Überall auf der Welt finden sich Menschen zusammen um gemeinsam Spaß zu haben, um sich gegenseitig aufzubauen, sich zu vertrauen, sich zu helfen und füreinander dazusein. Unabhängig von der Kultur, vom Alter, von der Religion, der sozialen Schicht oder dem Geschlecht kommt die zwischenmenschliche Beziehung Freundschaft vor. Warum stellen wir Freundschaften zu anderen Menschen her? Ab wann beginnen Kinder Freundschaften einzugehen und was bedeutet Freundschaft für sie. Mit diesen Fragen möchte ich mich in meiner Belegarbeit auseinander setzen.
Denke ich an meine eigene Kindheit zurück, fällt mir in erster Linie meine beste Freundin ein, mit der ich im Kindergarten und Grundschule befreundet war. Kindheit duftet nach Freundschaft und Abenteuer, nach Zusammenhalt und Spaß. An Unterrichtsszenen aus der Grundschulzeit kann ich mich weniger erinnern, dafür aber umso besser an gemeinsame Erlebnisse und Gefühle mit und für meine Freundin. Ich könnte jetzt noch genau schildern, was ich empfunden habe, wenn wir zusammen Geheimnisse hatten, die Welt zusammen für uns entdeckt haben oder einfach das Glück, zu wissen, dass immer jemand für einen da war. Diese Freundschaft ist unvergleichlich mit den Freundschaften, die wir im Erwachsenenalter eingehen. Kinder haben ein ganz eigenständiges Bild von Freundschaften. In dieser Arbeit werde ich mich näher mit den Freundschaften von Kindern auseinandersetzen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bedeutung von Freundschaften
3. Der Freundschaftsbegriff bei Kindern
3.1 Freundschaftsbegriff bei Kindern
3.2 Entwicklung der Freundschaftsvorstellungen nach Selman
4. Freundschaft als Prozess
4.1 Bedingungen für die Entstehung von Freundschaften
4.2 Auswahl der Freunde
4.3 Freundschaftsbeginn und Aufrechterhaltung
4.4 Dauer und Beendigung von Freundschaften
5. Vorkommen und Merkmale von Kinderfreundschaften
5.1 Verhalten unter Freunden und Nicht-Freunden
5.2 Beste Freunde und lose Freunde
5.3 Gruppenspiel
5.4 Mädchenfreundschaften
5.5 Jungenfreundschaften
6. Zusammenfassung
7. Schlussfolgerung für die Schule
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung, Entstehung und Entwicklung von Freundschaften im Kindesalter. Das zentrale Forschungsinteresse liegt in der Analyse, wie Kinder soziale Beziehungen zu Gleichaltrigen definieren, welche Funktionen diese Freundschaften im Sozialisationsprozess erfüllen und wie sich das Verständnis von Freundschaft im Verlauf der Kindheit verändert.
- Entwicklungsstufen des Freundschaftsbegriffs nach Selman
- Psychologische Funktionen von Kinderfreundschaften
- Prozess der Entstehung, Auswahl und Aufrechterhaltung von Freundschaften
- Verhaltensunterschiede zwischen Freunden und Nicht-Freunden
- Geschlechtsspezifische Unterschiede in Freundschaftsmustern
- Pädagogische Implikationen für den schulischen Kontext
Auszug aus dem Buch
3.2 Entwicklung der Freundschaftsvorstellungen nach Selman
Selman stellt für diese Abfolge der Stufen die wachsende Fähigkeit die Perspektive Anderer bewusst zu übernehmen beziehungsweise sich in den anderen hineinversetzen zu können in den Vordergrund. Um mit Anderen umzugehen, muss man fähig sein, von sich selbst abzusehen. Insgesamt hat er fünf Stufen aufgestellt.
Im Alter zwischen drei und sieben sind Freundschaften als momentane physische Interaktionen zu sehen (Wagner nach Selman, 1994, p. 246). Kinder dieses Alters können noch nicht zwischen psychischen und physischen Merkmalen ihres Freundes unterscheiden. Auch kann noch nicht die eigene Perspektive von denen anderer unterschieden werden (Tücke, 1999, p. 246). Es zählen nur wahrnehmbare Handlungen, psychische Eigenschaften werden nicht berücksichtigt. Freunde sind für sie Kinder, mit denen sie gerade spielen oder die in ihrer Nähe wohnen. Es spielen vor allem körperliche Attribute und gemeinsame Aktivitäten ein Rolle. Konflikte entstehen durch physikalische Hindernisse, zum Beispiel wenn ein Kind dem Anderen ein Spielzeug wegnimmt. Die Kinder können zwar dauerhafte Beziehungen zu anderen Kindern haben, aber fassen diese nur als momentane Interaktion auf. Die Beziehung kann genauso schnell, wie sie begonnen hat, wieder zu Ende sein, zum Beispiel durch eine kleine Auseinandersetzung.
