INHALT
Abbildungsverzeichnis 4
Abk ürzungsverzeichnis 5
Einleitung 1. 7
Die ökonomisch-transnationale Entwicklung der Insel Batam 2. 9
2.1 Die Geschichte des Riau Archipels und seine Verbindung zu Singapur 10
2.2 Der Beginn der industriellen Entwicklung auf Batam 12
2.3 Das Indonesien-Malaysia-Singapur Wachstumsdreieck - 14
ein transnationaler Wirtschaftsraum entsteht
2.4 Die Entwicklungen im Wachstumsdreieck und die Auswirkungen der 19
Asienkrise
2.5 Aktuelle Entwicklungen auf Batam 22
Der soziale Aspekt - Leben und Arbeiten auf Batam 3. 23
3.1 Der Batamindo Industriepark und die organisierte Migration nach Batam 23
3.2 Hoffnung auf ein besseres Leben - unorganisierte Migration nach Batam 25
3.3 Lebensumstände auf Batam und die Entstehung von transnationalen 26
Gemeinschaften
3.3.1 Familienleben in einer Slumsiedlung 26
3.3.2 Batak-Frauen in einer privaten Unterkunft 28
3.3.3 Ein Wohnheim auf dem Gelände des Batamindo Industrieparks 30
Sexindustrie und HIV-Risiko auf Batam 4. 31
4.1 „Island of Sin“ - Geschichte und Organisation der Prostitution auf Batam 31
4.2 Die Bedeutung von Scham bei Prostituierten auf Batam 36
4.3 Prostitution und HIV-Risiko auf Batam 37
2
41 5. HIV als transnationales Problem 5.1 Die Zusammenhänge von Bevölkerungsmobilität und HIV 41
5.1.1 Interne Bevölkerungsmobilität in Indonesien: 44
Asienkrise, Menschenhandel und HIV-Ausbreitung 5.1.2 Indonesische Arbeiter im Ausland und ihr Risiko einer 47 HIV-Infektion
5.1.3 Die Verbindung von hoher Mobilität, Sexindustrie und 51
HIV-Ausbreitung in Indonesien 5.2 Von Batam ausgehende Verbreitungswege der HIV-Epidemie 53
5.2.1 Singapurische Männer als Kunden der Sexindustrie 54 auf Batam
5.2.2 Prostituierte aus Batam in Singapur 61
5.2.3 Weitere Arten der grenz- und „insel“-überschreitenden 65 Prostitution
68 6. Die HIV-Politik von Indonesien und Singapur in Bezug auf Batam 6.1 Die indonesische HIV-Politik auf Batam 69 6.2 Die HIV-Politik Singapurs in Bezug auf Batam 71
77 7. Nichtregierungsorganisationen als Akteure der HIV-Bekämpfung 7.1 Nichtregierungsorganisationen in Indonesien und auf Batam 77 7.2 Nichtregierungsorganisationen auf Batam als Akteure der HIV-Bekämpfung 79
83 8. Schlussbetrachtung
87 Glossar 90 Literatur
3
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Abbildung 1: Das Singapur-Johor-Riau Wachstumsdreieck Seite
Abbildung 2: Dreieck der wirtschaftlichen Komplementarität Seite
Abbildung 3: Routen des Menschenhandels nach der Art der Tätigkeit Seite
Abbildung 4: Überweisungen nach Indonesien von 1983 bis 2005 Seite
Abbildung 5: Transportrouten des internationalen Menschenhandels in Seite
Indonesien
Abbildung 6: Modell zur möglichen Verbreitung von HIV/AIDS in In- Seite
donesien durch die kommerzielle Sexindustrie
Abbildung 7: Risikoverhalten der Zielgruppe Seite
4
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
AFA Action for AIDS (Singapur)
ASAP AIDS Society of Asia and the Pacific
ASEAN Association of South-East Asian Nations
AusAID Australian Government’s overseas aid program
BIDA Batam Industrial Development Authority (Indonesien)
BIP Batamindo Industrial Park (Indonesien)
CDC Communicable Disease Center (Singapur)
FTZ Free Trade Zone
ILO International Labour Organization
IMS-GT Indonesia-Malaysia-Singapore Growth Triangle
LPSM Lembaga Pengembangan Swadaya Masyarakat
LSM Lembaga Swadaya Masyarakat
MoU Memorandum of Understanding
NRO Nichtregierungsorganisation
OECD Organisation for Economic Co-operation and Development
ornop Organisasi Non Pemerintah
SARS Severe Acute Respiratory Syndrome
SEZ Special Economic Zone
SIF Singapore International Foundation
SIJORI Singapore-Johor-Riau (Growth Triangle)
5
STB Singapore Tourism Board
UNAIDS Joint United Nations Programme on HIV/AIDS
UNIFEM United Nations Development Fund for Women
USAID United States Agency for International Development
YMKK Yayasan Mitra Kesehatan dan Kemanusiaan
6
1. Einleitung
While Batam is regarded as one of Indonesia’s best economic success stories, its social culture facilitates risky sexual behaviors. Regarded as a top site for the sex trade and sex tourism in the region, Batam is well known in the Malaysia-Singapore-Indonesia region for its flourishing nightlife of 10,000 brothel-based and streetbased female and male sex workers. Unlike Indonesia’s village social culture found in most community settings, Batam is devoid of Indonesia’s traditional social net-works. Batam is a community focused on business, exports, tourism, sex and money. Batam is unwittingly contributing to a growing Indonesian business venture -- the import-export of HIV/AIDS. (USAID / INDONESIA 1 )
Die Insel Batam, die zur indonesischen Provinz Riau Kepulauan (wörtlich: Riau Inseln) gehört, hat durch ihre Zugehörigkeit zum Indonesien-Malaysia-Singapur Wachstumsdreieck einen starken Wandel erfahren. War sie in den 50er Jahren noch ein dünn besiedeltes Fischerdorf, so ist sie nun ein stark bevölkerter, durch fortlaufende Migration multiethnischer und transnationaler Industriestandort geworden und kämpft mit verschiedenen sozialen Problemen, wie beispielsweise der Ausbreitung von HIV/AIDS.
