Inhaltsverzeichnis
Theorie 1
- Ergebnisse sozialer Vergleichsprozesse 5
- Objektive und soziale Kriterien 6
Empirische Überprüfung und Ergebnisse 7
- Experiment von Sherif 7
- Experiment von Mausner 7
- Experiment von Miller 8
- Experiment von Asch 8
- Experiment von Sampson und Insko 9
- Ergebnisse von Goethals und Nelson 10
Kritik 10
- Einfluß von Minderheiten 10
- Weitere Kritik 11
Theorie
Kennzeichnend für Gruppen ist ein gewisses Ausmaß an Konformität. Dies bedeutet, daß gewisse Einstellungen, Verhaltensweisen und Meinungen der Gruppenmitglieder weitgehend oder teilweise übereinstimmen. Außerdem ist die Konformität für Gruppenaktivitäten und das Weiterbestehen der Gruppe notwendig. Gäbe es keine Konformität in einer Gruppe, wäre diese zum Zerfall verurteilt. Die Ursachen der Konformität sind verschieden und zahlreich. Prozesse der wechselseitigen Verstärkung und Bestrafung sind besonders wichtig dafür, welche Interaktionsmuster entstehen. Konformes Verhalten kann als imitatives Verhalten (Nachahmungsverhalten) angesehen werden, deshalb sind auch Faktoren wie direkte und/oder stellvertretende Verstärkung imitativer bzw. konformer Verhaltensweisen, Bestrafung oder Extinktion abweichenden Verhaltens, Eigenschaften der Modellperson usw., relevant. Wenn jedoch gewisse Fragestellungen einer Situation für die Mitglieder der Gruppe neu sind oder Konformität ohne äußere Verstärker oder Strafreize entsteht, muß die Gruppe erst eine einheitliche Meinung „erarbeiten“ und bestimmte Verhaltensnormen festlegen. Postulat der Theorie: „There exists, in the human organism, a drive to evaluate his
opinions and abilities“; d.h., daß es ein Bedürfnis der Menschen gibt, ihre Meinungen zu überprüfen, daß es ein Motiv nach Bewertung der eigenen Meinung und Fähigkeiten gibt. Dabei werden objektive Kriterien gegenüber sozialen Kriterien bevorzugt (vgl. objektive und soziale Kriterien, S.6). Ungewißheit entsteht, solange eine Meinung nicht bewiesen oder widerlegt ist. Es kommt auch zu einem Konflikt. Aus der Meinungsunsicherheit entsteht nämlich auch Verhaltensunsicherheit, weswegen man nicht weiß, wie man sich einem Objekt gegenüber verhalten soll. Dies stellt einen aversiven Zustand dar, nämlich einen intraindividuellen Konflikt.
Grundlage des Motivs ist das Bedürfnis nach richtiger Reaktionseinschätzung in der sozialen Interaktion. Je weniger das Bedürfnis befriedigt ist (,also je unsicherer eine Person ist), umso stärker wird die Vergleichsmotivation ausfallen. Das Individuum hat den Wunsch nach einer vorhersehbaren, strukturierten Umwelt. Weiters werden Vergleichsinformationen auch dann gesucht, wenn diese für die eigene Einschätzung wichtig sind. Nach Festinger existiert ein „hypothetisches Kontinuum der Meinungen“. An einem Ende sind Meinungen über die „physische Realität“ zu finden und am anderen Meinungen über die „soziale Realität“. Meinungen über die physische Realität sind solche, die man prinzipiell selbst überprüfen kann, z.B. daß Zucker süß schmeckt, daß Eisen schwerer ist als Aluminium, etc. Anders als die Meinungen über die physische Realität lassen sich die über die soziale Realität nicht selbst überprüfen. Darunter fallen nämlich Meinungen, die prinzipiell nicht auf rational-empirischem Weg verifizierbar oder falsifizierbar sind, z.B religiöse, moralische, metaphysische, auch Meinungen hinsichtlich sozialer Normen und der eigenen Fähigkeiten.
