Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Hospitation in der Klinik Hohe Mark
Reflexion an Hand des Textes „Wir verstehen die Geschichte der Moderne
nur mit den Behinderten vollständig“ von Klaus Dörner 3
Anwendung des Normalisierungsprinzips von B. Nirje/B. Perrin 5
3. Die Nikolauspflege und die Empfehlungen zur
sonderp ädagogischen Förderung 7
4. Vergleich der Lebenshilfe Heidenheim mit dem „FIB“ unter
den Aspekten des Normalisierungsprinzips 10
5. Resümee 12
6. Veränderungen in meinem eigenen Bild von behinderten Menschen 13
Literaturverzeichnis 14
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1. Einleitung
Integration wird heute immer bedeutender, da die Zahl an ausländischen Mitbürgern stetig ansteigt, und auch die Anzahl der immer älter werdenden Menschen weiter zunimmt. Auch im Sinne behinderter Menschen gewinnt Integration immer weiter an Bedeutung. Unter ihr versteht man die Einbeziehung und Eingliederung bestimmter Menschengruppen in ein größeres Ganzes, hier entsprechend die Gesellschaft (vgl. DUDEN, 2005: S. 465). Integration ist ein langsamer Prozess innerhalb des deutschen Sozialstaatsprinzips.
In dieser Arbeit beschäftige ich mich mit der Lebenssituation von Menschen mit Beeinträchtigungen im Spannungsfeld von Aussonderung und Integration. Hierzu werde ich die von mir im Rahmen des Studiums besuchten Einrichtungen einbeziehen und die Erfahrungen an Texten aus der Lehrveranstaltung reflektieren. Alle Institutionen der Behindertenhilfe verstehen Integration unterschiedlich. Dementsprechend setzen sie diese auf ihre Weise um. Auf Grund der vielfältigen Organi-sationsformen, habe ich mich auf solche beschränkt, die allgemein bekannt sind und im ständigen Interesse der Öffentlichkeit stehen. Demnach habe ich eine Psychiatrie (Klinik Hohe Mark), eine Sonderschule (Königin Olga-Schule), die Lebenshilfe Heidenheim und ein relativ neues Konzept vom Verein zur Förderung der Integration Behinderter e.V. (FIB) kennen gelernt. Um die Erfahrungen sichtbar zu machen, bediene ich mich verschiedener Texte. Ich beginne hierbei mit dem auf die Vergangenheit bezogenen Aufsatz „Wir verstehen die Geschichte der Moderne nur mit den Behinderten vollständig“. Gehe weiterführend auf den Text zum Beschluss der Kultusministerkonferenz von 1994 „Die Empfehlungen zur sonderpädagogischen Förderung“ ein und zeige auf warum die Sonderschulen fähig sind diese Richtlinien zu befolgen und weshalb Regelschulen damit Schwierigkeiten haben. Um dies zu veranschaulichen, ziehe ich den Text „Zur bildungspolitischen Dimension der Integration“ hinzu. Ob die von mir besuchten Institutionen schlussendlich fähig sind „Normalität“ zu schaffen, wird sich anhand des Normalisierungsprinzips zeigen. Anschließend gehe ich kurz auf das Menschenbild im Sinne des Behinderungsbegriffes ein, indem ich einige Aspekte des Textes „Die Behinderung liegt im Auge des Betrachters“ von Lindemann/Vossler schildere. Schlussendlich schließe ich mit der Erörterung der zweiten Fragestellung, inwiefern sich bei mir selbst etwas im Bild von behinderten Menschen verändert hat ab.
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„Wir verstehen die Geschichte der Moderne nur mit den Behinderten vollständig“ von Klaus Dörner
Erbaut wurde die Klinik „Hohe Mark“ im Jahre 1904 in Oberursel, anfangs allein für den Hochadel, um dem Menschen Genesung zu bringen und ihn zu lehren wie man gesund bleibt (vgl. Klinik Hohe Mark, 2004: S. 19). 1933 wurde die leer stehende Kuranstalt vom heutigen Träger, der Deutschen Gesellschaft Diakonieverband Marburg e.V. erworben (vgl. Klinik Hohe Mark, 2004: S. 21). Die Diakonissen prägten die Klinik mit der Vorstellung einer seelsorgerlichen Begleitung von psychisch kranken Menschen (vgl. Klinik Hohe Mark, 2004: S. 14). Im zweiten Weltkrieg wurde die Kuranstalt zum Reservelazarett umgestaltet. Somit wurde verhindert, dass die Hohe Mark in das später von den Nationalsozialisten einsetzende Euthanasieprogramm psychisch Kranker einbezogen wurde. Es gelang der Klinikleitung durchzusetzen „Zivilkranke“ zunächst in kleiner, später auch in größerer Anzahl weiter be-handeln zu dürfen (vgl. Klinik Hohe Mark, 2004: S. 22). Die gute Beziehung zu der Besatzungsmacht USA machte es möglich 400 Patienten mit Nahrungsmitteln zu versorgen (vgl. Klinik Hohe Mark, 2004: S. 22). Ab 1971 entstanden verschiedene Therapiemöglichkeiten, wie beispielsweise die Beschäftigungs-, Gestaltungs- oder Arbeitstherapie, mit zunächst internen und später auch externen Arbeitsplätzen in den Betrieben von Oberursel. Diese Therapie machte es den Patienten leichter, schon während ihres Klinikaufenthaltes, sich auf die Anforderungen des Arbeitslebens einzustellen (vgl. Klinik Hohe Mark, 2004: S. 26). Außerdem machte die heute so genannte „Belastungserprobung“, durch gezielte Wochenendbeurlaubungen, den Patienten die vorhandenen Konfliktfelder zu Hause wieder erlebbar (vgl. Klinik Hohe Mark, 2004: S. 26). Seit 1980 organisiert die Klinik jährlich Tage der offenen Tür und Führungen nach dem Sonntagsgottesdienst, um Öffentlichkeitsarbeit zu leisten (vgl. Klinik Hohe Mark, 2004: S. 26).
