Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung S.3
2. Das Kind S.4
3. Kind und Glaube S.5
4. Gottesvorstellungen von Kindern und Jugendlichen S.8
4.1 Wie kommt es zu den Vorstellungen im Kindesalter? S.8
4.2 Ver nderungen der bildlichen Vorstellung im Jugendalter S.9
5. Mit Kindern über Gott reden S.11
6. Religionsspezifische Didaktik des 20. Jahrhunderts S.12
6.1 Mit Kindern in der Schule ber Gott sprechen S.12
6.2 Was ist ein Symbol? S.13
6.3 Die Symboldidaktik S.13
6.4 Medien die im Unterricht eingesetzt werden k nnen S.15
6.5 Vorstellung des Films „Der liebe Gott im Schrank“ S.15
6.6 Arbeiten mit dem Film S.16
7. Durchführung der Befragung im Kindergarten S.17
7.1 Beschreibungen der Bilder S.18
8. Auswertung der Bilder S.21
9. Schlusswort S.21
10. Literaturverzeichnis S.23
11. Anhang S.24
2
1. Einleitung
„Gott ist nat•rlich ein Mann“; steht auf einem gemalten Bild eines 5 J€hrigen Jungen aus dem Kindergarten, auf dem ein Mann mit viel zu langen Beinen, kurzen Armen und „Wuschelfrisur“ zu erkennen ist. Geschrieben hat es die Kinderg€rtnerin, weil er selbst noch nicht schreiben kann, aber wie Gott aussieht, das wei… er schon ganz genau oder? Zumindest hat er schon eine Vorstellung von Gott, aber wie kommt er darauf? Das Bild vom „alten Mann mit Bart auf einer Wolke“ ist eine typische Gottesdarstellung vieler Kinder und Jugendlicher. Aber wie kommen die Kinder auf die Idee, Gott m•sste ein Mann sein und lebe auf einer Wolke? Wahrscheinlich sind es Bilder, die die Kinder von ihren Eltern haben, Darstellungen Gottes in Kinderbibeln oder liegt es daran, dass Gott immer als „Vater der Menschen“ beschrieben wird und Kinder deshalb Gott mit einem Mann assoziieren? Aber wie soll ich als Elternteil meinem Kind sp€ter mal erkl€ren, wer Gott ist, wie er aussieht, wo er wohnt oder was er f•r Kleidung tr€gt? „Du wirst doch Religionslehrer oder?“ hat mich mein kleiner Bruder (5 Jahre) gefragt -„ ja“ - „dann wei…t du ja, wie Gott aussieht, wenn du so viel •ber ihn lernst! Erz€hl oder besser male mal Gott!“ Die Frage hat mich in diesem Augenblick ein wenig •berfordert, weil ich nicht genau wusste, was ich antworten sollte. Ich glaube, dass ich nicht der einzige bin, der bei solch einer Frage zuerst ins Gr•beln kommt und versucht, dem Kind eine m‚glichst verst€ndliche Antwort zu geben. Aber welche Antwort ist f•r so ein Kind schon verst€ndlich, wenn es um so ein tief greifendes Thema geht wie Gott. Gerade Kinder, die h€ufig eine bildliche Vorstellung brauchen und wahrscheinlich noch nicht viel mit spirituellen und geistigen Vorstellungen anfangen k‚nnen, geben sich nicht mit jeder Antwort zufrieden. Aber vielleicht ist das schon der richtige Weg, wenn Kinder f•r sich selbst auf die Suche nach Gott gehen. Was man durch falsche Worte anrichten kann, wenn man mit Kindern •ber Gott redet, wird gut an Tilman Mosers Buch „Gottesvergiftung“ nachvollziehbar. Die falsche und angsteinfl‚ssende Vorstellung Gottes veranlasst ihn zu einer regelrechten „Abrechnung mit Gott“. Aus diesem Grund habe ich mich in meiner Hausarbeit mit dem Thema „Gottesvorstellungen von Kindern und Jugendlichen“ besch€ftigt. Ich habe mich mit einigen B•chern auseinandergesetzt und sp€ter in einem katholischen Kindergarten von den Kindern der „B€rengruppe“ Bilder zum Thema „Gott und seine Eigenschaften“ malen lassen.
