Vorwort:
Nach einem Gespräch mit meiner Professorin, Frau Mag. E. Lengauer, entschied ich mich für eine Fachbereichsarbeit in Geographie. Ein Grund für diese Arbeit war neben meinem persönlichen Interesse für Politik und Wirtschaft auch meine persönliche Beziehung zum Fernen Osten. Denn noch heute habe ich sehr viele Verwandte in China und Taiwan.
Besonders das Thema der Beziehung zwischen Taiwan und China interessiert mich sehr, nicht nur, weil es ein aktuelles Problem darstellt, sondern weil es auch ein politisches Dilemma behandelt, das anscheinend nicht durch Verhandlungen zu lösen ist. Daher entschloss ich mich dazu, mich in die Problematik des Themas zu vertiefen.
Nach intensiven Auseinandersetzungen mit diesem Thema stieß ich auf sehr aufregende Erkenntnisse. Ich habe es eigentlich durchwegs genossen, daran zu arbeiten, und habe nie an der Entscheidung gezweifelt, obwohl ich die Arbeit mehrmals überarbeiten musste. Außerdem tat es mir Leid, weitere detaillierte Aspekte außer Acht lassen zu müssen. Jedoch hoffe ich die entscheidendsten Aspekte erläutert zu haben.
Desgleichen habe ich sehr viel im Bereich „selbständiges Erarbeiten“ gelernt, was mir sicherlich für meine zukünftige Ausbildung nach der Matura von großem Nutzen sein wird.
Für meine Arbeit möchte ich mich bei allen herzlich bedanken, dich mich unterstützt haben. Der Dank gilt allen voran natürlich Frau Professor. Mag. Edith Lengauer, Frau Professor Dr. Heide Haussner, die mich das Zitieren lehrte und meiner Deutsch- professorin, Frau Professor Mag. Reinhilde Rießner.
Inhaltsverzeichnis:
Einleitung 6
1. Historische Entwicklung bis heute 8
1.1. Taiwan - eine Insel unter ausländischer Herrschaft 8
1.2. Neue Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg 9
1.3. Der Beginn der Isolation 9
1.4. Taiwan auf dem Wege zur Demokratie 10
2. Politik 10
2.1. Die beiden einflussreichsten Parteien und ihre politische Haltung
zu China 10
2.2. Außenpolitik zu China 11
3. Wirtschaft 14
3.1. Gründe für die rasante Entwicklung dieses Schwellenlandes 15
3.2. Die drei Wirtschaftssektoren. 16
3.2.1. Primärer Sektor 16
3.2.2. Sekundärer Sektor 18
3.2.2.1. Die Entwicklungen seit den 40er Jahren 19
3.2.2.2. Bedeutungsvolle Industriebranchen 22
3.2.3. Tertiärer Sektor 24
3.3. Handelspartner der Republik China 25
3.3.1. Wirtschaftliches Verhältnis zwischen den USA und
Taiwan 26
3.3.2. Taiwanesische Abhängigkeit vom chinesischen Markt 26
3.3.3. Wirtschaftliche Beziehungen zu Europa 28
3.3.4. Aufbau eines Netzes von Wirtschaftspartnern 29
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4. Der lange Kampf um die Unabhängigkeit 30
4.1. Warum kann China nicht auf Taiwan verzichten? 33
4.2. Die Bedrohung durch die Volksrepublik China. 34
4.3. Taiwan unter dem Protektorat der Vereinigten Staaten 36
4.3.1. Die taiwanesisch - amerikanische Freundschaft 36
4.3.2. Warum ist Taiwan für die USA strategisch so bedeutend? 39
4.4. Taiwan sucht verzweifelt Anerkennung bei wirtschaftlichen
Organisationen 39
5. Persönliche Meinung 42
Zusammenfassung 43
Anhang 44
Umfragen und Interviews 44
Literaturverzeichnis 48
Abbildungsverzeichnis 52
Begleitprotokoll 53
Arbeitsprotokoll 53
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Einleitung:
Die Republik China ist ein selbst ernannter Staat in Ostasien, der zurzeit international fast isoliert ist und kaum anerkannt wird. Die Volksrepublik China betrachtet Taiwan nur als eine kleine chinesische Provinz.
