Grundfrage seiner Dissertationsarbeit ist die Frage nach dem Verhältnis des gegenständlichen Bildes zum Wort des Evangeliums - wie und inwieweit das Bild der Verkündigung dienen kann. Die katechetische Funktionen von Bildern soll dabei vor allem in ihren meditativen Aspekten untersucht werden, da die frühe griechische Theologie hier ein weitaus tiefergehendes Verständnis der katechetischen Funktionen von Bildern entwickelt hatte als der Westen. Katechese versteht Lange dabei nicht nur als Erstunterweisung, sondern als alle dem Glauben förderlichen Effekte, die durch Bilder hervorgerufen werden können - er benennt insbesondere die Funktionen der Heilsbelehrung, Vergegenwärtigung und der gläubigen Reaktion.
Zeitlich und sachlich soll sich die Arbeit auf die theologischen Reflexionen griechischer Theologen des sechsten bis neunten Jahrhunderts über die ihnen bekannten Bildwerke beschränken, da nur in diesem Zeitraum originäre Ideen und Entwicklungen vermutet werden, die den Bildergebrauch der Kirche nachträglich zu rechtfertigen versuchen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Die Kappadokier und die Vorgeschichte des Vergleichs von Bild und Wort.
II Joannes Chrysostomos
III Hypatios
IV Leontios und andere Polemiker gegen die Juden
V Die Vrt’anes K’ert’ogh zugeschriebene armenische Bilderapologie
VI Germanos
Exkurs I su/ntomoj kai\ kefalaiw&dhj
VII Joannes Damaskenos
VIII Die Joannes von Jerusalem zugeschriebene Schrift „Contra Caballinum“
IX Das zweite Konzil von Nikaia [787]
Exkurs II Bilder ei)j a)na&mnhsin und die Spiritualität der mnh/mh qeou~
X Nikephoros
XI Theodoros Studites
Exkurs III: )Epigrafh/
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht das Verhältnis des gegenständlichen Bildes zum Wort des Evangeliums und analysiert, wie und inwieweit das Bild im Zeitraum des sechsten bis neunten Jahrhunderts der christlichen Verkündigung dienen konnte.
- Katechetische Funktionen des Bildes in der griechischen Theologie
- Vergleich von Bildkunst und Wortkunst im byzantinischen Kontext
- Die Rolle der Bilder vor dem Hintergrund des ikonoklastischen Streits
- Theologische Begründungen der Bilderverehrung durch verschiedene Kirchenväter
- Zusammenhang von Bild, Erinnerung (anamnesis) und Heilsvermittlung
Auszug aus dem Buch
II Joannes Chrysostomos
Joannes Chrysostomos beschrieb seine besondere Verehrung für den Apostel Paulus in einem Vorbild-Abbild Vergleich. So wie Christus das Vorbild des Paulus war, dem er nach seiner Bekehrung immer ähnlicher wurde, so soll auch Paulus durch eine genaue Darstellung zum Vorbild für die Gläubigen werden. Als bemerkenswert für Chrysostomos stellt Lange heraus, daß Paulus selbst als das Abbild Christi gesehen wird, das Hauptaugenmerk dabei auf die Entstehung dieses Bildes und nicht auf das Ergebnis gerichtet ist und Chrysostomos es von einem materiellen Bild deutlich abhebt. Das Bild, das durch ihn von Paulus geschaffen wird, ist ein lebendiges, weil sich seine Schilderung nicht durch stofflich gebundene Künste darstellen läßt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Grundfrage des Verhältnisses von Bild und Wort sowie Abgrenzung des zeitlichen Rahmens.
I. Die Kappadokier und die Vorgeschichte des Vergleichs von Bild und Wort.: Untersuchung der rhetorischen Parallelen zwischen Malerei und Predigt bei den Kappadokiern.
II Joannes Chrysostomos: Analyse des Vorbild-Abbild-Verhältnisses am Beispiel des Apostels Paulus.
III Hypatios: Darstellung der Legitimation von Bildern unter Berücksichtigung der Grenze zwischen Schöpfer und Geschöpf.
IV Leontios und andere Polemiker gegen die Juden: Untersuchung der Argumente im fiktiven Dialog zur Verteidigung der Bilderverehrung gegen jüdische Kritik.
V Die Vrt’anes K’ert’ogh zugeschriebene armenische Bilderapologie: Vorstellung einer Bilderapologie, die Bild und Wort in ihrer Materialität verbindet.
VI Germanos: Untersuchung der Korrespondenz des Patriarchen zur Legitimation von Heiligenbildern.
VII Joannes Damaskenos: Analyse der Bilderreden als Antwort auf den Ikonoklasmus.
VIII Die Joannes von Jerusalem zugeschriebene Schrift „Contra Caballinum“: Betrachtung der Streitschrift gegen den ikonoklastischen Kaiser Konstantin Kopronymos.
IX Das zweite Konzil von Nikaia [787]: Auswertung der Beschlüsse zur offiziellen Anerkennung der Bilderverehrung.
X Nikephoros: Analyse der theologischen Verteidigung der Bilder durch den Patriarchen von Konstantinopel.
XI Theodoros Studites: Untersuchung der dogmatischen Herangehensweise und der Bedeutung der Bildbeschriftung.
Schlüsselwörter
griechische Theologie, Bilderstreit, Ikonoklasmus, Bild und Wort, Katechese, Bilderverehrung, Kirchenväter, Byzantinische Kunst, Heilsgeschichte, Proskynese, Hypomnesis, Inkarnation, Bildprogramm, Christusbild, Heiligenbilder
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit rezensiert die Dissertation von Günter Lange, die sich mit den katechetischen Funktionen von Bildern in der griechischen Theologie des 6. bis 9. Jahrhunderts befasst.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen das Verhältnis von Bildkunst zu Wortverkündigung, die theologische Legitimation von Bildern sowie deren pädagogische und meditative Bedeutung für den Glauben.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie frühe griechische Theologen die Funktion von Bildern als Ergänzung und Steigerung des Wortes im Kontext der Heilslehre und Glaubensvermittlung verstanden haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine quellenkritische Analyse theologischer Schriften durch, indem er die Positionen bedeutender Denker wie Basileios, Johannes Damaskenos und Theodoros Studites chronologisch und inhaltlich aufarbeitet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden verschiedene Väter der Kirche und Konzilien analysiert, um die Entwicklung der bilderfreundlichen Positionen in Byzanz während der ikonoklastischen Periode nachzuzeichnen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Ikonoklasmus, Bildtheologie, Katechese, Heilsökonomie, Proskynese und das Verhältnis von Urbild und Abbild.
Wie unterscheidet sich die Auffassung von Hypatios von der des Theodoros Studites?
Während Hypatios Bilder eher als Stufe für weniger Vollkommene im Glauben ansieht, bewertet Theodoros Studites sie als notwendiges Mittel zur Gotteserkenntnis für jeden Gläubigen.
Welche Rolle spielt die Bildbeschriftung in der späteren Diskussion?
Die Aufschriften werden als integraler Bestandteil des Bildes begriffen, die zur Identifizierung beitragen und die Verehrung vom materiellen Bild auf das transzendente Urbild lenken.
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- Christoph Osterholt (Author), 2001, Rezension: Günter Lange: Bild und Wort: die katechetischen Funktionen des Bildes in der griechischen Theologie des sechsten bis neunten Jahrhunderts. Würzburg 1969, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17417