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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Bosnienkrieg 3
3. Die UN, die Blauhelme und die Schutzzonen 5
4. Die Vorgeschichte 8
5. Das Massaker 9
6. Fazit 10
7. Quellen 11
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Die Hochachtung der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau wird von dem Autor des folgenden Textes nicht nur geteilt, sondern auch voran getrieben. Und doch muss darauf hingewiesen werden, dass es dem Autor nicht immer möglich war, geschlechtergerecht schreiben zu können.
1. Einleitung
Das Massaker von Srebrenica wird es genannt, denn Mitte Juli 1995 eroberten bosnischen Serben unter General Ratko Mladić, welcher z.Z. in Den Haag unter Prozess steht, die UN-Schutzzone Srebrenica in Ostbosnien (nahe dem serbischen Territorium) und töteten dabei mehrere Tausend, meist unbewaffnete, bosnische Muslime, die dort Schutz gesucht hatten.
Zunächst werde ich den Bosnienkrieg beleuchten, um einen Geschichtsrahmen zu schaffen. Die von der UN deklarierten Schutzzonen und der niederländischen Blauhelme umgesetzten Beschlüsse und der darauf folgenden Aktionen oder auch Nichtaktionen dieser werde ich probieren zu analysieren. Doch was ist eigentlich eine Schutzzone und warum wurde sie überhaupt eingerichtet? Und wieso konnten so viele Menschen in einer Schutzzone sterben? Was tat die UN, was die Blauhelme?
2. Der Bosnienkrieg
Der Bosnienkrieg bezeichnet den Krieg in Bosnien und Herzegowina. Der Krieg in Bosnien‐Herzegowina ist eine Folge nach dem Zerfall Jugoslawiens Anfang der 90´er. Bereits im Januar 1991, 6 Monate vor Beginn der Kriegshandlungen in Jugoslawien drohte der damalige Präsident Serbiens Slobodan Milošević den Botschaftern der Europäischen Gemeinschaft damit, dass er einen neuen groß‐serbischen Staat errichten würde, wenn diese zuließen, dass Jugoslawien auseinanderbreche: „Die Position, die ich Ihnen soeben skizziert habe, ist der äußerste Kompromiss, den Serbien zu akzeptieren gewillt ist. Wenn dies nicht auf friedlichem Wege erreicht werden kann, zwingt man Serbien, die Machtmittel einzusetzen, die uns zur Verfügung stehen, den anderen hingegen nicht“ (Honig & Both, 1999, S. 113-114) Für die Bewohner der Teilrepublik Bosnien-Herzegowina bedeute das, dass Serbien die Abspaltung Bosnien-Herzegowinas nicht hinnehmen wird. Um dieses Problem zu verstehen, muss man sich die verschiedenen Bevölkerungsgruppen in Bosnien‐Herzegowina vergegenwärtigen: „Vor dem Ausbruch des Krieges zählte diese Teilrepublik 4,3 Millionen Einwohner: 1,9 Bosniaken, 1,3 Millionen Serben und 756.000 Kroaten. Desweiteren deklarierten sich
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noch rund 240.000 Menschen als Jugoslawen.(Stöger, Münster,S. 120) Der Unterschied zwischen den einzelen Bevölkerungsgruppen bestand lediglich in der Religion: bosnische Muslimen (Bosniaken), bosnische Serben und bosnische Kroaten. Die bosnischen Kroaten sind Katholiken, die bosnischen Serben orthodoxe Christen und die Bosniaken konvertierten zum Islam.
