- Existieren starke pro-demokratische Akteure und sind keine Veto-Player aktiv, bestehen ebenfalls klare Kräfteverhältnisse zu Gunsten einer Demokratisierung. In einem solchen Fall können die Reformen am politischen System bereits vor den Wirtschaft-Reformen umgesetzt werden, was ebenfalls zu einer erfolgreichen Demokratisierung führt.
- In dieser Reihenfolge können die Reformen auch dann erfolgreich umgesetzt werden, wenn nebst starken pro-demokratischen Akteuren zusätzlich eine hohe sozioökonomische Entwicklung besteht und keine Konflikte in der Gesellschaft vorkommen. Die pro-demokratischen Akteure werden in einer solchen Situation (passiv) durch ein starkes Bildungsbürgertum unterstützt und gleichzeitig besteht nicht die Gefahr, dass es im Zuge der Reformen zu Verteilkämpfen zwischen verschiedenen Gesellschaftsgruppen kommt, bzw. dass die Gegner einer Demokratisierung solche Konflikte für ihre Zwecke instrumentalisieren können.
Somit kann die eingangs gestellte Forschungsfrage wie folgt beantwortet werden: Der Erfolg einer Demokratisierung ist davon abhängig, welche Ausgangsbedingungen bestehen und in welcher Reihenfolge die Reformen umgesetzt werden. Wie oben gezeigt können hierbei drei verschiedene solcher Konstellationen als besonders vielversprechend für eine erfolgreiche Demokratisierung angesehen werden.
IV
Danksagung
Obwohl das Reglement der Philosophischen Fakultät vorschreibt, dass die vorliegende Arbeit alleine von mir selbst verfasst sein muss, so haben trotzdem -und unvermeidlich - verschiedene Personen einen Beitrag zu ihrem erfolgreichen Abschluss geleistet. Ihnen allen sei an dieser Stelle und in diesem Sinne für ihrevielleicht aus ihrer Sicht unbemerkte - Hilfe herzlichst gedankt! Zu nennen sind insbesondere die folgenden Personen:
- Wolfgang Merkel, der mich auf die Forschungsidee brachte und mich allgemein inspirierte und motivierte, über Demokratisierungen zu forschen.
- Matthias Vonmoos, der beiläufig die Datenauswertungsmethode QCA erwähnte, wodurch sich im letzten Moment ein methodentechnischer Ausweg ergab.
- Dieter Ruloff und Carsten Schneider, die sich in jahrelanger Geduld übten und mir damit Vertrauen entgegenbrachten.
- Die Geschäftsleitung von Ecoplan, dank derer Anstellung ich mein Studentendasein finanzieren konnte und den Bezug zur Realität nie ganz verlor.
- Adrian Ronner, Andreas Huber, Christian Schader, Christoph Boner, Daniela Köppel, Dorothea und Martin Boesch Pankow, alle Arbeitskollegen von Ecoplan, Eugen Brunner, Fabienne Rio, Fabienne Schaffner, Felix Siegrist, Jan Fivaz, Kathrin Schneider Boesch mit Familie, Lore Pankow, Marc und Barbara Bürgler Jungi, Matthias Boesch mit Familie, Matthias Vonmoos, Mike und Maria Rüdiger Trionfini, Pascal Lüthi, Peggy Terletzik, Sebastian Mayr, Tamara Scheibli, Marc Schönenberger, Tobias Keller, Ueli und Sandra Rickenbach Papachristos, die mir ein normales Leben neben der Dissertation ermöglichten und auf deren Unterstützung ich jederzeit zählen konnte.
- Salome Studer, die der Arbeit den letzten Schliff verpasste (Korrektorat).
- Und natürlich all diejenigen, die schon immer ganz genau wussten, dass ich nie eine Dissertation (zu Ende) schreiben werde - nichts ist motivierender.
Vielen Dank!
Zürich, Dezember 2010 Hans-Jakob Boesch
V
Inhaltsübersicht
Inhalts übersicht
I. Einleitung und Forschungsfrage 1
1 Einleitung 1
2 Forschungslücke und Forschungsfrage 3
II. Theorie 10
3 Eine allgemeine Theorie zu Transformationen 10
4 Forschungsmodell: Reformsequenz und Conditions 47
III. Empirische Untersuchung 110
5 Untersuchungsanordnung 110
6 Analyse mit fsQCA (Datenerhebung und Datenauswertung) 178
IV. Schlussfolgerungen 223
7 Diskussion der Analyse-Ergebnisse 223
8 Zusammenfassung 246
V. Anhang 254
9 Anhang A: Detaillierte Übersicht über die Institutionen-Wahl 254
10 Anhang B: Übersicht über die potentiellen Conditions 266
11 Anhang C: Ausprägungen der Fallauswahl 274
12 Anhang :D Grund- und Rohdaten 280
13 Anhang E: Weitere Ergebnisse der fsQCA-Datenauswertungen 329
14 Anhang F: Ergebnisse der Sensitivitätsanalysen 330
15 Anhang G: Darstellung der drei Konstellationen 351
Literaturverzeichnis 354
VII
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Abstract III
Danksagung V
Inhaltsübersicht VII
Inhaltsverzeichnis VIII
Abk ürzungsverzeichnis XII
Abbildungsverzeichnis XIV
Tabellenverzeichnis XVI
I. Einleitung und Forschungsfrage 1
1 Einleitung 1
2 Forschungslücke und Forschungsfrage 3
2.1 Forschungslücke 3
2.1.1 Die offene Frage nach der idealen Reformstrategie 3
2.1.2 Theoretische Erklärungsansätze 4
2.2 Forschungsfrage 8
2.2.1 Von der Forschungslücke zur Forschungsfrage 8
2.2.2 Verwertungszusammenhang 9
II. Theorie. 10
3 Eine allgemeine Theorie zu Transformationen 10
3.1 Die Gesellschaft - das Objekt einer Transformation 10
3.1.1 Veränderung der gesamten Gesellschaft 10
3.1.2 Gesellschaft als System begriffen 11
3.1.3 Subsysteme der Gesellschaft 13
3.2 Unterscheidung der Gesellschaftssysteme nach Typen 14
3.2.1 Grundlegende Unterteilung und Unterscheidungskriterien 14
3.2.2 Ausprägungen des demokratischen Systems 21
3.2.3 Ausprägungen des autokratischen Systems 22
3.3 Transformation als Prozess. 24
3.3.1 Transformation - ein Wechsel oder ein Wandel des Systemtyps 24
3.3.2 Grund für eine Transformation: fehlende Stabilität 26
3.3.3 Die verschiedenen Phasen der Transformation im Überblick 30
3.3.4 Institutionalisierung: Reformen der staatlichen Institutionen 37
VIII
Inhaltsverzeichnis
3.3.5 Konsolidierung: informelle und nicht-staatliche Institutionen 40
3.4 Begriffserklärungen rund um die Transformation 44
4 Forschungsmodell: Reformsequenz und Conditions 47
4.1 Forschungsidee: Ausgangsbedingungen als zusätzliche Erklärung 47
4.1.1 Einleitung: Reformsequenz als Erklärungsansatz 47
4.1.2 Zusätzlicher Erklärungsansatz: die Ausgangsbedingungen 50
4.2 Forschungsmodell 59
4.2.1 Von der Forschungsidee zum Forschungsmodell. 59
4.2.2 Forschungsmodell 66
4.3 Die einzelnen Elemente des Forschungsmodells im Detail 70
4.3.1 Ausgangsbedingungen (die Conditions) 70
4.3.2 Reformsequenzen 73
4.3.3 Ergebnis der Transformation (der Outcome) 83
4.3.4 Zusammenfassung und Ergänzung des Forschungsmodells 86
4.4 Wahl der Conditions 88
4.4.1 Vorgehen 88
4.4.2 Nennung potentieller Conditions in der Literatur 89
4.4.3 Auswahl der Conditions aufgrund theoretischer Argumente 95
4.5 Zusammenfassung: das Forschungsmodell mit allen Details 104
III. Empirische Untersuchung 110
5 Untersuchungsanordnung 110
5.1 Hypothesen, Untersuchungsdesign und Geltungsbereich 110
5.1.1 Hypothesen 110
5.1.2 Art des Designs 113
5.1.3 Geltungsbereich 116
5.2 Konzeptspezifikation (Spezifizierung der Hypothesen) 117
5.2.1 Konzeptspezifikation der Conditions 117
5.2.2 Konzeptspezifikation des Outcomes 118
5.2.3 Konzeptspezifikation der Messzeitpunkte T1 und T3 119
5.2.4 Konzeptspezifikation der Reformen 121
5.2.5 Konzeptspezifikation der Reformsequenz 124
5.3 Operationalisierung 125
5.3.1 Allgemeine Informationen zu den Operationalisierungen 125
IX
Inhaltsverzeichnis
5.3.2 Operationalisierung der Conditions 128
5.3.3 Operationalisierung des Outcomes 134
5.3.4 Operationalisierung der Messzeitpunkte T1 und T3 137
5.3.5 Operationalisierung der Reformen 142
5.3.6 Operationalisierung der Reformsequenz 147
5.4 Fallauswahl 150
5.4.1 Kriterien der Fallauswahl 150
5.4.2 Fallauswahl 157