Die transnationale Situation in Batam - das Entstehen des Wachstumsdreiecks, das Johor in Malaysia, Singapur sowie Batam und seine Nachbarinseln verbindet, die vielen Migranten, die Durchreisenden, die Geschäftsleute und Touristen - hat unter anderem auch eine florierende, weit gefächerte Prostitutionsszene entstehen lassen. Batam wird nach Einschätzungen von UNAIDS als ein Risikogebiet für die HIV/AIDS-Ausbreitung betrachtet. Von hier kann sich das Virus in ganz Indonesien und über die Landesgrenzen hinaus verbreiten.
Die Provinz Riau Kepulauan, zu der Batam gehört, steht im Juni 2007 im indonesischen Vergleich bei der Prävalenz von AIDS-Fällen pro 100.000 Einwohner an dritter Stelle, nach Papua und dem Großraum Jakarta, mit einer Prävalenzrate von 17,35. Durch Faktoren wie die kommerzielle Sexindustrie und niedrige Raten der Kondom-Benutzung liegt die Dunkelziffer der HIV/AIDS-Fälle jedoch wahrscheinlich weit höher.
Das Ziel dieser Arbeit ist es, das HIV-Problem auf Batam mit Bezug auf die transnationale Situation zu analysieren und herausfinden, wie sich in diesem Gebiet das HI-Virus in die umliegenden Länder, aber auch innerhalb Indonesiens, verbreitet. Der transnationale Ansatz hat seine Ursprünge zum einen in der Ökonomie und zum anderen in der Migrationsforschung. In dieser Arbeit gehe ich im zweiten Kapitel auf den öko-
1 http://www.hivpolicy.org/Library/HPP001020.pdf,01.07.2007: 74.
7
nomischen Ursprung ein, beschäftige mich aber hauptsächlich mit den sozialen, politischen und kulturellen Aspekten des Transnationalismus. Dieser Ansatz wird seit den 1990er Jahren in sozialen und anthropologischen Studien benutzt, als man merkte, dass Migranten nicht notwendigerweise auswandern und im Gastland assimiliert werden oder als kurzfristige Wanderarbeiter nach Hause zurückkehren, sondern dass zunehmend transnationale Gemeinschaften entstehen, die zwischen zwei oder mehr Ländern situiert sind und in denen sich MigrantInnen hin und her bewegen. Diese Menschen werden auch als Transmigranten bezeichnet und da Batam ein Ort ist, in dem viele Transmigranten leben, werde ich analysieren, welche Auswirkungen die Mobilität der Menschen auf das HI-Virus hat. Das HI-Virus als transnationales Problem auf Batam zu betrachten wirft eine Reihe von Fragen auf:
Wie hat sich Batam zu einem ökonomisch- transnationalen Raum entwickelt? Woher und wie kommen die Menschen nach Batam und wie gestaltet sich ihre Lebens- und Arbeitssituation? Wie hat sich die Prostitutionsszene auf Batam entwickelt, wie ist sie organisiert, was sind die Gründe für die Verbreitung des HI-Virus? Wie sind die Zusammenhänge von Mobilität und HIV und wie breitet sich das Virus konkret von Batam ausgehend aus, bzw. wohin und in welchem Ausmaß? Welche Politik betreiben die Regierungen von Indonesien und Singapur in Bezug auf die Eindämmung des HI-Virus auf Batam? Was leisten Nichtre-gierungsorganisationen als Akteure der HIV-Bekämpfung auf Batam? Gibt es transnationale Ansätze, um das HIV-Problem in den Griff zu bekommen?
Um diese Fragen umfassend zu beantworten werde ich mich in dieser Arbeit von der Peripherie - die Entwicklung von Batam - zum Zentrum - wie sich HIV über die Grenzen hinweg verbreitet - annähern.
So befasst sich das zweite Kapitel der Arbeit mit der transnational-ökonomischen Entwicklung der Insel Batam, von einem Ort mit marginaler Bedeutung zu einem Industriestandort eingegliedert in ein Wachstumsdreieck.
Das dritte Kapitel handelt von den Arbeitern, die aus verschiedenen Orten nach Batam migrieren und ihren Lebensumständen, um einen Einblick in die sozialen Umstände der Bevölkerung zu erhalten.
Das vierte Kapitel nähert sich der HIV-Problematik und beleuchtet Geschichte und Organisation der Sexindustrie und den Aspekt von Prostitution und HIV-Übertragung auf Batam, wobei auch kulturelle Aspekte nicht außer Acht gelassen werden.
8
Den wichtigsten Teil der Arbeit stellt das fünfte Kapitel dar, das sich einleitend mit den Zusammenhängen von Mobilität in Indonesien und HIV befasst, um dann konkret auf Batam einzugehen und zu analysieren, wie das Virus über Grenzen verbreitet wird. An dieser Stelle sollen die Akteure und ihr transnationales Verhalten genau dargestellt werden. Das sechste Kapitel analysiert die HIV-Politik von Singapur und Indonesien bezüglich Batam und geht der Frage eines transnationalen Vorgehens nach. Besondere Beachtung erfahren hierbei die neuen Gesetzesentwürfe Singapurs, die eine Ausweitung ihrer Kontrollen über die Grenze hinweg vorsehen.
Abschließend werde ich die Arbeit verschiedener Nichtregierungsorganisationen auf Batam vorstellen und, wie schon im vorigen Kapitel, der Frage nachgehen, inwieweit sie die transnationale Situation auf Batam in ihren Projekten berücksichtigen.