Miloševićs Plan war es, dass die Stadt Srebrenica ein Teil des neuen „Großserbien“ wird (Honig & Both, 1999, S. 114) und die „ethnische Säuberung“ in Bosnien‐Herzegowina war ebenfalls ein Teil davon. (Stöger, Münster,S. 121) Nachdem bereits im Sommer 1991 die jugoslawischen Teilrepubliken Slowenien, Kroatien und Mazedonien mit ihren Unabhängigkeitserklärungen voranschritten, erklärte auch Republik Bosnien‐Herzegowina am 15. Oktober 1991 ihre Unabhängigkeit von Jugoslawien. Damit stand der Zerfall des Vielvölkerstaates Jugoslawien praktisch fest und wurde durch die völkerrechtliche Anerkennung der Republik Bosnien‐Herzegowina durch die Europäische Gemeinschaft und die USA im April 1992 international untermauert.(Stöger, Münster,S.120) Sofort kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen der restlichen Jugoslawischen Volksarmee (JVA), welche unter dem Kommando von Milošević von Belgrad aus befehligt wurde, und den bosnischen Muslimen.(Rohde, 1997,S.15) Aus der JVA entstand die serbische Armee, was allerdings nicht verwunderlich war, da sie mehrheitlich schon aus Serben bestand und viele Offiziere als ethnische Herkunft „serbisch“ angaben. (Honig & Both, 1999,S.114) Als Folge der Unabhängigkeitserklärung Bosniens-Herzegowinas eroberten die serbischen Truppen bis Mai 1992 60% des Territoriums. (Honig & Both, 1999,S. 116)
Die Bosnische Stadt Srebrenica liegt im äußersten Osten von Bosnien‐Herzegowina und damit in unmittelbarer Grenznähe zu Serbien. Die Stadt liegt in einem drei Kilometer langen und 800 Meter breiten Tal. Nach einer Volkszählung 1991 waren rund 9000 Einwohnern 75% bosnische Muslimen und 23% bosnische Serben und 2 % Angehörige anderer Volksgruppen. (Simon, 2005, vgl. S. 22) Die Zahl der muslimischen Zivilisten in Srebrenica erhöhte sich durch Flüchtlinge aus anderen Landesteilen als Folge des Krieges bis Mitte März 1993 auf 60.000 Menschen. (Rohde, 1997,S.15) Srebrenica wurde nach der Unabhängigkeitserklärung systematisch von den Serben von der Außenwelt abgeschnitten und weil selbst die UN‐Hilfslieferungen mit Lebensmitteln wegen der serbischen Blockade nicht dort ankamen, wurden zwischen März und Juni 1993 etwa 1.900 Tonnen Nahrungsmittel in die unmittelbare Umgebung von Srebrenica aus Militärflugzeugen der NATO abgeworfen. (Simon, 2005,S. 22)
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3. Die UN, die Blauhelme und die Schutzzonen
Bereits am 08.06.1992 wurde im UN‐Sicherheitsrat die Resolution 758 verabschiedet, welche das Mandat der United Nations Protection Force (UNPROFOR), auf deutsch „Schutztruppe der Vereinten Nationen“, auf Bosnien und Kroatien ausweitete. Zunächst operierte die UNPROFOR nämlich nur im Gebiet von Kroatien und hatte vor allem Friedenssicherungsaufgaben und kontrollierte die humanitären Hilfslieferungen. (Simon, 2005,S. 23) Das Mandat der UNPROFOR verpflichtete die Einsatztruppen zur Neutralität und erlaubte nur die Überwachung der Einhaltung von Waffenstillständen, die aber immer wieder gebrochen wurden, sowie in begrenztem Umfang den Schutz und die Versorgung der Zivilbevölkerung, besonders in den 1993 eingerichteten UN-Schutzzonen. (Simon, 2005,S. 23 f)
Die zivile Situation in Srebrenica im Frühjahr 1993 war prekär. Die Stadt war komplett von der serbischen Armee umzingelt und viele Zivilisten starben aufgrund fehlender medizinischer Versorgung und der fehlenden Nahrungszufuhr. Ein UNHCR‐Bericht vom 19. Februar 1993 beschrieb die Lage der Menschen rund um Srebrenica so: „Es gibt nichts, was Ähnlichkeit mit Nahrungsmitteln hätte, wie wir sie kennen. Sie haben seit Monaten nichts Richtiges zu essen gehabt. Sie überleben mit Weizenspreu und Baumwurzeln. Jeden Tag sterben Menschen vor Hunger und Erschöpfung. Die medizinische Situation könnte schlimmer nicht sein. Verwundete werden ins Krankenhaus gebracht, wo sie an den einfachsten Verletzungen sterben, weil die notwendigen medizinischen Mittel fehlen.