Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
Vernetzung im Landkreis 5
Kooperation im klinischen Kontext 5
Kinder - und Jugendpsychiatrie 5
Tagespsychiatrische Klinik 5
Kinder - und Jugendpsychiater
Kinderstation des Kreiskrankenhauses 5
Kinder ärztInnen 5
Sozialp ädiatrisches Zentrum 5
Niedergelassene DiplompsychologInnen und PsychotherapeutInnen 6
Kooperation mit Behörden und Justiz 7
Polizei 7
Justiz 7
Jugendamt 7
Schulamt 7
Kooperation im beraterischem Kontext 7
Beratungsstellen 7
Kooperation innerhalb der eigenen Einrichtung 7
Zusammenfassung der Kooperationsbedingungen
im regionalen sozialen Netzwerk 8
Gemeinsame Reflektion 9
HelferInnenkonferenz 10
Kollegiale Fallbesprechung / Teamberatung 10
Kollegiale Fallbesprechung / Intervision 10
Supervision 10
Zusammenfassung Gemeinsame Reflektion 12
Schlussfolgerungen 13
Anmerkungen 14
Quellenverzeichnis 16
2
Einleitung
Mein ursprüngliches Thema war es gewesen, den Bedingungen für eine selbstständige, nicht institutionell eingebundene psychotherapeutische Praxis nachzugehen, welches ich dann verwarf, weil ich vermutete, dass einE selbstständig arbeitende TherapeutIn eigentlich keine seriöse Opfer- oder TäterInarbeit anbieten kann - Opferarbeit ist nicht nur in meinem eigenen Erfahrungshorizont 1 ebenso Teamarbeit, wie auch TäterInnenarbeit grundlegend sich darauf gründet. Die Gründe liegen
• in der Spezifik psychotherapeutischen Arbeitens, das die alltäglichen Übertragungs-und Gegenübertragungsdynamiken zwischen Menschen und in deren Interaktionen durch den fokussierten Rahmen zu konzentrieren und dadurch im konstruktiven Fall produktiv zu nutzen vermag.
• in der Motivation therapeutisch arbeitender Menschen, dazu beizutragen, dass ein psychisch zu unterstützender Mensch sich in seinem / ihrem Leben positiver, wohler, verbundener und (erwartungs-)froher fühlen mag. Diese Motivation nährt sich aus der Fähigkeit empathischen Empfindens, das dazu beiträgt, über die zunächst vermuteten eigenen Beschränkungen und Grenzen hinaus, sich in ein Gegenüber einfühlen zu können. Diese ständig fließenden interaktiven miteinander gestalteten Grenzen dürfen nicht zu Verstrickungen und Übernehmen der Geschichte des Anderen führenbedürfen somit der Bewusstheit und der Reflektion. Desgleichen trägt beides dazu bei, zu erkennen, welche eigenen biographischen und charakterlichen Anteile die professionelle Interaktion beeinflussen 2 . Diese Erkenntnis macht verantwortungsvolle wertschätzende Kommunikation möglich, für die die TherapeutIn beruflich angefragt ist 3 .
• in der bearbeiteten Gewaltthematik per se.
Wird die - beruflich bedingte - fortlaufende Auseinandersetzung mit der Thematik naiv und ungeschützt betrieben, wird dies, auch beim optimistischsten Menschen- und Weltbild 4 , vermutlich zu einer Erschütterung des Weltbildes führen, die sich durch Verlust des Vertrauens 5 - in die eigene Wahrnehmung und Begrenztheit, in eineN AndereN, in das Leben schlechthin - destruktiv kennzeichnet.
1 Die „Qualitätsstandards der Thüringer Kinder- und Jugendschutzdienste“ legen großen Wert auf die konzeptionelle Festschreibung dieser Herangehensweise. Die für diese Arbeit interessanten Auszüge finden sich im Anhang in Anmerkung 1.
