Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Politik der offenen Türen - 1948-1962 3
3. Die Zeit der Plafonierungsversuche - 1963-1973 4
3.1 Die Überhitzung der Konjunktur 4
3.2 Das zweite Rekrutierungsabkommen mit Italien und die Angst vor
Überfremdung 5
3.3 Die einfache Plafonierung’ 7
3.4 Die doppelte Plafonierung’ 8
4. Die Volksinitiativen 8
4.1 Die erste Volksinitiative 8
4.2 Die Schwarzenbach-Initiative 9
5. Ausblick 11
6. Schluss 12
Quellen - und Literaturverzeichnis 14
Quellenverzeichnis 14
Literaturverzeichnis 14
1
1. Einleitung
„Ein kleines Herrenvolk sieht sich in Gefahr: Man hat Arbeitskräfte gerufen, und es kommen
1 Menschen.“
Diese Aussage des Schweizer Schriftstellers Max Frisch bringt die Ausländerpolitik der Schweiz von 1945 bis 1974 auf den Punkt. Die Schweiz sah sich, als kriegsverschontes Land, zunächst mit einer großen Güter- und Dienstleistungsnachfrage aus dem In- und Ausland konfrontiert. Diese konnte nur mit, hauptsächlich italienischen, Gastarbeitern bewältigt werden. Diese erste Phase der „liberale[n] Laisser-Faire-Politik der unmittelbaren Nachkriegszeit“ 2 führte zu Beginn der 1960er Jahre zunehmend zu Spannungen in der Gesellschaft. 1970 wurde schließlich eine jährliche Zulassungsquote an ausländischen Arbeitskräften eingeführt. Doch welche Gründe gab es für diese Maßnahme? Mit dieser Frage beschäftigt sich diese Arbeit und möchte hierauf eine Antwort finden. Als Quelle steht hauptsächlich das ‚Schweizer Bundesblatt’ zur Verfügung. Dieses, wöchentlich in allen drei eidgenössischen Amtssprachen von den Bundesbehörden veröffentlichte, Schreiben enthält Berichte des Bundesrates an die Bundesversammlung und den Nationalrat, Beschlüsse sowie Verfügungen über Volksinitiativen und Referenden. Alle Bundesblätter seit 1849 sind online unter der Homepage des Schweizer Bundesarchivs abrufbar. Als wichtigste Sekundärliteratur seien Thomas Gees’ Aufsatz in der Zeitschrift ‚Zeitgeschichte 31/4 (2004)’, das Buch ‚Einwanderungsland Schweiz’ von Etienne Piguet sowie der Beitrag von Hans Mahnig und Etienne Piguet ‚Die Immigrationspolitik der Schweiz von 1948 bis 1998’ in dem von Hans-Rudolf Wicker herausgegebenen Buch ‚Migration und die Schweiz’ zu nennen.