An einigen Stellen gestaltete es sich schwierig dem Anspruch der Arbeit - das transnationale Verhalten der Menschen nachzuvollziehen, um dadurch Informationen über die Verbreitung des HI-Virus zu erhalten - gerecht zu werden. Dies lag an der teils unzureichenden Literaturlage, da zwar sehr viele Autoren die wirtschaftliche Situation Batams als Teil des Wachstumsdreiecks hervorheben, doch die sozialen Auswirkungen eines solchen Projektes und das Verhalten der involvierten Menschen häufig stiefmütterlich behandelt werden.
Bei meinen Bemühungen, Batam als transnationalen Raum darzustellen, habe ich mich mit verschiedenen Transnationalismustheorien auseinandergesetzt, deren Verfasser folglich zu meinen wichtigsten Quellen zählen. Als weiterer bedeutender Autor für diese Arbeit ist Johan Lindquist zu nennen, der mehrere Jahre auf Batam forschte und in seinen Veröffentlichungen wichtige Aspekte behandelte, die für diese Arbeit sehr hilfreich waren. Die Exkursion „Die Straße von Malakka: Transnationalisierung eines Raumes“, die unter Leitung von Dr. Oliver Pye von der Universität Bonn im Oktober/November 2007 nach Malaysia, Singapur und Indonesien durchgeführt wurde und an der ich teilnehmen durfte, ermöglichte es mir, die Situation vor Ort besser einschätzen zu können und wertvolle Gespräche mit verschiedenen Akteuren zu HIV/AIDS auf Batam zu führen. Hier gilt mein besonderer Dank Dr. Pye, der diese Reise initiierte.
2. Die ökonomisch-transnationale Entwicklung der Insel Batam
Dieses Kapitel befasst sich mit der wirtschaftlich-transnationalen Entwicklung der Insel Batam und den darin involvierten Akteuren.
9
2.1 Die Geschichte des Riau Archipels und seine Verbindung zu Singapur
Batam ist eine der drei größten von insgesamt circa 3.000 Inseln der indonesischen Provinz
Riau Kepulauan 2 .
Die Provinz erstreckt sich in westlicher Richtung bis zur Küste von Sumatra und in östlicher Richtung grenzt sie an das Seegebiet von Malaysia und Singapur. Batam besitzt eine strategisch sehr günstige Lage im Zentrum der Straße von Malakka, einer der wichtigsten Schifffahrtsverbindungen in Asien, und ist nur 20 Kilometer von Singapur entfernt.
Zu Beginn soll kurz der geschichtliche Kontext des Riau-Archipels und seine Verbindung zu Singapur erläutert werden.
In der vorkolonialen Zeit gab es viele wichtige Handelsrouten im malaiischen Archipel, die zu engen sozialen, kulturellen und ökonomischen Verbindungen zwischen verschiedenen Gemeinschaften führten. Das Johor-Riau Sultanat, das von 1511 bis 1824 existierte, ver-band schon damals als vereinigte Regierungsform die Gebiete Riau, Singapur und Johor (CHOU: 2006: 245).
Im frühen 17. Jahrhundert befanden sich die Hauptstadt des Sultanats und der wichtigste Hafen der Region auf einer Insel des Riau-Archipels. Dadurch kamen viele Migranten, unter ihnen Bugis und Chinesen, dort an. Auch die Kolonialmächte England und die Nieder-lande hatten ein starkes Interesse an der Region und teilten sie unter sich auf. Der Vertrag von London aus dem Jahr 1824 besiegelte, dass fortan Sumatra den Niederlanden, Singapur und die malaiische Halbinsel den Briten zugesprochen wurde. Mit diesem Vertrag wurde die Straße von Malakka die Grenzlinie zwischen dem niederländischen und dem britischen Kolonialreich (FORD / LYONS 2006: 259).
Singapur erlebte nach seiner Gründung 1819 eine positive ökonomische Entwicklung. Starke chinesische und europäische Migration ließ die Bevölkerung rasch anwachsen, und der Stadtstaat wurde mit seinem Hafen zu einer Wirtschaftsmacht in der Region, die regen Handel mit Riau trieb (LINDQUIST 2002: 51).
In Riau waren die Holländer bemüht wirtschaftlich aufzuholen und erklärten Tanjung Pinang 1828 zur zollfreien Zone. Große Probleme bereitete ihnen der Schmuggel von Men-
2 DieProvinz Riau Kepulauan (Riau Inseln) hat sich im Jahr 2004 von der Provinz Dataran Riau (Festland Riau) abgespalten und die Stadt Tanjung Pinang ist das administrative Zentrum der neuen Provinz (BUNNEL / GRUNDY-WARR / SIDAWAY: 2006: 238).
10
schen und Gütern über die Grenze. Durch ihre Länge war sie schwer zu kontrollieren und die Menschen konnten sie problemlos überqueren.
Nach der indonesischen Unabhängigkeit im Jahr 1945 brauchte der indonesische Staat weitere fünf Jahre, um Riau von den Niederlanden zurück zu erhalten und es unter eigene Verwaltung zu bringen (LINDQUIST 2002: 54).
Wie aus von FORD / LYONS (2006: 260) geführten Interviews mit älteren Menschen aus Tanjung Pinang auf Bintan hervorgeht, gab es eine „gemeinsame Geschichte“ von Singapur und Riau und „familiäre Beziehungen“ zwischen den Menschen, da sie sich häufig gegenseitig besuchten. Zusätzlich zu diesen sozialen Aspekten fand ein starker ökonomischer Austausch zwischen den Gebieten statt, der viel bedeutender war als der zwischen Riau und dem restlichen Indonesien. Dies besagen auch die von LINDQUIST (2002: 56) geführten Interviews auf Batam, in denen ältere Bürger vom ständigen Pendeln zwischen Singapur und Batam berichten. Die Bevölkerung von Batam bestand damals aus nur 3.000 Fischern und Farmern.