Abbildung 1: Taiwans Karte
(Quelle: Taiwan (Formosa). Microsoft Encarta 2005. Enzyklopädie Professional. Computer Software Microsoft Corporation 1993-2004.)
Taiwan erstreckt sich zwischen dem 21. und 26. Grad nördlicher Breite und dem 120. und 124. Grad östlicher Länge. Die Insel ist im Westen durch die Formosastraße vom chinesischen Festland abgetrennt. Im Norden wird sie vom Ostchinesischen Meer, im Osten vom Pazifischen Ozean und im Süden vom Südchinesischen Meer begrenzt. Zum Staatsgebiet gehören die Insel Taiwan, die vulkanischen Pescadores - Inseln, die Quemoy Inseln und die Matsu - Inselgruppe. Taiwan hat 22,75 Millionen Einwohner und seine Hauptstadt, Taipeh, 2,65 Millionen. Die Gesamtfläche beträgt 36000 Quadratkilometer.
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China und Taiwan haben in manchen Punkten Gemeinsamkeiten. Ihre Bewohner sprechen die gleiche Sprache und haben eine ähnliche Kultur und Geschichte, denn 98 % der heutigen Taiwanesen sind Chinesen. Die VR China ist ein riesiger Staat mit etwa 1,2 Milliarden Einwohnern. Mittlerweile ist sie zu einer Weltmacht herangewachsen und viele Länder bangen um eine ökonomische Zusammenarbeit mit ihr. Die Abhängigkeit vom chinesischen Markt wird immer deutlicher. Nicht zu unterschätzen sind auch ihre Streitkräfte, die zurzeit aufgrund der Taiwanfrage weiter aufgerüstet werden. In China herrscht noch eine kommunistische Diktatur, die zwar schrittweise zu Gunsten der Demokratie reformiert wird, doch was die Humanitätsfrage betrifft noch ein wenig rückständig wirkt.
Nicht zu unterschätzen ist auch die „Wirtschaftsbombe“ Taiwan. Hinter dem „kleinen Tiger“ verbirgt sich seine Schutzmacht, die USA. Mit ökonomischen und militärischen Unterstützungen verhalfen sie Taiwan in der Vergangenheit zu seiner Position als Wirtschaftsmacht. Auch heute dulden die Vereinigten Staaten von Amerika keinen kommunistischen Eindringling in Taiwan und werden somit auch nicht zögern, ihrem Schützling im Ernstfall militärischen Beistand zu leisten.
Die Entstehung des Taiwan-Dilemmas und die zukünftige Entwicklung dieser Streitfrage lassen sich durch folgende Aspekte erklären:
• Die historische Entwicklung dient zum Verständnis des Problems.
• Politische Ansichten müssen betrachtet werden. Welchen Einfluss hat China auf Taiwans Politik?
• Wirtschaftliche Abhängigkeit Taiwans und seine Bedeutung für China.
• Eine einflussreiche Veränderung für die zukünftige Entwicklung ist die militärpolitische Einstellung beider Länder.
Genaue Hintergründe werde ich im Laufe meiner Arbeit verdeutlichen. Ebenso werde ich aufzeigen, wie Taiwan sich aus seiner Isolation zu befreien versucht und die chinesischen Annäherungsversuche abweist. Den Schwerpunkt meiner Arbeit aber setze ich auf die taiwanesische Wirtschaft. Denn eine selbständige stabile Wirtschaft ist eine grundlegende Vorraussetzung für einen autonomen Staat. Weiters habe ich einige Meinungen von Betroffenen eingeholt.
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1. Historische Entwicklung bis heute
1.1. Taiwan - eine Insel unter ausländischer Herrschaft
Schon im Jahre 603 v. Christus wurde ein Feldzug der Chinesen gegen die Insel Taiwan protokolliert. Erst ab dem 7. Jahrhundert n. Chr. wanderten die Fest- landchinesen auf die Insel ein und verdrängten die ursprüngliche Bevölkerung. Im 12. Jahrhundert eroberten japanische Truppen Teile Taiwans. 1590 entdeckten die ersten Europäer die Insel. Die Portugiesen gaben Taiwan den Namen „Formosa“, was „schöne Insel“ bedeutet.