Ein besonderes Augenmerk ist hierbei auf die bereits angesprochene Problematik der Arbeit mit psychisch Kranken im Zeitalter der Industrialisierung zu richten. Dieses hat die Klinik Hohe Mark auf andere Weise geprägt als zu dieser Zeit typisch. Klaus Dörner erklärt mit Bezug auf Kocke, dass durch die Industrialisierung, Aufklärung und den Kapitalismus die Arbeit, Leistung und der Respekt gegenüber Bildung und Wissenschaft hochgeschätzt wurde (vgl. Dörner, 1994: S. 369). Dieser Prozess
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führte nach Dörner zum sozialen Urknall, was soviel bedeutete, wie dass die Hausgesellschaft in drei unterschiedliche Segmente zerbrach (vgl. Dörner, 1994: S. 371): Leben, Wohnen und Arbeiten war in ein und derselben Hausgesellschaft nicht mehr möglich. Es entstand das Wirtschafts- oder Produktionssystem, das Sozialsystem und die Kleinfamilie (vgl. Dörner, 1994: S. 372 f.). Da die Schwächeren nicht annähernd so produktiv sein konnten, wollte man diese aussondern. Um sie nicht sich selbst zu überlassen, gründete man Irrenanstalten, Anstalten für geistig Behinderte, Krüppelheime, Gefängnisse, Kindergärten, Alten- und Pflegeheime (vgl. Dörner, 1994: S. 374). Ende des 19. Jahrhunderts wurden Behinderte oder anders Benachteiligte vollständig aus der Gesellschaft ausgegrenzt, mit indem sie als „Minderwertige“ oder „Untermenschen“ bezeichnet wurden (vgl. Dörner, 1994: S. 379). Zu dieser Zeit wurde die Klinik Hohe Mark eröffnet. Behinderte Menschen wurden innerhalb des Gesellschaftsgefüges als „Ballastexistenzen“ (Dörner, 1994: S. 380) gesehen und die Mehrheit der Menschen glaubte, man tue ihnen mit dem Gnadentod etwas gutes (vgl. Dörner, 1994: S. 380). Das eigentliche Anliegen der Gesellschaft war aber ein anderes. Dahinter stand die Idee eine glückliche, gesündere und sozialere Gesellschaft zu schaffen, indem man die „defekten Untermenschen“ beseitigt (vgl. Dörner, 1994: S. 381). Selbiger Denkprozess führte letztendlich zum Versuch der „Endlösung“ der Sozialen Frage. Die Nationalsozialisten fügten nur noch die radikale Umsetzung hinzu, um die „Leistungs- und Glücksmaximierung“ zu erlangen (vgl. Dörner, 1994: S. 383). Die Klinik Hohe Mark konnte dieses Ausmaß an Zerstörung von Menschenleben innerhalb der eigenen Einrichtung verhindern. Ihr Leitbild war ein anderes als nur die bloße Verwahrung.
Da es sich bei der Klinik Hohe Mark um eine konfessionelle Klinik handelt, stellt die Seelsorge einen wichtigen Aspekt dar. Sie sieht das Leben allein in Gottes Hand liegen, weswegen auch kein Leben von den Menschen als lebensunwert bezeichnet werden kann (vgl. Klinik Hohe Mark, 2004: S. 6). Dem liegt ein gänzlich anderes Menschenbild als das der Nationalsozialisten zu Grunde.
Durch die ganzheitliche Behandlung und die Wertschätzung der Patientinnen und Patienten versucht die Klinik einen wichtigen Beitrag zu leisten, um der immer noch vorhandenen Stigmatisierung psychisch kranker Menschen entgegenzutreten. (vgl. Klinik Hohe Mark, 2004: S. 12).
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Arbeit zitieren:
Master of Arts in Inclusive Education Inna Doms, 2006, Reflexion der Lebenssituation von Menschen mit Beeinträchtigungen im Spannungsfeld von Aussonderung und Integration anhand von Beispielen aus den Hospitationen, München, GRIN Verlag GmbH
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