Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung S.1
II. Hauptteil
1) Biographie S.2
a) Lebenslauf und Dienstlaufbahn
b) Arbeitsort und Verantwortlichkeit
2) Eichmann als gesinnungsloser Bürokrat S.6
3) Eichmann als Überzeugungstäter S.9
III. Fazit S.12
IV. Literaturverzeichnis 14
I. Einleitung
Nach 1945 entbrannten zahlreiche Diskussionen darüber was einzelne Personen dazu motiviert haben mag, an der fabrikmäßigen Vernichtung von über sechs Millionen Menschen durch das NS-Regime mitzuwirken. Über kaum jemanden wurde und wird wohl mehr spekuliert als über Adolf Eichmann.
Seit dem Prozess gegen ihn in den 60er Jahren in Israel scheiden sich die Geister an einer Interpretation Eichmanns Persönlichkeit. Hannah Arendt sah sich schwerer Kritik ausgesetzt, als sie ihn als völlig durchschnittlichen Menschen beschrieb, und nicht als den fanatischen Antisemiten der er nach Meinung vieler gewesen sein musste, um derartige Verbrechen begangen haben zu können.
Aufgrund der Widersprüchlichkeiten die Eichmanns Charakter kennzeichneten, wird kaum irgendjemand mehr als nur Vermutungen über seine Motive anstellen können. Inhalt dieser Arbeit kann es daher nur sein, die verschiedenen Eichmanninterpretationen erst einmal wertungsfrei gegenüberzustellen, um dann kritische Schlussfolgerungen zu ziehen, die aber nicht mehr seine können als meine ganz subjektiven Einschätzungen, und keinerlei Anspruch auf Richtigkeit erheben. Die Vielfalt der verschieden Interpretationen werden im Folgenden zu zwei Hauptsträngen zusammengefasst: Eichmann als gesinnungsloser Bürokrat oder als ideologischer Überzeugungstäter.
Erstere basiert auf Hannah Arendts Buch „Eichmann in Jerusalem“, zweitere auf Irmtrud Wojaks „Eichmanns Memoiren“. Arendt stützt ihre Ausführungen in erster Linie auf ihre Erkenntnisse als Prozessbeobachterin in Jerusalem, während Wojak die Möglichkeit hatte, Unterlagen des in Argentinien entstandenen Interviews zwischen Eichmann und dem ehemaligen SS-Offizier Sassen sowie Eichmanns im Gefängnis verfasste Aufzeichnungen mit einzubeziehen.
Die Arbeit beginnt mit einer kurzen Biographie, die aber auf das Minimum beschränkt ist, das nötig ist, um die darauf folgenden Ausführungen zu Eichmanns Persönlichkeit nachvollziehen zu können.
1
II. Hauptteil
1) Biographie
a) Lebenslauf und Dienstlaufbahn
Adolf Eichmann wurde am 19. März 1906, als das älteste von fünf Geschwistern, in Solingen geboren. Nach dem frühen Tod seiner Mutter und der erneuten Heirat seines Vaters zog die Familie 1914 nach Linz in Österreich. Seine schulische Ausbildung erhielt Eichmann, bis zur vierten Klasse, in der Volksschule Linz, danach wechselte er, für weitere vier Jahre, an die Kaiser Franz Joseph Staatsoberrealschule, ein Gymnasium das vor ihm schon Adolf Hitler besucht hatte, ein Umstand auf den er später sehr stolz gewesen sein soll. 1 Eichmann verlies diese Schule 1921 ohne regulären Schulabschluss und wechselte zur höheren Bundeslehranstalt für Maschinenbau in Linz, die er nach zwei Jahren vorzeitig abbrach.
