Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 3
2. Zu den Hintergründen - Die Kinder vom Bullenhuser Damm 4
3. Einfluss der NS-Ideologie auf die Medizin 5
4. Der Arzt hinter den Tuberkulose-Versuchen: Dr. Kurt Heißmeyer 6
5. Die Ziele und Beweggründe des SS-Arztes Dr. Kurt Heißmeyer 8
6. Die Tuberkulose-Versuche 9
7. Zusammenfassung 12
8. Literaturverzeichnis 13
9. Anlagen 15
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1. Einleitung
Die Gewaltverbrechen in der nationalsozialistischen Zeit (NS-Zeit) gegen Kinder, hier am Beispiel des Schicksals der Kinder vom Bullenhuser Damm in Hamburg-Rothenburgsort, waren nur ein kleiner Teil der grausamen Taten durch Anhänger der NS-Ideologie in der Zeit von 1933 bis 1945. Neben dem systematischen Morden, an Millionen von Menschen in Europa, kam es immer wieder zu unzähligen Menschenversuchen. In der Masse wurden diese durch Ärzte durchgeführt. Noch in den letzten Kriegstagen wurden 20 Kinder in einem Außenlager des Konzentrationslagers (KZ) Neuengamme bei Hamburg hingerichtet .Diese Kinder wurden für ein medizinisch umstrittenes Experiment missbraucht. Aus welchen Beweggründen führte der Mediziner Dr. Kurt Heißmeyer diese Menschenversuche durch, und welche Ziele verfolgte er für sich mit diesen Experimenten? Waren diese Handlungen mit dem durch ihn geleisteten Hippokratischen Eid zu vereinbaren?
Die Ärztin und Holocaust-Überlebende Dr. Ella Lingens-Reiner fragte in Auschwitz den SS-Arzt Fritz Klein: „Wie können Sie das mit Ihrem (hippokratischen) Eid als Arzt in Einklang bringen?“ Er antwortete: „Natürlich bin ich Arzt und möchte Leben erhalten. Und aus Respekt vor dem menschlichen Leben würde ich einen entzündeten Blinddarm aus einem kranken Körper entfernen. Der Jude ist ein entzündeter Blinddarm im Körper der Menschheit.“ 1
Mit dieser Arbeit soll versucht werden, ansatzweise die Motive für solch ein Verhalten zu begründen, in dem wissenschaftliche sowie politische Umstände als Ansatz zur Auswertung herangezogen werden. Grundlage dieser Arbeit sind Bücher (siehe Literaturverzeichnis), die durch Internetrecherchen zum Thema gefunden, sowie durch Gespräche mit den Mitarbeitern der KZ-Gedenkstätte Neuengamme empfohlen wurden. Durch diesen Personenkreis erhielt ich bei Besuchen in Neuengamme und am Bullenhuser Damm in Hamburg ebenfalls eine Fülle an Informationsmaterial und nützliche Tipps für diese Arbeit. Ich habe mich für dieses Thema entschieden, weil ich nicht nur der Auffassung war, die Beweggründe für das Handeln des Arztes Dr. Kurt Heißmeier aufzuzeigen zu wollen. Zudem habe ich als langjähriger Bewohner der Stadt Hamburg eine besondere Beziehung zu den Orten des Verbrechens und Gedenkens an die Kinder vom Bullenhuser Damm. Verantworten mussten sich nie alle, an den schrecklichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, beteiligten Ärzte. Nur ein Teil von Ihnen wurde im Rahmen der Nürnberger Ärzteprozesse zur Verantwortung gezogen. Selbst der Mediziner Dr. Kurt Heißmeyer konnte den Ermittlungen sehr lange entgehen.
1 Lifton, Robert Jay: Ärzte im Dritten Reich, Stuttgart 1988 S. 21.
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2. Zu den Hintergründen - Die Kinder vom Bullenhuser Damm
Nachdem über viele Jahre die NS-Ideologie schon sehr viele Opfer gefordert hatte, sollten in den letzten Kriegsmonaten noch einmal schreckliche Experimente an erwachsenen KZ-Häftlingen, sowie, und das ist besonders tragisch, an ebenfalls 20 Kindern im Alter zwischen fünf und zwölf Jahren ausgeführt werden.
Der Mediziner Dr. Kurt Heißmeyer hatte es durch Beziehungen zu führenden Nationalsozialisten 2 geschafft, seine geplanten Versuche mit Tuberkuloseerregern, ab Sommer 1944 an KZ-Häftlingen aus Neuengamme durchzuführen. Nachdem diese Versuche für die meisten der erwachsenen Häftlinge mit dem Tod endeten, forderte Dr. Kurt Heißmeyer zur Vervollständigung seiner Experimente Ende November 1944 zwanzig fünfbis zwölfjährige Mädchen und Jungen aus dem KZ Ausschwitz an. Diese kamen ursprünglich aus Polen, Frankreich, Italien, den Niederlanden und Jugoslawien. Auch Ihnen injizierte er virulente Tuberkuloseerreger. Dies auch auf die Gefahr hin, dass sie an Tuberkulose erkrankten, was auf Grund der damals noch fehlenden Medikamente einem Todesurteil gleich kam. 3 Er wollte mit diesen menschenverachtenden Versuchen herausfinden, ob tuberkulosekranke Kinder, gegen eine künstlich erzzeugte Tuberkuloseinfektion immun sind. Auf die Durchführung seiner Experimente in Neuengamme wird in einem späteren Kapitel eingegangen.