Von der „schönen Insel“ angelockt, trafen später auch Spanier und Holländer ein. In der Mitte des 17. Jahrhunderts gelang es den holländischen Truppen, die Portugiesen, Spanier und Japaner aus Taiwan zu vertreiben.
1644 flüchteten die Anhänger der Ming-Dynastie, da sie den Mandschu (Qing-Dynastie) unterlegen waren, aus China nach Taiwan. Angeführt von General Zhen Chenggong, auch bekannt als Koxinga, gelang es den Ming, die Niederländer von Formosa zu vertreiben und die Herrschaft über die Insel zu übernehmen. Doch Ende des 17. Jahrhunderts mussten die Ming auf Formosa vor den Mandschu kapitulieren und die Insel wurde ein Teil des chinesischen Reiches. Dies war der Beginn der chinesischen Herrschaft über Taiwan.
Als Folge der Niederlage Chinas im Chinesisch-Japanischen. Krieg (1894/95) wurden Taiwan und die Pescadoren durch den Vertrag von Shimonoseki 1895 japanische Kolonien. Nach der Niederlage der Japaner im Zweiten Weltkrieg wurden Taiwan und die Pescadores Inseln wieder an China zurückgegeben. 1947 wurde Taiwan trotz des Protests der Inselbewohner zur chinesischen Provinz erklärt.
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1.2. Neue Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg
1949 zogen sich die Kuomintangs (Nationalchinesen) unter General Chiang Kai-shek, nach der Niederlage gegen die Kommunisten im chinesischen Bürgerkrieg, mit etwa zweieinhalb Millionen Anhängern nach Formosa zurück. Sie gründeten ihr Hauptquartier in Taipeh und 1950 rief Chiang Kai-shek die „Republik China auf Taiwan“ aus. Somit wurde Chiang Kai-shek der 1. Präsident der Republik China. Zu dieser Zeit wurde die Republik China von den meisten Staaten anerkannt und die Vereinten Nationen nahmen Taiwan sogar als Vertreter Chinas in den Sicherheitsrat auf. Sowohl die Kommunisten in China als auch die Nationalchinesen auf Taiwan verfolgten die Politik der Rückeroberung des vom Gegner besetzten Territoriums. 1954 wurde Chiang Kai-shek erneut zum Präsidenten der Republik China gewählt. Noch im selben Jahr unterzeichnete er einen gegenseitigen Verteidigungsvertrag mit den Vereinigten Staaten. Taiwan wurde durch ökonomische und militärische Hilfe aus den USA zu einem Vorbild moderner und wirtschaftlicher Kraft. 1960 und 1966 wurde Chiang Kai-shek zum dritten und vierten Mal von der Nationalversammlung zum Präsidenten bestätigt.
1.3. Der Beginn der Isolation
1971 verlor die Republik China ihren Sitz in der Generalversammlung und im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zu Gunsten der Volksrepublik China. Ebenso zogen viele Nationen ihre diplomatische Anerkennung von Taiwan zurück. 1972 wurde Chiang Kai-shek zum fünften Mal Staatsoberhaupt und nach seinem Tod 1975 führte sein Sohn Chiang Ching-kuo sein Amt fort. 1978 brachen selbst die USA ihre diplomatischen Beziehungen zu Taiwan ab, da sie eine Annäherung an die Volksrepublik China beabsichtigten.
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1.4. Taiwan auf dem Wege zur Demokratie
Nach Chiang Ching-kuos Tod 1988 kam Lee Teng-hui, der erste gebürtige Taiwanese, an die Macht. Da die alten Kuomintangs allmählich ihre Führungsbasis an die gebürtigen Taiwanesen verloren, gelang es Lee, viele politische Reformen durchzuführen. Sein Ziel war es, die Unabhängigkeit der Insel zu festigen, obwohl Taiwan seit 1949 nur wenig vom Festland beeinflusst wurde. 1996 hat Lee Teng-hui die ersten freien Wahlen in der Republik China angeordnet. Trotz vieler Raketentests und Militärmanöver der Festland-Chinesen vor der taiwanesischen Küste, bestätigten die Inselbewohner Lee erstmals demokratisch in seinem Amt.
