Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Zentrale Aussagen des Textes 2
Vorgehensweise und Argumentation 2
Unterschiede und Gemeinsamkeiten 3
Rahmenbedingungen der individuellen Selbstbestimmung 3
Grenzen 4
Selbstbestimmung als Handlung 4
Freiheitsbegriff 5
Adressaten 6
Subjektivit ät 6
Kritik und Appelle 7
3. Bezüge zum Modul „Ethik in der integrativen Heilpädagogik“ 8
Anthropologie und ethische Fragestellungen 8
Subjektivit ät und Dialog 9
Heilp ädagogische Professionalität zwischen Fremd- und
Selbstbestimmung 10
Aktuelle (bio)ethische Fragestellungen 12
4. Eigene Stellungnahme zur Thematik Selbstbestimmung 12
Literaturverzeichnis 14
1
1. Einleitung
Aufgrund der Vielfältigkeit von Menschenbildern stellt sich die existentielle Frage, ab wann ein Mensch als Mensch gilt und ab wann dieses Menschenleben auch Würde besitzt. Dazu bedarf es zunächst der Fragestellung, in wie weit ein Mensch der nicht fähig ist selbstbestimmt zu leben, ein Recht auf Teilhabe an der Gesellschaft hat. Nicht nur das, sondern vielmehr die Autonomie an sich spielen in dem Vergleich des Bioethik-Diskurses mit dem der Geistigbehindertenpädagogik eine wichtige Rolle. Im Folgenden will ich versuchen die zentralen Aussagen des Textes „Diskursives Ereignis „Selbstbestimmung“: Behindertenpädagogische und bioethische Konstruktionen im Vergleich“ von Anne Waldschmidt zu beschreiben und die Art und Weise der Argumentation anschaulich zu machen. Des Weiteren werde ich Bezüge zu Inhalten des Moduls „Ethik in der integrativen Heilpädagogik“ und dem Text versuchen herzustellen. Abschließend werde ich eine eigene Stellungnahme zur Thematik der Selbstbestimmung entwickeln und diese fachlich begründen.
2. Zentrale Aussagen des Textes 2.1 Vorgehensweise und Argumentation
Bereits in der Einleitung ihres Textes macht Anne Waldschmidt verständlich, wie ihre Ausarbeitung aufgebaut ist. Sie vergleicht in ihrem Werk zwei Diskurse; den der Bioethik mit dem der Geistigbehindertenpädagogik (vgl. S. 140). Für ihre Analyse bezieht sie sich auf andere Texte, die von elf Fachvertretern der Geistigbehindertenpädagogik von 1985 - 1996 entwickelt wurden. Außerdem lässt sie acht deutschsprachige Quellen des Bioethik-Diskurses von 1976 - 1995 (vgl. S. 140) einfließen. Anne Waldschmidt arbeitet mit einem Kategorienschema, das sich in sechs Aspekte unterteilen lässt: Zuerst werden Rahmenbedingungen der individuellen Selbstbestimmung bei beiden Diskursen überprüft. Anschließend beschreibt sie die Grenzen der Autonomiebestrebungen und geht auf die Kernhandlungen der Diskurse ein. Fortführend betrachtet sie den Freiheitsbegriff, beschaut sie die in Frage kommenden Adressaten und ermittelt in wie weit diese autonomiefähig sind. Um dies verständlich zu machen wirft sie letztlich einen Blick auf die jeweilige Vorstellung eines Subjekts und des Menschseins. Anne Waldschmidt geht von vier Autonomiekonstruktionen aus, die sich durch den ganzen Text ziehen: Selbstbeherrschung, Selbstinstrumentalisierung, Selbstthematisierung und Selbstgestaltung (vgl. S. 140). Sie beurteilt die Positionen der beiden Diskurse sehr sachlich und formuliert bereits in den Teilüberschriften wichtige Fragen, die zu klären sind. Diese bleiben jedoch ab und an unbeantwortet. Beispielsweise die Frage: Was ist der Mensch? (vgl. S. 157). In ihrem Vergleich betrachtet sie stets zuerst die Bioethik, die oft zu kurz ausfällt, und anschließend die Behindertenpädagogik, die sie ausführlicher zu behandeln vermag. Mit dies deutet darauf hin, dass Anne
2
Waldschmidt selbst die Position der Geistigbehindertenpädagogik vertritt. Diesem Diskurs erteilt sie abschließend auch mehr Lösungsansätze und verurteilt die Bioethik als Angriff auf die Menschenwürde (vgl. S.160). 2.2 Unterschiede und Gemeinsamkeiten 2.2.1 Rahmenbedingungen der individuellen Selbstbestimmung
