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1 EINLEITUNG. 4
2 MEDIALITÄT UND SINNKONSTRUKTION. 5
2.1 Die Kübeltheorie 6
2.2 Semilogischer Konstruktivismus 7
3 PSYCHOLOGISCHER HINTERGRUND. 9
3.1 Wahrnehmung. 10
3.1.1 Bottom-up Prozesse. 11
3.1.2 Top-down Prozesse 12
3.2 Gedächtnis 13
4 HYPERTEXT. 15
4.1 Merkmale 15
4.1.1 Knoten. 16
4.1.2 Links. 16
4.1.3 Nicht-Linearität 18
4.1.4 Navigation 18
4.1.5 Multimedialität 19
4.2 Kohärenzbildung? 20
4.3 Das Theorem der kognitiven Plausibilität. 22
5 HYPERTEXT VS. PRINTTEXT: IST DER HYPERTEXT WIRKLICH EIN
ÜBERTEXT? 24
5.1 Lesen: ein linearer Vorgang? 25
5.2 Hypertexte: Die Nicht-Linearität der Linearität. 26
6 SCHLUßBETRACHTUNG 28
7 LITERATURVERZEICHNIS 30
8 ABBILDUNGSVERZEICHNIS 35
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In der Menschheitsgeschichte gab es drei mediale Revolutionen, die jeweils die Speicher- und Verbreitungsmöglichkeiten von Sprache wesentlich verändert und somit einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel bewirkt haben. Zunächst erfolgt der Übergang von oraler Kultur zu literaler Kultur durch die Erfindung der Schrift, die allerdings erst durch die zweite mediale Revolution, die Erfindung des Buchdrucks, das kulturell herrschende Medium wird. Die Gesellschaft hält damit Einzug in die `Gutenberg Galaxis´. Die Entwicklung der Mikroelektronik hat uns heute an eine weitere Schwelle gebracht; die dritte Medienrevolution hat stattgefunden. Wie bei jeder einschneidenden Veränderung keimen gleichermaßen übergroße Hoffnungen wie lähmende Befürchtungen auf. Beides ist emotional verständlich, sollte aber den Umgang mit dem jeweiligen Medium nicht ausschließlich bestimmen. Wir stehen heute wieder vor der Frage, was für kulturelle Auswirkungen diese mediale Veränderung haben wird. Worte wie Medien- oder Informationsgesellschaft prägen momentan den Diskurs, ohne daß diese Begrifflichkeiten über diffuse Zustandbeschreibungen hinauskämen. Deutlich wird jedoch, welche prägende Bedeutung Medien für gesellschaftliche Strukturen haben. Zumindest soweit herrscht Forschungskonsens, daß die mediale Entwicklung der letzten Jahrzehnte kein sozial randständiges Phänomen ist. Schon beginnen die Abgesänge auf das die Schriftkultur beherrschende Medium, das Buch. „Offensichtlich ist das Informationsverarbeitungssystem Buch der Komplexität unserer sozialen Systeme nicht mehr gewachsen.“ (Bolz 1993, 203) Solche Äußerungen scheinen reflexartig bei Veränderungen des kulturellen Leitmediums aufzutreten. Sie verkennen jedoch die Tatsache, daß neue Medien alte niemals gänzlich verdrängt haben. Gleichzeitig legen sie eine einseitige Bezüglichkeit von Medien und Gesellschaft nahe: Mediale Revolutionen reagieren auf geänderte gesellschaftliche Verhältnisse. Diese Sichtweise wird den komplexen systemischen Bedingungen unserer Kultur ebenso wenig gerecht wie medientheoretischen Überlegungen, die davon ausgehen, daß (Sprach)Zeichenverwendung Welt erst konstituiert.
Die vorliegende Arbeit diskutiert auf dem Hintergrund der oben skizzierten Pro-
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blematik Möglichkeiten und Grenzen von computergestützter Informationsvermittlung in Form von Hypertexten. Dies kann nur sinnvoll geleistet werden, wenn eine Einbettung in die Medialitätsdebatte sowie grundlegende psychologische Erkenntnisse in bezug auf Informationsverarbeitung berücksichtigt werden. Das angeführte Material dient dazu, ein Fundament zu legen für ein weitreichenderes Verständnis von Kommunikations- und Verstehensbedingungen. Anhand des recht überschaubaren Forschungsfeldes Hypertext soll verdeutlicht werden, daß die auf der Mirkoebene auftretenden Phänomene nicht aus der übergreifenden Debatte gelöst werden können.
Kommunikation ist für soziale Verbände unverzichtbar, weil sie Verhalten koordiniert. Zwar ist Kommunikation keine auf den Menschen beschränkte Errungenschaft, ihm bleibt allerdings die Verwendung von Sprache zu diesem Zweck vorbehalten. D.h. er bedient sich eines Zeichensystems, das sich auszeichnet durch Syntax, Generativität und doppelte Artikulation, also die Existenz von sublexikalischen Einheiten (Phoneme und Morpheme).
Die Verortung des Einzelnen in einer über Sprachzeichen organisierten Gesellschaft führt dazu, daß Welterfahrung und Wissensstrukturierung kommunikativ determiniert sind. “So erfahren die Menschen die Außenwelt nicht instinktgeleitet, sondern kommunikativ, und auch ihre sich entfaltende Innenwelt ist ein Gespräch.” (Bolz 1993, 32) Die Bedeutung von Sprache als weltvermittelnde Instanz kann wohl kaum überschätzt werden.
