1
Einleitung
Grundfrage seiner Dissertationsarbeit ist die Frage nach dem Verhältnis des gegenständlichen Bildes zum Wort des Evangeliums - wie und inwieweit das Bild der Verkündigung dienen kann. Die katechetische Funktionen von Bildern soll dabei vor allem in ihren meditativen Aspekten untersucht werden, da die frühe griechische Theologie hier ein weitaus tiefergehendes Verständnis der katechetischen Funktionen von Bildern entwickelt hatte als der Westen. Katechese versteht Lange dabei nicht nur als Erstunterweisung, sondern als alle dem Glauben förderlichen Effekte, die durch Bilder hervorgerufen werden können - er benennt insbesondere die Funktionen der Heilsbelehrung, Vergegenwärtigung und der gläubigen Reaktion.
Zeitlich und sachlich soll sich die Arbeit auf die theologischen Reflexionen griechischer Theologen des sechsten bis neunten Jahrhunderts über die ihnen bekannten Bildwerke beschränken, da nur in diesem Zeitraum originäre Ideen und Entwicklungen vermutet werden, die den Bildergebrauch der Kirche nachträglich zu rechtfertigen versuchen.
I. Die Kappadokier und die Vorgeschichte des Vergleichs von Bild und Wort.
Beginnend mit Basileios wird die Vorgeschichte des Vergleichs von Bild und Wort untersucht. Als erster Zeuge wurde Basileios ausgewählt, weil in seiner Homilie auf den Martyrer Barlaam zum ersten Mal eine positive Äußerung über Bilder zu verzeichnen ist. Der Vergleich der Tätigkeit der Arbeit des Malers mit der des Predigers ist hierbei ein rhetorischer Kunstgriff, die Malerei stellt in Basileios Augen eine Fortsetzung und Steigerung der Predigt mit den Mitteln des Malers dar und dient ebenso wie die Predigt der Verherrlichung der Taten des Martyrers. An anderer Stelle parallelisiert er Malerei und Geschichtsschreibung in der Weise, daß die Malerei das Gleiche, das die Geschichtsschreibung zu Gehör bringt, vor Augen führe und damit Vorbilder erzeuge. Diese Parallelisierung läßt sich jedoch nur vor dem Hintergrund der antiken griechischen Geistesgeschichte verstehen. Der Autor führt dazu Plutarch,
2
Thukydides und Dion Chrysostomos als Beispiele an. Der Zusammenhang zwischen Wort und Bild wird dabei so beschrieben, daß die Wirkung des Bildes idealerweise genauso mit Hilfe der Geschichtsschreibung erreicht werden soll, der Zuhörer soll zum Augenzeugen gemacht werden. Dem gemalten Bild wurde also eine höhere Bedeutung zugemessen als dem Wort, da seine Wirkung dem Ideal der e0na/rgeia (Deutlichkeit/Klarheit) näher kommt. Auch bedürfe es weitaus größerer Anstrengung, ein Bildnis oder eine Statue zu erschaffen, die den Vorstellungen der Menschen von ihren Göttern entspricht, als den Vorstellungen mit Hilfe der Dichtung nahezukommen. Für das klassische Griechenland wird daher ein Primat des Sehens vor dem Hören konstatiert, während gleichzeitig die Poesie höher als die bildende Kunst eingeschätzt wurde. Erst im Hellenismus schließt die Kunst in ihrer Bedeutung zur Poesie auf und macht die Äußerung des Basileios erst möglich.
Nachdem er für diese Entwicklung weitere Zeugen angeführt hat, schließt Lange also für die kappadokischen Väter, daß der Vergleich zwischen Wortkunst und Bildkunst für den Gebildeten der damaligen Zeit nahelag. Von diesen war Gregor von Nazianz der Unbefangenste im Umgang mit Bildern. In seinen Augen bestand der Wert der Kunst im wesentlichen in ihrer Funktion, darin, daß auch sie lehren kann. Auch er gesteht dem gemalten Bild die größere Überzeugungskraft zu. Für Gregor von Nyssa wird festgestellt, daß er die besondere Überzeugungskraft von Bildern in der Predigt verwandt hat, um die Suggestionskraft einer biblischen Erzählung noch zu steigern. Er beschrieb auch das Verhältnis Gott-Mensch mit Hilfe von Bildnismetaphern. Als Ergebnis des Kapitels hält Lange fest, daß die positiven Aussagen über Bilder im Zusammenhang der rhetorisch-literarischen Tradition der damaligen Zeit zu sehen sind und sich deshalb daraus keine prinzipielle Billigung von gemalten Bildern ergibt, da ihnen gegenüber noch Bedenken dahingehend bestanden, daß sie dem aktiven Glaubensvollzug eher hinderlich sein könnten.
