Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort 1
2. Die Hsiung-nu 1
2.1 Die chinesischen Quellen 3
3. Die europäischen Hunnen 6
3.1 Die europäischen Quellen 9
4. Nachwort 14
5. Literaturverzeichnis 16
1
1. Vorwort
Zwischen den Grenzen der antiken europäisch-vorderasiatischen und der alt- chinesischen Welt erstreckt sich die mittelasiatische Steppen- und Wüstenregion. Sowohl im Westen wie im Osten musste man sich mit den aus der Steppe in die Kulturlandschaft eindringenden Nomaden auseinandersetzen. Diese Auseinandersetzung fand nicht nur kriegerisch oder wirtschaftlich statt, auch Historiographen, religiöse Kommentatoren und andere „Sinnstifter“ sahen sich genötigt, den ganz anderen, nicht mit sesshaften Völkern gleichsetzbaren Eindringlingen ihren Platz in der Weltgeschichte zuzuweisen.
Die Arbeit soll untersuchen, wie die Hunnen in Ost und West wahrgenommen wurden, in welchen Punkten sich die Beschreibungen gleichen und unterscheiden und in wie weit die Aussagen der antiken Autoren durch die Ergebnisse archäologischer Forschungen gedeckt sind. Vor diesem Hintergrund können dann Vermutungen über die Gründe von Fehleinschätzungen angestellt werden. Dabei soll die durchaus strittige Frage
der Gleichsetzung der Hsiung-nu 1 mit den Hunnen irrelevant sein: so wie „die Hunnen“ ein Exempel in Ost und West sein konnten, ist der Konflikt zwischen sesshafter und nomadischer Welt an ihnen exemplarisch zu erkennen.
2. Die Hsiung-nu
Die Hsiung-nu sind den Chinesen seit Beginn ihrer Geschichte bekannt. Zunächst Hu, Hiun-yu oder im 9.-8. Jh. v. Chr. Hien-yün genannt, erhalten sie den Namen Hsiung-nu erst ab dem 3. Jh. v. Chr. Das Wort Hu bezeichnete dabei in seiner Grundbedeutung die „Bartträger“, also alle Ausländer bzw. Barbaren, hatte allerdings auch eine ganze Anzahl von abfälligen, „barbarisches“ Verhalten kennzeichnenden Nebenbedeutungen. Auch der ihnen schließlich zugewiesene Name ist eine Kombination aus der
1 Da es in der mir vorliegenden Literatur offenbar keine Konvention über die Transkription des
Chinesischen in lateinische Buchstaben gibt, habe ich die am häufigsten vorkommenden
Versionen übernommen. Etwaige Inkonsequenzen bitte ich deshalb zu entschuldigen.
2
Transkription ihres Ethnonyms ins Chinesische (Hsiung) und der abwertenden
Bezeichnung nu (Sklave) 2 .
Ähnlich der Entwicklung ihrer Benennung durch Chinesen scheint sich ihre Genese zu einem Volk verhalten zu haben: von unbedeutenden Nomaden- Barbaren, die im Ordosgebiet und der Gobi lebten, zu einer geeinten und starken Nation in der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts vor Christus. Ihre Überfälle sind dabei nicht ohne Wirkung auf die chinesische Zivilisation geblieben. Die chinesischen Könige, die den Angriffen der berittenen Krieger widerstehen mussten, sattelten wortwörtlich um und übernahmen die Kavallerie und weitere militärische Eigenarten und Techniken und man begann mit dem Bau dessen, was später einmal die große Mauer werden sollte. Aber erst mit der Einigung begannen die nunmehr Hsiung-nu genannten eine ernste Bedrohung für das durch die Ch’in-Dynastie (256-207 v. Chr.) vereinigte China zu werden, das sie gegen 214 aus dem Ordosgebiet vertrieben hatte. Diese Vertreibung scheint der Auslöser für Angriffe der Hsiung-nu gegen die in der Provinz Kansu ansässigen Yüeh-chih gewesen zu sein, die sie nun ihrerseits nach Westen abdrängten und damit zur stärksten Macht in der inneren Mongolei wurden. Von hier aus führten sie zwischen 170 und 140 v. Chr. immer wieder Razzien bis tief in chinesisches Territorium durch 3 .
Die Hsiung-nu orientierten sich in dieser Zeit an der Staatsorganisation der Chinesen, man holte chinesische Handwerker, Bauern, Schreiber und Militärberater ins Land und ihr Herrscher ließ sich wie der chinesische Kaiser als „Sohn des Himmels“ (Chan-yü) titulieren. China versuchte indes, die Beziehungen zu den Hsiung-nu durch Tributzahlungen, Verheiratungen chinesischer Prinzessinnen mit dem Chan-yü und diplomatische Verträge weitgehend friedlich zu erhalten. 4
Eine aktive Politik gegen die Hsiung-nu begann erst nach der Thronbesteigung des Han-Kaisers Wu-ti (140-87). In einer Reihe von Feldzügen gelang es, die Hsiung-nu aus Kansu zu vertreiben (121) und durch Kolonisation und
2 Wilkinson, E.: Chinese History. A Manual. Cambridge/London 2000, 724-725. (Künftig
abgekürzt: Wilkinson: Chinese History).
3 Grousset, R.: Die Steppenvölker. Attila – Dschingis Khan – Tamerlan. München 1970, 50-51;
68. (Künftig abgekürzt: Grousset: Steppenvölker)
4 Eberhard, W.: Geschichte Chinas. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Stuttgart 1971, 85-
86.