Waldschmidt schreibt von der Selbstbestimmung als heute wichtigem „Schlüsselbegriff“ (vgl. S. 138) für viele Gruppen der Behindertenhilfe, wie der Lebenshilfe und People First. Der Selbstbestimmungsgedanke gilt als ambivalent und offen für unterschiedliche Inhalte (vgl. S.139). Sie stellt die Selbstbestimmung mit einer Konstruktion, einem Denkmodell gleich, das variabel und veränderbar scheint und auf die Historik verweist (vgl. S. 139). Die praktizierte Selbstbestimmung ist nach Waldschmidt abhängig von der Gesellschaft und der Institution (vgl. S. 139). Mit dieser Aussage weist sie auf die Rahmenbedingungen hin, die deutliche Unterschiede in beiden Diskursen ausmachen. Nach ihrer Ansicht weist die Bioethik nicht auf die Rahmenbedingungen hin. Eine Ausnahme stellt Harris Aussage dar, der von authentischen Entscheidungen spricht, die nicht beeinflusst von der Außenwelt getroffen werden sollen (vgl. S. 141). Sie zitiert Harris, der davon überzeugt ist, dass die Selbstbestimmung durch vier Typen von Mängeln eingeschränkt wird. Diese betreffen die Kontrolle der Person über ihre Wünsche und Handlungen, ihre praktischen Überlegungen, die Bewertung der Informationen, die ihr bei der Entscheidung zur Verfügung stehen und die Stabilität ihrer Wünsche (vgl. S. 142). Dies hat zur Folge, dass die Person weder zwischenmenschliche Beziehungen noch materielle Mittel, sondern nur Informationen benötigt um selbstbestimmt entscheiden zu können (vgl. S. 142).
Auf der Seite der Behindertenpädagogik wird, so Waldschmidt, viel Wert auf die Rahmenbedingungen gelegt. Hier wird Selbstbestimmung kontextualisiert und als relationales Konzept gesehen (vgl. S. 142). Die Autonomie hängt folglich vom Verhalten und Interesse der sozialen Umwelt ab (vgl. S. 142). Als soziale Kategorie müsse Selbstbestimmung von einer unauflösbaren Du-Bezogenheit ausgehen, so auch Buber: „Der Mensch wird am Du zum Ich“ (vgl. S. 143). Die konkreten Rahmenbedingungen wären nach Waldschmidt Wahlmöglichkeiten und Handlungsräume (vgl. S. 143). Sie spricht eingehend von externen Bedingungen, für diese sie Niehoff als Beispiel anführt, der selbst Empowerment fordert, um Rahmenbedingungen zu schaffen zum Austausch, zur gegenseitigen Beratung und zur Interessenvertretung von Minderbemittelten-Gruppen (vgl. S. 143). Anhand von Theunissen/Plaute befürwortet Waldschmidt hingegen ein bedürfnis- und bedarfsgerechtes Netzwerk rehabilitativer Systeme, die die Autonomie sichern sollen (vgl. S. 143). Des Weiteren erörtert sie die internen Rahmenbedingungen und bezieht sich auf autonomieförderliche Beziehungsstrukturen. Auf Rock Bezug nehmend soll die Machtstellung der Professionellen gegenüber behinderten Menschen
3
aufgehoben werden und den Behinderten mehr Einfluss ermöglicht werden (vgl. S. 144). Weitergehend spricht sie die Assistenz an, die zunehmend an Bedeutung gewinnt (vgl. S. 144). Die Aufgabe der Professionellen sollte sein, die Betroffenen zu motivieren und Hilfe zu vermitteln um zur Selbsthilfe zu gelangen (vgl. S. 144). Im Zwischenergebnis zeigt sie zusammenfassend den individualistischen Ansatz in der Bioethik auf, der sich vom Kontextualisierten der Geistigbehindertenpädagogik unterscheidet. 2.2.2 Grenzen
Grenzen lassen sich unterteilen in notwendige und vermeidbare Grenzen, die in beiden Diskursen angesprochen werden. Jedoch gibt es auch in diesem Bereich Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Die negativ formulierte Aussage Harris´, es existiere keine vollkommene Selbstbestimmung (vgl. S. 145) zeigt, dass die autonome Entscheidung des Menschen immer von anderen Faktoren abhängt. Genauso schränken Abhängigkeit, Fürsorge und Paternalismus die Selbstbestimmung ein (vgl. S. 145). Allerdings werden auch notwendige Begrenzungen erwähnt, wie beispielsweise die der Gefahr von Fremd- oder Selbstschädigung (vgl. S. 145).