Chen Shui-bian, der Vorsitzende der Demokratischen Progressiven Partei (DPP), setzte sich gegen den Kuomintang - Kandidaten bei den Präsidentschaftswahlen 2000 durch. Ebenso erlitt die Partei Kuomintang große Verluste bei der Parlamentswahl 2001. Somit endete die Herrschaft der Kuomintang endgültig. Im März 2004 gewann Chen Shui-bian erneut mit knappem Vorsprung die Wahl für das Präsidentenamt.
2. Politik
2.1. Die beiden einflussreichsten Parteien und ihre politische
Haltung zu China
Die Demokratische Progressive Partei (DPP), welche die heutige Regierung bildet, ist die erste inoffizielle Partei Taiwans, die sich für ökologische Standpunkte und europäischeres Gedankengut in der Politik einsetzt. Außerdem strebt sie nach der vollkommenen Unabhängigkeit der Insel.
Die ehemalige Regierungspartei, Kuomintang (KMT, 1950-2000), verfolgt allerdings eine Politik der schrittweisen Vereinigung mit dem Festland, aber nur unter der Voraussetzung, dass China demokratisch wird. Die KMT hat vor allem deswegen so viele Anhänger, da die Bevölkerung Angst vor einer chinesischen Invasion hat. 2
2 Vgl. Wang, Joseph: Taiwan - ein Land mit vielen Namen. In: http://members.vol.at/Wang/philosophie/taiwan.htm
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2.2. Außenpolitik zu China
Das Verhältnis zu China und die Taiwanfrage sind zurzeit die wichtigsten Themen in der Außenpolitik. Die schwierige Beziehung zwischen Taiwan und China kann nur aus der historischen Perspektive verstanden werden.
„China“ ist seit 1949 in die Volksrepublik China und die Republik China auf Taiwan aufgeteilt. 1971 wurde Taiwan aus der UNO ausgeschlossen und dadurch werden die Chinesen offiziell nur durch das Festland repräsentiert. Die Regierung von Chiang Kaishek und später die von Chiang Ching-kuo vertreten die Meinung, dass nur die Republik China die einzige legitime Regierung Chinas sei. Aufgrund dieses Umstandes bauten sich erstmals Spannungen zwischen den beiden Ländern auf. Die chinesische Regierung in Peking versucht hingegen, ein Gesamtchina für sich zu beanspruchen. Die Reaktion der Inselbewohner ist die „Drei-Nein-Politik“ 3
• Keine Kontakte
• Keine Verhandlungen
• Keine Kompromisse mit China.
Im September 1981 kündigte der damalige chinesische Präsident Ye Jianying einen „9-Punkte-Vorschlag“ für die Wiedervereinigung mit Taiwan an. Dadurch garantierte er vor allem, dass Taiwan sein eigenes Sozial- und Wirtschaftssystem bzw. individuelle Streitkräfte nach der Übernahme behalten dürfe. Doch Taiwan weigerte sich, dieses Angebot anzunehmen, und nahm Tibet als Beispiel, wie die so genannte autonome Region von China behandelt wurde. Die Regierung in Peking versuchte daraufhin, Taiwan international zu isolieren, und so gelang es ihr, Taipeh aus der Weltbank und aus anderen wichtigen Organisationen auszuschließen.
Trotzdem gab es noch eine ausgeglichene Atmosphäre bis 1987 zwischen den Ländern auf beiden Seiten der Taiwan-Straße. Doch Mitte der 90er Jahre kehrte Lee Teng-hui nach und nach dem „Ein-China“-Prinzip den Rücken und strebte eine Unabhängigkeit der Insel an. Er nützt die finanzielle Stärke und den technologischen Fortschritt Taiwans aus, um diplomatische Beziehungen zum Ausland zu knüpfen.
3 Sczepanski, Erich: Länderdossier: Taiwan.
In:http://www.globaldefence.net/index.htm?http://www.globaldefence.net/deutsch/asien/taiwan/dossier.h tm
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Bakk Tuan Trieu Ha, 2005, Taiwan, ein Staat ringt um seine Unabhängigkeit, München, GRIN Verlag GmbH
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