5.5 Methode der Datenauswertung 161
5.5.1 Wahl der Methode für die Datenauswertung. 161
5.5.2 fsQCA - Grundidee und die wichtigsten Schritte der Analyse 163
6 Analyse mit fsQCA (Datenerhebung und Datenauswertung) 178
6.1 Datenerhebung 178
6.1.1 Quellen und Erhebungsverfahren 178
6.1.2 Allgemeines Vorgehen bei der Datenerhebung 182
6.2 Datenauswertung mit fsQCA 184
6.2.1 Einleitung 184
6.2.2 Auswertung nach dem Outcome „erfolgreiche Demokratisierung“ 186
6.2.3 Auswertung nach dem Outcome „gescheiterte Demokratisierung“ 211
6.2.4 Sensitivitätsanalyse 217
IV. Schlussfolgerungen 223
7 Diskussion der Analyse-Ergebnisse 223
7.1 Interpretation der Analyse-Ergebnisse 223
7.1.1 Generelle Interpretation der Analyse-Ergebnisse 223
7.1.2 Interpretation ausgewählter Fälle 229
7.2 Beantwortung der Forschungsfrage 234
7.3 Bedeutung der Resultate für die PoD 239
7.4 Ausblick 242
8 Zusammenfassung 246
V. Anhang 254
9 Anhang A: Detaillierte Übersicht über die Institutionen-Wahl 254
10 Anhang B: Übersicht über die potentiellen Conditions 266
X
Inhaltsverzeichnis
11 Anhang C: Ausprägungen der Fallauswahl. 274
12 Anhang :D Grund- und Rohdaten 280
13 Anhang E: Weitere Ergebnisse der fsQCA-Datenauswertungen. 329
14 Anhang F: Ergebnisse der Sensitivitätsanalysen 330
15 Anhang G: Darstellung der drei Konstellationen 351
Literaturverzeichnis 354
XI
Abkürzungsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis
allg. allgemein
BFS Bundesamt für Statistik
BIP Bruttoinlandsprodukt
Bsp. Beispiel
BTI Bertelsmann Transformation Index
bzw. beziehungsweise
C1 sozioökonomische Entwicklung (Condition 1 der Untersuchung)
C2 gesellschaftliche Konflikte (Condition 2 der Untersuchung)
C3 pro-demokratische Akteure (Condition 3 der Untersuchung)
C4 Veto-Player (Condition 4 der Untersuchung)
CAP Center for Applied Policy Research
csQCA crisp-set Qualitative Comparative Analysis
d.h. das heisst
e.g. exempli gratia (for example)
EBRD European Bank for Reconstruction and Development
EG Europäische Gemeinschaft
et al. et alii (und andere)
etc. et cetera (und so weiter)
EU Europäische Union
evtl. eventuell
ff. folgende
fsQCA fuzzy-set Qualitative Comparative Analysis
GDP gross domestic product
Hrsg. Herausgeber
i.e. id est (that is)
IMF International Monetary Fund
inkl. inklusive
KMU kleine und mittlere Unternehmen
LDC least developed countries
mind. mindestens
mvQCA multi-value Qualitative Comparative Analysis
Nato North Atlantic Treaty Organization
NGO non-governmental organisation
No. numero (number)
Nr. Nummer
OECD Organisation for Economic Co-operation and Development
OSZE Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
p1, p2, p3, p5 Phasen eines Transformationsprozesses
XII
PoD promotion of democracy
polit. politisch
PPP purchasing-power parities
QCA Qualitative Comparative Analysis
resp. respektive
S. Seite
sic sic (thus written)
sog. sogenannt
staatl. staatlich
t0, t1, t2, t2b, t3 Zeitpunkte innerhalb einer Transformation
T1, T3 Messzeitpunkte der Untersuchung
u.a. unter anderem
UdSSR Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (Sowjetunion)
UNO United Nations Organization
US$ United States Dollar
USA United States of America
vgl. vergleiche
Vol. Volumen
vs. versus
W Reformsequenz bzw. Wirtschaftssystem (Bedingungsfaktor in der Untersuchung)
Y Systemtyp (Outcome der Untersuchung)
z.B. zum Beispiel
z0, z4 Zustände eines Transformationsprozesses
Für die Abkürzungen der in der Untersuchung analysierten Fälle vgl. Tabelle 5-23 in Kapitel 5.4.2. Die Abkürzungen der verwendeten Indikatoren finden sich bei der jeweiligen Operationalisierung in Kapitel 5.3.
XIII
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 3-1: Die Phasen des Transformationsprozesses ................................ 31 Abbildung 3-2: Die Phasen des Transformationsprozesses - die Institutionalisierung und Konsolidierung im Detail (Beispiel) ....... 34 Abbildung 3-3: Schematische Darstellung möglicher Reformsequenzen bestehend aus Demokratie-Reformen und Wirtschaft-Reformen 35 Abbildung 3-4: Das allgemeine Modell einer Transformation inkl.
Reformsequenzen ....................................................................... 36 Abbildung 4-1: Der Zusammenhang zwischen Reformsequenz und Ergebnis einer Transformation ............................................................................ 49 Abbildung 4-2: Der Zusammenhang zwischen Ausgangsbedingungen, Reformsequenz und Ergebnis einer Transformation ................... 55 Abbildung 4-3: Zusammenhang zwischen Ausgangsbedingungen,
Abbildung 4-4: Die Umsetzung der Wirtschaft-Reformen in Bezug auf die Umsetzung der Demokratie-Reformen ........................................ 62 Abbildung 4-5: Das Forschungsmodell in der Übersicht ...................................... 68 Abbildung 4-6: Zusammenhang zwischen dem zeitlichen Ablauf der Reformen,
Abbildung 4-7: Das Forschungsmodell ergänzt um die Elemente Conditions, Outcome, Zeitpunkte und Erhebung der Reformsequenz ........... 87 Abbildung 4-8: Das Forschungsmodell mit allen Details gemäss bisheriger Diskussion ................................................................................. 106 Abbildung 4-9: Darstellung einer erfolgreichen Reformsequenz Demokratie .... 107 Abbildung 4-10: Darstellung einer gescheiterten Reformsequenz Demokratie ... 108 Abbildung 4-11: Darstellung einer erfolgreichen Reformsequenz Wirtschaft ...... 109 Abbildung 5-1: Pfeildiagramme zu den fünf Hypothesen ................................... 111 Abbildung 5-2: Notwendige und hinreichende Bedingungen in der Mengenlehre
.................................................................................................. 164 Abbildung 5-3: Venn-Diagramm der Condition-Kombination einer hinreichenden Bedingung eines fiktiven Transformationsprozesses ................ 165
Abbildung 5-4: Fiktives Beispiel eines x-y-Plots ................................................ 174 Abbildung 5-5: Intersection zwischen Empirie und Theorie und deren
Interpretation ............................................................................. 176 Abbildung 6-1: X-y-Plot - mittlere Lösungsformel des Outcomes Y ohne Reformsequenz W ..................................................................... 199 Abbildung 6-2: X-y-Plot - mittlere Lösungsformel des Outcomes Y .................. 203
XIV
Abbildung 6-3: X-y-Plot - Lösungspfad 1 („W“) der mittleren Lösungsformel für den Outcome Y ..........................................................................204 Abbildung 6-4: X-y-Plot - Lösungspfad 2 („C3*c4“) der mittleren Lösungsformel für den Outcome Y .....................................................................205 Abbildung 6-5: X-y-Plot - Lösungspfad 3 („C1*c2*C3“) der mittleren Lösungsformel für den Outcome Y .............................................206 Abbildung 6-6: Venn-Diagramme mit den Fällen der Lösungsformel für Outcome Y bzw. für Outcome y .................................................................207 Abbildung 6-7: Venn-Diagramm zu den Lösungsformeln der Theorie und der Empirie im Vergleich ..................................................................209 Abbildung 6-8: Die Schnittmenge zwischen Theorie und Empirie ......................211 Abbildung 6-9: X-y-Plot - mittlere Lösungsformel des Outcomes y ...................217 Abbildung 7-1: Die drei Konstellationen aus Conditions bzw.
