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Frauenpolitik im italienischen Faschismus und im Austrofaschismus. Ein Beitrag zur vergleichenden Faschismusforschung

Title: Frauenpolitik im italienischen Faschismus und im Austrofaschismus. Ein Beitrag zur vergleichenden Faschismusforschung

Term Paper , 2002 , 23 Pages , Grade: 1

Autor:in: Ilsemarie Walter (Author)

History of Germany - National Socialism, World War II
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Summary Excerpt Details

Ziel dieser Arbeit ist es, einige Aspekte der Frauenpolitik des italienischen Faschismus und des „Austrofaschismus“ zu vergleichen. Wenn „Austrofaschismus“ hier unter Anführungszeichen steht, dann deshalb, weil diese Bezeichnung ebenso wie der Ausdruck „österreichischer Ständestaat“ bereits eine Bewertung beinhaltet.

Einige Schwerpunkte der Politik des jeweiligen Regimes werden herausgegriffen, soweit sie für die Einstellung gegenüber den Frauen relevant erscheinen: Frauenbild und Frauenideologie, Organisationen für Frauen, Bevölkerungs- und Beschäftigungspolitik sowie Eingriffe in die Freizeitverwendung, insbesondere in bezug auf Sportausübung. Ein Umstand, der den Vergleich erschwert, liegt in der wesentlich kürzeren Dauer des österreichischen Regimes, wodurch längerfristige Entwicklungen des italienischen Regimes in Österreich kein Pendant finden.

Wenn man versucht, die Frauenpolitik des italienischen Faschismus mit der des Austrofaschismus zu vergleichen, dann springen zuerst viele Ähnlichkeiten ins Auge. Sie betreffen vor allem die Ideologie von der Natur der Frau als Hausfrau und Mutter, die Verdrängung der Frauen vom Arbeitsmarkt, die Dominanz der Männer in allen Entscheidungsgremien. Aus dieser gemeinsamen Grundlage entspringen auch viele gleiche oder ähnliche Maßnahmen in den beiden Staaten, wie etwa das Verbot von Schwangerschaftsverhütung und –abbruch, die Schaffung eines Mütterhilfswerks, die gesetzlichen Verordnungen zum Abbau berufstätiger Frauen im öffentlichen Dienst oder die Propagierung erwünschter Verhaltensweisen von Frauen.

Sieht man jedoch genauer hin, dann fällt auf, dass die Analogie nur solche Einstellungen betrifft, die von der katholischen Kirche vertreten werden. Vieles davon deckt sich in Italien mit den faschistischen Grundsätzen, anderes mag von Mussolini als Zugeständnis der Kirche gegenüber gemeint gewesen sein. Was sich jedoch im italienischen Faschismus nicht mit der Ideologie der Kirche deckt – zum Beispiel die militaristische Einstellung, die Verherrlichung der Jugend, die zur Schau gestellte Virilität – fehlt in Österreich.

Die Ergebnisse dieser Arbeit zur Frauenpolitik stimmen daher mit der These Ernst Hanischs überein, dass es sich beim österreichischen Regime zwischen 1934 und 1938 nicht um Faschismus im eigentlichen Sinn, sondern „um ein faschistisch verkleidetes autoritäres Regime, um einen Imitationsfaschismus, bestenfalls um eine halbfaschistische autoritäre Diktatur“ gehandelt hat.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Frauenbild und Frauenideologie der beiden Regime im Überblick

3. Frauenorganisationen

3.1 Italien

3.2 Österreich

3.3 Gegenüberstellung

4. Bevölkerungspolitik

4.1 Reale und ideologische Hintergründe

4.1.1 Ökonomische Aspekte

4.1.2 Der Einfluss des Militarismus

4.1.3 Eugenik

4.1.4 Moralisch-ideologische Grundsätze

4.2 Bevölkerungspolitische Maßnahmen

4.3 Auswirkungen

5. Beschäftigungspolitik

5.1 Der Arbeitsmarkt

5.2 Ideologie

5.3 Maßnahmen

5.4 Reaktionen und Auswirkungen

6. Eingriffe in die Freizeitverwendung – mit besonderer Berücksichtigung des Sports

6.1 Einmischung des italienischen faschistischen Regimes in verschiedene Bereiche

6.2 Frauensport in Italien und Österreich

7. Zusammenfassung und Konklusionen

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit vergleicht die Frauenpolitik des italienischen Faschismus mit der des österreichischen Austrofaschismus, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Behandlung und ideologischen Verortung der Frau zu identifizieren.

  • Vergleich der Frauenideologien in Bezug auf die Rolle als Hausfrau und Mutter.
  • Analyse der staatlichen Frauenorganisationen und deren Einflussmöglichkeiten.
  • Untersuchung der Bevölkerungspolitik und der damit verbundenen Maßnahmen.
  • Darstellung der Beschäftigungspolitik und deren Auswirkungen auf die Erwerbstätigkeit von Frauen.
  • Reflektion über staatliche Eingriffe in die Freizeitgestaltung und den Frauensport.

Auszug aus dem Buch

4.1.1 Ökonomische Aspekte

In allen europäischen Industriestaaten war es in der Zwischenkriegszeit zu einer demographischen Krise gekommen. Auch in Italien hatte sich vom Anfang des Jahrhunderts an, wenn auch langsamer als in den nordwestlichen Ländern Europas und nicht in allen Teilen des Landes, eine große Wende in Richtung Begrenzung der Fruchtbarkeit gezeigt. Nach einem kurzen „Baby-Boom“ nach dem Ersten Weltkrieg wies die Bevölkerungsentwicklung eine negative Tendenz auf, wenn auch Prophezeiungen faschistischer Statistiker über den Untergang der italienischen Rasse eher dem Gebiet der Propaganda zuzurechnen sein dürften.