“ (Honig & Both, 1999, S. 128) Da die Lage immer schwieriger wurde, nahmen verzweifelte Stadtbewohner aus Srebrenica schliesslich Geisel um zu erreichen, dass die Lebensmittellieferungen und Hilfslieferungen der Nato wieder die Stadt erreichen. Nach mehreren Tagen erreichte der UN-General bei Verhandlungen mit den serbischen Militärführern, dass zivile muslimische Flüchtlinge, meist Frauen mit Kleinkindern und Verwundete, die Stadt verlassen dürften. (Honig & Both, 1999,S. 143) Diesen Plan verhinderte allerdings die bosnische Regierung in Sarajevo und stoppte die Massenevakuierung. Die bosnische Regierung dachte wohl immer noch an die Rettung der Stadt Srebrenica, während die Vertreter der Hilfsorganisation wie der UNPROFOR‐Kommandeur Morillon den Verlust der Stadt als unausweichlich ansahen und gewissermaßen Schadensbegrenzung durch die Evakuierung der Bevölkerung zu erreichen versuchten. Das Verhalten der neuen bosnischen Regierung zeigt schon mit welchen Problemen die Vertreter der UNO in Bosnien zu kämpfen hatten und in welcher schwierigen Situation die weiteren Entscheidungen getroffen werden mussten. General Ratko Mladić plante nun sorgfältig einen Angriff der Stadt Srebrenica, um diese zu erobern und bereitete den Angriff vor, dabei lagen auch schon Pläne für eine ethnische
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Säuberung vor. (Honig & Both, 1999, S. 148) Die UNO musste nun zwischen Skylla und von Charybdis entscheiden: entweder sie führen die Evakuierung weiter um sich mit dem Vorwurf befassen müssen die ethnische Säuberung vorangetrieben zu haben oder sie liefern weiterhin Hilfsgüter um den Verlust Srebrenicas hinauszuzögern, aber genau zu wissen, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Stadt erobert wird.(Honig & Both, 1999,S. 143) Hinzu kamen die Äußerungen von UNPROFOR-Commander Phillipe Morillon, welcher während seiner „Geiselhaft“ in Srebrenica im März 1993 von der Verzweiflung der Bevölkerung ergriffen und ohne Wissen seiner Vorgesetzten bei der UNO in New York gesagt hatte, dass Srebrenica nun unter dem Schutz der Vereinten Nationen stehe. (Wieser, 2007,S. 86)
Am 16.April 1993 beschloss der UN-Sicherheitsrat die Resolution 819, welche besagt, dass Srebrenica in eine Schutzzone gewandelt wird. In Resolution 824 kamen dann auch noch die Städte Sarajevo, Tuzla, Zepa, Gorazde und Bihac hinzu
(http://www.nato.int/ifor/un/u930506a.htm, 1993). Jedoch fehlten in den Resolutionen die Schutzkritierien. Wer sollte eigentlich beschützen und wie? Der schwedische General Lars‐Eric Wahlgren, der damals Generalleutnant der UNPROFOR war, sollte auf Anweisung des Sicherheitsrates herausfinden wie viele Soldaten nötig wären um die Schutzzonen zu sichern. (Honig & Both, 1999, S. 174) Er kam zu dem Ergebnis, dass mindestens 34.000 Soldaten notwending sind um die Städte und deren Bewohnrer zu schützen. Allerdings sahen die ständigen Mitglieder des UN-Rates dies als unnötig viel an. (Honig & Both, 1999, S. 174) Der UN-Rat lehnte allerdings ab überhaupt Soldaten in das Krisengebiet zu schicken. Die Vertreter der USA machten den Vorschlag, man könnte die Bevölkerung effektiv aus der Luft unterstützen aber Soldaten zu schicken wäre unnötig. (Honig & Both, 1999, S.175)
Dieses Verhalten der verschiedenen Staaten spiegelt sehr deutlich die Hilflosigkeit der UNO in humanitären Hilfseinsätzen wieder, obwohl die UN‐Charta eindeutig vorschreibt wie ein einem solchen Fall zu handeln ist. In Kapitel VII, Artikel 43 heißt es: „Alle Mitglieder der Vereinten Nationen verpflichten sich, zur Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit dadurch beizutragen, dass sie nach Maßgabe eines oder mehreren Sonderabkommen dem Sicherheitsrat auf sein Ersuchen Streitkräfte zur Verfügung stellen, Beistand leisten und Erleichterungen einschließlich des Durchmarschrechts gewähren, soweit dies zur Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit erforderlich ist.“ (http://www.un.org/Depts/german/un_charta/charta.pdf)
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Am 18. Juni 1993 wurde die Resolution 844 verabschiedet, welche nach dem Bericht von Boutros‐Ghali über die Entsendung der 7600 Soldaten verabschiedet worden war, heißt es wie folgt: „The Security Council, Acting under Chapter VII of Charter of the United Nations, (…) 5. Calls upon Member States to contribute forces, including logistic support and equipment to facilitate the implementation of the provisions regarding the safe areas;” Die Mitgliedsstaaten waren hiermit also verpflichtet, eigene Truppen zu entsenden, was bis auf die Niederlande, kein anderes Land tat. Im Januar 1994 trafen die ersten niederländischen Blauhelmsoldaten der so genannten Dutchbat‐Mission, welche nun der UNPROFOR unterstellt waren, in Srebrenica ein. Sie hatten die Aufgabe die Schutzzone in Srebrenica zu entmilitarisieren und dafür im Gegenzug für den Schutz der Zivilbevölkerung zu sorgen.