Durch die gute ökonomische Lage kamen viele Menschen aus anderen Teilen Indonesiens nach Riau. Auch hatte sich der Singapur-Dollar im Riau Archipel durchgesetzt. Dies hielt
an bis zu Sukarnos Politik der Konfrontasi von 1963 bis 1965 3 . Die Grenze wurde fortan kontrolliert und die Menschen durften nur noch eingeschränkt nach Singapur reisen. Außerdem wurde der Singapur-Dollar verboten und anfänglich eine lokale Währung, später die indonesische Rupiah, eingeführt. Die von FORD / LYONS (2006: 260) geführten Interviews mit Bewohnern von Tanjung Pinang besagen, dass ihr Leben durch die Zeit der Konfrontasi härter wurde. Ohne den Handel mit Singapur hatten die Menschen kaum Geld, um sich das Nötigste zu kaufen. Ihre einzige Möglichkeit war, sich im Schmuggel zu betätigen. Zudem fühlten sie sich durch das Erstarken der Grenze eingesperrt. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Politik der Konfrontasi viel bedeutender für die Grenzpolitik zwischen Indonesien, Malaysia und Singapur war als die Unabhängigkeit Indonesiens. Diese Politik machte die Menschen auf jeder Seite der Grenze zu Staatsbürgern eines bestimmten Landes und rief ihnen die Grenze ins Bewusstsein (FORD / LYONS 2006: 260).
3 Sukarno, der erste indonesische Präsident von 1945 bis 1966, betrieb die Politik der Konfrontasi, da er die Bildung der Föderation von Malaysia, unter Einschluss von Singapur, als neokoloniale Machenschaft der Briten bekämpfen wollte. Sukarno propagierte die Bildung einer Superföderation Maphilindo mit Malaysia, den Philippinen und Indonesien. Konfrontasi war der Slogan für Sukarnos Anti-Malaysia-Kampagne.
11
Im Verlauf der 1970er Jahre normalisierten sich die Beziehungen zwischen Indonesien und den, mittlerweile wieder getrennten, Nationen Malaysia und Singapur. Der Handel wurde aufgenommen, allerdings gab es nun bei der Grenzüberquerung Ausweiskontrollen. Doch der Wohlstand hielt, unterstützt durch regen Schmuggel, wieder Einzug im Riau-Archipel und es gab kaum Unterschiede zwischen dem Leben dort und dem in Singapur. Dies änderte sich jedoch in den 1980er Jahren durch Singapurs Industrialisierung erneut. Der Handel wurde zwar fortgesetzt, aber die Grenze bekam zusätzlich eine symbolische Rolle zwischen dem entwickelten Singapur und dem rückständigen Indonesien. Zum ersten Mal stellte die Grenze für die Bewohner Riaus eine Barriere dar, in der die ökonomischen Disparitäten deutlich wurden und die den Traum eines gemeinsamen „way of life“ über die Straße von Malakka hinweg zerriss (FORD / LYONS 2006: 261).
2.2 Der Beginn der industriellen Entwicklung auf Batam
Den Anstoß zur Entwicklung Batams gab die nationale indonesische Erdölgesellschaft Pertamina aufgrund von umfangreichen Erdölvorkommen im Riau Archipel. Sie begann 1969 mit der Einrichtung von Basisinfrastrukturen zur Unterstützung von Förderstationen und wollte Batam für den Erdölhandel und die Erdölverarbeitung ausbauen.
Präsident Suharto 4 begrüßte die Pläne von Pertamina und genehmigte sie durch zwei präsidentielle Dekrete. Mit dem ersten von 1970 bestätigte er den Ausbau der Insel zur Basis für die Förderung von Erdöl- und Erdgasvorkommen, im zweiten von 1971 verfügte er die Einrichtung eines Industriegebietes im Norden Batams. Außerdem wurde die „Batam Industrial Estate Authority“ zur Projektkoordinierung, zur Planung von Infrastrukturen und zur Annahme von Investitionsanträgen gegründet. Sie war dem Präsident gegenüber direkt ver-antwortlich.
1972 hatten sich bereits die ersten ausländischen Erdölunternehmen auf Batam angesiedelt, als Pertamina einen Masterplan für die Entwicklung der Insel ausarbeitete. Dieser Plan nannte unter anderem die Erdölraffinierung als wichtigsten Industriezweig für Batam und wollte eine Freihandels- und eine Industriezone mit Verbindungen zur indonesischen Inselwelt erstellen. Daraufhin erließ Suharto 1973 ein weiteres Dekret, welches die beiden vorhergehenden ersetzte. Er erklärte darin ganz Batam zum Industriegebiet und machte das „Batam Industrial Estate Board“ für die Entwicklung und Verwaltung von Batam verant-
4 ZweiterPräsident Indonesiens von 1967 bis 1998.
12
wortlich. Von dieser aus drei Gliedern bestehenden Körperschaft kam in der Praxis dem „Batam Industrial Development Authority“ (BIDA) die größte Bedeutung zu und ersetzte das „Batam Industrial Estate Authority“. BIDA ist bis heute zuständig für die Entwicklung der Industriezone Batam und dem Präsidenten gegenüber direkt verantwortlich (MARTY 1996: 101-109). Laut KELLY (2003: 78) ist die einheitliche administrative Struktur, in der allein BIDA verantwortlich ist für die Planung und Kontrolle der Entwicklungen auf der Insel, eines der kennzeichnenden Charakteristika in der Entwicklung Batams. Als zweites Charakteristikum nennt er die Nähe zu Singapur.