Abbildung 8-1: Das Forschungsmodell ..............................................................249 Abbildung 15-1: Darstellung der 1. Konstellation für eine erfolgreiche Demokratisierung .......................................................................351 Abbildung 15-2: Darstellung der 2. Konstellation für eine erfolgreiche Demokratisierung .......................................................................352 Abbildung 15-3: Darstellung der 3. Konstellation für eine erfolgreiche
Tabellenverzeichnis
Tabellenverzeichnis
Tabelle 2-1: Die theoretischen Argumente zu den Reformsequenzen .............. 5 Tabelle 3-1: Die sechs Herrschaftskriterien und ihre Beschreibungen ............ 17 Tabelle 3-2: Die Ausprägung eines demokratischen Herrschaftssystems ...... 21 Tabelle 3-3: Die Ausprägung eines autokratischen Herrschaftssystems ........ 23 Tabelle 4-1: Die zentralen staatlichen Institutionen ......................................... 79
Tabelle 4-3: Übersicht über potentielle Conditions in der Literatur .................. 90
Tabelle 4-7: Die vier Conditions der Reformsequenz Demokratie ................. 101
Tabelle 5-1: Konzeptspezifikation der Conditions (Grundlage: Tabelle 4-7).. 117 Tabelle 5-2: Konzeptspezifikation des Outcomes ......................................... 118 Tabelle 5-3: Konzeptspezifikation der Messzeitpunkte ................................. 121 Tabelle 5-4: Konzeptspezifikation der einzelnen Reformen .......................... 122 Tabelle 5-5: Konzeptspezifikation der Reformsequenz ................................. 124
Tabelle 5-7: Operationalisierung der Conditions - Teil 1 .............................. 129 Tabelle 5-8: Operationalisierung der Conditions - Teil 2 .............................. 130 Tabelle 5-9: Operationalisierung der Conditions - Teil 3 .............................. 131 Tabelle 5-10: Operationalisierung des Outcomes ........................................... 135 Tabelle 5-11: Operationalisierung der Messzeitpunkte - Teil 1....................... 138 Tabelle 5-12: Operationalisierung der Messzeitpunkte - Teil 2....................... 139 Tabelle 5-13: Mögliche Ausprägungen im Zusammenhang mit dem Indikator T3stab und deren Einstufung (Analyseleitfaden) ........................... 140 Tabelle 5-14: Operationalisierung der Reformen - Teil 1 ................................ 143
XVI
Tabelle 5-15: Operationalisierung der Reformen - Teil 2 ................................144 Tabelle 5-16: Operationalisierung der Reformen - Teil 3 ................................145 Tabelle 5-17: Operationalisierung der Reformen - Teil 4 ................................146 Tabelle 5-18: Operationalisierung der Reformsequenz bzw. des
Wirtschaftssystems ....................................................................148 Tabelle 5-19: Übersicht über die Kriterien der Fallauswahl und deren Konzeptspezifikation und Operationalisierung - Teil 1 ...............154 Tabelle 5-20: Übersicht über die Kriterien der Fallauswahl und deren Konzeptspezifikation und Operationalisierung - Teil 2 ...............155 Tabelle 5-21: Übersicht über die Kriterien der Fallauswahl und deren Konzeptspezifikation und Operationalisierung - Teil 3 ...............156 Tabelle 5-22: Quellen und Erhebungsverfahren der einzelnen Kriterien der Fallauswahl ................................................................................157 Tabelle 5-23: Übersicht über die für die Analyse ausgewählten Fälle (in alphabetischer Reihenfolge) ......................................................159 Tabelle 5-24: Kriterien der Fallauswahl, die am häufigsten nicht erfüllt werden ...................................................................................................160 Tabelle 5-25: Fiktives Beispiel einer Truth Table mit 5 verschiedenen Conditions (C1, C2, C3, C4, C5 und W), dem Outcome Y und 18 Fällen ....167
Tabelle 6-4: Die verschiedenen Lösungspfade in ihrem Vergleich ................188 Tabelle 6-5: Auswertung nach notwendigen Bedingungen für Outcome Y ....190 Tabelle 6-6: Die komplexeste Lösungsformel für Outcome Y ........................191 Tabelle 6-7: Die einfachste Lösungsformel für Outcome Y ............................193 Tabelle 6-8: Die mittlere Lösungsformel für Outcome Y ................................194
Tabelle 6-10: Die komplexeste Lösungsformel für Outcome Y unter Ausschluss der Reformsequenz W ...............................................................198 Tabelle 6-11: Die einfachste Lösungsformel für Outcome Y unter Ausschluss der Reformsequenz W .....................................................................198 Tabelle 6-12: Die Lösungsformel für Outcome Y unter ausschliesslicher
Tabellenverzeichnis
Tabelle 6-13: Die komplexeste Lösungsformel für Outcome Y unter
Tabelle 6-14: Die einfachste Lösungsformel für Outcome Y unter
Tabelle 6-15: Truth Table der Datenauswertung nach dem Outcome „autokratisches System“ bzw. „gescheiterte Demokratisierung“ 212 Tabelle 6-16: Auswertung nach notwendigen Bedingungen für Outcome y .... 213 Tabelle 6-17: Die komplexeste Lösungsformel für Outcome y ........................ 214 Tabelle 6-18: Die einfachste Lösungsformel für Outcome y ............................ 215
Tabelle 9-10: Nennungen von Reformen demokratischer Institutionen in der
Tabellenverzeichnis
Tabelle 9-11: Nennungen von Reformen demokratischer Institutionen in der
Literatur und deren Gliederung entlang der Herrschaftskriterien -
Teil 11 264
Tabelle 9-12: Nennungen von Reformen demokratischer Institutionen in der
Literatur und deren Gliederung entlang der Herrschaftskriterien -
Teil 12 265
Tabelle 10-1: Erläuterungen der Autoren zu den in der Literatur genannten
potentiellen Conditions 266
Tabelle 10-2: Begründung für den Ausschluss potentieller Conditions 270
Tabelle 11-1: Die Ausprägungen in den Kriterien der Fallauswahl - Teil 1 274
Tabelle 11-2: Die Ausprägungen in den Kriterien der Fallauswahl - Teil 2 275
Tabelle 11-3: Die Ausprägungen in den Kriterien der Fallauswahl - Teil 3 276
Tabelle 11-4: Die Ausprägungen in den Kriterien der Fallauswahl - Teil 4 277
Tabelle 11-5: Die Ausprägungen in den Kriterien der Fallauswahl - Teil 5 278
Tabelle 11-6: Die Ausprägungen in den Kriterien der Fallauswahl - Teil 6 279
Tabelle 12-1: Grunddaten zu Äquatorialguinea (EQG) 280
Tabelle 12-2: Grunddaten zu Argentinien (ARG) 282
Tabelle 12-3: Grunddaten zu Armenien (ARM) 285
Tabelle 12-4: Grunddaten zu Brasilien (BRA) 288
Tabelle 12-5: Grunddaten zu Chile (CHL) 290
Tabelle 12-6: Grunddaten zu Ghana (GHA) 293
Tabelle 12-7: Grunddaten zu Guinea-Bissau (GNB) 295
Tabelle 12-8: Grunddaten zu Guyana (GUY) 297
Tabelle 12-9: Grunddaten zu Kirgisistan (KYR) 299
Tabelle 12-10: Grunddaten zu Madagaskar (MAG) 302
Tabelle 12-11: Grunddaten zu Mali (MLI) 304
Tabelle 12-12: Grunddaten zu Mongolei (MON) 307
Tabelle 12-13: Grunddaten zu Paraguay (PAR) 309
Tabelle 12-14: Grunddaten zu Sambia (ZAM) 312
Tabelle 12-15: Grunddaten zu Tansania (TAZ) 315
Tabelle 12-16: Grunddaten zu Togo (TOG) 317
Tabelle 12-17: Grunddaten zu Uruguay (URU) 321
Tabelle 12-18: Grunddaten zu Usbekistan (UZB) 323
Tabelle 12-19: Rohdaten, unkalibriert 326
Tabelle 12-20: Rohdaten, kalibriert 327
Tabelle 12-21: Rohdaten, kalibriert und zu Indizes verrechnet (sofern notwendig)
328
XIX
Tabellenverzeichnis
Tabelle 13-1: Truth Table der Datenauswertung nach dem Outcome
Tabelle 13-2: Truth Table der Datenauswertung nach dem Outcome
Tabelle 14-1: Truth Table - Sensitivitätsanalyse 1 .......................................... 330 Tabelle 14-2: Die komplexeste Lösungsformel für Outcome Y -
Sensitivitätsanalyse 1 ................................................................ 330 Tabelle 14-3: Die einfachste Lösungsformel für Outcome Y -
Sensitivitätsanalyse 1 ................................................................ 331 Tabelle 14-4: Die mittlere Lösungsformel für Outcome Y - Sensitivitätsanalyse 1 .................................................................................................. 331 Tabelle 14-5: Rohdaten - Sensitivitätsanalyse 2, höherer Threshold ............. 332 Tabelle 14-6: Truth Table - Sensitivitätsanalyse 2, höherer Threshold .......... 333 Tabelle 14-7: Auswertung nach notwendigen Bedingungen für Outcome Y -Sensitivitätsanalyse 2, höherer Threshold ................................. 333 Tabelle 14-8: Die komplexeste Lösungsformel für Outcome Y -Sensitivitätsanalyse 2, höherer Threshold ................................. 334 Tabelle 14-9: Die einfachste Lösungsformel für Outcome Y -Sensitivitätsanalyse 2, höherer Threshold ................................. 334 Tabelle 14-10: Die mittlere Lösungsformel für Outcome Y - Sensitivitätsanalyse 2, höherer Threshold ................................................................. 335 Tabelle 14-11: Rohdaten - Sensitivitätsanalyse 2, tieferer Threshold .............. 335 Tabelle 14-12: Truth Table - Sensitivitätsanalyse 2, tieferer Threshold ............ 336 Tabelle 14-13: Auswertung nach notwendigen Bedingungen für Outcome Y -Sensitivitätsanalyse 2, tieferer Threshold .................................. 336 Tabelle 14-14: Die komplexeste Lösungsformel für Outcome Y -Sensitivitätsanalyse 2, tieferer Threshold .................................. 337 Tabelle 14-15: Die einfachste Lösungsformel für Outcome Y -Sensitivitätsanalyse 2, tieferer Threshold .................................. 337 Tabelle 14-16: Die mittlere Lösungsformel für Outcome Y - Sensitivitätsanalyse 2, tieferer Threshold .................................................................. 338 Tabelle 14-17: Rohdaten - Sensitivitätsanalyse 3 ............................................ 338 Tabelle 14-18: Truth Table - Sensitivitätsanalyse 3 .......................................... 339 Tabelle 14-19: Auswertung nach notwendigen Bedingungen für Outcome Y -Sensitivitätsanalyse 3 ................................................................ 339 Tabelle 14-20: Die komplexeste Lösungsformel für Outcome Y -
Tabelle 14-21: Die einfachste Lösungsformel für Outcome Y -
Sensitivitätsanalyse 3 .................................................................340 Tabelle 14-22: Die mittlere Lösungsformel für Outcome Y - Sensitivitätsanalyse 3 ...................................................................................................341 Tabelle 14-23: Rohdaten - Sensitivitätsanalyse 4 .............................................341 Tabelle 14-24: Truth Table - Sensitivitätsanalyse 4 ..........................................342 Tabelle 14-25: Auswertung nach notwendigen Bedingungen für Outcome Y -Sensitivitätsanalyse 4 .................................................................342 Tabelle 14-26: Die komplexeste Lösungsformel für Outcome Y -
Sensitivitätsanalyse 4 .................................................................343 Tabelle 14-27: Die einfachste Lösungsformel für Outcome Y -
Sensitivitätsanalyse 4 .................................................................343 Tabelle 14-28: Die mittlere Lösungsformel für Outcome Y - Sensitivitätsanalyse 4 ...................................................................................................344 Tabelle 14-29: Rohdaten - Sensitivitätsanalyse 5 .............................................344 Tabelle 14-30: Truth Table - Sensitivitätsanalyse 5 ..........................................345 Tabelle 14-31: Auswertung nach notwendigen Bedingungen für Outcome Y -Sensitivitätsanalyse 5 .................................................................345 Tabelle 14-32: Die komplexeste Lösungsformel für Outcome Y -
Sensitivitätsanalyse 5 .................................................................346 Tabelle 14-33: Die einfachste Lösungsformel für Outcome Y -
Sensitivitätsanalyse 5 .................................................................346 Tabelle 14-34: Die mittlere Lösungsformel für Outcome Y - Sensitivitätsanalyse 5 ...................................................................................................347 Tabelle 14-35: Rohdaten - Sensitivitätsanalyse 6 .............................................347 Tabelle 14-36: Truth Table - Sensitivitätsanalyse 6 ..........................................348 Tabelle 14-37: Auswertung nach notwendigen Bedingungen für Outcome Y -Sensitivitätsanalyse 6 .................................................................348 Tabelle 14-38: Die komplexeste Lösungsformel für Outcome Y -
Sensitivitätsanalyse 6 .................................................................349 Tabelle 14-39: Die einfachste Lösungsformel für Outcome Y -
Sensitivitätsanalyse 6 .................................................................349 Tabelle 14-40: Die mittlere Lösungsformel für Outcome Y - Sensitivitätsanalyse 6
I. Einleitung und Forschungsfrage
1 Einleitung
Transformationen von Staaten sind hochkomplexe Prozesse, deren Ursprung, Verlauf und Ausgang nur zum Teil vollumfänglich verstanden und erklärt werden können. Entsprechend schwierig gestaltet es sich, in konkreten Fällen Handlungsempfehlungen zu formulieren. Dabei sind gerade Demokratisierungen, also der in einem Transformationsprozess vonstattengehende Wechsel von einer Autokratie hin zu einem demokratischen Staat, von besonderem Interesse, denn hierbei ändern sich die innergesellschaftlichen Verhältnisse radikal und eröffnen damit den betroffenen Bürgern und der Staatenwelt neue Perspektiven. Zudem ist aus liberaler Sicht der Erfolg einer Demokratisierung normativ als positiv zu beurteilen. Umfassendes, gesichertes Wissen über Transformationen - und im Speziellen über Erfolg und Misserfolg von Demokratisierungen - wäre deshalb wünschenswert.
