Inhalt:
1. Einleitung S.3
2. Historischer Kontext S.3
3. Die Entstehung von Wissen S.5
3.1 Urideen und Gestaltsehen S.5
3.2 Über den Denkstil und das Denkkollektiv S.6
3.3 esoterische und exoterische Kreise S.8
4. Die soziale Bedingtheit von Wissen S.9
5. „Vergleichende Erkenntnistheorie“ und
„Kritische Theorie“ S.10
6. Literaturverzeichnis S.12
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1. Einleitung
„Propaganda, Nachahmung, Konkurrenz, Solidarität, Feindschaft und Freundschaft. Alle diese Motive gewinnen erkenntnistheoretische Wichtigkeit“ 1 . Mit solchen für die damalige Zeit schockierenden Aussagen leitet Ludwik Fleck seine wissenschaftstheoretischen Reflexionen über den „Denkstil“ und das „Denkkollektiv“ ein, wobei zu betonen ist, das er als erster Denker dieser Tradition die soziale Bedingtheit allen Wissens so gründlich zu seinem Leitsatz gemacht hat. Wie genau eine wissenschaftliche Tatsache entsteht, und wie sie sich nach Fleck entwickelt, soll Gegenstand dieser Arbeit sein, deren zweiter Fokus auf den epistemologischen Gedanken in Max Horkheimers berühmten Aufsatz „Traditionelle und Kritische Theorie“ liegt, die im Verlauf der Arbeit mit den Gedanken Flecks verglichen und kontrastiert werden sollen.
2. historischer Kontext
Horkheimer, wie auch Fleck betonen die Historizität der Denksysteme. Eine Arbeit, die sich kritisch mit ihnen auseinandersetzt, sollte den Anspruch erheben, ihre epistemologischen Gedanken selbst in ihrem jeweiligen historischen Kontext zu verstehen. Flecks Hauptwerk „Die Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache“ erscheint 1935, Max Horkheimers „Traditionelle und kritische Theorie“ erscheint im Jahre 1937. Die beiden Arbeiten müssen also unter ihrem gemeinsamen Zeithorizont betrachtet werden, der wahrscheinlich ein wichtiger Grund ist, dass sich ihre Theorien in so vielen Punkten gleichen. Die soziale Bedingtheit von Wissen war damals ein Topos, der in der Epistemologie nur unzureichend thematisiert war, die noch stark unter dem Einfluss der logischen Empiristen um Schlick, Carnap und Neurath des Wiener Kreises stand. Schon 1929 hatte Fleck in seinem Aufsatz „Zur Krise der Wirklichkeit“ 2 die Grundgedanken seiner Theorie dargelegt, und auch in seinem späteren Buch finden sich dezidierte Verweise gegen die Philosophie des Wiener Kreises. So leugnet Fleck die Existenz von „Protokollsätzen“ und betont, Carnap sei zu wünschen „er möge die soziale Bedingtheit des Denkens endlich entdecken“ 3 . Besonders Flecks ständiger Erfolgsdruck als
1 Ludwik Fleck Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache, Suhrkamp Verlag
Frankfurt/Main 1980, S. 59.
2 Ludwik Fleck Erfahrung und Tatsache. Gesammelte Aufsätze, Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main 1983.
3 Ludwik Fleck Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache, Suhrkamp Verlag
Frankfurt/Main 1980, S. 121.
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Mediziner, der ein ständiges Abgleichen der Theorie mit Empirie notwendig machte, hat wohl den Tatsachenbegriff der Logischen Empiristen für ihn wanken lassen. Es ist für die weiteren Betrachtungen stets wichtig, Flecks Medizinerperspektive im Blick zu haben. Er abstrahiert zwar seine Aussagen auf das gesamte Spektrum der wissenschaftlichen Tatsachen, aber nicht zufällig untermauert er seine Thesen stets mit einem medizinischen Beispiel. Medizinische Tatsachen haben die Besonderheit Abnormitäten, Pathologien zu beschreiben, anstatt unwandelbare grundlegende Zustände zu beschreiben, wie etwa die Physik. Außerdem ist rasche Entwicklung in der Medizin durch den permanenten Wandel der Krankheitsbilder, Virenkulturen etc. vorprogrammiert, was den dynamischen Tatsachenbegriff Flecks sicher zusätzlich beeinflusst hat.
Horkheimer auf der anderen Seite ist selbst kein Naturwissenschaftler und einschlägiger Epistemologe, wie Fleck, sondern nähert sich der Wissenschaftstheorie aus stärker philosophischer, und sozialwissenschaftlicher Perspektive. Dennoch bezieht er sich in „Traditionelle und kritische Theorie“ auf Henri Poincaré, Ernst Mach und an anderer Stelle auf Du-Bois Reymonds „Ignorabimus“-Rede, was seine Kenntnis der epistemologischen Literatur beweist. Kritik am Positivismus des Wiener Kreises artikuliert er in der Emigration ausdrücklich 1943 in der „Dialektik der Aufklärung“, die die Wissensvorstellung des Wiener Kreises als „instrumentelle Vernunft“ in den Zusammenhang mit dem Faschismus bringt. Unter diesem hatte auch Fleck zu leiden, der als Jude in Auschwitz interniert war und bis auf Frau und Kind sämtliche Familienangehörigen im Krieg verlor.
3. Die Entstehung des Wissens
3.1 Urideen und Gestaltsehen
Fleck diagnostiziert der modernen Wissenschaft eine „gemeinsame Verehrung eines Ideals, des Ideals objektiver Wahrheit“ 4 , wie auch Horkheimer „als Ziel der Theorie überhaupt“ das „universale System der Wissenschaft“ 5 nennt, die objektiv und zeitlos gültige Wahrheit zu produzieren meint.
4 ebd.S.187.
5 Max Horkheimer Traditionelle und kritische Theorie Fischer Verlag Frankfurt/Main 2005, S.205.
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Arbeit zitieren:
Alexander Skrzipczyk, 2011, Die soziale Bedingtheit von Wissen – Ludwik Fleck und Max Horkheimer , München, GRIN Verlag GmbH
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