3
Au…erdem habe ich versucht, die Ergebnisse der Malaktion mit den bestehenden Aussagen verschiedener Studien zu verkn•pfen. Des Weiteren stelle ich noch im sp€teren Verlauf einen Film vor, welcher auch die Thematik der Gottesvorstellung von Kindern aufgreift.
2. Das Kind
Eine Welt ohne Kinder w€re unvorstellbar. Das w€re f•r die gesamte Menschheit ein gro…er Verlust. Wir w•rden nicht nur viel an Freude, sondern auch einen gro…en Teil an Menschlichkeit verlieren.
Wenn man •berlegt, dass der Mensch das am weitesten entwickelte Lebewesen auf unserem Planeten ist, wir aber so hilflos bei unserer Geburt auf die Liebe und die Unterst•tzung unserer Eltern angewiesen sind, so wird deutlich, was f•r ein m•hevoller Weg die Menschwerdung ist. Aber wie lange dauert es, bis wir ein erwachsener „Mensch“ werden? Kann man ein bestimmtes Alter festlegen? In nur neun Monaten wurde die Entwicklung von Millionen von Jahren durchlaufen und nach der Geburt steht das Neugeborene in Mitten der Kultur des 21. Jahrhunderts. Das Kind wird in der heutigen Zeit in einer unglaublichen Geschwindigkeit mit der komplizierten und teils undurchschaubaren Welt unseres Daseins konfrontiert. Dies ist schon mit einem Wunder gleichzusetzen. Ohne die Menschen hat ein Neugeborenes nicht die Chance zu einem Menschen zu werden. Die Eltern machen den Prozess der Menschwerdung mit, ja sie durchlaufen so zu sagen ein zweites Mal ein Leben, weil sie an der Entwicklung beteiligt sind und dies geschehen sehen. Viel zu schnell vergessen die Erwachsenen aber, dass sie auch einmal Kinder waren und k‚nnen sich nicht in diese hineinversetzen. Die meisten haben nur einige wenige Erinnerungen an ihre eigene Kindheit und k‚nnen deshalb nicht mehr f•hlen oder Gedankeng€nge von Kindern nachvollziehen. 1 So f€llt es vielen auch schwer zu glauben, dass Kinder schon etwas mit Gott anfangen k‚nnen. Aber wenn wir uns ein bisschen M•he geben und versuchen uns an unsere Kindheit zu erinnern, dann gibt es sicherlich einen Abschnitt, in dem wir uns schon sehr fr•h mit dem Thema Gott besch€ftigt haben. Sicherlich hei…t dies noch lange nicht, dass wir Gott verstanden, geschweige denn gefunden haben, aber wir haben uns mit diesem Thema in einer anderen Art und Weise, also im Erwachsenenalter, auseinandergesetzt.