Eine Frage, die sich im Zusammenhang mit Erfolg und Misserfolg von Demokratisierungen immer wieder stellt, ist, in welcher Reihenfolge idealerweise die verschiedenen Reformen, die während einer Demokratisierung implementiert werden müssen, umgesetzt werden sollten. Als besonders relevant wird dabei das zeitliche Verhältnis zwischen der Implementierung einer freien Marktwirtschaft und der Reformen am politischen System angesehen: Muss für eine erfolgreiche Demokratisierung eine freie Marktwirtschaft bereits bestehen, bevor mit der Umsetzung der Reformen am politischen System begonnen wird? Oder ist es vielmehr das politische System, das zuerst geändert werden sollte, bevor die Reformen am Wirtschaftssystem in Angriff genommen werden?
In der vorliegenden Arbeit wird versucht, auf diese Frage eine Antwort zu finden. Hierzu werden 18 verschiedene Fälle, also Transformationen jüngeren Datums, mit Hilfe der Methode fsQCA (fuzzy-set Qualitative Comparative Analysis) miteinander systematisch auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten in ihren Trans-formationsprozessen verglichen und daraus Schlussfolgerungen zur Beantwortung der Forschungsfrage abgeleitet. Das Vorgehen gestaltet sich wie folgt:
1
Einleitung
Im nachfolgenden Kapitel (Kapitel 2) wird umfassend die oben angesprochene Forschungslücke bzw. den entsprechenden Stand der Forschung dargestellt und hiervon die forschungsleitende Fragestellung abgeleitet und begründet. Dies bildet den Ausgangspunkt für die gesamte Analyse.
Im zweiten Teil der Arbeit wird versucht, eine theoretisch begründet Antwort auf die gestellte Forschungsfrage zu formuliert. Als Grundlage wird hierzu als erstes eine allgemeine Theorie zu Transformationen von Staaten präsentiert (Kapitel 3). Darauf aufbauend wird ein theoretisches Forschungsmodell entwickelt (Kapitel 4). Dieses soll zwei Ansprüchen gerecht werden: Zum einen muss das Modell eine solide, theoretisch begründete Erklärung für die gestellte Forschungsfrage liefern, zum anderen muss es die empirische Untersuchung genau dieser postulierten (Kausal-) Zusammenhänge ermöglichen, d.h. es muss eine Entsprechung in der Empirie aufweisen.
Der dritte Teil umfasst die empirische Untersuchung selbst. Als Übergang vom theoretischen Forschungsmodell zur Empirie wird dabei die Untersuchungs-anordnung aufgezeigt und erklärt sowie alle relevanten Indikatoren spezifiziert und operationalisiert (Kapitel 5). Auf die Auswahl der zu untersuchenden Fälle folgen die Datenerhebung und die Datenauswertung (Kapitel 6). Letzteres geschieht mit der Methode fsQCA, die sich für die Untersuchung komplexer Kausalbeziehungen - wie sie gemäss theoretischem Modell vermutet werden - besonders gut eignet.
Eine intensive, mehrstufige Diskussion und Interpretation der Analyse-Ergebnisse folgt im vierten und letzten Teil der Arbeit (Kapitel 7). Hierzu gehört die eigentliche Beantwortung der eingangs gestellten Forschungsfrage. Im Anschluss daran folgen eine Erörterung über die Verwertung der hier gewonnen Erkenntnisse für Policymakers sowie ein Ausblick über mögliche weitergehende bzw. vertiefende (empirische) Untersuchungen in diesem Bereich. Eine Zusammenfassung der gesamten Analyse schliesst die Arbeit ab (Kapitel 8).
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2 Forschungslücke und Forschungsfrage
2.1 Forschungslücke
2.1.1 Die offene Frage nach der idealen Reformstrategie
Dank intensiver Forschung und Debatte ist das Verständnis von Transformationen bzw. Demokratisierungen sowohl auf theoretischer wie auch empirischer Ebene heute ziemlich umfassend. Dennoch bestehen gerade im Bereich der praktischen Politikumsetzung bzw. -beratung zwecks Förderung von Demokratisierungen (Promotion of Democracy, PoD) noch viele Unsicherheiten und Unwägbarkeiten, die eine effiziente Unterstützung von in Transformation befindlichen Ländern hindern oder sogar verunmöglichen. Dies ist besonders schwerwiegend, da Transformationen tiefgreifende Auswirkungen auf das Leben der betroffenen Bürger und auf die regionalen und internationalen Beziehungen haben können. So ist es beim heutigen Forschungsstand z.B. nach wie vor schwierig, in einem konkreten Transformationsfall zu sagen, wer was wann tun sollte, damit eine Demokratisierung erfolgreich verläuft (vgl. Bertelsmann Stiftung 2006b: 67): Wer sollte und wer muss beim Prozess teilhaben (alte oder neue Regime-Eliten, externe Akteure, die breite Bevölkerung etc.), welche Subsysteme einer Gesellschaft müssen reformiert werden, und wann müssen die einzelnen Reformen durchgeführt werden (Bertelsmann Stiftung 2006b: 67)?
Vor allem für Länder, in denen für eine erfolgreiche Demokratisierung sowohl ein Wechsel hin zu einer freien Marktwirtschaft als auch ein Wechsel hin zu einem demokratischen und rechtsstaatlichen politischen System stattfinden müssen, ist die Frage nach der idealen Reformsequenz (Reihenfolge der Reformen) zentral (vgl. Beyme und Nohlen 1995: 636). Denn eine solche „doppelte“ Transformation ist entsprechend komplex und damit „fehleranfällig“. Aufgrund der Erfahrungen mit Westeuropa und Ostasien gingen dabei viele Experten bisher davon aus, dass die Einführung der freien Marktwirtschaft (Wirtschaft-Reformen) für eine erfolgreiche Demokratisierung zwingend vor den Reformen im politischen System (Demokratie-Reformen) kommen müsste (Orenstein 2001: 1-3, 14-17). Beispiele in Mittel- und Osteuropa, bei denen die Demokratie-Reformen vor oder parallel zu den Wirtschaft-Reformen erfolgten, zeigten aber, dass diese Annahme nicht
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Forschungslücke und Forschungsfrage
generell gelten kann (Bertelsmann Stiftung 2006b: 78-79; vgl. Orenstein 2001: 6).
