Inhaltsverzeichnis
Vorwort 3
1. Zusammenfassung der Studie „Nutzung elektronischer wissenschaftlicher
Information in der Hochschulausbildung“ 4
2. Zusammenfassung der Studie „college students perceptions of libraries and
information resources“ 5
3. Vergleich der Studien 6
4. Vorschläge zur Bewertung von empirischen Studien 7
Literaturverzeichnis 9
2
Vorwort
In der vorliegenden Hausarbeit werde ich die empirischen Studien „Nutzung elektronischer wissenschaftlicher Information in der Hochschulausbildung“ der Sozialforschungsstelle Dortmund und „college students perceptions of libraries and information resources“ von OCLC vergleichen.
Anschließend werde ich einige Vorschläge zur allgemeinen Durchführung von empirischen Studien machen, die sich aus diesen zwei Studien ableiten.
In den Verweisen auf bestimmte Textstellen in diesen zwei Studien nenne ich jeweils nur die Seitenzahlen, weil ich nur zwei Quellen vergleiche und die Seitenzählung in einer davon (der von OCLC herausgegebenen) auf merkwürdige Weise abweicht; das Dokument scheint nach der Gliederung gezählt zu sein so wird z.B. unter Seite „2-1“ die erste Seite aus „part 2“ verstanden.
Wenn im Folgenden die Nennung der weiblichen Pendanten zu Hochschullehrer, Studenten und Dekanen unterblieb, so ist dies aus Gründen der Übersichtlichkeit geschehen.
3
1. Zusammenfassung der Studie „Nutzung elektronischer wissenschaftlicher Information in der Hochschulausbildung“
Die Studie wurde im April 2000 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung bei der Sozialforschungsstelle Dortmund in Auftrag gegeben. Die
Sozialforschungsstelle lud daraufhin Experten und Expertinnen aus Fachgesellschaften, Universitäts- und Fachhochschulfakultäten und Bibliothekswesen 1 zu Expertengesprächen ein, bei denen die Entwicklung von Fragebögen zur später folgenden schriftlichen Befragung von Dekanaten, Studierenden und Hochschullehrenden im Vordergrund stand.
Insgesamt wurden 22 Experteninterviews (3 Interviews dazu mit Ansprechpartnern aus dem Bibliothekswesen, 19 Interviews mit IuK Beauftragten bzw. Ansprechpartnern der Hochschulen und Fachgesellschaften für Informatik, Physik, Mathematik, Ingenieurswissenschaften, Chemie, Pädagogik, Psychologie und Soziologie) durchgeführt 2 .
Gesprochen wurde über die Computer- und Information Literacy von Lehrenden und Studierenden, Möglichkeiten der Integration und Institionalisierung neuer Medien in die Lehrveranstaltung, geschlechtsspezifische Differenzen, Befürchtungen (z.B. Verflachung der Studiengänge) und Probleme (z.B. mikropolitische beim Durchsetzen von Integrationsentscheidungen).
Auf der Grundlage der Experteninterviews wurden daraufhin Fragebögen für Dekanate (353 Beantwortete - das entspricht einer Rücklaufquote von 42,6%) Studenten (2956 Beantwortete - das entspricht einer Rücklaufquote von 26,3%) und Hochschullehrende (777 Beantwortete - das entspricht einer Rücklaufquote von 25,5%) konzipiert und in der Bundesrepublik verschickt und ausgewertet, die auf den oben bereits genannten Themenbereichen Computer- und Information Literacy, Integration, Institionalisierung, geschlechtsspezifische Differenzen, Befürchtungen und Problemen basieren.
Wesentliche Erkenntnisse der Umfrage waren dabei, dass die Computer- und Informationskompetenz der Studierenden gegenüber derjenigen der
Hochschullehrenden auf geringerem Niveau ist, dass die Selbsteinschätzung der Hochschullehrenden größer ist als die der Studierenden, dass in beiden Fällen die Autodidaktik anhand des Trial-und-Error-Prinzips und die Arbeit mit themenübergreifenden Suchmaschinen vorherrscht 3 , von den Hochschullehrenden mehrheitlich aber nicht als geeignete Methode der Informationsaneignung für Studierende gesehen wird und dass Einführungsveranstaltungen von Bibliotheken in den meisten Fällen zur Schulung der Studierenden in Bezug auf Informationskompetenz gegenüber von Pflichtveranstaltungen vorherrschen 4 .