1 Frisch, Vorwort, S.7.
2 Mahnig/Piguet, Die Immigrationspolitik der Schweiz von 1948 bis 1998, S.67.
2
2. Politik der offenen Türen - 1948-1962
Da die Schweiz vom 2. Weltkrieg verschont blieb, sah sie sich frühzeitig mit einer großen Güter- und Warennachfrage aus dem In- und Ausland konfrontiert. Der großen Nachfrage für den europäischen Wiederaufbau und des anschließenden Wirtschaftswachstums stand jedoch ein großer Mangel an Arbeitskräften entgegen. 3 Nachdem die Schweizer Regierung in den deutschen Nachbargebieten auf Ablehnung der französischen Besatzungskräfte gestoßen war, die selbst unter großem Arbeitskräftemangel litten, „richtet[e] sich der Blick […] auf Italien.“ 4 Aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit im eigenen Land, stieß die Suche der Eidgenossen „nach meist ungelernten, günstigen Arbeitskräften“ 5 beim südlichen Nachbarn auf offene Ohren. 6 So kam bereits im Jahr 1948 ein Rekrutierungsabkommen zwischen Italien und der Schweiz zustande und es setzte im Anschluss eine massive Einwanderungswelle in die Schweiz ein. Zwischen den Immigranten gab es eine Dreiteilung. Etwa die Hälfte waren Saisonniers (Bewilligung A), die nach neun Monaten in ihr Heimatland zurückkehrten. Die andere Hälfte setzte sich aus Inhabern der Bewilligung B, einer erneuerbaren Jahresaufenthaltsbewilligung, sowie Inhabern der Bewilligung C, welche eine dauerhafte Niederlassung vorsieht, zusammen. 7 Zu diesem Zeitpunkt ging die Schweiz von einer Rotation der Arbeitskräfte aus, die nach Erwirtschaftung eines gewissen Betrages in ihre Heimat zurückkehren würden. 8 Dies wird einerseits an der, im Rekrutierungsabkommen festgesetzten, zehnjährigen Wartefrist auf eine Niederlassungsbewilligung deutlich. Andererseits, wenn man bedenkt, dass die Schweiz zu dieser Zeit immer noch mit dem 1931 verabschiedeten Bundesgesetz über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer arbeitete. 9 In diesem heißt es:
„Gegen die Zuwanderung von Ausländern gibt es nichts einzuwenden. Dies allerdings unter der
10 Voraussetzung, dass sie sich nicht in der Schweiz niederlassen wollen.“
3 Piguet, Einwanderungsland Schweiz, S.15; Wimmer, Binnenintegration und Außenabschließung, S.211.
4 Piguet, Einwanderungsland, S.16.
5 Gees, Die Schweiz als europäische Antithese?, S.230, vgl. Wimmer, Binnenintegration, S.211.
6 Gees, Antithese, S.230.
7 Mahnig/Piguet, Immigrationspolitik, S.68.
8 Wimmer, Binnenintegration, S.212.
9 Mahnig/Piguet, Immigrationspolitik, S.68. 10 Ebd.
3
Dass dem nicht so war wird deutlich, wenn man die Anzahl der in der Schweiz lebenden Ausländer vergleicht. Waren es im Jahr 1950 noch 271.000 Personen, was einem Anteil von 5,8% an der Gesamtbevölkerung entspricht, so hatte sich die Zahl bis 1960 auf 476.000 (9,1%) erhöht. 11
3. Die Zeit der Plafonierungsversuche - 1963-1973
Nachdem ab Beginn der 1960er Jahre ersichtlich wurde, dass die Rotation der Arbeitskräfte fehl schlug, wurde „diese liberale Zulassungspolitik“ 12 immer häufiger in Frage gestellt. Es ist davon auszugehen, dass drei große Faktoren zu den Spannungen in der Gesellschaft führten: 13 Die Konjunkturüberhitzung, der Druck Italiens für eine Verbesserung der Lebensbedingungen der Gastarbeiter sowie die aufkommende Ausländer- und Fremdenfeindlichkeit. 14
3.1 Die Überhitzung der Konjunktur
Die Schweizer Wirtschaft verfügte zu diesem Zeitpunkt über einen enormen „Nachfrageüberhang bei Gütern und Dienstleistungen.“ 15 Dies kann, aufgrund massiver Preissteigerungen, dauerhaft zu einer Inflation führen. Dennoch schritt der Staat zunächst nicht ein. In „einer der ersten Studien zur Immigrationspolitik aus jener Zeit“ 16 heißt es:
„Der Staat […] interveniert zunächst noch nicht, müssen doch in einem Land, in dem der
17
Liberalismus König ist, vorgängig sämtliche
11 Mahnig/Piguet, Immigrationspolitik, S.68.
12 Ebd., S.69.
13 Ebd.
14 Ebd.
15 Piguet, Einwanderungsland, S.23.
16 Mahnig/Piguet, Immigrationspolitik, S.70.
17 Hagmann, Les travailleurs étrangers, S.98, zit. nach: Mahnig/Piguet, Immigrationspolitik, S.70.
18 Mahnig/Piguet, Immigrationspolitik, S.70.
19 Ebd.
4
Arbeit zitieren:
Danielle Klußmann, 2009, Welche Gründe veranlassten die Schweiz zur Einführung einer Zulassungsquote?, München, GRIN Verlag GmbH
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