1 Vgl. Klink, Kind und Glaube, S.20
4
Viele Erwachsene schauen auf die Kinder mit einer gewissen ‡berlegenheit herab, weil ein Kind noch nicht zum Erwachsenen, vollwertigen Menschen gez€hlt wird. Womit h€ngt dies zusammen? Ist es vielleicht so, dass wir nicht mehr an unsere Erfahrungen, welche wir in unserer schw€chsten, wehrlosesten und abh€ngigsten Periode, n€mlich die unserer Kindheit erinnert werden wollen? Oder hat dies noch einen tieferen Grund? 2 Klink vermutet: „Ein Kind appelliert an unser Gewissen und an unser Verh€ltnis zu Gott.“ 3
Wir Menschen werden als Kinder in die Welt geboren und das hei…t, dass wir Menschen nicht allein unter uns sind, sondern das Kinder dazwischen ist. 4
3. Kind und Glaube
Damit Kinder •berhaupt ein Verh€ltnis zu Gott aufbauen k‚nnen, muss der Aufbau einer Gottesbeziehung f•r die Eltern, die eine religi‚se Erziehung erw€gen, in den ersten Lebensjahren und auch Schuljahren eine zentrale Rolle spielen. Sollen Kinder erzieherisch zum Glauben gef•hrt werden, dann muss dies auf eine Art und Weise geschehen, die das Kind nicht ver€ngstigt, nicht langweilt, nicht •berfordert, es nicht blo…stellt und besonders nicht zwingt. Die Kinder sollen spielend, tanzend, musizierend und singend diese Beziehung zu Gott erleben und sie in Beten, Feiern und Erz€hlen umwandeln d•rfen. Sie sollen auf ihre kindliche Weise, kreativ und unbefangen, die befreiende Botschaft Jesu zum Ausdruck bringen d•rfen: Gott ist gut. Er gibt uns Sicherheit, Kraft und Vertrauen. Kinder sollen in diesen verarbeitenden Ausdruck der Botschaft mit hineingenommen werden. Sie sollen eine eigene, dynamische Gottesbeziehung aufbauen k‚nnen. 5
Fritz Oser stellt hierfür zwei Thesen auf:
1. Der Aufbau der Gottesbeziehung ist die Ur- Initiation in den christlichen Glauben. Die Grundlegung der religiösen Erziehung hat keine andere Aufgabe als diese.
Wie zu Beginn schon erw€hnt, muss f•r die Eltern die religi‚se Erziehung die zentrale Aufgabe sein. Um dies zu gew€hrleisten, formuliert Oser acht Ziele. Diese
2 Vgl. Klink, Kind und Glaube, S.21
3 Klink, Kind und Glaube, S.21
4 Vgl. Klink, Kind und Glaube, S.21
5 Vgl. Oser, Die Entstehung Gottes im Kinde
5
Ziele sind jedoch sehr allgemein gefasst und au…erdem erwachsenenorientiert, d.h. von einer reifen Person her gesehen, die dynamisch im Leben zu stehen glaubt. Sie m•ssen au…erdem vom Ende der Entwicklung her gesehen werden.
Ziele:
1. Das Kind soll lernen, glaubend diesem Gott alles zuzutrauen, dass Sch‚ne auf
das wir hinleben, aber auch das Letzte, die ‡berwindung des Todes
2. Es soll von Jesus offenbarten Vater der „ verlorenen “ Menschen erfahren, den
Gott der F•rsorge, der mit dem Menschen ist, auch im Leid und in der Schuld, und der ihm die Kraft gibt, f•r Gerechtigkeit einzustehen.
3. Es soll den menschenfreundlichen (nicht den strafenden, ver•belnden,
d€monischen, launischen, nachtragenden) Gott kennen lernen, der ihm in allen Situationen einen Ursinn zu finden erm‚glicht.
4. Es soll die m•tterlichen Eigenschaften erfahren.
5. Es soll den Gott „sehen“ lernen, der in jeder Situation Friede und Erl‚sung
schenkt.
6. Es soll den Gott erleben, der Partnerschaft und Bund mit jedem Menschen
eingeht und die von ihm immer schon getragene Sch‚pfung mit ihm fortsetzt.
7. Es soll den Gott kennen lernen, der in seiner Existenz absolut ist und in einem letzten Sinn betroffen macht. 6
8. Es soll sehen, dass Gott in jedem allt€glichen Erleben und Tun aufscheint
(Epiphanie Gottes im Leben).
Die Ziele scheinen unerreichbar zu sein, sagen aber etwas •ber den christlichen Glauben an sich aus. Glauben soll kein Wissen, sondern eine stets neu zu
6 Vgl. Oser, Die Entstehung Gottes im Kinde
6
erwerbende Grundhaltung sein. Niemand hat den Glauben, er entsteht in jeder Lebensphase neu.