Außerdem wurde festgestellt, dass keine geschlechtsspezifischen Differenzen bestehen, was die Nutzung elektronisch wissenschaftlicher Information angeht 5 und dass speziell auf Frauen ausgerichtete Schulungsangebote mehrheitlich abgelehnt werden.
1 vgl. S. 22
2 vgl. S. 25
3 vgl. S. 206
4 vgl. S. 208f
5 vgl. S. 214
4
2. Zusammenfassung der Studie „college students perceptions of libraries and information resources“
Die Studie basiert auf einer Auswertung der Ergebnisse des Unternehmens Harris Interactive Inc., das von OCLC mit der Durchführung einer online-Umfrage zum Thema internationale Wahrnehmung und Nutzung der Bibliothek beauftragt wurde und in deren Rahmen auch die Wahrnehmung und Nutzung von Bibliotheken durch Studierende und Postgraduierte 2004 untersucht wurde.
Insgesamt nahmen 396 Studierende und Postgraduierte (im weiteren nur als Studenten bezeichnet) im Alter von 15-57 Jahren aus den Ländern USA, Kanada, Großbritannien, Indien, Australien und Singapur an der Studie teil 6 . Die Fragen ließen größtenteils Mehrfachantworten zu.
Festgestellt wurde, dass Suchmaschinen in überwältigender Mehrheit von Studenten bei Sucheinstieg und Recherche Bibliothekshomepages vorgezogen werden 7 , dass die Mehrheit der Studenten (50%) davon ausgeht, dass die Nutzung der Bibliothek in den nächsten drei Jahren (d.h. 2004-2007) gleich bleiben wird und dass Studenten überwiegend über Freunde von Informationsangeboten erfahren (62%), dicht gefolgt von Links (61%) und Lehrern bzw. Professoren (50%) 8 . Die Bibliothek werde hingegen hauptsächlich zum Erledigen von Hausarbeiten, gefolgt vom Computer-, Internet- und Datenbankgebrauch in persona genutzt 9 , wobei das Bewusstsein der Studenten der Angebote der Bibliothek noch zu wünschen übrig lasse; mit der Bibliothek würden in überwältigender Mehrheit Bücher assoziiert 10 .
Außerdem wurde festgestellt, dass die Nutzung der Bibliothek in hohen Maße vom Bildungsgrad der Studenten abhängig ist 11 und dass diese am liebsten auf der Grundlage von „self-service“ arbeiten 12 .
Daraus wurde abgeleitet, dass Bibliotheken sich und ihre Produkte besser vermarkten und ihre brancheninterne und -externe Kooperation mehr ausbauen sollten, branchenintern z.B. zwischen öffentlichen Bibliotheken und Hochschulbibliotheken 13 , branchenextern z.B. mit Schulen (da 50% aller Studenten durch Professoren/Lehrer auf die Bibliothek verwiesen wurden 14 ).
6 vgl. viii
7 vgl. S. „1-4“ ff
8 vgl. S. „1-8“ f
9 vgl. S. „2-2“
10 vgl. S. „3-23“
11 vgl. S. „6-3“
12 vgl. S. „6-2“
13 vgl. S. 1-2
14 vgl. S. „1-9“
5
3. Vergleich der Studien
Die Studien unterscheiden sich formal anhand ihrer Methodik (Expertengespräch und schriftliche Befragung gegenüber der online-Befragung) insofern, als dass die Ergebnisse der schriftlichen Befragung als repräsentativer für die Grundgesamtheit (in diesem Fall: deutsche Studenten) gelten.
Bei der online-Befragung ist es ungleich schwieriger, Aussagen über die Grundgesamtheit (in diesem Fall: alle in den USA, Kanada, Großbritannien, Indien, Australien und Singapur lebende Studenten) zu treffen, weil die Stichprobe hier in Abhängigkeit vom Internetzugang getroffen wird (trifft auf 60% der Bevölkerung aller Länder in diesem Fall - bis auf Indien zu).