Laut LINDQUIST (2002: 60) erhielt BIDA das Recht Inselland zu verwalten und erwarb somit unter Zwang Land zu Spottpreisen. Außerdem wurde ein Kontrollteam gebildet, das illegal gebaute Häuser zerstörte. Nur für Häuser, die vor 1971 gebaut wurden, bekamen die Bürger eine Entschädigung in Form von Land oder Geld.
1974 wurden Teile der Insel zur zollfreien Zone erklärt (PERRY 1991: 142).Damals wurden große Hoffnungen in Batam gesetzt, die Insel zur exportorientierten Industriezone auszubauen. Im Jahr 1975 geriet Pertamina jedoch in eine Schuldenkrise, hervorgerufen durch internes Missmanagement und eine globale Rezession. Für die Schulden kam der indonesische Staat auf. In der Folge wurde Pertamina von der Regierung umstrukturiert und musste sich fortan auf Aktivitäten im Erdölbereich konzentrieren.
Die Pertamina-Krise führte zu einer Stagnation in der Entwicklung Batams, da sich viele ausländische Investoren zurückzogen und somit neue Strategien und Ziele verfasst werden mussten. Präsident Suharto erklärte ganz Batam 1977 zur zollfreien Industriezone unter Leitung der BIDA, um Investitionen aus Singapur anzuregen.
Laut SPARKE et al. (2004: 490) unterlag die Kontrolle der Entwicklung Batams seit 1978
BIDA unter dem Vorsitz von B. J. Habibie 5 . Dieser wollte Batam zu einer Mega-Metropolis ausbauen, um mit Singapur zu wetteifern. Habibie schaffte es nicht Batam Singapur gleich zu stellen, aber seine Pläne, in Batam zu investieren und es in eine zollfreie Handelszone umzuwandeln, haben zu einer rapiden industriellen Entwicklung geführt.
BIDA veröffentlichte 1980 einen neuen Masterplan mit den Zielen, Batam zum Zentrum für den regionalen und internationalen Handel zu entwickeln, eine exportorientierte Indust-
5 BacharuddinJusuf Habibie, indonesischer Politiker, Studium in Deutschland, 1978 von dem damaligen Präsidenten Suharto zum Staatsminister für Forschung und Technologie, 1998 zum Vizepräsidenten ernannt. War von 1978 bis zu seiner Ernennung zum Vizepräsidenten im März 1998 Vorsitzender von BIDA. Nach Suhartos Rücktritt war er von 1998 bis 1999 dritter Präsident Indonesiens seit der Unabhängigkeit.
13
riezone zu schaffen, die sich auf arbeitsintensive Produktionen und die Verarbeitung indonesischer Rohstoffe spezialisiert und die Insel zur Touristendestination auszubauen. Private Unternehmen sollten die Hauptakteure darstellen (MARTY 1996: 101-109). Damals sollte Singapur als Entwicklungsvorbild dienen und Batam von seiner wirtschaftlichen Dynamik profitieren. Diese Hinwendung zu Singapur lässt sich dadurch erklären, dass der Stadtstaat im Zuge seiner „zweiten industriellen Revolution“ die Auslagerung arbeitsintensiver Industrien erwog. Damit stand fest, dass eine erfolgreiche Entwicklung Batams durch den Anschluss an die Wirtschaft Singapurs und mit der Einfügung der Insel in die regionalen Wirtschaftsstrukturen ermöglicht werden könnte.
Diese komplementären Strukturen wurden in Indonesien als Möglichkeit der Revitalisierung Batams erkannt. Außerdem wurde auf die Ergänzung durch den Tourismus hingewiesen. Diene Singapur als Geschäfts- und Messezentrum, so könne Batam als Ferien- und Freizeitinsel genutzt werden.
Um die komplementären Strukturen nutzen zu können, unterzeichneten Singapur und Indonesien 1980 ein „Basic Agreement on the Development of Batam“, worin Singapur zusagte, zur Vereinfachung des Austauschs von Gütern, Arbeitskräften und Kapital beizutragen und seinen Privatsektor zu ermuntern, Investitionen auf Batam zu tätigen (MARTY 1996: 101-109).
Ein weiterer Schritt, um den Austausch zwischen Batam und Singapur zu vereinfachen, war die Maßnahme Batam 1983 zu einem Einreiseort für Touristen zu machen, was zu einem Anstieg der Urlauber aus Singapur führte. Die Bewohner Batams ihrerseits mussten keine Steuer mehr bezahlen, wenn sie das Land verlassen wollten. Dies erlaubte Indonesiern mit einem Ausweis der Provinz Riau einfach und günstig nach Singapur und Malaysia zu reisen (LINDQUIST 2002: 61).
Entgegen der Erwartungen wurden in den 1980er Jahren kaum Fortschritte auf Batam erzielt, und die Entwicklung der Insel stagnierte.
2.3 Das Indonesien-Malaysia-Singapur Wachstumsdreieck - ein transnationaler Wirtschaftsraum entsteht
Der Begriff des Singapur-Johor-Riau (SIJORI) Wachstumsdreiecks wurde von dem ehemaligen stellvertretenden Premierminister Singapurs Goh Chok Tong im Dezember 1989 geprägt, um die beginnende ökonomische Kooperation zwischen dem Stadtstaat Singapur, der zur indonesischen Provinz Riau gehörenden Insel Batam und dem malaysischen Bundesstaat Johor zu beschreiben (THAN 2000: 43).