Die Unterschiede zwischen Nord- und Süditalien, Stadt und Land und den verschiedenen sozialen Schichten waren jedoch sehr hoch, so dass man von zwei Typen der Fruchtbarkeit sprechen konnte: dem traditionellen Typus mit vielen und dem modernen mit wenigen Kindern. Der italienische Faschismus ging vom neomerkantilistischen Modell aus, das vereinfacht besagte: mehr Menschen heißt mehr billige Arbeitskräfte besitzen, das bedeutet Stärke am Markt und damit größeren Wohlstand des Volkes. Daneben hatte die „Wiederherstellung der Ordnung in der Familie“, die man damit in Zusammenhang brachte, in der Zeit der Konsolidierung der faschistischen Partei die Funktion, diese Konsolidierung zu unterstützen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die sprachlichen und historischen Schwierigkeiten einer exakten Einordnung des österreichischen Regimes (1934–1938) im Vergleich zum italienischen Faschismus.

2. Frauenbild und Frauenideologie der beiden Regime im Überblick: Es wird dargelegt, wie beide Regime ein konservatives, katholisch geprägtes Bild der Frau als Hausfrau und Mutter propagierten.

3. Frauenorganisationen: Dieses Kapitel vergleicht die Strukturen und die politische Wirksamkeit von Frauenorganisationen in Italien und Österreich.

4. Bevölkerungspolitik: Hier werden die Hintergründe, Maßnahmen und Auswirkungen der bevölkerungspolitischen Bemühungen untersucht, die auf eine Steigerung der Geburtenraten abzielten.

5. Beschäftigungspolitik: Der Fokus liegt auf der Verdrängung von Frauen aus dem Erwerbsleben und den gesetzlichen Maßnahmen zur Einschränkung weiblicher Arbeit.

6. Eingriffe in die Freizeitverwendung – mit besonderer Berücksichtigung des Sports: Die staatliche Einflussnahme auf das Privatleben, die Freizeit und den Frauensport wird unter Berücksichtigung ideologischer Aspekte betrachtet.

7. Zusammenfassung und Konklusionen: Das Fazit stellt fest, dass die Parallelen primär aus der katholischen Ideologie entspringen, während das österreichische Regime eher als autoritärer Imitationsfaschismus zu werten ist.

Schlüsselwörter

Frauenpolitik, Italienischer Faschismus, Austrofaschismus, Frauenbild, Bevölkerungspolitik, Beschäftigungspolitik, Frauenorganisationen, Ideologie, Katholische Kirche, Mutterrolle, Frauenerwerbsarbeit, Doppelverdienerverordnung, Frauensport, Vergleich, Diktatur

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht vergleichend die Frauenpolitik und die Rolle der Frau in zwei autoritären Regimen der Zwischenkriegszeit: dem italienischen Faschismus und dem österreichischen Austrofaschismus.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Felder sind die Ideologie der Rolle der Frau, Frauenorganisationen, Bevölkerungspolitik (inkl. Geburtenpolitik), Beschäftigungspolitik und staatliche Eingriffe in Freizeit und Sport.

Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, inwieweit die Frauenpolitik in beiden Ländern durch das Zusammenwirken von autoritären Regimen und der katholischen Kirche bestimmt wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine vergleichende historische Untersuchung, die auf der Analyse von Fachliteratur, zeitgenössischen Dokumenten und Sekundärstudien basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die organisationale Einbindung von Frauen, die demografischen Maßnahmen, die Gesetzgebung zur Arbeitsbeschränkung und die Versuche zur ideologischen Steuerung der Freizeit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Frauenpolitik, Austrofaschismus, Faschismus, Katholische Kirche, Bevölkerungspolitik und Erwerbsarbeit charakterisiert.

Wie unterschied sich der Umgang mit Frauenorganisationen in den beiden Ländern?

In Italien ging das faschistische Regime vorsichtiger und langsamer bei der Schaffung von Massenorganisationen vor, während der Prozess im Austrofaschismus unter enger Abstimmung mit der katholischen Kirche schneller und autoritärer verlief.

Welche Rolle spielte die "Doppelverdienerverordnung" in Österreich?

Die "Doppelverdienerverordnung" war ein zentrales Instrument der austrofaschistischen Beschäftigungspolitik, um verheiratete Frauen aus dem Bundesdienst zu drängen und so die Männer als Haupternährer zu stärken.

Warum bewertet die Autorin das österreichische Regime nicht als "Faschismus" im eigentlichen Sinne?

Aufgrund des Fehlens spezifisch faschistischer Merkmale wie etwa der Verherrlichung von Gewalt und Krieg sowie der starken Abhängigkeit von der katholischen Kirche stuft die Autorin das österreichische System als autoritären Imitationsfaschismus ein.

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Details

Title
Frauenpolitik im italienischen Faschismus und im Austrofaschismus. Ein Beitrag zur vergleichenden Faschismusforschung
College
University of Vienna  (Institut für Geschichte)
Course
Arbeitsgemeinschaft: Fascismus – Austrofaschismus – Francoismus: Ideologie, Propaganda, Politik
Grade
1
Author
Ilsemarie Walter (Author)
Publication Year
2002
Pages
23
Catalog Number
V17385
ISBN (eBook)
9783638219723
ISBN (Book)
9783638682145
Language
German
Tags
Frauenpolitik Faschismus Austrofaschismus Beitrag Faschismusforschung Arbeitsgemeinschaft Fascismus Austrofaschismus Francoismus Ideologie Propaganda Politik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ilsemarie Walter (Author), 2002, Frauenpolitik im italienischen Faschismus und im Austrofaschismus. Ein Beitrag zur vergleichenden Faschismusforschung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17385
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