- 1 -
Von einem Konflikt zwischen physischer und sozialer Realität wird dann gesprochen, wenn die eigene Meinung über einen prüfbaren Sachverhalt nicht mit dem Standpunkt anderer Personen übereinstimmt (vgl. Experimente von Asch, S.8). Diese Situation ist besonders unangenehm und passiert v.a. dann, wenn mehrere positiv bewertete Personen übereinstimmend eine Meinung vertreten, die von der eigenen verschieden ist. Auf der einen Seite befindet sich die eigene, mehr oder weniger wohlbegründete Meinung über ein objektiv entscheidbares Problem (physische Realität), auf der anderen die abweichende, aber einhellige Meinung einer Gruppe (soziale Realität).
Postulat: „To the exent that objective, non social means are not available, people evaluate
their opinions and abilities by comparison respectively with the opinions and abilities of others“. Weil der Bereich der sozialen Realität aber so wichtig ist und sich die Meinungen in diesem Bereich nicht von jedem Menschen selbst überprüfen lassen, setzen soziale Vergleichsprozesse ein. Gruppenprozesse und Vorgänge im menschlichen Zusammenleben entspringen dem Bedürfnis, eigene Meinungen und Fähigkeiten zu bewerten. Dazu vergleicht sich das Individuum mit anderen Personen. Das Anspruchsniveau ist dabei ein persönlicher Standard für Beurteilungen und Leistungen. Bewertung und Höhe der Standards wiederum werden durch Vergleiche mit anderen Personen beeinflußt. Hypothesen dazu sind: - Personen sind zufrieden, wenn ihre Leistung das eigene Anspruchsniveau erreicht oder übertrifft, und unzufrieden, wenn ihre Leistungen darunter liegen. - Nach Erfolgserlebnissen steigt das Anspruchsniveau, nach Mißerfolg sinkt es. - Wenn Personen im Vergleich mit einer für sie relevanten Gruppe überdurchschnittlich gut abschneiden, verringern sie ihr persönliches Leistungsniveau, liegt die Leistung innerhalb des Gruppendurchschnittes, erhöhen sie es.
Postulat: „The tendency to compare oneself with some other specific person decreases as
the difference between his opinion or ability and one`s own increases“. Der Vergleich aber findet nicht mit x-beliebigen Personen statt, sondern mit solchen, die einem selbst bezüglich wichtiger Merkmale ähnlich sind, z.B. hinsichtlich der Einstellungen, der Fähigkeiten, der sozialen Herkunft und des Alters. Die Ähnlichkeitshypothese lautet:
- je größer die Ähnlichkeit zwischen einer Meinung und/oder Fähigkeit der eigenen Person und der einer anderen, umso eher wird diese als Vergleichsperson ausgewählt. - Festinger (1954): durch Vergleich mit ähnlicher Person wird maximale Information bezüglich der Korrektheit der eigenen Meinung und dem Ausmaß der eigenen Fähigkeiten erreicht.
- 2 -
Arbeit zitieren:
Mag. Marc Hollenstein, 2002, Festinger - Theorie der sozialen Vergleichsprozesse, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die katholische Kirche und Freimaurerei im 20. Jahrhundert
Eine kritische Bilanz
Geschichte Europa - and. Länder - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
Seminararbeit, 23 Seiten
Der Begriff des Krieges in Thomas Hobbes "Leviathan" und Car...
Oder Kriegszustand bei Thomas ...
Seminararbeit, 42 Seiten
Friedrich Nietzsche - seine Position zur Organisation der Gesellschaft...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 19 Seiten
Kapitalismus als Religionsersatz - eine kritische Gesellschaftsanalyse...
Unterrichtsentwurf, 44 Seiten
Taktik und Taktiktraining im Fußball
Aufbau, Organisation, Spielfor...
Sport - Bewegungs- und Trainingslehre
Bachelorarbeit, 40 Seiten
Erfahrungen der Militär- und K...
Soziologie - Krieg und Frieden, Militär
Wissenschaftliche Studie, 11 Seiten
Zu J.-P. Vernants "Die Entstehung des griechischen Denkens"
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Rezension / Literaturbericht, 4 Seiten
Marc Hollenstein's Text Festinger - Theorie der sozialen Vergleichsprozesse ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Marc Hollenstein hat den Text Festinger - Theorie der sozialen Vergleichsprozesse veröffentlicht
Marc Hollenstein hat einen neuen Text hochgeladen
Methodische Perspektiven auf Theorien des sozialen Raumes
Zu Henri Lefebvre, Pierre Bour...
Hans-Jürgen Macher
Eine Einführung
Ernst Engelke, Stefan Borrmann, Christian Spatscheck
0 Kommentare