Mit dem nahenden Kriegsende wurde auf Befehl Heinrich Himmlers (Reichsführer Schutzstaffel (SS) und Chef der Polizei) die „Sonderabteilung Heißmeyer“ aufgelöst, um keine Informationen über diese Experimente an KZ Häftlingen in die Hände der Alleierten fallen zu lassen. Dies war auch der Grund dafür, warum zwei Häftlingsärzte, sowie die beiden Pfleger der Kinder ebenfalls ermordet wurden. Am Abend des 20. April 1944 wurden die 20 Kinder mit Ihren Betreuern von Neuengamme in das KZ-Aussenlager „Bullenhuser Damm“ im Hamburger Stadtteil Rothenburgsort gebracht. Dort wurden die 20 Kinder durch den sie begleitenden KZ-Lagerarzt Dr. Alfred Trzebinski mit einer Morphium Spritze ruhig gestellt und dann von SS-Mitarbeitern aufgehängt. Mit Ihnen starben an diesem Abend auch Ihre Betreuer, Professor Rene´ Quenouille, Professor Gabriel Florence, Dirk Deutekom, Anton Hölzel, sowie 24 sowjetische Kriegsgefangene.
2 vgl. Schwarberg, Günter: Der SS-Arzt und die Kinder vom Bullenhuser Damm, Göttingen 1979, S. 13.
3 Vernehmung Heißmeyers vom 08.09.1964, Blatt 7/228 der Gerichtsakten.
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3. Der Einfluss der NS-Ideologie auf die Medizin und die Ärzteschaft
Während der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten in Europa mussten viele Millionen Menschen ihr Leben lassen. Doch nicht nur auf den Schlachtfeldern fanden Menschen den Tod, sondern auch in Einrichtungen wie Konzentrationslagern oder anderen medizinisch geführten Anstalten wurden Menschen zu Opfern. Die NS-Ideologie beruhte in der Hauptsache auf dem Gedanken, dass es nur eine wahre Rasse gäbe, nämlich die der Arier oder die sogenannte „Herrenrasse“, dass die Zusammengehörigkeit der Volksgemeinschaft verstärkt werden müsse und das das Volk unter einem Führer zu vereinen sei. Die Annahme zur „Rassenlehre“, die ihren Ursprung im Sozialdarwinismus hatte, beruhte auf einer falschen Schlussfolgerung aus der Theorie von Charles Darwin 4 . Aus Sicht des Sozialdarwinismus 5 würde sich die jeweils stärkere menschliche Rasse im Kampf gegen die Schwächere durchsetzen. Mit den „Schwächeren“ waren nach Hitlers Rassenlehre vor allem Kranke und Behinderte, aber auch genauso Menschen gemeint, die anhand einer Klassifizierung Ihres Erbgutes in unterschiedliche Rassen eingeteilt wurden. So wurde die Menschheit im Nationalsozialismus in drei Rassen eingeteilt:
1. kulturstiftende Rasse (nordisch - arisch), auch „Herrenrasse“ genannt
2. kulturtragende Rasse (z.B. asiatische und afrikanische)
3. kulturzersetzende Rasse (semitisch). In der Hauptsache waren dies Juden, Roma und Sinti.
Die kulturzersetzende Rasse (3. Gruppe) sollte, wegen der in der NS-Ideologie vorherrschenden Meinung, dass diese, die „Herrenrase“ schädige, zum Schutz der „Volksgemeinschaft“ ausgerottet werden. Dies geschah mit den grausamsten Mitteln und hatte in vielen Millionen Fällen den Tod dieser Menschen zur Folge. Ein Zitat Adolf Hitlers stellt sehr deutlich die Haltung der Nationalsozialisten in Bezug auf die Rassenlehre dar. „Ein Staat, der sich im Zeitalter der Rassenvergiftung der Pflege seiner besten rassischen Elemente widmet, muss eines Tages zum Herrn der Erde werden.“ (Hitler, Adolf: Mein Kampf, 1924 Band I). Um die „kulturzersetzende Rasse“, sowie die Menschen, welche durch Krankheiten oder Behinderungen der „Volksgemeinschaft“ schadeten loszuwerden, bedienten sich die Nationalsozialisten unterschiedlichster Methoden. Die Ärzteschaft war ebenso, wie die restliche nationalsozialistisch denkende Bevölkerung Deutschlands, von den Ideologien des Nationalsozialismus über Jahre geprägt worden. Zudem hatten die Ärzte bei den Maßnahmen, die es zur Erreichung der
4 http://www.evolutionstheorie-darwin.de/html/darwin5.html (Zugriff 24.08.2010).
5 http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Sozialdarwinismus.html (Zugriff 24.08.2010).
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Arbeit zitieren:
Markus Neuberger, 2010, Die Kinder vom Bullenhuser Damm als Opfer nationalsozialistischer Vernichtungsmaßnahmen, München, GRIN Verlag GmbH
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