Allgemein zeigen die empirischen Beispiele, dass bezüglich der Abfolge von Reformen unterschiedliche Reformstrategien bzw. -reihenfolgen zu einer erfolgreichen Demokratisierung führen können (Bertelsmann Stiftung 2006b: 73-74, 78-79, vgl. 70). 1 Andererseits scheint aber auch keine der Reformsequenzen eine Garantie dafür zu sein, dass sich im Zuge einer Transformation immer eine Demokratie etabliert. Dies kann u.a. bei den Transformationen in den ehemaligen kommunistischen Staaten Ost- und Mitteleuropas beobachtet werden, die zwar alle eine vergleichbare Reformsequenz aufweisen, sich aber nur teilweise ein demokratisches System durchsetzten konnte (z.B. Polen und Ungarn) und in den anderen Fällen die Demokratisierung scheiterte (z.B. Weissrussland) (Bertelsmann Stiftung 2006b: 78-79; Havrylyshyn 2006: 57-58). Auch andere Autoren weisen anhand unterschiedlicher empirischer Beispiele darauf hin, dass es nicht eine ideale Reformsequenz hin zu einer Demokratie gibt, sondern verschiedene Reihenfolgen zu einer stabilen Demokratie führen können, keine davon aber zwingend in allen Fällen erfolgreich ist (u.a. Nuscheler 2005: 424; Carothers 2002: 15; Matthes und Terletzki; 2005: 370; Rustow 1970: 346; vgl.
Havrylyshyn 2006: 264-272; Weidenfeld 2001b: 14-15). 2
Die Frage nach der idealen Reformstrategie lässt sich somit nicht ohne weiteres beantworten.
2.1.2 Theoretische Erklärungsansätze
Es gibt in der Literatur verschiedene theoretische Ansätze - teilweise auf empirische Erkenntnisse aus Fallstudien abgestützt -, die eine Erklärung liefern, welche Reihenfolge aus Demokratie-Reformen und Wirtschaft-Reformen besonders geeignet ist, damit eine Demokratisierung erfolgreich verläuft. Diese theoretischen Argumente für die eine oder andere Reformsequenz lassen sich wie folgt zusammenfassen:
1 Siehe auch Bertelsmann Stiftung (2008: 67, 69); Tang (2008); Mansfield und Snyder (2007: 5, 7); Inglehart und Welzel (2005: 15-145, vgl. 180-186, 186- 204); Nuscheler (2005: 424); Wiesenthal (2002: 7-16); Orenstein (2001: 144); Wiesenthal et al. (2001: 11-14); Merkel und Puhle (1999: 128-130, 240); Müller (1999: 8); Chua (1998); Melo und Gelb (1997: 63-64); Habermas (1996: 294); Kraus (1996: 279); Rodrik (1996: 31-38); Lipset (1994: 2-3, 6-9, 16); Offe (1994: 66-71, 73); Welzel (1994: 67); Fischer und Gelb (1991: 98, 100).
2 „There are multiple paths to democracy“ (Munck 2004: 71, vgl. 70).
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3 Vgl. Bertelsmann Stiftung 2008; Acemoglu et al. 2007; Busch 2007; Bertelsmann Stiftung 2006b; Cervellati et al. 2006; Havrylyshyn 2006: 55-58; Ross 2006; Sunde 2006; Acemoglu et al. 2005; Aghion und Durlauf 2005; Inglehart und Welzel 2005; Macków 2005; Nuscheler 2005; Wolf 2004; Feng 2003; Knack 2003a; Vanhanen 2003; World Bank 2002; Obinger 2001; Orenstein 2001; Przeworski et al. 2000; Merkel und Puhle 1999; Barro 1997; Przeworski und Limongi 1997; Kraus 1996; Melo et al. 1996; Rueschemeyer et al. 1996; Ravich 1996; Rodrik 1996; World Bank 1996a; Koch 1994; Lipset 1994; Offe 1994; Welzel 1994; Diamond 1992; Waisman 1992; Przeworski 1991; Sørensen 1990; Arat 1988; Domínguez 1987; Huntington 1987; Owens 1987. Es ist dabei zu beachten, dass unter „Wirtschaft“ nicht alle genannten Autoren das gleiche verstehen, und entsprechen auch nicht immer genau die gleichen Beziehungen diskutiert werden (vgl. u.a. Tang 2008: 106-108, 114). Viele Autoren verstehen zwar darunter eine freie Marktwirtschaft (z.B. Bertelsmann Stiftung 2008), oft wird dies aber auch als ökonomisches Wachstum (Wachstum des BIP) (z.B. Cervellati et al. 2006) oder als sozioökonomische Entwicklung (z.B. Ross 2007) aufgefasst. Vereinzelt sind damit auch Wohlstand (BIP) (z.B. Knack 2003a) und Wirtschaftsstrukturen (z.B. Sørensen 1990) gemeint. Gewisse Autoren verwenden den Begriff auch mit unterschiedlicher bzw. wechselnder Bedeutung (z.B. Busch 2007). Kommt hinzu, dass bei der jeweiligen Erklärung der (angeblichen) Kausalbeziehung zwischen Wirtschaft und Demokratisierung, die (unabhängige) Variable Wirtschaft häufig nur als Auslöser angesehen wird für eine gesellschaftliche Entwicklung, welche dann erst zur Demokratisierung führen soll (dies gilt insbesondere für die klassische Modernisierungstheorie; vgl. Tang 2008: 108). Dies vergrössert die Vielfalt an Interpretationen bzw. Erklärungsmuster noch weiter.
Im vorliegenden Text selbst werden Wirtschaft bzw. Wirtschaft-Reformen immer und explizit in Bezug auf eine freie Marktwirtschaft verstanden (vgl. die Kapitel 3.2.1 und 3.3.3); dies zeigt sich auch in der Operationalisierung (vgl. Kapitel 5.3.5).
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Forschungslücke und Forschungsfrage
* Dieser Übergang wird deshalb in der Literatur auch als „Tal der Tränen“ bezeichnet (vgl. z.B. Offe 1994). Mangott und Neuhold (1995: 339): „To make matters worse, the state of the economy must obviously deteriorate even further before it can improve over the pretransformation levels and performance. The resulting problems have been exacerbated by high expectations for a quick change for the better.“
** Diese Theoriesicht geht auf Lipset (1959) zurück und entspricht der Modernisierungstheorie.
Wie in Kapitel 2.1.1 erwähnt kommen alle drei Reformsequenzen in der Realität vor und können jeweils zu erfolgreichen Demokratisierungen führen (u.a. Bertelsmann Stiftung 2006b: 78-79; Havrylyshyn 2006: 45). Entsprechend kann keine der obigen Theorien von vornherein widerlegt werden; eine eindeutige Erklärung für den Erfolg von Demokratisierungen kann aber auch keine davon liefern: Da alle drei Theorieströmungen implizit oder explizit die zwei jeweils anderen Strömungen negieren und die Erklärung von erfolgreichen Demokrati-
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sierungen einzig in der jeweiligen Reformsequenz sehen, wird deren Erklärungskraft durch das Vorhandensein eines „abweichenden“ oder „negativen“ Falles in der Empirie relativiert. Die Frage, ob in einem konkreten Fall die Wirtschaft-Reformen vor oder nach den Demokratie-Reformen erfolgen sollten, kann damit nicht beantwortet werden (u.a. Bertelsmann Stiftung 2008: 78; Havrylyshyn 2006: 45): „Die meisten Industrieländer haben zwar sowohl die wirtschaftliche Entwicklung[ 4 ] als auch die Demokratisierung der Staaten der sogenannten Dritten Welt als Ziele ihrer Entwicklungspolitik festgeschrieben, jedoch herrscht Uneinigkeit im Hinblick auf die Priorität dieser Ziele und ihre konkrete Umsetzung in praktische Politik“ (Sunde 2006: 1).
Gewisse Autoren vertreten deshalb auch die Meinung, dass Reformsequenzen in Bezug auf den Erfolg einer Demokratisierung gar keine Rolle spielen, sondern Demokratien unabhängig vom Verlauf der Reformen „entstehen“ (González 2008: 12-14; vgl. Bertelsmann Stiftung 2006b: 68-69; Wiesenthal und Terletzki 2002). Aufgrund ihrer Komplexität, so das Argument, können Transformationen bzw. die dahinterliegende Reformsequenz weder ideal geplant werden, noch lassen sie sich entsprechend steuern, vielmehr ist von einer „turbulent democratization“ (Mansfield und Snyder 2007: 5) auszugehen. 5 Carothers (2002: 15) dazu: „Moreover, the various assumed component processes of consolidation - political party development, civil society strengthening, judicial reform, and media development - almost never conform to the technocratic ideal of rational sequences on which the indicator frameworks and strategic objectives of democracy promoters are built. Instead they are chaotic processes of change that go backwards and sideways as much as forward, and do not do so in any regular manner.“ Allerdings ist auch dies nur ein theoretisches Argument und stützt sich auf keine umfassende empirisch-vergleichende Untersuchung (vgl. u.a. González 2008; Mansfield und Snyder 2007: 5; Carothers 2002). 6
4 Zur Begriffsverwendung vgl. den Kommentar in Fussnote 3.
5 „Although we are willing to believe that economic development may open the possibility for transition to democracy, even when the conditions for democracy are ripe, the outcomes of political conflicts are indeterminate“ (Przeworski et al. 2000: 137).
6 Zudem muss klar unterschieden werden zwischen dem Feststellen einer (allfälligen) idealen Reformsequenz im Vorfeld einer Transformation und der anschliessenden konkreten Umsetzung dieser Reformen: „The ‚optimal’ transition approach is a notion dear to academics and in principle
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Forschungslücke und Forschungsfrage
2.2 Forschungsfrage
2.2.1 Von der Forschungslücke zur Forschungsfrage
Eine generelle Erklärung, warum in einem konkreten Fall eine bestimmte Reformsequenz zu einer stabilen Demokratie führt oder eben nicht, gibt es bis jetzt somit nicht (Bertelsmann Stiftung 2006b: 66, 69-73, 73-79). Entsprechend kann auch bei einem konkreten Transformationsfall nicht gesagt werden, welche Reformen zu welchem Zeitpunkt (bzw. in welcher Reihenfolge) implementiert werden sollten, 7 damit eine Demokratisierung erfolgreich verläuft (Bertelsmann Stiftung 2006b: 66-68, 80-81). Dabei ist die Frage nach der idealen Reformsequenz durchaus aktuell, wie beispielsweise die verschiedenen Diskussionsbeiträge in Zhao (2006) zum heutigen China zeigen.
