In weiterer Folge spricht er dann von einem fünfdimensionalen Universum, in dem er zwischen dem multifunktionalen Charakter der Zeit (Bsp.: kommunikatives Symbol, Orientierungsmittel) und der Zeit als eine Dimension des natürlichen Universums differenziert. Die ersten drei Dimensionen werden durch den Raum begrenzt, die vierte Dimension beinhaltet Ereignisse, die im Strom des Nacheinander, also in Zeit und Raum wahrgenommen werden können, ohne daß die Wahrnehmenden den symbolischen Charakter von Raum und Zeit in Betracht ziehen. Dies entspricht der Zeit als eine Dimension des natürlichen Universums. In der fünften Dimension rücken Menschen, die das Geschehen in Zeit und Raum wahrnehmen und verarbeiten, ins Blickfeld der Beobachter. Man sieht sich quasi selbst als Beobachter des vierdimensionalen Geschehens und somit auch den Symbolcharakter der vier Dimensionen (Raum und Zeit) als Orientierungsmittel von Menschen.
Abgesehen davon, daß dies wie eine Anleitung eines Scientologen anmutet, um zum höchsten Punkt, dem
Mein Anliegen ist es nicht, die Philosophie Kants darzulegen, sondern bloß auf seine Aussagen über die Zeit näher einzugehen, um erstens klarzustellen, daß die beiden entgegengesetzten Erkenntnistheorien wie sie Elias kurz skizziert hat, durch Kant sowieso schon gelöst oder vereint worden sind (und nicht durch Elias‘ Theorie des menschlichen Wissens), um zweitens Kants Zeitbegriff darzulegen und um drittens die abstruse Ansicht eines fünfdimensionalen Universums, wie sie von Elias beschrieben wurde, zu widerlegen.
Durch die Lektüre des Empiristen Humes wurde Kant damals aus seinem dogmatischen Schlummer geweckt. Er sah ein, daß sowohl der Rationalismus als auch der Empirismus gerechtfertigt waren. Vernunft allein konnte nicht zu Erkenntnis führen, und Erfahrung allein auch nicht. Sodann begann er die beiden entgegengesetzten Strebungen miteinander zu kombinieren.
Nach Kant können Zugleich und Aufeinanderfolge nicht wahrgenommen werden, wenn die Vorstellung der Zeit nicht schon gegeben wäre. Das heißt, die Zeit ist eine notwendige Vorstellung, die allen Anschauungen zugrunde liegt. Sie ist a priori, in ihr allein ist alle Wirklichkeit der Erscheinungen möglich. Sie ist also die Bedingung der Möglichkeit der (aller) Erscheinungen. Sie ist die subjektive Bedingung, unter der
alle
Anschauungen in uns stattfinden können. Anzumerken ist hier, daß Kant zwischen noumenon (Ding an sich) und phaenomenon (Erscheinung) unterscheidet. Insofern zeigt sich die Zeit als
Weiters folgert Kant, daß sich auf die Notwendigkeit a priori die Möglichkeit apodiktischer Grundsätze über die Zeitverhältnisse, das heißt die Möglichkeit von Zeitaxiomen gründet. Insofern ist sie eine
reine
Form sinnlicher Anschauung. Verschiedene Zeiten sind nur Teile der einen einheitlichen Zeit. Die Unendlichkeit der Zeit bedeutet nur, daß alle bestimmten Zeitgrößen (Bsp.: Zeitintervalle, Zeitdauern) nur als Teile der einen Zeit möglich sind. Daher kann Zeit nicht ursprünglich bloßer Begriff sein (ein solcher hätte nur endlich viele Teilbegriffe), also liegt der Zeitvorstellung eine unmittelbare Anschauung zu Grunde. Die Vorstellung der Zeit selbst ist also Anschauung, nämlich in Form einer Linie. Die Zeit stellt sich hier also als
„Die Künstlichkeit dieser gemeinsamen Grundannahmen von diametral entgegengesetzten Erkenntnistheorien herkömmlicher Art und die Sterilität der endlosen Debatten zwischen deren Vertretern...“ (Elias) ist von Kant schon längst zerschlagen worden. Es ist für Kant „nicht besonders schwer, die Blockade zu beseitigen, die unserem Denken durch die begriffliche Polarität
Und so verhält es sich auch mit der Zeit. Nach Kant ist die Zeit nur hinsichtlich der Erscheinungen von objektiver Gültigkeit, nicht hinsichtlich der Dinge an sich selbst. Sie ist daher empirisch real, das heißt objektiv gültig in Ansehung aller Sinnesgegenstände (Bsp.: Gesellschaft, Natur).
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Arbeit zitieren:
Mag. Marc Hollenstein, 2001, NORBERT ELIAS und IMMANUEL KANT - über die Zeit, München, GRIN Verlag GmbH
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