Im Alter zwischen sieben und neun Jahren spricht man von Freundschaft als einseitige Hilfestellung (Wagner, 1994, p. 28). Kinder unterscheiden nun zwischen physischen und psychischen Eigenschaften und haben auch gelernt, dass andere Kinder ebenso Gefühle und Bedürfnisse haben. Es fällt dem Kind aber noch schwer, sich in den anderen hinein zu versetzen. „Ein Freund ist jetzt derjenige, der das tut, was man selber will“ (Wagner, 1994, p. 28) und nur dann wird er als Freund akzeptiert. Konflikte entstehen einseitig durch das Verhalten des Partners und können auch nur einseitig gelöst werden, dass heißt einer der beiden muss sich dem Willen des Anderen fügen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die universelle Bedeutung von Freundschaft und stellt die Leitfragen zur Entstehung und Bedeutung von Beziehungen im Kindesalter.
2. Bedeutung von Freundschaften: Dieses Kapitel erläutert die psychologische Funktion von Peer-Beziehungen für die Sozialisation und die kognitive Entwicklung des Kindes im Vergleich zum Eltern-Kind-Verhältnis.
3. Der Freundschaftsbegriff bei Kindern: Hier werden die qualitativen Veränderungen in den Definitionen von Freundschaft bei Kindern sowie Selmans Stufenmodell der Perspektivübernahme dargestellt.
4. Freundschaft als Prozess: Das Kapitel behandelt die dynamische Natur von Freundschaften, von der ersten Kontaktaufnahme über die Auswahlkriterien bis hin zu Stabilität und Trennung.
5. Vorkommen und Merkmale von Kinderfreundschaften: Dieser Abschnitt analysiert Verhaltensweisen, Gruppenspiele und spezifische Dynamiken in Mädchen- und Jungenfreundschaften.
6. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung rekapituliert die Kernpunkte zur Bedeutung der Freundschaft als Lernfeld für soziale Kompetenzen und emotionale Unterstützung.
7. Schlussfolgerung für die Schule: Dieses Kapitel diskutiert, wie pädagogische Fachkräfte das Wissen über kindliche Freundschaften nutzen können, um ein förderliches Lernklima in der Schule zu schaffen.
Schlüsselwörter
Freundschaft, Kindesalter, Sozialisation, Peer-Beziehungen, Entwicklungspsychologie, Selman, Kooperation, Soziale Kompetenz, Identitätsentwicklung, Mädchenfreundschaften, Jungenfreundschaften, Gruppenspiel, Psychologie, Bindung, Interaktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Kinderfreundschaft, ihre Entstehung und die psychologische Bedeutung, die sie für die soziale und persönliche Entwicklung von Kindern hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind das soziale Lernfeld Freundschaft, die Unterscheidung zwischen Beste-Freunde-Beziehungen und losen Kontakten sowie die unterschiedlichen Entwicklungsetappen, die Kinder durchlaufen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Kinder ihre Freunde wählen, welche Funktionen diese Beziehungen erfüllen und wie Pädagogen das Wissen über Freundschaftsdynamiken im Unterricht nutzen können.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse psychologischer Fachliteratur, um den aktuellen Forschungsstand zu Kinderfreundschaften zusammenzufassen und zu strukturieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition des Freundschaftsbegriffs, die Analyse von Freundschaft als Prozess, spezifische Merkmale von Kinderfreundschaften sowie eine Differenzierung nach Geschlechtern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Freundschaft, Sozialisation, kindliche Entwicklung, Peer-Interaktion und pädagogische Relevanz in der Schule.
Wie unterscheidet sich die Freundschaft bei Kindern von der bei Erwachsenen?
Kinder definieren Freundschaft stärker über unmittelbare, physische Interaktionen und gemeinsame Spielaktivitäten, während sie im Laufe der Adoleszenz zunehmend durch Vertrauen und Selbstoffenbarung geprägt wird.
Warum spielt die Geschlechtertrennung in der Grundschulzeit eine Rolle?
Laut der Arbeit nutzen Kinder die Trennung in geschlechtshomogene Gruppen, um ihre Geschlechtsidentität zu festigen und spezifische soziale Modelle in einem geschützten Rahmen zu erproben.
- Quote paper
- Anika Kienast (Author), 2005, Freundschaften im Kindesalter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174269