14
Abbildung1: Das Singapur-Johor-Riau Wachstumsdreieck 6
Ziel war es, die ökonomischen Verbindungen in der Region zu stärken und die Komplementarität zwischen den drei benachbarten Gebieten zu optimieren. Die Management-Expertise, das Kapital, die Technologie und die Infrastruktur Singapurs sollten verbunden werden mit den günstigen Arbeitskräften, der Landfläche und den Bodenschätzen von Malaysia und Indonesien, wobei Malaysia als um eine Stufe entwickelter betrachtet wurde als Indonesien (MARTY 1996: 144).
Abbildung 2: Dreieck der wirtschaftlichen Komplementarität 7
6 Abbildung entnommen aus HENDERSON, http://www.multilingual-matters.net/cit/004/0078/cit0040078.pdf, 10.08.2007: 82.
7 Abbildung entnommen aus DEBRAH ET AL. (2000) zitiert nach SPARKE ET AL. (2004: 490).
15
Die Entstehung des Wachstumsdreiecks begann bei einem 1989 abgehaltenen Gipfeltreffen zwischen Suharto und Lee Kuan Yew in Jakarta. Dabei machte Suharto ein entscheidendes Zugeständnis an Singapur: die Erlaubnis, Unternehmen auf Batam mit vollständigem Fremdeigentum, und mit der Auflage, im Zeitraum von fünf Jahren 5% des Aktienkapitals an einen indonesischen Partner abzutreten, zu gründen. Diese Ausnahmeregelung stellte die bisher fehlende Möglichkeit der vollständigen unternehmerischen Kontrolle dar und glich die Investitionsbedingungen auf Batam denjenigen in Johor an (MARTY 1996: 144). Dies galt für die „Batam Economic Zone“, die Batam und fünf benachbarte Inseln umfasst (PER- RY 1991:142). Daraufhin sagte Lee Kuan Yew zu, die Auslagerung arbeitsintensiver Industrien aus Singapur zu unterstützen. Schon bald folgten die gemeinsame Entwicklung des ersten Industrieparks und der Aufbau von Infrastrukturen auf Batam für ein internationales Publikum (MARTY 1996: 144).
Das Konzept wurde auch von weiteren politischen Entscheidungsträgern positiv bewertet und als Ausdruck der Bemühungen der ASEAN-Staaten um wirtschaftliche Zusammenarbeit gewürdigt. Das Wachstumsdreieck galt als Vorbild für die zukünftige wirtschaftliche Kooperation und Integration zwischen den ASEAN-Mitgliedern (MARTY 1996:145).
An dieser Stelle greift der Ansatz von PORTES / GUARNIZO / LANDOLT (1999: 221), die in ihrer Typologie des Transnationalismus als erstes ökonomische Initiativen von transnationalen Unternehmern nennen, die ihre Kontakte auf der Suche nach Unterstützern, Kapital und Märkten über Grenzen hinweg mobilisieren. Der zweite Typus sind politische Aktivitäten von Parteiabgeordneten, Regierungsfunktionären oder Gemeindevorsitzenden, mit dem Ziel, politische Macht und Einfluss in den sendenden und empfangenden Ländern zu erreichen. Als dritten Typus nennen sie mannigfaltige sozio-kulturelle Unternehmungen. Beim Wachstumsdreieck kann man eine Mischform der von ihnen genannten ersten beiden Typen erkennen, da es die Politiker der unterschiedlichen Länder waren, die die nötigen Rahmenbedingungen zum Entstehen des Wachstumsdreiecks schafften und dadurch ihre Macht erweitern und sichern wollten 8 , anschließend aber die Unternehmen transnational handelten und die Komplementarität in dieser Region nutzten.
8 Singapur war bislang abhängig von dem günstigen Land, der Arbeitskraft und dem Wasser aus Malaysias Johor Provinz, da es über diese Ressourcen selbst nicht verfügt. Aber durch steigende Kosten und heikle Beziehungen zu Malaysia, wandte sich Singapur an Indonesien als sein neues Hinterland (MACLEOD / MCGEE 1996: 424, LINDQUIST 2002: 64). Beispielsweise wurde in einem Abkommen zur Regelung der Wasserfrage festgelegt, dass Singapur die nächsten 50 Jahre Wasser aus Riau beziehen kann (MARTY 1996: 153-154).
16
Ein weiterer Ansatz von PORTES / GUARNIZO / LANDOLT (1999: 221) ist der des „transnationalism from above“. Hiermit sind Aktivitäten gemeint, die von mächtigen institutionellen Akteuren, wie multinationalen Unternehmen und Staaten, initiiert und ausgeführt werden.
The growth triangle concept is primarily an economic and not a political concept. […] The facilitators are governments who remove political barriers to the movement of goods, services and factors of production, provide the physical infrastructure and offer various investment incentives. The key role of the growth triangle is to reduce artificial cross-border barriers in order to create a business environment conducive to economic growth. (THAN 2000: 55)
Es sind diese Akteure, die Batam zu dem transnationalen Raum machen, der er heute ist, und zwar nicht nur, wie zu Beginn angedacht, auf ökonomischer Ebene, sondern, wie sich später zeigen wird, auch auf einer sozialen Ebene, die ebenfalls Probleme mit sich führt. Dass die grenzüberschreitenden Barrieren verringert werden, so wie im Zitat behauptet, ist zwar bei Finanzmitteln der Fall, gilt aber nicht für die günstigen indonesischen Arbeitskräfte, die auf Batam bleiben sollen.
Der „transnationalism from below“, der Ergebnisse von Graswurzel-Initiativen im Ort der Migration und ihren Gegenübern in der ursprünglichen Heimat darstellt, kann in Batam zu diesem Zeitpunkt noch kaum ausgemacht werden, was an der mangelhaften Dokumentation liegen mag, oder an der Tatsache, dass die Bewohner Batams aus finanziellen oder technischen Mitteln noch nicht dazu in der Lage sind. Es mag auch an der Tatsache liegen, dass viele Menschen nur für kurze Zeit auf Batam sind, da die meisten Arbeitsverträge der Industrieparks eine Laufzeit von nur zwei Jahren haben oder sie keine oder eine schlechte Anstellung finden, die sie dazu bewegt die Insel wieder zu verlassen.