Bertelsmann Stiftung (2008: 21, vgl. 78) zieht daraus den nüchternen Schluss: „Der BTI [(Bertelsmann Transformation Index)] kann keine optimale Reformreihenfolge empfehlen.“ Um nicht ratlos zu erscheinen, schlagen die Autoren an gleicher Stelle zwar vor, „[i]n allen Phasen des Wandels […] die Ausweitung der individuellen und gesellschaftlichen Handlungsfreiheit als Weg in die richtige Richtung [zu] interpretier[en]“ (Bertelsmann Stiftung 2008: 21; vgl. Acemoglu und Robinson 2006: XIV; Jarquín und Echebarría 2007: 1-14) - eine befriedigende Antwort ist dies aber nicht.
Somit bleibt die Frage der idealen Reformsequenzen, insbesondere bezüglich der Reihenfolge zwischen Wirtschaft-Reformen und Demokratie-Reformen, sowohl theoretisch wie auch empirisch noch unbeantwortet - und für die PoD weiterhin zentral. In der folgenden Arbeit soll deshalb diese Forschungsfrage genauer untersucht werden:
In welcher Reihenfolge sollten in einer Transformation die Reformen umgesetzt werden, damit die Demokratisierung des betroffenen Staates erfolgreich verläuft?
useful for policy-makers, not as a guide for their actions (since we also not live in an optimal world), but as a benchmark against which to compare the transition path which is actually followed“ (Zecchini 1997b: 8; vgl. Berman 2007a: 28, 31, 37; Bertelsmann Stiftung 2006b: 67-68).
7 Die weiter oben angesprochene Frage nach dem „wer“ ist insofern weniger relevant, als diesbezüglich in einem Transformationsprozess häufig gar keine Wahl besteht, sondern diejenigen Akteure mit ihren Mitteln und Zielen am Prozess beteiligt sind, die effektiv zu diesem Zeitpunkt existieren (vgl. Kapitel 3.3). Aus diesem Grund steht diese Frage hier auch nicht im Vordergrund.
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2.2.2 Verwertungszusammenhang
Mit der Beantwortung obiger Forschungsfrage kann eine wichtige Lücke in der Transformationsforschung geschlossen werden, bzw. die vorliegende Untersuchung liefert einen ersten Ansatz, um diese Lücke zu schliessen. Die Ergebnisse tragen auch allgemein dazu bei, die Transformationsprozesse besser zu verstehen, indem sie einen neuen Blickwinkel auf diese eröffnen. Im Anschluss an die Interpretation der Ergebnisse wird deshalb kurz auf mögliche Weiterentwicklungen des vorliegenden Forschungsmodells eingegangen und konkrete Vorschläge diesbezüglich gemacht (vgl. Kapitel 7.4).
Die Resultate sollen aber nicht nur für die weitere akademische Forschung nützlich sein, sie können auch in der praktischen Politikumsetzung verwendet werden, indem sie die Strategien bei der PoD 8 zu verbessern helfen. Aufgrund der Forschungsergebnisse kann in einem konkreten Transformationsfall gesagt werden, welche Reformstrategie für eine erfolgreiche Demokratisierung eher eingeschlagen werden sollte, bzw. welche Probleme, und damit „Zusatzanstrengungen“, bestehen können, wenn die eine oder die andere Strategie verfolgt wird (vgl. Bertelsmann Stiftung 2008: 21; Merkel und Puhle 1999: 107, 111). 9 Damit kann die Unterstützung von Demokratisierungen verbessert bzw. effektiver gemacht werden (vgl. Kapitel 7.3). Da in der vorliegenden Analyse der Zusammenhang zwischen Wirtschaft-Reformen und Demokratie-Reformen eine wichtige Rolle spielte, kann sie evtl. auch dazu beitragen, „[to bridge] the longstanding divide between aid programs directed at democracy-building and those focused on social and economic development“ (Carothers 2002: 19).
8 Aus liberaler Sicht sprechen sowohl normative als auch praktische Gründe für die PoD. Normativ ist PoD wichtig, weil Demokratie ein universaler Wert ist und entsprechend auch universelle Verbreitung erfahren sollte (vgl. Kapitel 3.2.1): „Democratization is generally a good thing and […] democracy is the best form of government“ (Diamond 1999: 2, vgl. 3; vgl. Schraeder 2003: 22). Der praktische Grund, der für PoD spricht, ist die bessere Problemlösungskapazität in den internationalen Beziehungen. So sind Demokratien grundsätzlich stabiler (vgl. Kapitel 3.3.2), lösen Konflikte eher friedlich (Diamond 1999: 5-6), sind eher an der Lösung globaler oder regionaler Probleme interessiert (vgl. Diamond 1995: 3-4) und lösen Probleme effektiver (Diamond 1999: 6-7; vgl. dazu auch Schraeder 2003: 31-36). Vgl. dazu auch Diamond (2008: 127-128; 1995: 13-27, 31-38) über die von den USA für PoD eingesetzten Mittel.
9 „Democracy aid must proceed from a penetrating analysis of the particular core syndrome that defines the political life of the country in question, and how aid interventions can change that syndrome“ (Carothers 2002: 19).
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Eine allgemeine Theorie zu Transformationen
II. Theorie
3 Eine allgemeine Theorie zu Transformationen
Zur Beantwortung der Forschungsfrage wird in Kapitel 4 ein Forschungsmodell entwickelt, das alle relevanten Elemente enthält und als theoretische Grundlage für die empirische Analyse dient (vgl. Abschnitt III). In einem ersten Schritt wird für diese Aufgabe in den folgenden Kapiteln der Gegenstand „Transformation“ in Form einer allgemeinen Transformationstheorie umfassend erklärt und alle grundlegenden Begriffe definiert.
3.1 Die Gesellschaft - das Objekt einer Transformation
3.1.1 Veränderung der gesamten Gesellschaft
Betrachtet man verschiedene Beispiele von Transformationen der jüngeren Vergangenheit, z.B. Polen, Chile oder Taiwan, so lässt sich leicht erkennen, dass sich im Zuge des Wechsels nicht nur die grundlegenden politischen Institutionen, wie beispielsweise das Rechtssystem oder das Regierungssystem, fundamental geändert haben, sondern dass sich diese Änderungen in der gesamten Gesellschaft manifestierten (vgl. Merkel 1999: 73; Merkel und Puhle 1999: 68, 128, 240; Zecchini 1997b: 6; Offe 1994: 19): die Wirtschaftsordnung änderte sich, der gesellschaftliche Diskurs in der Öffentlichkeit wurde möglich, die Bürger erhielten die Freiheiten zur individuellen Entfaltung etc. Selbst wenn ein Wechsel vorerst nur eng auf den politischen Bereich beschränkt bleiben sollte, so wirken sich diese Veränderungen über die getroffenen politischen Entscheidungen trotzdem über kurz oder lang auch auf die übrige Gesellschaft aus und „(…) verändert (…) den gesamten sozialen Aufbau einer Gesellschaft“ (Rüb 1996: 65). Eine Transformation spielt sich also in der gesamten Gesellschaft ab resp. es ist die Gesellschaft, die sich in einer Transformation fundamental ändert.
Es ist deshalb nur folgerichtig, dass eine Theorie bzw. ein Modell zur Transformation nicht nur die Änderungen der politischen Institutionen thematisiert, sondern dass sie sich auf die gesamte betroffene Gesellschaft bezieht. Die Gesellschaft ist das eigentliche Objekt eines Wechsels. Bleibt diese umfassende
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Sicht auf Veränderungen in der gesamten Gesellschaft aus, werden wichtige Prozesse, Änderungen und Interaktionen einer Transformation nicht berücksichtigt; eine solche Theorie kann dementsprechend nur ein unvollständiges Bild wiedergeben. Damit laufen auch empirische Untersuchungen, die eine solche Theorie als Grundlage verwenden, Gefahr, diese „Kurzsichtigkeit“ zu übernehmen. Die im folgenden Kapitel dargestellte Theorie versucht deshalb, diesem Anspruch gerecht zu werden und explizit die gesamte Gesellschaft zum Gegenstand und zum Ausgangspunkt einer Transformationstheorie zu machen.
3.1.2 Gesellschaft als System begriffen
Die Gesellschaft kann als System im Sinne der Systemtheorie nach Easton beschrieben werden (Merkel 1994b: 12). 10 Nach dieser Theorie lassen sich Systeme durch zwei Elemente charakterisieren: ihre spezifischen Strukturen, Funktionen und Prozesse (vgl. Nohlen 1998b: 635; Sandschneider 1994: 29; Waschkuhn 1987: 24) und ihre Beziehung zur Umwelt (vgl. Merkel 1999: 58-59; Waschkuhn 1998: 357).
Unter der Struktur wird dabei der innere Aufbau eines Systems verstanden (vgl. Waschkuhn 1987: 24), z.B. die verschiedenen Akteure und informellen Regeln und Normen der Öffentlichkeit. Die Funktion bezieht sich wiederum auf die spezifische Aufgabe eines Systems (vgl. Waschkuhn 1987: 24), z.B. die Ressourcenallokation in der Wirtschaft (Waschkuhn 1987: 135-137), und unter Prozesse sind die Abläufe innerhalb eines Systems gemeint, die „mit einer gewissen Regelmässigkeit und zeitlichen Kontinuität“ ablaufen (Waschkuhn 1987: 24), z.B. das Durchführen von Parlamentswahlen.