Er war keine guter Schüler und hatte Schwierigkeiten Anschluss an seine Mitschüler zu finden. 2
Erst 1925 trat er seine erste feste Anstellung bei der Oberösterreichischen Elektrobau AG an. 1927 kündigte er und wurde, auf Wunsch und Vermittlung seiner Eltern, Reisevertreter bei der Vacuum Oil Company AG. Im gleichen Jahr wurde er Mitglied des Jungfrontkämpferverbandes, der Jugendabteilung der Deutsch-Österreichischen Frontkämpfervereinigung, im Zuge eines Treffens dieser Organisation trat Eichmann am 01.April.1932 in die NSDAP und SS ein. Er wurde von Ernst Kaltenbrunner, einem Geschäftsfreund seines Vaters und späteren Nachfolger Heydrichs, angeworben. Als er 1933 seine Stellung bei der Vacuum Oil Company AG verlor, entschloss sich Eichmann nach Deutschland zurückzukehren, um Karriere bei der, in Österreich inzwischen verbotenen, SS zu machen. In Lechfeld und später in Dachau wurde er militärisch ausgebildet.
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1 Vgl. v. Lang, Jochen: Das Eichmann - Protokoll Tonbandaufzeichnung der israelischen Verhöre, Wien 2001, S.15.
2 Vgl. Kempner, Robert M. W: Eichmann und Komplizen, Zürich 1961, S.25.
2
Allerdings war Eichmann den militärischen Trott nach eigenen Angaben bald Leid, 3 sodass er sich 1934 im SD-Hauptamt bewarb, wohin er am 01.Oktober dieses Jahres auch versetzt wurde.
Hier bestand seine Aufgabe, für ein halbes Jahr, nur darin, Karteikarten in der Abteilung Freimaurer zu tippen, danach wurde er in das Referat Judentum versetzt, wo er bis Kriegsende blieb.
Schnell machte Eichmann sich einen Namen als Judenspezialist, lernte sogar einige Brocken Hebräisch, in seinen Beurteilungen wird er als willensstark, energisch und impulsiv als bedingungsloser Nationalsozialist und als Organisations- und Verhandlungstalent beschrieben. 4
Trotz derartige Lobes hielt Eichmann bis 1938 eine untergeordnete Position inne, erst mit dem Anschluss Österreichs nahm seine Kariere die entscheidende Wendung. Er wurde nach Wien geschickt, um dort als Chef der Zentralstelle für jüdische Auswanderung die Vertreibung der österreichischen Juden voranzutreiben. In dieser Funktion verschärfte Eichmann die bis dahin angewandten Terrormethoden massiv, nicht Ausreisewilligen drohte die Inhaftierung in KZs, Ausreisewillige mussten für die nötigen Papiere mit ihrem gesamten Vermögen bezahlen. Eichmanns Methoden hatten Erfolg, innerhalb kürzester Zeit wurden aus Österreich 50000 Juden vertrieben aus Deutschland im gleichen Zeitraum nur 19000.
Diese Zahlen wurden auch in Berlin zur Kenntnis genommen, in einem Gespräch zwischen Heydrich und Göring vom 12.November.1938 wurde die Einrichtung der Reichszentrale für jüdische Auswanderung beschlossen, so sollten Eichmanns Österreichmethoden auf das gesamte Reich ausgedehnt werden. 5 Als diese Organisation im Januar 1939 entstand, wurde Eichmann ihr Chef.
Zwischen 1939 und 1942 wurden seine Kompetenzen ständig inhaltlich und territorial ausgeweitet. Ab 1939 war Eichmann zuständig für Enteignung und Vertreibung der Juden im neu geschaffenen Protektorat Böhmen und Mähren. Im gleichen Jahr wurde er Umsiedlungsreferent für Polen.
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3 Vgl. v. Lang, Jochen: Das Eichmann - Protokoll Tonbandaufzeichnung der israelischen Verhöre, Wien 2001, S.29. Vgl. Knopp, Guido: Hitlers Helfer - Die Täter, München 1998, S.30.
4 Vgl. Kempner, Robert M. W: Eichmann und Komplizen, Zürich 1961, S.27f..
5 Vgl. ebd., S.44-46.
Vgl. Knopp, Guido: Hitlers Helfer - Die Täter, München 1998, S.38.
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Jan Trützschler, 2002, Eichmann: Gesinnungsloser Bürokrat oder Überzeugungstäter, München, GRIN Verlag GmbH
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