2 „Zum einen können Fachkräfte (und deren PartnerInnen) sich und ihre Systeme durch Selbstfürsorge und hohe Reflexionsfähigkeit sowie Reflexionsbereitschaft schützen. Dies setzt ein Einlassen auf die eigenen Themen und Grenzen und eine bewusste Achtsamkeit mit sich selbst voraus. Zum anderen können Einrichtungen durch die Gestaltung der institutionellen Rahmenbedingungen als tragendes und unterstützendes Netz der Fachsysteme einen wesentlichen Teil zum Schutz beitragen.“ (Gies, Hedi. S.12)
3 Bild „LandArt“: http://www.atelier.ulrikeaepfelbach.de/typo3temp/pics/ca8f0411b2.jpg
4 „Als Therapeuten und als Menschen verfügen wir über die wunderbare Fähigkeit, das Grausame und das Gemeine zu transzendieren. Tatsächlich kommt es in der Therapie durch Akte der Hingabe, Inspiration und Güte zu erstaunlichen Augenblicken. Würden wir uns selbst als Therapeuten und unsere Klienten als Menschen nicht idealisieren, wären wir nie fähig, so über uns selbst hinauszuwachsen, wie es nötig ist.“ (Madanes. S. 13ff)
5 „Bis zu einem gewissen Grad muss sich der Therapeut von den Gefühlen seines Patienten überschwemmen lassen. Er muss darauf gefasst sein, dass er bei der Behandlung traumatisierter Patienten von Zeit zu Zeit sein Gleichgewicht verliert. Er ist nicht unfehlbar. Unabdingbar dafür, dass der Therapeut seine Arbeit tun kann, ist
3
Dem hohen Stellenwert der sich ergänzenden und parallel laufenden Reflektionsmodi und Entschleunigungszeiten kann am leichtesten im instituionellen Rahmen nachgegangen werden; es sind im Folgenden qualitätssichernde Eckpunkte therapeutischer Arbeit aufgelistet, derer sich eine AngestelltE risikofreier bedienen kann, als eine selbstständige PsychotherapeutIn, die behandlungsfreie Zeiten zunächst einmal erwirtschaften muss:
• in derselben Institution individuelle Arbeit, die, wenn nicht in einem Team, so doch kollegial eingebunden und jederzeit kommunizierbar ist.
• Institutionelle Möglichkeit zu Einzel-, Team- oder Fallsupervision
• In die Arbeitszeit zu integrierende Netzwerkarbeit
• Fortbildungen, deren zeitliche / geldliche Verrechnung ausgehandelt werden kann
• Bildungsurlaub
• Auszeiten ohne Gehaltsverlust
• Bezahlte Urlaubszeiten
Aus der Praxis kenne ich das Widerstreben und die Unwilligkeit der niedergelassenen PsychotherapeutInnen, selbst an unseren Supervisionen, zu denen wir freundlich und kostenfrei einladen, mit teilzunehmen. Sind sie so einzuordnen, wie die Widerstände des Jugendamtes gegen längerfristige Maßnahmen auf dem Hintergrund finanzieller Vorsicht? Oder wie die Ängste der Schulen - inzwischen zum Teil mit Schulgeld - angesichts sich verringender SchülerInnenzahlen, die zum Verschweigen von Gewalt vor Ort führt? Geht es bei allem primär um den ökonomischen Faktor - oder ist er einer unter vielen? 6 Das kann gut sein, meine Gedanken werden ihn auch nicht außer Acht lassen, aber hier all den anderen, rein inhaltlichen Möglichkeiten nachgehen, da sie mir veränderungswilliger erscheinen.
Ich stelle daher kurz beschreibend die unterschiedlichen Kooperations- und Austauschmöglichkeiten, die ich kenne, exemplarisch vor. Der Überblick soll veranschaulichen, wie stark sich tatsächlich der interagierende Wechsel zwischen einer Beratungsstelle, die sich der Gewaltthematik stellt, mit den anderen Stellen des sozialen Netzwerks, darstellt, um dann Schlussfolgerungen für die Austauschmöglichkeiten einer selbstständig niedergelassenen TherarpeutIn zu ziehen.
nicht Allmacht, sondern die Fähigkeit, anderen zu vertrauen (Hervorhebung von mir). Deshalb braucht ein Therapeut, der traumatisierte Patienten behandelt, unbedingt verlässlichen Rückhalt bei Kollegen.“ (Hermann, Judith Lewis. S. 209)
6 Ich habe zudem überhaupt keine Vorstellungen vom durchschnittlichen Einkommen eines niedergelassenen Psychotherapeuten.
4
Arbeit zitieren:
Gaby Marske-Power, 2011, Beschreibung von Gestaltungsmöglichkeiten psychotherapeutischer Arbeit durch vernetzte Reflektion und Kooperation, München, GRIN Verlag GmbH
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