Zudem kommt noch hinzu, dass der Stichprobenumfang (2956 teilnehmende Studenten in Deutschland und 396 teilnehmende Studenten in den USA, Kanada, Großbritannien, Indien, Australien und Singapur) im Relation zur Grundgesamtheit (der in den genannten Ländern lebenden Studenten) von erstgenannter Studie ebenfalls besser gewählt einzuschätzen ist.
Eine formale Gemeinsamkeit wäre, dass die Daten beider empirischen Untersuchungen innerhalb eines Monats erhoben worden sind (jeweils April-Mai 2004 bei der Sozialforschungsstelle und Oktober-November 2000 bei OCLC 15 ).
Inhaltlich bestehen bei beiden Studien Gemeinsamkeiten über die Aussagen, die über Studenten getroffen werden: dass sie etwa den Kauf bzw. die Recherche anhand von elektronischer Information überwiegend vernachlässigen würden 16 , zum self-service bzw. zu Autodidaktik mithilfe von Suchmaschinen neigen 17 und auf vernetzte Rechner 18 zurückgreifen. Dabei bestehe aber ein vergleichsweise geringer Bekanntheitsgrad der Angebote an elektronischer Information, die Bibliotheken 19 und Hochschulen 20 zur Verfügung stellen würden.
Weitere inhaltliche Gemeinsamkeiten, die beide Studien feststellen, bestehen in der Nennung der Probleme der Studenten mit unübersichtlichen Angeboten bzw. ihre Präferenz von einfach strukturierten Webinhalten 21 und der Bedeutsamkeit von Empfehlungen durch Lehrer/Professoren bei der Auswahl elektronischer Ressourcen 22 .
Inhaltliche Unterschiede bestehen dagegen besonders in der Zielsetzung der beiden Studien: Während die Studie der Forschungsstelle (im weiteren sfs-Studie genannt) u.a. das Ziel die Informationskompetenz der Studenten und Hochschullehrer zu ermitteln um Potentiale festzustellen und Maßnahmen zu ihrer Verbesserung vorzuschlagen nennt, nennt die OCLC- Studie die Erforschung des „Verhaltens von Studenten bei der Informationssuche, ihrer Vertrautheit mit elektronischen Ressourcen und des Angebotes, das Bibliotheken Studenten zur Verfügung stellen“ 23 als Ziel.
15 vgl. S. 116
16 vgl. S. „3-6“, S. 150
17 vgl. S. „2-10“, S. 135
18 vgl. ix, S. 120
19 vgl. S. „2-3“
20 vgl. S. 115
21 vgl. S. 155
22 vgl. S. „3-11“, S. 139
23 vgl. S. viii
6
Neben der Zielsetzung existieren noch Unterschiede, was die den Fragen zugrunde liegenden Hypothesen der beiden Studien angeht: So geht die sfs-Studie davon aus, dass die Nutzung des elektronischen Angebotes der Hochschulen durch Studenten in Abhängigkeit von ihrem Status als „early adopters“ oder als „laggards“ d.h. früh in den Umgang mit neuen Technologien Eingestiegene und Nachzügler erfolgt. Dies wird u.a. insofern verifiziert, als dass die early adopters häufiger Internetrecherchen mittels Suchmaschine durchführen 24 . Eine weitere These, dass die Nutzung der elektronischen Ressourcen auch vom Geschlecht der Studierenden abhänge, bestätigt sich dagegen nicht.
Hypothesen, die im OCLC-Report, aber nicht in der sfs-Studie untersucht werden, wären z.B. die Abhängigkeit der Nutzung elektronischer Ressourcen vom Alter der Studenten bzw. der Studenten der nächsten Generation, wobei festgestellt wurde, dass diese zwar elektronische Ressourcen in breiterem Umfange nutzen, dabei aber auch kritischer gegenüber den Web-Angeboten von Bibliotheken auftreten 25 . Daneben wurde hier außerdem die Hypothese falsifiziert, dass Schnelligkeit das wichtigste Kriterium bei der Informationssuche sei; vielmehr seien „Informationen, die die Mühe wert seinen“ bzw. „freie“ und „glaubhafte“ Informationen gefragt 26 . Schließlich gibt es noch Unterschiede in der zugrunde liegenden Aufgliederung der Studie: Während bei der sfs-Studie nach den Zielgruppen Dekanate, Studenten und Hochschullehrende unterschiedliche Fragebögen konzipiert worden sind, konzentriert sich der OCLC-Report nur auf die Studenten und nennt als einen Untergliederungsaspekt, der in der sfs-Studie nicht berücksichtigt wird, das „brand“-Image, also die internationale Wahrnehmung der Bibliotheken als Marke 27 .