Die System-Umwelt-Beziehung wiederum beschreibt das Verhältnis bzw. Gleichgewicht zwischen einem System und dessen Umwelt. Obwohl sich ein System aufgrund der oben genannten Charakterisierungen jeweils klar von der Umwelt abgrenzen lässt, sind diese nicht völlig getrennt voneinander (vgl. Nohlen 1998b: 635), sondern üben vielmehr gegenseitigen Einfluss aufeinander aus
10 Der hier verwendete Begriff System ist nicht völlig deckungsgleich mit demjenigen in der allgemeinen Systemtheorie (für eine Einführung in dieses Thema siehe u.a. Treibel 1993), er ist aber auf diesen zurückzuführen, insbesondere bezüglich der hier angesprochenen System-Umwelt-Beziehung. Ausführlich zur Systemtheorie nach Easton und deren verschiedenen Entwicklungen siehe u.a. Waschkuhn (1987).
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Eine allgemeine Theorie zu Transformationen
(Merkel 1999: 58-59; Waschkuhn 1998: 357). 11 Veränderungen in der Umwelt können eine Einfluss auf das allgemeine Funktionieren eines Systems haben (z.B. wenn gewisse Prozess nicht mehr ablaufen können). Damit ein System seine Funktionsfähigkeit langfristig nicht einbüsst und damit seine Existenz hinfällig wird, muss es adäquat auf solche Veränderungen reagieren und seine Funktionsfähigkeit wieder vollständig herzustellen versuchen (vgl. Merkel 1999: 57-58; Nohlen 1998b: 635; Waschkuhn 1998: 11-12; Sandschneider 1994: 29, 31; Waschkuhn 1987: 62). „Dysfunktionale Anreize [der Umwelt] zwingen zu einer Systemreaktion im Sinne einer Reizabwehr oder einer Anpassung des Systems an die strukturellen und funktionalen Erfordernisse zur Neutralisierung und Absorption eines Reizes“ (Sandschneider 1994: 30). Das System selbst versucht natürlich wiederum, seine Umwelt so zu beeinflussen, dass nur solche Änderungen in der Umwelt erfolgen, die die Existenz des Systems nicht gefährden (vgl. Merkel 1999: 57-58; Nohlen 1998b: 635; Waschkuhn 1998: 11-12; Sandschneider 1994: 29, 31; Waschkuhn 1987: 62).
Ist ein System in der Lage, die Veränderungen bzw. Reize aus der Umwelt so zu verarbeiten, dass das System in seinem Grundsatz existieren bleibt, so spricht man von einem stabilen System (vgl. Merkel 1999: 57-58). Es besteht also ein Gleichgewicht zwischen System und Umwelt (vgl. Merkel 1999: 57-58).
Diese zwei Eigenschaften der Systemtheorie, die spezifische Charakterisierung eines Systems nach Struktur, Funktion und Prozesse sowie die System-Umwelt-Beziehung, sind für die Transformationstheorie von grossem Nutzen. Ersteres erlaubt eine klare Beschreibung der Gesellschaft und seiner verschiedenen Teile (Subsysteme) und wird damit der obigen Bedingung gerecht, dass eine Transformationstheorie umfassend alle Veränderungen in der Gesellschaft bzw. in ihren Teilen abbilden sollte (vgl. Merkel 1999: 23; Merkel 1994b: 12; Waschkuhn 1987: 24). Letzteres ermöglicht der Frage nach der Stabilität und Instabilität eines Systems nachzugehen, und damit zu beantworten, warum es zu einer Trans-formation überhaupt kommt und wieso und wann dieser Prozess wieder endet (vgl. Merkel 1999: 12, 57, 73-74) (vgl. Kapitel 3.3.2).
11 Diese Beziehung wird auch als Input-Output-Relation bezeichnet (Merkel 1999: 58-59; Waschkuhn 1998: 357).
12
3.1.3 Subsysteme der Gesellschaft
Wie oben gesehen kann die Gesellschaft als System verstanden werden, also als ein Gesellschafts-System. Dieses kann wiederum „intern in Subsysteme [...] differenziert“ werden (Waschkuhn 1987: 25, vgl. 57; vgl. Nohlen 1998b: 635). Dabei sind diese Subsysteme „alle funktionale Segmente der sog. Gesamtgesellschaft“ (Waschkuhn 1987: 57), d.h. jedes Subsystem hat eine spezifische Funktion oder Aufgabe innerhalb der Gesamtgesellschaft resp. verarbeitet ganz bestimmte Reize aus der Umwelt. Selbstverständlich weist jedes dieser Subsysteme entsprechend der je spezifischen Funktionen auch unterschiedliche Strukturen und Prozesse auf (vgl. Weiss 2005: 868; Merkel und Puhle 1999: 240; Beyme und Nohlen 1995: 636). Die einzelnen Subsysteme stellen dabei keine isolierten Elemente innerhalb der Gesellschaft dar, sondern es bestehen unzählige direkte und indirekte Beziehungen und gegenseitige Abhängigkeiten zwischen ihnen.
Gewisse Subsysteme einer Gesellschaft sind aufgrund ihrer spezifischen Funktionen bezüglich einer Transformation bedeutender als andere. D.h. Veränderungen in diesen Subsystemen haben einen grösseren Effekt auf den gesamten Wechsel eines Systems, resp. ein solcher Wechsel drückt sich am stärksten in den Veränderungen dieser Subsysteme aus. Wie noch in Kapitel 3.2.1 beschrieben wird, manifestieren sich diese Veränderungen in den Subsystemen letztendlich im veränderten Grad an Freiheit, die ein Individuum innerhalb eines Subsystems geniessen kann. Dabei können die vier folgenden Subsysteme einer Gesellschaft als besonders relevant angesehen werden (vgl. u.a. Berg-Schlosser 2004b: 26; Merkel 1999: 27; Waschkuhn 1987: 57): 12
- Das politische System: Das politische System kann als „Gesamtheit der polit. Institutionen (Strukturen), der polit. Prozesse und der Inhalte polit. Entscheidungen“ (Nohlen und Thibaut 2005: 776) definiert werden und ist „funktional auf die Erzeugung gesellschaftlicher Macht bezogen und auf die Herstellung bindender Entscheidungen spezialisiert“ (Waschkuhn 1987: 24, vgl. 100, 217, 223, 226; vgl. Waschkuhn 1998: 12-13, 364, 372; Nohlen und Thibaut 2005:
12 Weitere Subsysteme der Gesellschaft sind z.B. das System Kultur und das Wissenschaftssystem.
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Eine allgemeine Theorie zu Transformationen
776; Schubert 1998a: 495-496; Merkel 1999: 23, 57, 59, 73). Da diese Entscheidungen bindend für die gesamte Gesellschaft sind, resp. Einfluss auf die Strukturen, Prozesse und Funktionen aller anderen Subsysteme der Gesellschaft haben (vgl. Rüb 1996: 65), ist das politische System innerhalb des Gesellschaftssystems und in Bezug auf Transformationen sehr bedeutend (vgl. Merkel 1999: 23; Waschkuhn 1998: 13).
- Das Wirtschaftssystem: Die primäre Funktion des Wirtschaftsystems besteht in der Versorgung der Gesellschaft, also der verschiedenen Subsystemen und der einzelnen Individuen, mit Ressourcen (Waschkuhn 1987: 135-137).
- Das System Öffentlichkeit: Das System Öffentlichkeit ermöglicht den Bürgern freien Diskurs und die Organisation unabhängiger Interessengruppen. Sie können hier also miteinander interagieren und kommunizieren, sich öffentlich äussern und informieren, sich organisieren, vereinen und versammeln (vgl. Kleinsteuber 2005: 669-670; Kohler 1999: 210-217; Schüttemeyer 1998: 435).
- Das System Individualsphäre: Im Subsystem Individualsphäre können die einzelnen Individuen ihre eigenen Interessen verfolgen, und sich nach ihren persönlichen Vorstellungen und Wünschen entfalten (vgl. Kohler 2001: 257-258, 260).
Dank dieser Darstellung der Gesellschaft als System und Subsysteme innerhalb einer Umwelt mit ihren verschiedenen gegenseitigen Interaktionen ist es möglich, in einer Theorie „die vielfältigen Interdependenzen der Transformationsprozesse politischer, wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Teilsysteme in das analytische Blickfeld [zu] rücken“ (Merkel 1999: 73).
3.2 Unterscheidung der Gesellschaftssysteme nach Typen
3.2.1 Grundlegende Unterteilung und Unterscheidungskriterien
a) Unterteilung in Demokratien und Autokratien
Obwohl grundsätzlich alle Systeme das Ziel der langfristigen Systemerhaltung verfolgen (vgl. Kapitel 3.1.2), sind nicht alle Gesellschaftssysteme identisch. Sie unterscheiden sich vielmehr in ihrer inneren Zusammensetzung und Ausstattung, also ihren Strukturen, Funktionen und Prozesse, und damit in der Frage, welche
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Akteure in einem Gesellschaftssystem mit welchen Mitteln auf welcher Grundlage welche Entscheidungen fällen und durchsetzen können und welche Handlungen sie durchführen dürfen. Diese Unterschiede zwischen den Gesellschaftssystemen wirken sich zum einen auf deren Fähigkeit aus, gegenüber der Umwelt dysfunktionale Anreize verarbeiten zu können (vgl. die Kapitel 3.1.2 und 3.3.2), zum anderen sind davon aber auch direkt die Lebensbedingungen der Mitglieder der jeweiligen Gesellschaft, also der Bürger, betroffen. Der Systemtyp, also die Art der inneren Organisation eines Gesellschaftssystems, ist folglich eine relevante Grösse.
