Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung S.3
2. „Expertensicht“ - sprachwissenschaftliche Betrachtung 4
2.1. Blick in die Grammatiken 4
2.2. Aufsätze aus Fachzeitschriften - die zwei
Verwendungen von weil I 6
2.2.1. weil mit Verbendstellung. 7
2.2.1. weil mit Verbzweitstellung 8
2.3. Aufsätze aus Fachzeitschriften - die zwei
Verwendungen von weil II S.11
3. Ausgewählte laienlinguistische Perspektiven in
Sprachkolumnen S. 13
3.1. Bastian Sick 13
3.2. Eike Christian Hirsch S.15
4. Zusammenfassung S.18
5. Literaturverzeichnis S.19
2
1. Einleitung
Ob in Talkshows oder Kochsendungen im Fernsehen oder im Alltag auf der Straße - immer häufiger hört man heutzutage einen Nebensatz, der mit weil eingeleitet wird, in Kombination mit einer Verbzweitstellung, wie sie eigentlich meist in Hauptsätzen zu finden ist. So hörte man zum Beispiel beim „Perfekten Dinner“ auf VOX am 14.12.2010: „Ich habe nicht aufgegessen, weil ich mag keine Ente!“ oder „Vertraut euch, weil das brauchen wir jetzt!“ bei Popstars auf Pro7 am 18.11.2010. Einem sprachbewussten Germanistikstudenten fallen solche und ähnliche Sätze beim Hören oft auf und schnell werden sie einfach als „falsch“ abgestempelt.
Mit dieser Hausarbeit möchte ich die Kombination von Weil-Sätzen mit Verbzweitstellung genauer betrachten, um möglicherweise
herauszustellen, dass man solche Sätze nicht einfach „falsch“ bezeichnen kann, sondern dass es sich lohnt, einmal genauer hinzuschauen. Dabei möchte ich vor allem die laienlinguistische Betrachtung der sprachwissenschaftlichen Auseinandersetzung dieses Themas gegenüberstellen.
Da bei sprachlichen Zweifelsfällen meist zuerst der Duden in die Hand genommen wird, möchte ich zuerst beschreiben, wie dieses Thema in ausgewählten Grammatiken behandelt wird. Im Anschluss werde ich mithilfe einiger Aufsätze aus Fachzeitschriften erklären, wie dieses Thema in der Sprachwissenschaft behandelt wird. In einem letzten Punkt möchte ich dann anhand zweier Sprachkolumnen aufzeigen, wie die laienlinguistische Sicht auf dieses Thema ist und eventuelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten aufzeigen. Mit einer kurzen Zusammenfassung möchte ich meine Hausarbeit beenden.
2. „Expertensicht“ - sprachwissenschaftliche Betrachtung
2.1. Blick in die Grammatiken
Grammatiken gelten bei den meisten Menschen als Nachschlagewerke bei Unsicherheiten. Nicht nur der linguistische Laie greift fast immer zuerst zum Duden, wenn er sich bei der Schreibung eines Wortes, der Stellung der Satzglieder im Satz oder einer anderen sprachlichen Angelegenheit nicht sicher ist. Dort hofft er, die „richtige“ Lösung zu finden. Allein deshalb ist es für meine Hausarbeit interessant zu beschreiben, wie dieser Zweifelsfall von der Dudenredaktion behandelt wird. Um nicht nur den Duden als Grammatik anzuführen, werde ich zusätzlich die Grammatik von Peter Eisenberg einbeziehen.
In der Grammatik der deutschen Gegenwartssprache des Dudenverlags findet man folgende kurze Anmerkung im Kapitel über Kausalsätze:
„Neben nämlich und denn findet sich vor allem in der gesprochenen Sprache -
nicht in der geschriebenen Standardsprache - auch weil als Einleitungswort in
einer Satzverbindung; entsprechend findet sich das finite Verb in solchen
Teilsätzen an zweiter Stelle.“ (Duden 1998: 790) Es scheint hier viel Wert auf die Unterscheidung von gesprochener Sprache und „geschriebener Standardsprache“ gelegt zu werden. Im nächsten Abschnitt wird erklärt, dass dieser Wandel zur Verbzweitstellung „über Fügungen erfolgt [ist], bei denen nach weil eine deutliche Pause wahrzunehmen ist - es liegt eine Art Ellipse vor“ (Duden 1998: 790). Der verunsicherte Dudenbenutzer weiß nun also lediglich, dass man diese Verbzweitstellung in der gesprochenen Sprache durchaus finden kann und dass dieser Wandel eine Art Ellipse darstellt. Wenn man aber auf der Suche nach „richtig“ und „falsch“ ist, helfen diese Aussagen wenig weiter. Es lohnt sich deswegen ein Blick in den Duden für richtiges und gutes Deutsch. Hier wird man fündig, denn es steht ganz klar und deutlich: „Mit der Konjunktion weil werden Nebensätze eingeleitet, das Verb (Finitum) steht also standardsprachlich […] am Ende (Verbletztsatz)“ (Duden 2007: 996). Allerdings findet man auch hier die Eingrenzung, dass das weil „in der gesprochenen Sprache […] jedoch auch in Sätzen mit dem finiten