3
Militärstützpunkte sowohl diese Provinz, als auch das Ordosgebiet dauerhaft zu sichern und die Hsiung-nu bis in die Obere Mongolei zurückzuwerfen. Gegen
60 v. Chr., als die Hsiung-nu wegen Bürgerkriegen um den Titel des Chan-yü
geschwächt waren, gelang es China, die Kontrolle über die Seidenstraße bis Turfan zu gewinnen, den einen der beiden Prätendenten, Hu-han-yeh, zum Vasallen zu nehmen und seinen Konkurrenten Chih-chih mit einem Teil der
Hsiung-nu Richtung Westen zu verdrängen (nach 49 v. Chr.) 5 . Für den nach Westen auswandernden Teil der Hsiung-nu beginnt nun eine quasi geschichtslose Zeit, da sie erst im 4. Jahrhundert wieder mit einer sesshaften, geschichtsschreibenden Zivilisation, der griechisch-römischen, in Kontakt kommen, während die Geschichte der Hsiung-nu mit den Chinesen noch einige Jahrhunderte weitergeht. Diese soll aber nicht weiter verfolgt werden, weil die wesentlichen Geschichtswerke, die Auskunft über die chinesische Sichtweise der Hsiung-nu/Hunnen geben, in dieser Zeit der Trennung von westlichen und östlichen Hsiung-nu verfasst wurden oder bereits verfasst worden waren.
2.1 Die chinesischen Quellen
Die „Shih-chih“ (Historische Schriften) von Ssuma Ch’ien (ca. 145-85 v. Chr.) ist das erste der Geschichtswerke, die systematisierend biographisch- annalistische Berichte über einzelne Herrscher liefern und in erster Linie der Legitimation der herrschenden Dynastie dienen sollten. Im Rahmen dieser Biographien werden ethnographische Exkurse geliefert, die sich unter anderem auf die Hsiung-nu erstrecken. Die Shih-chih wurden in den Jahren 104-87 zusammengestellt und decken den Zeitraum vom legendären Gelben Kaiser bis
zum Jahr 95 v. Chr. ab 6 . Ssuma Ch’ien führte damit das Werk seines Vaters, des Hofastronomen und Historikers Ssuma T’an (gest. 110 v. Chr.) weiter, indem er die historischen Schriften und Überlieferungen sammelte, anordnete und mit eigenen Kommentaren und Überlegungen in Beziehung setzte. Im Zusammenhang mit seiner Verteidigung des Li Ling, der während einer Strafexpedition gegen die Hsiung-nu vernichtend geschlagen worden war, fiel Ssuma Ch’ien beim Kaiser in Ungnade, wurde entmannt und eingekerkert. Sein
5 Grousset: Steppenvölker, 68-70; 73-74.
6 Wilkinson: Chinese History, 501-503.
Quote paper:
Christoph Osterholt, 2002, Hunnen als Exempel aus chinesischer und westlicher Sicht, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Stuart Hall: Die Frage der Kulturellen Identität
Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
Scholary Paper (Seminar), 28 Pages
Ritualisierung bei Mary Douglas
Sociology - Culture, Technology, Peoples / Nations
Termpaper, 15 Pages
Gesellschaftskritische Ansätze: Brecht, Enzensberger
Communications - Theories, Models, Terms and Definitions
Scholary Paper (Seminar), 18 Pages
"Wider den undeutschen Geist" - Das Buch im Dritten Reich
Scholary Paper (Seminar), 30 Pages
Bevölkerungspolitik in Entwicklungsländern - veranschaulicht am Beispi...
Sociology - Political Sociology, Majorities, Minorities
Scholary Paper (Seminar), 14 Pages
Realismustheorien - Die Rolle der NATO nach dem Ende des Ost-West-Konf...
Politics - International Politics - Topic: International Organisations
Scholary Paper (Seminar), 34 Pages
Fotographie - ein geeignetes Mittel zur Feldforschung?
Ethnology / Cultural Anthropology
Termpaper, 15 Pages
Die 'süße Macht' der Kolonialwaren - Zucker als Einflussfaktor...
Cultural Studies - Basics and Definitions
Scholary Paper (Seminar), 17 Pages
Staatslose Gesellschaften. Das theoretische Konzept der social anthro...
Ethnology / Cultural Anthropology
Termpaper, 16 Pages
Zum Umgang mit Tod in industri...
Ethnology / Cultural Anthropology
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 19 Pages
Sterben und Rituale - Braucht die Gesellschaft Sterberituale?
Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
Scholary Paper (Seminar), 27 Pages
Die Relevanz von Ritualen in westlichen Kulturen am Beispiel von Heilu...
Ethnology / Cultural Anthropology
Termpaper, 21 Pages
Die Front im Kino: Ernst Lubitschs Anti-Nazi-Satire To Be Or Not To Be
Termpaper, 19 Pages
Die Bedeutung des Anderen - Identitätskonstruktion zur Zeit des Koloni...
German Studies - Miscellaneous
Termpaper, 14 Pages
Christoph Osterholt has published the text Hunnen als Exempel aus chinesischer und westlicher Sicht
Christoph Osterholt has uploaded a new text
Westliche und traditionell chinesische Heilkräuter
Die wichtigsten 50 Rezepturen
Florian Ploberger
Kulturen des Lehrens im Früh- und Hochmittelalter
Autorität, Wissenskonzepte und...
Sita Steckel
0 comments