifellos eine Reaktion auf die wirtschaftlichen Zustände in Deutschland und die Unzufriedenheit, welche diese hervorgerufen haben. 5 Doch sein Ursprung ist vor dem Jahr 1834 zu suchen. Der Deutsche Bund war unfähig eine einheitliche Handels- und Verkehrspolitik zu gestalten und somit versuchte man die wirtschaftliche Lage durch regionale Teillösungen zu beheben. 6 1807 kann hier als erste wichtige Zahl genannt werden. Bayern hob in diesem Jahr seine Binnenzölle auf, worauf Württemberg, Baden und 1818 schließlich auch Preußen folgten. 7 Die preußische Dominanz war dabei nicht unerheblich und sie war es auch, gegen die sich vor allem Mittel- und Süddeutschland durch konkurrierende Vereine zu behaupten suchten. 8 Preußen gewann den Kampf um Dominanz und unter seiner Führung wurde am 1. Januar 1834 der Deutsche Zollverein gegründet. Diese Schwierigkeit den Schülern näher zu bringen ist sehr wichtig und wird deswegen im Detail betrachtet. Hier spiegelt sich nämlich schon die Reichseinigung von 1871 ebenfalls unter der
1 vgl. Ziegler, Dieter: Die Industrielle Revolution, Darmstadt 2009, S. 9.
2 vgl. Volk und Wissen Verlag (Hrsg.): Geschichte plus. Ausgabe Sachsen Gymnasium, Berlin 2000, S. 112.
3 Hahn, Hans-Werner: Die Industrielle Revolution in Deutschland, in: Lothar Gall (Hrsg.): Enzyklopädie
Deutscher Geschichte Band 49, München 1998, S.16.
4 vgl. Ebenda, S.22.
5 vgl. Ebenda, S. 22.
6 vgl. Ebenda, S. 22.
7 vgl. Sauer, Michael: Die Industrialisierung. Die Entstehung der modernen Welt - Kursmaterialien Geschichte
Sekundarstufe II / Kollegstufe, Leipzig 1999, S. 28.
8 Vgl. Porter, Roy/Teich Mikulás (Hrsg.): Die Industrielle Revolution in England, Deutschland, Italien, Berlin
1998, S. 65-66.
8
Dominanz Preußens im kleinen Maße wieder. Die einzelnen Anschlussdaten sind hingegen eher unwichtiger, da die meisten Karten diese Daten beinhalten und sie nicht erheblich sind für den Kern der Bedeutung des Zollvereins. Mit dem Zollverein begann die wirtschaftliche Vereinheitlichung Deutschlands und natürlich eine Erhöhung der Binnennachfrage was zur Erhöhung der Produktion führte. 9 Wie bedeutend der Zollverein für die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands war, ist letztendlich umstritten. 10 An dieser Stelle sei gesagt, dass auch die Rolle Preußens nicht unangezweifelt ist für die Industrialisierung, da regionale Unterschiede überall herrschten. Diese Umstrittenheit und die Differenzierung der regionalen Unterschiede darzustellen ist jedoch nicht ratsam in der achten Klasse. Es könnte die Schüler bei dem Versuch, eine Wertung zu beziehen, durcheinanderbringen, da der Stoff dann zu spezifisch und kleinlich wäre, zu mal das Wirtschaftsverständnis der Schüler wahrscheinlich noch nicht genug ausgereift ist, um alle Querverbindungen nachvollziehen zu können. Diese Kontroverse soll hingegen in der elften Klasse Erwähnung, Behandlung und Erörterung finden.
Nach der Gründung des Zollvereins richtete sich die Aufmerksamkeit der betroffenen Staaten vor allem auf die Bedeutung verbesserter Transportwege und Transportmöglichkeiten. 11 Die Eisenbahn stellt somit den zweiten großen Komplex dieser Stunde dar. Die Eröffnung der ersten Eisenbahnlinie in Deutschland von Nürnberg nach Fürth und der Fahrt des „Adlers“ am 7.12.1835 machte die 30iger Jahre endgültig zu einer Zäsur dieser Zeit. 12 Die Eisenbahn wurde zum Symbol der Industrialisierung und muss deswegen eine ausführliche Erwähnung finden, wenn man die Industrialisierung in Deutschland behandelt. Welche Einteilung vorherrschend wäre bei einer Phaseneinteilung des Streckenbaus, ist je nach vorliegendem Kartenmaterial unterschiedlich. Die Schüler sollen auch in diesem Fall keine Zahlen auswendig lernen oder Streckennetze nachzeichnen können. Wichtig ist bei der Betrachtung des Netzes, dass deutlich wird, wie schnell die Schienen das Land durchzogen und wie schnell man hier gegenüber England aufholte. Die Gründung der Reichsbahn um 1920 und die damit verbundene Bedeutung soll jedoch erst in der nächsten Stunde Erwähnung
9 vgl. Ebenda, S. 67-68. / Bemmerlein, Georg: Abiturwissen Deutschland im 19. Jahrhundert. Nationalismus,
Liberalismus, Industrialisierung und Soziale Frage, Stuttgart 1986, S. 80-81.
10 vgl. Hahn, Hans-Werner: Die Industrielle Revolution in Deutschland, in: Lothar Gall (Hrsg.): Enzyklopädie
Deutscher Geschichte Band 49, München 1998, S. 23. / vgl. Bemmerlein, Georg: Abiturwissen Deutschland im
19. Jahrhundert. Nationalismus, Liberalismus, Industrialisierung und Soziale Frage, Stuttgart 1986, S. 81.
11 vgl. Porter, Roy/Teich Mikulás (Hrsg.): Die Industrielle Revolution in England, Deutschland, Italien, Berlin
1998, S. 67.
12 vgl. Hahn, Hans-Werner: Die Industrielle Revolution in Deutschland, in: Lothar Gall (Hrsg.): Enzyklopädie
Deutscher Geschichte Band 49, München 1998, S. 23.
9
Arbeit zitieren:
Jan Seichter, 2010, Methodenprogression: Das Doppelgesicht des Fortschritts – Industrialisierung und die Folgen, München, GRIN Verlag GmbH
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