Verb nach dem ersten Satzglied wie im Aussagesatz“ (Duden 2007: 996) stehen kann. Jedoch wird dieser Gebrauch auch hier gleich im Anschluss in der geschriebenen Standardsprache als „nicht korrekt“(Duden 2007:996) bezeichnet. Hier findet man also schon eine genauere Wertung, was als „richtig“ und als „falsch“ angesehen wird. In den Anmerkungen von Susanne Günthners Artikel „…weil - man kann es ja wissenschaftlich untersuchen“ fand ich einen interessanten Punkt, der den Standpunkt der Dudenredaktion sehr gut verdeutlicht. Sie schickte an die Sprachberatungsstelle der Dudenredaktion eine Anfrage zu den Weil-Sätzen und erhielt folgende Antwort:
„Die mit weil eingeleiteten Sätze sind Nebensätze. Deshalb muß [!] das Zeitwort wie bei allen mit einem Bindewort (einer Konjunktion) eingeleiteten Nebensätzen
am Ende stehen: Ich kann nicht kommen, weil ich keine Zeit habe. Die besonders
in der gesprochenen Sprache vorkommende Voranstellung des Zeitwortes (Ich
kann nicht kommen, weil ich habe keine Zeit. Sie war ärgerlich, weil er war nicht
gekommen.) ist nicht korrekt! (Unterstreichung: Dudenredaktion).“
(Günthner 1993: 57)
Hier wird also ganz deutlich klargemacht, dass die Verbzweitstellung ohne Einschränkungen „nicht korrekt“ ist. Begründet wird diese Aussage damit, dass es sich bei weil um eine Konjunktion handelt, die einen Nebensatz einleitet, und somit das Verb am Ende stehen muss. Ganz anders geht Peter Eisenberg in seiner Grammatik mit diesem Thema um. Dort findet man lediglich eine sehr kurze Anmerkung nach einem Beispielsatz: „Weil Karl bremst, muß [!] wohl ein Baum auf der Straße liegen. Möglich ist auch weil mit Verbzweitsatz: Ein Baum liegt auf der Straße, weil Karl hat gebremst“ (Eisenberg 2004: 337). Außer der Aussage, dass diese Verbzweitstellung ebenfalls möglich ist, findet man keine weiteren Anmerkungen und im Vergleich zum Duden keine Formulierungen, die diese Verbzweitstellung als „nicht korrekt“ bezeichnen würden.
Nachdem noch vor einigen Jahren die auftretende Verszweitstellung in Weil-Sätzen „von zahlreichen gegenwärtigen Grammatiken zur deutschen Sprache schlichtweg ignoriert“ (Günthner 1993: 38) wurde, wird sie in neuere Grammatiken meist aufgenommen, aber allerdings oft als
ungrammatisch abgestempelt. In manchen Fällen wird die
Verbzweitstellung sogar als „Charakteristikum bestimmter Mundarten aufgeführt“ (Günthner 1993: 38).
2.2. Aufsätze aus Fachzeitschriften - die zwei Verwendungen von ‚weil‘ I
Wenn man nach Gründen für diesen Wandel sucht, findet man schnell einige zunächst sehr einleuchtende Begründungen: Da der Satzbau von Hauptsätzen einfacher ist, bräuchten die Sprecher beim Bilden von Nebensätzen mit weil weniger nachdenken, wenn sie ihn einfach mit Hauptsatzstellung bilden. Doch so einfach kann man diesen Wandel nicht erklären, denn die „Situation […] ist sehr viel komplexer und kann nicht mit der Erklärung einer allgemeinen ‚Syntaxvereinfachung‘ abgetan werden“ (Günthner 1993: 39). Außerdem liegt dann auch die Frage nahe, warum dieser Wandel ausgerechnet bei der Konjunktion weil auftritt. Peter Eisenberg schreibt dazu passender Weise:
„Das Deutsche hat ungefähr vierzig subordinierende Konjunktionen, aber nur bei zweien zeigt sich die Tendenz zur Hauptsatzstellung, nämlich bei weil und
obwohl. Bei allen anderen ist sie ausgeschlossen.“ (Eisenberg 1993: 10) Ein Nebensatz, der zum Beispiel mit während eingeleitet wird, würde nie mit einer Verbzweitstellung produziert werden (*Er spielte Klavier, während ich habe heute gekocht.“) Es scheint also andere Gründe zu geben, warum ausgerechnet bei Weil-Sätzen die Verbzweitstellung genutzt werden kann, sodass sich das weitverbreitete Argument des Sprachverfalls nicht so einfach bekräftigen lässt. Susanne Günthner hat für ihren Aufsatz „…weil - man kann es ja wissenschaftlich untersuchen“ mehr als 50 Alltagsgespräche ausgewertet, um herauszufinden, in welchen Situationen die Verbzweitstellung benutzt wird. Dabei hat sie herausgestellt, dass es verschiedene Umstände gibt, die bei allen Sprechern gleich waren, wenn sie eine Verbzweitstellung verwendeten. Es gibt also laut Günthner „Faktoren, die die
Arbeit zitieren:
Lucie Wettstein, 2011, …weil da sollte man einmal genauer hinschauen!, München, GRIN Verlag GmbH
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