3
II Joannes Chrysostomos
Joannes Chrysostomos beschrieb seine besondere Verehrung für den Apostel Paulus in einem Vorbild-Abbild Vergleich. So wie Christus das Vorbild des Paulus war, dem er nach seiner Bekehrung immer ähnlicher wurde, so soll auch Paulus durch eine genaue Darstellung zum Vorbild für die Gläubigen werden. Als bemerkenswert für Chrysostomos stellt Lange heraus, daß Paulus selbst als das Abbild Christi gesehen wird, das Hauptaugenmerk dabei auf die Entstehung dieses Bildes und nicht auf das Ergebnis gerichtet ist und Chrysostomos es von einem materiellen Bild deutlich abhebt. Das Bild, das durch ihn von Paulus geschaffen wird, ist ein lebendiges, weil sich seine Schilderung nicht durch stofflich gebundene Künste darstellen läßt.
III Hypatios
Von Hypatios von Ephesos ist ein Dialogfragment zur Bilderfrage überliefert. Sein Standpunkt zu der Frage, ob gemalte Bilder oder Bildwerke in und an Kirchen zulässig sind, gründet sich in der Überlegung, ob durch das Bild die Grenze zwischen Schöpfer und Geschöpf eingehalten wird, folglich ist ein Bilderverbot unnötig, wenn diese Grenze eingehalten wird und das Bildnis nicht mit Gott gleichgesetzt wird. Bilder sind für ihn legitimiert, wenn sie der Heranführung an den Glauben dienen. Damit kann sowohl derjenige, der noch neu im Glauben ist, als auch die, die vor allem über das Auge erreichbar sind, einen Zugang zu Gott finden. Gleichzeitig wird aber dem Gläubigen, der Bilder für seine Hinwendung zu Gott benötigt, der „vollendetere“ Gläubige entgegengesetzt, der diese nicht mehr benötigt und Gott in seinem Geiste verehren kann. Hypatios steht damit in der Tradition von Paulus und Origines, die in der Verkündigung der Schrift eine ähnliche, dem Entwicklungsstand im Glauben angemessene Reihenfolge empfohlen haben. Um seinen Vorstellungen höchste Autorität zu verleihen, führt er als Beispiele göttlicher Bildpädagogik die von Mose auf sein Geheiß errichteten Cherubim sowie den Stern an, der die Magier zu Christus hingeführt hat.
Quote paper:
Christoph Osterholt, 2001, Rezension: Günter Lange: Bild und Wort: die katechetischen Funktionen des Bildes in der griechischen Theologie des sechsten bis neunten Jahrhunderts. Würzburg 1969, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 25 Pages
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 35 Pages
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 15 Pages
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 25 Pages
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 20 Pages
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Termpaper, 14 Pages
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Script, 46 Pages
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Presentations, Models, Tutorials, Instructions
Elaboration, 39 Pages
Christoph Osterholt has published the text Rezension: Günter Lange: Bild und Wort: die katechetischen Funktionen des Bildes in der griechischen Theologie des sechsten bis neunten Jahrhunderts. Würzburg 1969
Christoph Osterholt has uploaded a new text
LolliPop Wörterbuch mit Bild-Wort-Lexikon Französisch
Für Kinder der Grundschule
Gerhard Sennlaub
Karte Bild Wort. Grundschulatlanten. Schülerband. hessen Ausgabe 2007 ...
Ausgabe 2007 / 2008
LolliPop Wörterbuch mit Bild-Wort-Lexikon Englisch. Neubearbeitung
Für Kinder der Grundschule
Gerhard Sennlaub
LolliPop Wörterbuch mit Bild-Wort-Lexikon Englisch. Neubearbeitung
Für Kinder der Grundschule
Gerhard Sennlaub
0 comments