Die serbische Armee kontrollierte immer noch die Zugangswege nach Srebrenica und somit auch die Nachschubslieferungen. Die niederländischen Blauhelme waren damit auf die Serben angewiesen was Nahrung und Waren betraf. Die Serben nutzten dies um Treibstofflieferungen, vorallem für die Dieselgeneratoren, zu stoppen.(Honig & Both, 1999,S. 190) Außerdem wurden immer wieder niederländische UNPROFOR‐Soldaten von der serbischen Armee als Geiseln genommen, von ihnen eingeschüchtert und erst nach einiger Zeit wieder freigelassen. (Stöger, Münster, S. 145) Im Sommer 1994 befanden sich ungefähr 40.000 bosnische Muslime in der Schutzzone Srebrenica, welche als das „größte Freiluftgefängnis der Welt“ (Stöger, Münster,S. 143) bezeichnet wurde. Die Blauhelmsoldaten wurden nicht als Beschützer und Befreier angesehen und so kam es auch vor, dass Bewohner der Stadt Blauhelme als Geiseln nahmen. (Stöger, Münster, S.144)
Im Frühjahr 1995 nutzten die Serben ihre Macht über die Zugangswege bis zum Höhepunkt aus. Nahrungsmittel und Treibstoffe wurden mehrheitlich nicht in die Stadt gelassen. Selbst UNO-Hilflieferungen wurden nicht mehr durchgelassen. (Honig & Both, 1999,S. 197) Durch die Mangelernährung wuchs außerdem die Gefahr von Infektionen und anderen ernsthaften Krankheiten unter den Soldaten.(Honig & Both, 1999,S. 198) Hinzu kamen im Frühjahr 1995 immer mehr niederländische Soldaten, welche die Stadt aus verschiedenen Gründen verließen aber nicht zurückkehrten. So schwand die Anzahl der UNPROFOR‐Soldaten stetig. (Honig & Both, 1999,S. 200) Waren es Anfang 1994 noch 7.600 Soldaten, schwanden diese bis Ende 1994 auf 3.000 Soldaten. Sie waren an Soldaten und Ausrüstung den umstellten Serben nicht annähernd gewachsen. (Wieser, 2007, S. 86)
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4. Die Vorgeschichte
Um die Stadt Srebrenica wurden UN‐Beobachtungsposten gebaut und dienten gleichzeitig als Außengrenze der Sicherheitszone von Srebrenica. Am 06.06.1995 griffen serbische Truppen zwei dieser UN‐Beobachtungsposten an. Die sich in dem UN‐Beobachtungsposten befindlichen Soldaten wurden in die Stadt getrieben. (Wieser, 2007,S. 88) Doch weder dieser Angriff der serbischen Armee noch weitere in den Tagen darauf veranlasste die Vertreter der UNO ihre passive Haltung aufzugeben und die Serben mit Hilfe von Luftunterstützung aktiv zurückzudrängen. (Rohde, 1997,S. 44) Die niederländischen Blauhelme forderten Luftunterstützung an, welche aber iummer wieder abgelehnt wurde. (Wieser, 2007,S. 88) Der Oberkommandierende aller UN‐Truppen im ehemaligen Jugoslawien, der französische General Bernard Janvier spielte die drohende Gefahr durch die Serben herunter weil er auch weiterhin keinen Grund sah NATO‐Flugzeuge einzusetzen. Die Soldaten sollten sich, im Falle weiterer Angriffe, von den Beobachtungsposten zurückziehen, aber nicht intervenieren. (Rohde, 1997,S.44) Der niederländische Oberstleutnant Thomas Karremans sah auch keine Veranlassung sich weitere Hilfe schicken zu lassen und spielte die Angriffe der Serben in seinen Berichten herunter. (Honig & Both, 1999, S.250) Weder die Generäle noch die zu entscheidenden Politiker sahren sich veranlasst, weitere Hilfe zu entsenden, da sie die Meinung vertraten, dass die Serben eine Stadt, welche unter dem Schutz der Vereinten Nationen steht, nicht angreifen würden. (Honig & Both, 1999, S. 250) Die Generäle der UN hatten keinerlei Daten darüber, wie