Besonders bedeutend ist hierbei die Unterscheidung zwischen demokratischliberalen Systemen 13 und autokratischen Systemen 14 , da sie einen diametral verschiedenen Ansatz bezüglich des Verhältnisses zwischen Bürger und System verfolgen (vgl. Merkel et al. 2003: 42). In demokratisch-liberalen Systemen werden die Bürger - gemäss der Philosophie des Liberalismus - als freie und gleiche Individuen angesehen, die je selbständig und unabhängig ihre (Lebens-) Ziele verfolgen können und sollen (vgl. u.a. Kohler 2001; Beetham 1999: 4, 154-155; Kersting 1996: 180-216, 109-139; Kant 1988). Entsprechend soll auch jeder Bürger die gleiche Mitsprache bei gesamtgesellschaftlichen Entscheidungen besitzen, bzw. solche Entscheide sollen letztendlich durch diese hervorgebracht werden (Guggenberger 2005: 144; Kohler 2001: 255-256). Diesen normativen Grundprinzipien gemäss ist dann auch das gesamte Gesellschaftssystem einer Demokratie, also alle Subsystem dieser Gesellschaft, ausgestaltet. 15 Die Institutionen der verschiedenen Subsysteme sind demnach so geschaffen, dass sie allen Bürgern gleichermassen ermöglichen, ihre Freiheit und Selbst- und
13 Dieser Systemtyp kann vereinfacht als Demokratie bezeichnet werden.
14 Die autokratischen Systeme können weiter in autoritäre und totalitäre Systeme unterteilt werden (Merkel 1999: 63-67). Da sie sich aber bezüglich des hier relevanten Verhältnisses zwischen Bürger und System nur graduell unterscheiden, und sich damit eine solche weitere Unterscheidung nicht aufdrängt, wird im Folgenden immer nur zusammenfassend von autokratischen Systemen die Rede sein (vgl. Merkel 1999: 63-67).
15 Die Demokratie wird hier also explizit - und dies auch in Übereinstimmung mit Kapitel 3.1.2 - als umfassende Gesellschaftsform verstanden, die sich nicht nur auf das politische System bezieht. Insbesondere eine freie Marktwirtschaft (Bertelsmann Stiftung 2008: 76; Fried 2001: 232-233; Merkel und Puhle 1999: 109-110, 128, 240; Zecchini 1997b: 6; Lipset 1994: 3; vgl. Gonzáles 2008: 4-5), eine Öffentlichkeit (vgl. Kleinsteuber 2005: 669-670; Kohler 1999: 210-217; Schüttemeyer 1998: 435) und eine geschützte Individualsphäre (vgl. u.a. Kohler 2001: 257-258, 260) sind aufgrund ihrer Bedeutung für die freie, individuelle Entfaltung nebst dem demokratisch-liberalen politischen System wesentliche Bestandteile einer Demokratie (vgl. Kapitel 3.2.2).
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Eine allgemeine Theorie zu Transformationen
Mitbestimmung auch tatsächlich „auszuleben“ (vgl. Kohler 2001: 258; Waschkuhn 1998: 521-586; Kersting 1996: 180-216, 109-139). Dies zeigt sich beispielsweise im Bestehen eines Wahlsystems und den Grund- und Freiheitsrechten. 16
Im Gegensatz zu einer Demokratie steht bei Autokratien nicht eine möglichst grosse Freiheit und Selbst- und Mitbestimmung der Bürger im Zentrum, sondern die Machterhaltung der Herrschenden und/oder eine bestimmte Ideologie (Merkel 2010: 40-54; vgl. Waschkuhn 1998: 94-95). Die Institutionen der Subsysteme sind entsprechend dieser Ziele ausgestaltet, was sich u.a. in einem auf die Kontrolle der Bürger ausgerichteten Polizei- und Geheimdienstapparat und einem nur den herrschenden Eliten offenen politischen System manifestiert. Folglich werden in solchen Systemen die für eine Demokratie zentralen Normen mehr oder weniger stark verletzt.
Gesellschaftssysteme lassen sich also aufgrund ihrer Strukturen, Funktionen und Prozesse grob in diese zwei Systemtypen gruppieren, in denen sich das jeweilige Grundverständnis zwischen Bürger und System wiederspiegelt. Da wie gesehen je nach Systemtyp die Bürger radikal andere Lebensbedingungen vorfinden und insbesondere mehr oder weniger Freiheiten sowie Selbst- und Mitbestimmungen geniessen, wird nun auch offensichtlicher, warum Systemwechsel, also Änderungen des Systemtyps, für sie eine besonders grosse Bedeutung erlangen. Als Hilfe für die Zuteilung zu diesen zwei Systemtypen sowie für deren detaillierte Beschreibung können die im nachfolgenden Absatz beschriebenen Unterscheidungskriterien verwendet werden.
b) Unterscheidungskriterien
Für die Unterscheidung bzw. der genauen Beschreibung der zwei Systemtypen Demokratie und Autokratie kann auf die Definition von Merkel (1999: 25-26, 28, vgl. 23-56, 75; vgl. Merkel et al. 2003; Nohlen 1994: 389) zurückgegriffen werden. Diese ist sehr systematisch aufgebaut und ermöglicht, das gesamte Gesellschaftssystem in Bezug auf die vorhandene Freiheit und Selbst- und Mitbestimmung zu
16 Die normativen Grundprinzipien eines demokratisch-liberalen Gesellschaftssystems sind universell gültig und sind nicht auf den „Westen“ beschränkt (vgl. u.a. Diamond 2008: 17-20, 26-38; Linder 2003: 7-8; Diamond et al. 2001; Manglapus 1987). Entsprechend gilt dies auch für die institutionelle Ausgestaltung des Gesellschaftssystems.
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charakterisieren - und damit auch den Typ des Gesellschaftssystems. Es kommen hierfür die sechs in Tabelle 3-1 aufgeführten Herrschaftskriterien zur Anwendung:
Die sechs Herrschaftskriterien und ihre Beschreibungen 17 Tabelle 3-1:
Die sechs Kriterien sind in ihrer Ausrichtung stark auf die Art und Weise der politischen Machtausübung bzw. auf das politische System fokussiert. Allerdings ist das politische System eng mit den übrigen Subsystemen verbunden, weil in
17 Nach Merkel (1999: 25-26, 28).
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Eine allgemeine Theorie zu Transformationen
ihm wie gesehen der „gesamtgesellschaftliche(…) Meinungs-, Willensbildungs-und Entscheidungsfindungsprozess [strukturiert wird]“ (Waschkuhn 1987: 217, vgl. 223). Dadurch sind die Subsysteme direkt oder indirekt durch die Machtausübung im politischen System betroffen; mehr noch: Die Gestalt der verschiedenen Subsysteme wird massgeblich durch das politische System festgelegt.
Dies trifft insbesondere auf das Kriterium Herrschaftsanspruch zu, das explizit das Verhältnis zu den übrigen Subsystemen zum Gegenstand hat: Je nach dem wie weit sich der Herrschaftsanspruch erstreckt, besteht im Wirtschaftssystem Raum für freie Marktentscheidungen (investieren, konsumieren, verkaufen etc.), im Subsystem Öffentlichkeit sind freier Diskurs und die Organisation unabhängiger Interessengruppen möglich, und im Subsystem Individualsphäre können die eigenen Interessen gelebt werden. Kurz: Der Grad an individueller Freiheit und Selbst- und Mitbestimmung im jeweiligen Subsystem häng vom Grad bzw. von der Art und Weise des Herrschaftsanspruchs ab (vgl. Waschkuhn 1987: 217, 223). Diejenigen Bereiche, die nicht der Selbstregulierung durch die jeweiligen Subsysteme (bzw. deren Akteure) überantwortet werden, werden wiederum durch spezifische Institutionen des politischen Systems reguliert, z.B. durch ein Wettbewerbsrecht im Wirtschaftssystem oder durch Versammlungsverbote im Subsystem Öffentlichkeit. Somit beschreiben die Herrschaftskriterien durchaus auch die übrigen Subsysteme und charakterisieren folglich das gesamte Gesellschaftssystem.
c) Detailliertere Beschreibung - Verwendung von Institutionen Die Beschreibung der beiden Systemtypen kann - falls verlangt 18 - noch präziser vorgenommen werden, indem jedem dieser Herrschaftskriterien spezifische Institutionen 19 zugewiesen werden. Je nach Systemtyp werden sich dabei diese
18 Eine solche Zuweisung von Institutionen zu den einzelnen Herrschaftskriterien und damit eine präzisere Beschreibung des Systemtyps erfolgt teilweise für den Systemtyp Demokratie in Kapitel 4.3.2. Für die Unterscheidung zwischen Demokratien und Autokratien genügt hingegen in der vorliegenden Arbeit die Charakterisierung der Systemtypen mittels grober Beschreibung der einzelnen Herrschaftskriterien.
19 Institutionen können allgemein als „dauerhaftes Muster oder normatives Regelwerk sozialer Beziehungen, die als legitim angesehen sind (oder erzwungen sind) und entsprechendes Problemlösungs- und Regulierungspotential enthalten“ (Rüb 1994: 116) beschrieben werden (vgl. Peters 2001: 28; Schubert 1998b: 513-514). Sie legen also zum einen „normative Standards“ fest und ermöglichen zum anderen das Fällen von Entscheidungen (Rüb 1994: 116; vgl. Peters 2001:
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Arbeit zitieren:
Hans-Jakob Boesch, 2011, Ist eine erfolgreiche Demokratisierung nur bei Bestehen einer freien Marktwirtschaft möglich?, München, GRIN Verlag GmbH
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