Allerdings kamen für das Wachstumsdreieck keine trilateralen Vereinbarungen oder Verträge zustande, die einen gemeinsamen Rahmen festlegten. MACLEOD / MCGEE (1996: 424) bemerken hierzu: „This lack of formalization is, in part, because the Growth Triangle very clearly means different things to each of the participants. In many ways the strength of the Growth Triangle as a concept lies in its vagueness; it can mean all things to all sides”.
Singapur ist im Wachstumsdreieck der dominante Part und es findet keine Interaktion zwischen Batam und Johor statt. Deswegen wäre es nach MACLEOD / MCGEE (1996: 424, 425) angebrachter das Wachstumsdreieck in „Wachstumskorridor“ umzubenennen, der von Singapurs Wirtschaft angetrieben wird.
17
Die Zusammenarbeit zwischen Singapur und Indonesien verlief jedoch weiter positiv; im Januar 1990 wurde ein „Memorandum of Understanding“ zum Bau des Batamindo Industrieparks (BIP) unterzeichnet. Dieser Industriepark ist ein Gemeinschaftsprojekt aus regierungsnahen Unternehmen Singapurs und einem Konsortium indonesischer Großunternehmen.
1990 wurde die Kooperationsvereinbarung von 1980 um das Wachstumsdreiecks-Abkommen ergänzt, das den institutionellen Rahmen für die Wirtschaftszusammenarbeit schuf und nötig wurde, da sich die Wirtschaftskooperation nicht mehr nur auf Batam, sondern auch auf andere Inseln im Riau-Archipel erstreckte (MARTY 1996: 151). 1994 wurde das Wachstumsdreieck offiziell „Indonesia-Malaysia-Singapore-Growth Triangle“ (IMS-GT) genannt. Dies wurde mit dem Unterzeichnen eines „Memorandum of
Understanding“ durch die Vertreter der drei Länder formalisiert 9 . Im Jahr 2000 umfasste das Wachstumsdreieck eine Fläche von 565.000 Quadratkilometern und eine Einwohnerzahl von 34 Millionen Menschen (THAN 2000: 44, 45).
Im Jahr 1996 hat das Singapore Tourism Board (STB) eine neue Vision namens Tourism 21 vorgelegt, die Singapurs touristischen Raum neu definiert, indem sie die umliegenden Länder mit einschloss. Ziel war es, die eigene Attraktivität für Touristen durch begrenzte Landflächen nicht zu verlieren und die Tourismusattraktionen in Übersee zu nutzen (Regionaltourismus). So präsentiert Singapur sich selbst als Kapitale des Tourismus mit modernem Flughafen, Kongress- und Kunstzentren.
Diese transnationale Vision erfordert eine enge Zusammenarbeit mit den Nachbarländern und Investitionen in ihren Tourismussektor. Im touristischen Sinne war das Wachstumsdreieck als Ressortgebiet gedacht, das ein Netzwerk von Hotels, Stränden, Fährstationen, Jachthäfen etc. anbietet. Die größten abgeschlossenen Projekte sind auf Batam und Bintan zu finden. So ist ein positives Ergebnis des Wachstumsdreiecks für Singapur die Diversifizierung seiner Tourismusindustrie durch neue Attraktionen in Übersee. Beispielsweise konnte sich Singapur als Kreuzfahrtzentrum etablieren, was nur durch den Zugang zu Indonesiens und Malaysias Küstenressorts möglich war (CHANG 2004: 3).
Das Wachstumsdreieck fand große Beachtung und wurde gar als Zeichen für eine Welt ohne Grenzen gedeutet. LINDQUIST (2000: 3) betont jedoch, dass das Aufkommen dieser transnationalen ökonomischen Zone im Gegenteil abhängig ist von den Grenzen, die die
9 1996 wurde West Sumatra, Malakka, Negri Sembilan und Süd Pahang dem Wachstumsdreieck angeschlossen und 1997 die Provinzen Jambi, Benkulu, Süd Sumatra, Lampung und West Kalimantan (THAN 2000: 44).
18
drei Staaten teilen. Für die Wirtschaft ist es wichtig, dass das Kapital über die Grenzen fließen kann, die günstigen Arbeitskräfte, in diesem Fall die Indonesier, aber an ihrem Platz bleiben. Dieser Ansatz wird auch von SPARKE ET AL. (2004: 496) betont: „Clearly, first and foremost, the Triangle is not borderless“.
2.4 Die Entwicklungen im Wachstumsdreieck und die Auswirkungen der Asienkrise
Die ersten Jahre der Zusammenarbeit zwischen Singapur und Johor bzw. Batam verliefen erfolgreich. Laut MACLEOD / MCGEE (1996: 425) gab es einen merklichen Anstieg des Flusses von Gütern, Kapital, Informationen und Menschen zwischen Singapur und Johor bzw. Batam. Die ersten großen Interaktionen fanden durch die Medien statt, Fernsehprogramme aus Johor und Piratensender aus Batam, die die nationalen Grenzen überquerten. Zu den weiteren Verbindungen zwischen den drei Gebieten zählen die sich verbessernden Bootsverbindungen zwischen Singapur und den Riau-Inseln, die Einführung von so genannten „Smart Cards“ 10 , die es Personen, die in die Aktivitäten des Wachstumsdreiecks involviert sind, erlauben den Grenzübergang schneller zu passieren, sowie der geplante Bau eines zweiten Überganges zwischen Johor und Singapur.