Im Gegensatz dazu werden die Grenzen der Selbstbestimmung in der Geistigbehindertenpädagogik ausführlich behandelt. Hier wird von der Relativität der Autonomie gesprochen. Als Notwendigkeit werden soziale Abhängigkeitsverhältnisse gesehen, die die Autonomie einschränken (vgl. S. 146). Auch hier hebt Waldschmidt die sozialen Bezugssysteme hervor, nach denen wir nicht absolut frei entscheiden können (vgl. S. 146). Wie in der Bioethik wird die notwendige Grenze der Selbstbestimmung bei Fremd- oder Selbstschädigung sichtbar. Als vermeidbare Grenzen führt Waldschmidt die soziale Abhängigkeit und Isolation von behinderten Menschen auf, wie auch die erschwerte Selbstbestimmung durch äußere Rahmenbedingungen, wie Massenunterbringung (vgl. S. 147). Demnach sollen nach Theunissen/Plaute alle Wohnformen, die die Selbstbestimmung einschränken, abgelehnt werden, da die Grenzen im institutionellen System auffindbar sind (vgl. S. 148). Hier wird auch die Orientierung an Defiziten aufgezeigt und die ablehnende, mit Vorurteilen versehene Haltung der Gesellschaft, die folglich die Selbstbestimmung eingrenzt (vgl. S. 148). Außerdem verhelfen die Professionellen mit ihrer Bevormundung und Überbetreuung den Betroffenen nicht zu mehr Autonomie (vgl. S. 148). 2.2.3 Selbstbestimmung als Handlung
Bei der Umsetzung von Autonomie zeigen beide Diskurse auffällige Gemeinsamkeiten. In der Bioethik heißt Selbstbestimmung nach Hoerster auf eigene Verantwortung entscheiden zu können (vgl. S. 149). Anne Waldschmidt bezeichnet dies als Entscheidungsautonomie, die nach Harris geübt werden müsse (vgl. S. 149). Die Bioethik hat nur die Entscheidungsebene im Sinne, die auch die Hand-
4
Arbeit zitieren:
Master of Arts in Inclusive Education Inna Doms, 2006, Analyse des Textes von Annen Waldschmidt: "Diskursives Ereignis „Selbstbestimmung“: Behindertenpädagogische und bioethische Konstruktionen im Vergleich", München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik: Analyse des Textes von Annen Waldschmidt: "Diskursives Ereignis „Selbstbestimmung“: Behindertenpädagogische und bioethische Konstruktionen im Vergleich" ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik: neuer Titel erschienen: Analyse des Textes von Annen Waldschmidt: "Diskursives Ereignis „Selbstbestimmung“: Behindertenpädagogische und bioethische Konstruktionen im Vergleich"
Inna Doms hat einen neuen Text hochgeladen
Strafrechtswissenschaft als Analyse und Konstruktion
Festschrift für Ingeborg Puppe...
Hans-Ullrich Paeffgen, Martin Böse, Urs Kindhäuser, Stephan Stübinger, Torsten Verrel, Rainer Zaczyk
Durch Gleichberechtigung zur Selbstbestimmung
Menschen mit geistiger Behinde...
Willem Kleine Schaars, Regina Humbert
Die diskursive Konstruktion von Wirklichkeit
Zum Verhältnis von Wissenssozi...
Reiner Keller, Andreas Hirseland, Werner Schneider, Willy Viehöver
0 Kommentare