groß die Soldatenstärke der Serben waren ebenso deren Waffenstärke. Sie erkannten auch nicht, dass die Bevölkerung bei einem gezielten Schlag vollkommen hilflos war, nachdem sie entwaffnet wurde. An den nächsten beiden Tagen, dem 09. Und 10. April 1995 wurden noch weitere Beobachtungsposten der niederländischen UNPROFOR‐Soldaten angegriffen und die Soldaten von den bosnischen Serben in eine naheliegende Stadt namens Bratunac verschleppt. (Wieser, 2007, S. 88) Da die Serben weiter vormarschierten und die Lage der Menschen in der Schutzzone immer aussichtsloser wurde, forderten die Soldaten zum wiederholten Male Luftunterstützung durch die NATO an, welche am Abend des 10. Juli 1995 auch bewilligt wurde. Die Flugzeuge befanden sich bereits auf der Adria. Die Serben, welche unter dem Kommando von Ratko Mladić standen, benutzten die gefangen genommenen niederländischen Soldaten als Druckmittel gegen die UNO. Sie drohten mit der Exekution der UNPROFOR‐Soldaten, falls die Flugzeuge die serbische Armee beschössen. (Wieser, 2007,S. 90) Die UNO beschloss ihre Flugzeuge wieder abzuziehen. Die Schutzzone rund um Srebrenica war faktisch aufgehoben. Die Stadt Srebrenica wurde den bosnischen Serben überlassen. (Wieser, 2007,S. 90) Die Blauhelmsoldaten haben während der Angriffe keinen einzigen Schuss abgefeuert und damit die serbische Armee darin
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bestärkt, dass die Blauhelme zu keinen kämpferischen Handlungen bereit sind. In dessen Folge flohen die bosnischen Muslime aus der Stadt Srebrenica in den Nord‐Osten der Schutzzone nach Potoćari um dort Schutz zu suchen. „Auf diesem kleinen Areal von vielleicht weniger als einem Quadratkilometer befanden sich etwa 25.000 Vertriebene. Die Meisten waren Frauen mit kleinen Kindern, ältere und gebrechliche Menschen.“ (Wieser, 2007,S. 90) General Mladić wies an, dass alle bosnischen Muslime die Schutzzone verlassen sollten. Er sagte wiederholt Sätze wie: „(…) verschwinden oder überleben“ (Wieser, 2007,S. 66f) Am Nachmittag des 12.Juli 1995 wurde dann damit begonnen, dass die Flüchtlinge mit rund 50 Fahrzeuge, unter anderem Busse, LKW und Kleintransporter abtransportiert wurden kamen am UN‐Stützpunkt an um die Menschen fortzubringen. Die Menschen wurden in ein von den bosnischen Serben kontrolliertes Gebiet gebracht und die Männer wurden systematisch von ihren Familien getrennt. Zu Beginn der Deportationen versuchten die Blauhelmsoldaten die Fahrzeuge mit den bosnischen Muslimen zu begleiten, was allerdings bald aufgegeben wurde, weil ihnen ihre Ausrüstung von den Serben abgenommen wurde. (Wieser, 2007,S. 92) Die männlichen Bosniaken wurden zwei Tage lang in einer Schule in Pilica festgehalten und zuvor gezwungen sich selbst mit Leinentüchern zu fesseln. (Wieser, 2007,S.93) „Daraufhin wurden ihnen auch die Augen verbunden, und sie wurden wiederum mit Bussen zu einer Exekutionsstätte gebracht, wo einer nach dem anderen erschossen wurde“ (Wieser, 2007,S.93) Viele muslimische Männer im wehrfähigen Alter, etwa eine Gruppe von 10.000‐15.000 Männern (Wieser, 2007,S. 94), flüchteten nicht nach Potoćari sondern versuchten andere von den bosnischen Muslimen kontrollierte Gebiete, vor allem die Stadt Tuzla, zu erreichen. (Wieser, 2007, S.94) Da sie aber über sehr wenige Waffen verfügten und die Schutzzone nahezu komplett von den serbischen Soldaten umstellt war, waren sie den bosnischen Serben praktisch ausgeliefert