2. In der religi€sen Erziehung m•ssen f•r das Kind optimale Bedingungen der M€glichkeiten bereitstehen, damit es seine Gottesbeziehung aufbauen kann
Erzieher d•rfen sich nicht der Utopie hingeben, die Gottesbeziehung k‚nne durch blo…e inhaltliche Vermittlung, durch direkte Beeinflussung oder den R•ckzug auf das Erz€hlen aufgebaut werden. Glaube kann nicht vermittelt werden. Vielmehr m•ssen katechetisch T€tige materielle und geistige Bedingungen schaffen, inhaltliche Anregungen und Handlungsentw•rfe bereitstellen, welche religi‚se Erfahrungen im Sinne der Gottesbeziehung nicht erzwingen, aber erm‚glichen k‚nnen.
Die religi‚se Unterrichtssituation soll ein Ort - Zeit - Geschehen darstellen, in dem an Ort und Stelle 7 …
1…“erm€glichte Erfahrungen religi€s erschlossen, 2…erm€glichte Erlebnisse religi€s verarbeitet, 3…geb•ndelte Informationen modelliert,
4…aufgeworfene Probleme mit dem Unverf•gbaren (Kontingenz) religi€s reflektiert werden.“ 8
7 Vgl. Oser, Die Enzstehung Gottes im Kinde
8 Oser, Die Entstehung Gottes im Kinde
7
4. Gottesvorstellungen von Kindern und Jugendlichen
Im folgenden Abschnitt m‚chte ich die Thematik Gottesvorstellungen von Kindern und Jugendlichen darlegen, indem die Entstehung sowie die Entwicklung der Gottesbilder erkl€rt werden.
4.1 Wie kommt es zu den Vorstellungen im Kindesalter?
Es gibt bei vielen Kindern und Jugendlichen eine sinnbildliche Vorstellung von Gott. Kinder stellen sich Gott h€ufig als alten Mann mit wei…em Bart vor, der auf einer Wolke, auf seinem Thron sitzt und vom Himmel aus auf die Menschen acht gibt. 9 Dieses Gottesbild erweist sich beim ‰lterwerden jedoch als unhaltbar und f•hrt oftmals zu einem Abwenden vom christlichen Glauben.
Aber woher kommt diese Vorstellung von Gott als eine m€nnlich personale Gestalt? Sind die Bilder in den Kirchen, die von den Kindern w€hrend des Gottesdienstes entdeckt und genauestens betrachtet werden, der Grund daf•r oder liegt es an den Eltern, die dieses Gottesbild von Generation zu Generation weitergegeben haben? Die Vorstellungen vom alten Mann mit Bart erinnert so ein bisschen an die Vision des Propheten Daniel (7,9-14): „ Ich schaute: da wurden Throne aufgestellt, und ein Hochbetagter setzte sich nieder. Sein Gewand war wei… wie Schnee, und das Haar seines Hauptes rein wie Wolle; sein Thron war lodernde Flamme… und tausendmal Tausende dienten ihm.“
Erst ca. 1000 n. Chr. ist ein Bild Gottes in der christlichen Kirche anzufinden. Es stammt aus der byzantinischen Kunst und zeigt eine Abbildung Gottes. Bis dahin wurde wahrscheinlich aus Ehrfurcht, und nicht zuletzt auch aufgrund des zweiten der zehn Gebote (Exodus 20, 4-5) „ Du sollst dir kein Gottesbild machen, keinerlei Abbild, weder dessen, was oben im Himmel, noch dessen, was unten auf Erden, noch dessen, was in den Wassern unter der Erde ist; du sollst sie nicht anbeten und ihnen dienen…“, nur H€nde, die aus einer Wolke kommen oder Gottesworte, die aus einer Wolke hervorkommen, gemalt. Ein typisches Merkmal des Alten Testamentes ist jedoch, dass sehr bildhaft und menschlich •ber Gott gesprochen wird. „Was man sich in der Sprache erlaubt, braucht doch f•r den Pinsel nicht verboten zu sein.“
9 Vgl. Sandt, Religiosit€t von Jugendlichen in der multikulturellen Gesellschaft, S.107
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Arbeit zitieren:
StR. Marcel Lange, 2011, Gottesvorstellungen im Kindesalter, München, GRIN Verlag GmbH
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