Sprache bedeutet aber immer auch Medium 1 , muß also in ihrer Medialität wahrgenommen werden. Die Geschichte des Mediums beginnt also nicht erst mit dem Auftreten jener Medien, die so viel diskutiert werden wie z.B. Fernsehen. Vielmehr sind Phylo- und Ontogenese untrennbar mit Sprache also Medialität 2 verbunden.
1 Etymologisch ist die Bedeutung von Medium leicht zu klären: „Das Medium ist zunächst eine ganz unschuldige Kategorie: Medium heißt `in der Mitte befindlich´, heißt `Mittleres´.“ (Ehlich 1998, 10) Dieses Faktum sollte nicht aus den Augen verloren werden, weil sich so auch das Sprachzeichen als Medium verstehen läßt. Zu füllen sind allerdings jeweils die Positionen, zu denen das Medium ein Mittleres ist.
2 Die Medientheoretische Diskussion ist trotz ihrer erstaunlicherweise randständigen Existenz in der Linguistik in letzter Zeit doch angeschwollen. Exemplarisch wären hier etwa zu nennen: Kon- rad Ehlich (1998), Ludwig Jäger (1994, 1997 und 1999)
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Erstaunlicherweise hat die Medialitätsdebatte jedoch erst mit dem Auftreten der sogenannten neuen Medien Einzug in die Wissenschaft gehalten. In der Terminologie Jägers 3 tritt das Medium aus dem Modus der vertrauten Kommunikation in den Modus der Relevanz, d.h. die vollzogenen Semantisierungs-Prozeduren rücken ins Zentrum des Diskurses. Jäger führt diese Vernachlässigung des medialen Gesichtspunktes auf die vorherrschenden Theoreme zurück:
„Die Frage nach der Medialität der Medien ist im Medien-Diskurs bislang wohl unterschätzt worden, weil die Funktion von Medien - im Rahmen eines weithin vorherrschenden Repräsentationsmodells der Zeichen-Kommunikation - auf die Technik des Übertragens, Distribuierens und Speicherns von Information reduziert wurde.“ (Jäger 1997, 203) Damit begibt sich der semiologische Konstruktivismus also in Frontstellung zu einem Kommunikationsmodell, das ebenso alt wie wirkungsmächtig ist. Dieses Sender-Empfängermodell wurde in der Sprachwissenschaft am prominentesten von Karl Bühler vertreten, die dahinter stehende Idee findet sich schon im Modell der doppelten Repräsentation bei Aristoteles. Aber nicht nur in der Philosophiegeschichte prägten diese Vorstellungen sehr weitreichend das Betrachten von Sprache, auch in der Psychologie behaupten sie sich selbst in der jüngsten Sprachforschung immer wieder.
Der geringschätzige Terminus Kübeltheorie (vgl. Muckenhaupt 1980, 195) bezeichnet prägnant die Schwächen dieses Modells.
2.1 Die Kübeltheorie
Ein weit verbreitetes Modell von Kommunikation besagt, „[...] ein Bild, ein Wort oder ein Film enthielten ihre Information oder ihren Inhalt ebenso direkt, wie ein Eimer Wasser enthalten kann.” (Muckenhaupt 1980, 195) Diese von Muckenhaupt recht anschaulich als Kübeltheorie bezeichnete Vorstellung basiert auf der Grundannahme, daß das, was mitgeteilt werden soll -Information im weitesten Sinne- in ein Zeichen ebenso eingefüllt werden kann wie Wasser in einen Eimer. Nun müssen die Informationen nur noch -ohne verschüttet zu werden- in das mentale System des Anderen gelangen. Kommunikation wird als Nachrichten- bzw. Informationsübermittlung aufgefaßt, die sich eines Kodes bedient.
3 Jäger verwendet diese beiden Termini in Anlehnung an Alfred Schütz, vgl. Jäger 1997, 205f.
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Es gibt also einen Sender, der Gedanken gemäß des vereinbarten Kodes (Sprache) kodiert, die dann vom Empfänger nur noch entsprechend dekodiert werden müssen. Implizite Voraussetzung eines solchen Modells ist die Möglichkeit eines Austauschs identischer Bedeutungen bzw. identischen Sinns über Kommunikationskanäle auf Grundlage eines geteilten Sinnhorizonts von Weltrepräsentationen. Kommunikation zerfällt in einen aktiven Part, den des Senders, und einen passiven Part, den des Empfängers, der - insofern keine Probleme bei der Kodierung bzw. Dekodierung auftreten - die übermittelten Informationen lediglich in seine Weltrepräsentation einfügen muß. Der Sinnhorizont ist vorsprachlich gegeben und muß nur noch kodiert und dekodiert werden. Die Zeichenverwendung ist nur der Unmöglichkeit des `direkten´ Austauschs von Informationen geschuldet, sie dient nur als Mittel, hat also keinen Einfluß auf Konstruktion von Weltrepräsentationen. Das Gelingen von Kommunikation wird durch den Kode, über den die beiden Beteiligten verfügen, gewährleistet.
Empfänger Sender
Abbildung 1: Sender-Empfänger Modell
2.2 Semilogischer Konstruktivismus
Dieser untergeordneten Rolle von Sprache als reiner Vermittlungsinstanz im Sender-Empfänger Modell steht die konstruktivistische Sichtweise von Sprache als gedankenkonstituierendem Medium gegenüber. Im folgenden wird die The-orie des semiologischen Konstruktivismus, begründet durch Jäger, in ihren Grundzügen referiert.
Arbeit zitieren:
Meike Adam, 2001, Aspekte der Hypertextrezeption, München, GRIN Verlag GmbH
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