5. Massaker von Srebrenica
Am 12. Juli 1995 hatten die serbischen Truppen um General Mladić die 10.000‐15.000 Flüchtlinge in ein 25 Quadratkilometer große „Todeszone“ gedrängt. (Rohde, 1997,S.256) In den nächsten 3 Tagen griffen die Serben diese Todeszone an und töteten bis zu 6000 Menschen in organisierten Exekutionen. (Wieser, 2007,S.97) Den Niederländern war es nur möglich, 3.000 bis 4.000 Flüchtlinge in einer Fabrikhalle aufzunehmen und damit zu retten. Die meisten Exekutionen fanden auf dem Weg Richtung Konjevic Polje statt. Meist wurden die Muslime entweder am Straßenrand oder auf örtlichen Fußballfeldern (wie z.B. in Nova Kasaba oder Bratunac) zusammengepfercht und erschossen. Des Weiteren gab es Häuser, von denen die Muslime dachten, sie seien Verhörorte, in denen die Männer
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erschossen wurden. Auch Verstecke der Muslime, wie in Kravica, wurden von den Serben beschossen. Die Serben waren bemüht, die Spuren des Massakers immer schnellstmöglich zu verwischen. Ein U-2-Spionageflugzeug fotografierte am 13. Juli ein Fußballfeld in Nova Kasaba. Man erkannte ungefähr sechshundert Muslime, die von serbischen Soldaten bewacht wurde. Zwei Tage später war kein Muslim mehr zu sehen. Die Fotos zeigten Spuren frischer Grabungen.
6. Fazit
Wieso griffen weder die UNO noch andere Hilfsorganisationen oder Staaten ein, um dieses schreckliche Massaker in der Schutzzone Srebrenica zu verhindern? Fühlten sich die Vereinten Nationen nicht genötigt zu helfen? War die Schutzzone eigentlich mehr eine Falle? Zunächst muss man in Betracht ziehen, dass sich statt den geforderten 34.000 Soldaten nur etwa 3000 in der Schutzzone befanden, eher noch weniger, da die Soldaten von den Beobachtungsposten entfernt wurden. Die Befehlshaber der Streitkräfte unterschätzten die Lage in der Stadt und drum herum viel weniger gefährlich ein als vorhanden war. In Charta der Vereinten Nationen, welche alle Mitgliedsstaaten vor ihrem UNO‐Beitritt akzeptieren müssen, sind die Maßnahmen für eine Abstellung von Truppen zwar geregelt, doch die Realität sah anders aus. Weder die 5 ständigen Mitglieder noch irgendwelche anderen Länder der UNO mit Ausnahme der Niederlande und zu Beginn Kanada wollten Soldaten in die Schutzzone Srebrenica schicken. Doch hätten mehr Soldaten die Serben überhaupt abgeschreckt? Die Versorgungslager der Blauhelmsoldaten war schlecht. Lieferungen aller Art wurden von der serbischen Armee unterbunden. Die Möglichkeit der Sicherung der Versorgungswege oder luftunterstützte Versorgung wurden nicht in Betracht gezogen. Die Stadt, welche in der Normalität 9.000 Menschen beherbergte musste nun teilweise mit 30.000 Menschen auskommen. Durch die schlecht besetzte UN-Armee und des massiven Zögerns des UN-Sicherheitsrates wurde es der serbischen Armee leicht gemacht, ihren lang geplanten Völkermord durchzuführen. Ein entschiedenes Eingreifen der Vereinten Nationen hätte eine solche Situation ausgeschlossen, und nur durch fiktive Einrichtung sogenannter Schutzzonen konnte die muslimische Bevölkerung nicht geschützt werden.
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Literaturverzeichnis
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Michael Donner, 2011, Völkermord in Bosnien - Der Bosnienkrieg und das Massaker in Srebrenica in Kurzform, München, GRIN Verlag GmbH
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