Auch LINDQUIST (2002: 65) beschreibt die ökonomische Entwicklung nach dem Entstehen des Wachstumsdreiecks als sehr positiv. Steigende Investitionen, Migration und Tourismus haben Batam in ein boomendes Grenzgebiet umgewandelt. Die Genehmigungen für Aus-landsinvestitionen verfünffachten sich zwischen 1988 und 1990 und der Wert der Exporte stieg beachtlich. Die Zahl der Touristen wuchs von 60.000 im Jahr 1985 auf 1.073.000 im Jahr 1997 und hält sich konstant bei einer Million jährlich (beispielsweise 2006: 1.013.000). Die Einwohnerzahl Batams ist von circa 3.000 in den 60er Jahren stark angestiegen und betrug 2006 schon 713.960 Menschen, davon 347.575 Männer und 366.385
Frauen 11 .
An dieser Stelle lassen sich zwei Definitionsformen des transnationalen Ansatzes erkennen. Einerseits entstehen durch die genannten Beispiele soziale Systeme, die durch permanenten Austausch gekennzeichnet sind, so wie sie auch von PORTES / GUARNIZO / LANDOLT (1999:
10 Die Smart Card wurde 1991 eingeführt, um den Strom der Investoren und Arbeiter im Wachstumsdreieck über die Grenze reibungsloser zu gestalten. Statt eines Passes kann bei der Grenzkontrolle diese Karte vorgezeigt werden, was das Verfahren vereinfacht (THAN 2000: 54).
11 BATAM INDUSTRIAL DEVELOPMENT AUTHORITY, http://www.batam.go.id/home/eng/data_kependudukan.php, 10.08.2007.
19
219) als „high intensity of exchanges, the new modes of transacting, and the multiplication of activities that require cross-border travel and contacts on a sustained basis” beschrieben werden. Andererseits wird Transnationalismus durch neue Transport- und Kommunikationsmittel ermöglicht bzw. vereinfacht. Diesen zweiten Punkt nennt beispielsweise VERTO- VEC (2004:447), der die Bedeutung neuer Technologien betont, vor allem der Telekommunikation, die Netzwerke von Menschen an voneinander entfernten Orten mit Schnelligkeit und Effizienz verbinden. Auch laut PORTES / GUARNIZO / LANDOLT (1999: 223) ist es die Verfügbarkeit von technischen Neuerungen, die den Transnationalismus für die Massen möglich macht, beispielsweise Lufttransport und neue Kommunikationsmittel.
In den frühen 90ern wurden die höchsten Investitionen im Wachstumsdreieck getätigt, da Singapur mit Wachstumsraten von 12,3% 1993 und 11,4% im Jahr 1994 boomte. Die Arbeitslosenquote fiel auf zwischen 1,7% und 2,7% und die Löhne stiegen. Dadurch konnten einfache Produktionstätigkeiten ausgelagert und einträglichere Finanz- und Leitungstätigkeiten in Singapur verankert werden.
1990 erreichten private Investitionen auf der Insel jährlich US$ 2.199 Millionen, 1996 hatten sie sich auf US$ 4.704 Millionen verdoppelt, wobei die höchsten Investitionen aus Singapur kamen. Acht Industriegebiete wurden in dieser Zeit fertig gestellt (SPARKE ET AL. 2004: 489, 490). Durch diesen Erfolg kamen in den 1990er Jahren mehr Migranten nach Batam, als die Regierungen sich vorher erhofft hatten (LINDQUIST 2002: 66).
Als die Asienkrise 1997/98 die Region erschütterte, verblasste die angebliche Komplementarität neben der aufkommenden Sorge bezüglich eines Wettbewerbs. Die Arbeitslosenquote in Singapur stieg 2002 auf 5,2% und neue Orte zur Expansion wurden, für Unternehmen mit US-Dollar, günstiger. In diesem neuen Kontext wurde das Interesse, in Batam und Jo-hor zu investieren, vermindert und man konnte die Abhängigkeit des Wachstumsdreiecks von der Entwicklung in Singapur erkennen (SPARKE ET AL. 2004: 489). Die Auswirkungen der Asienkrise auf Batam waren jedoch noch andere. Ungefähr ein Jahr nach ihrem Beginn entschloss sich die malaysische Regierung mit der „Operation Go Away“ gegen die circa eine Million indonesischer illegaler Arbeitsmigranten in ihrem Land vorzugehen. Tausende von Indonesiern kamen in Haft und wurden ausgewiesen. Die meisten wurden in indonesische Hafenstädte auf Sumatra gebracht. Von dort fanden viele ihren Weg ins nahe gelegene Batam, wo sie versuchten Geld zu verdienen, um der Schande, mit leeren Händen in die Heimat zurückzukehren, zu entkommen. Gleichzeitig flohen viele
20
Arbeit zitieren:
Yvonne Bach, 2008, HIV als transnationales Problem, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Südasienkunde, Südostasienkunde: HIV als transnationales Problem ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Südasienkunde, Südostasienkunde: neuer Titel erschienen: HIV als transnationales Problem
Yvonne Bach hat einen neuen Text hochgeladen
HIV/AIDS - eine gesellschaftspolitische Herausforderung
Prävention und Frauen im Blick...
Bettina Gradl
Religionen im Kampf gegen HiV/Aids
Quellen � Spiritualität � Ethi...
André A. Gerth, Simone Rappel, Anna Noweck
ARE NATURAL SUPPLEMENTS AN ANSWER TO THE PROBLEM OF HIV/AIDS?
A MATHEMATICAL APPROACH
GIFT TAPEDZESA
Positive Prevention: Reducing HIV Transmission Among People Living wit...
Reducing HIV Transmission amon...
Seth C. Kalichman
Audit of HIV/AIDS Policies: In Botswana, Lesotho, Mozambique, South Af...
R Social Aspects of HIV/AIDS and Health
0 Kommentare