4. Vorschläge zur Bewertung von empirischen Studien
Da empirische Studien zu großen Anteilen auf der Auswertung statistischen Materials basieren, ist eine gewisse Skepsis, was das Zustandekommen der Statistik angeht, geboten. Dabei ist insbesondere der Auftraggeber der Studie (da von diesem aus auf den der Publikation zugrunde liegenden Zweck geschlossen werden kann) zu achten. So wies eine 2001 auf der ueltje-Homepage 28 (Erdnussbutterfirma) zitierte Studie etwa auf, dass Erdnüsse bei erhöhtem Verzehr Diabetis vorbeugen.
Viele empirische Studien geben zwar den Umfang der Stichprobe, die sie entnehmen, an, aber nicht, in welchem Verhältnis diese zur Grundgesamtheit steht. Das war leider auch in den beiden oben verglichenen Studien der Fall. Diese Information ist aber sehr wichtig um von der Stichprobe auf die Grundgesamtheit zu schließen.
In Abhängigkeit der Form der statistischen Erhebung ist außerdem kritisch einzuschätzen, ob die Antworten der Realität entsprechen. So ist zum Beispiel in der sfs-Studie bei einer konkreten Frage vermutet worden, dass sie aufgrund „sozialer Erwünschtheit“ nicht wahrheitsgemäß beantwortet wurde 29 .
24 vgl. S.142
25 vgl. S. „5-1“
26 S. „3-2“
27 vgl. S. „3-1“ f
28 Ueltje [Elektronische Ressource] Adresse: http://www.ueltje.de
29 vgl. S. 179
7
Bei Multiple-Choice Fragen sind die Optionen in hohen Maße dafür ausschlaggebend, wie das Ergebnis ausfällt. Bei einer Studie zum Konsumentenverhalten im Buchhandel z.B. zu fordern: Geben Sie an, was zutrifft: Ich habe im letzten Jahr 0-1 Bücher gekauft/geschenkt bekommen oder: Ich habe im letzten Jahr 2 oder mehr Bücher gekauft/geschenkt bekommen führt eventuell zu der irrigen Annahme, dass außer Geschenk und Kauf keine anderen Erwerbungsarten für Bücher existieren.
Freie Antworten sind am schwierigsten auszuwerten. Ein Ansatz zu ihrer objektiven Bewertung wird in dem OCLC-Report durch das Zählen der Häufigkeit des Auftretens bestimmter Wörter und der Forderung an den Antwortenden, seinen Kommentar im Vorfeld als negativ oder positiv einzuschätzen vertreten. Die dort auftretende Kategorisierung der Kommentare in Produkte und Angebote, Service, Umgebung, Personal und Zufriedenheit 30 ist allerdings - da sie im Nachfeld der Untersuchung erfolgte - in hohem Maße als subjektiv einzuschätzen.
30 vgl. S. „4-5“
8
Literaturverzeichnis
Studieren mit elektronischen Fachinformationen [Elektronische Ressource] Online-Ressource Adresse: http://www.stefi.de/ Gesehen: 23.02.2011
OCLC [Elektronische Ressource]
Online-Ressource
Adresse: http://www.oclc.org/de/de/reports/perceptionscollege.htm Gesehen: 23.02.2011
ueltje [Elektronische Ressource]
Online-Ressource Adresse: http://www.ueltje.de Gesehen: 05.01.2001
9
Arbeit zitieren:
Friederike Geissler, 2011, Vergleich der empirischen Studien „Nutzung elektronischer wissenschaftlicher Information in der Hochschulausbildung“ der Sozialforschungsstelle Dortmund und der „college students perceptions of libraries and information resources“ von OCLC, München, GRIN Verlag GmbH
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