Literaturverzeichnis
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rechtigkeit, 1. Aufl., München 2001 (zit.: Braun, Rph)
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II
Gerechtigkeit als Fairness, Ein Neuentwurf, Frankfurt a.M. Rawls, John 2003 (zit.: Rawls, GaF)
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Politische Theorie 2. Von Rousseau bis Rawls. Grundzüge der Schwaabe, Christian
Politikwissenschaft, 1. Aufl., München 2007 (zit.: Schwaabe, PT2)
III
Inhaltsverzeichnis
Seite
A. Einleitung 1
B. Biographie 2
C. Gerechtigkeit als Fairness. 3
I. Gerechtigkeit für die Grundstruktur der Gesellschaft. 3
II. Das Gedankenexperiment 5
1. Gesellschaftsvertrag 5
2. Der Urzustand 5
a) Charaktereigenschaften 6
b) Die Verfahrensgrundsätze 8
3. Einstimmigkeit und Vertragstreue 10
D. Grundsätze der Gerechtigkeit 11
I. Der erste Grundsatz 12
II. Der zweite Grundsatz. 12
1. Das Unterschiedsprinzip 13
2. Chancengleichheit 14
3. Spargrundsatz 15
III. Der vier Stufen Gang 16
E. Grenzen des Urzustandes: 17
I. Mangelnder Schutz der Natur und des ungeborenen Lebens: 18
II. Das Menschenbild der Rawlsschen Theorie. 19
F. Von „Einer Theorie der Gerechtigkeit“ zur Idee des „Politischen
Liberalismus “: 20
G. Zusammenfassung 24
III
A. Einleitung
„Der Wunsch, dass in der Welt Gerechtigkeit herrsche, eint die Menschen verschiedenster Kulturen und Epochen.“ 1 Gerade diesem Wunsch hat sich John Rawls in „Eine The-orie der Gerechtigkeit“ angenommen und erreichte damit die Wiedereinkehr der Gerechtigkeit in die philosophische Diskussion. Mit seinen Werken „Politischer Liberalismus“ und „Gerechtigkeit als Fairness“ hat er seine Theorie von 1971 weiter konkretisiert und, durch seine Kritiker beeinflusst, in eine praxistauglichere Form gebracht. Zwar wurden diese Änderungen von seinen Lesern zum Teil als irritierend emp-funden und haben daher keine allzu große Zustimmung erhalten. 2 Dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass Rawls schon zu Lebzeiten als „Klassiker der politischen Philosophie“ bezeichnet wurde. 3
Auch heute ist die Suche nach einer universalen Gerechtigkeitskonzeption nicht beendet. Besonders die ständig voranschreitende Interkulturalität in den demokratischen Staaten stellt den Staat vor neue Herausforderungen. So kann sich eine Nation nicht mehr hauptsächlich auf eine Kultur fokussieren, sondern muss zwischen unterschiedlichen Glaubensrichtungen, Kulturkreisen und Nationalitäten einen gerechten Ausgleich schaffen. Dabei stoßen die politischen Systeme trotz und gerade aufgrund ihrer Toleranz gegenüber Multikulturalität bei dem Versuch an ihre Grenzen, Rechtsstaatlichkeit und Stabilität aufrecht zu erhalten.
Die vorliegende Arbeit wird daher abschließend die Frage erörtern, inwiefern John Rawls Theorie dazu geeignet ist, als ein realisierbares Konzept für die moderne Gesellschaft zu fungieren, die einer ständig wachsenden Interkulturalität ausgesetzt ist. Damit eine sinnvolle Aufarbeitung dieses Themas erfolgen kann, werden vorangehend John Rawls und seine Theorie der Gerechtigkeit als Fairness grundlegend vorgestellt und durch einige exemplarische Problembereiche vertieft. Zudem ist es notwendig, durch eine kurze Einführung zu zeigen, auf welche Weise Rawls seine Theorie verändert und an das Faktum des vernünftigen Pluralismus angepasst hat. Auf diese Weise kann zwar keine umfassende Aufarbeitung der Thematik erfolgen. Jedoch liegt das Ziel der Arbeit darin, einen Überblick zu verschaffen und auf Problemkreise aufmerksam zu machen.
1 Höffe, in SZ.
2 Kersting, Einf. Rawls, S. 201.
3 Schwaabe, PT2, S. 149.
1
B. Biographie
John Jack Bordley Rawls wurde am 21. Februar 1921 in Baltimore (Maryland) geboren. Seine Eltern, William Lee Rawls und Anna Abell Stump, waren politisch sehr engagiert. Rawls Mutter setzte sich insbesondere für die Gleichberechtigung der Frau ein, was sein eigenes Interesse an der Gleichberechtigung der Frauen im Laufe seines Lebens wesentlich beeinflusste. Sein Vater war ein erfolgreicher Anwalt in Baltimore, der sogar eine Zeit lang als möglicher Kandidat für den U.S. Senat galt, jedoch wegen ge-sundheitlicher Probleme auf seine Kandidatur verzichtete. Rawls Kindheit war von schweren Schicksalsschlägen überschattet, insbesondere da seine jüngeren Brüder krankheitsbedingt in frühem Kindesalter verstarben, was ihn nachhaltig schwer belastete.
Sein Studium begann Rawls 1939 am Princeton College im Bereich Philosophie. Dort wurde er insbesondere von seinem Lehrer Norman Malcolm beeinflusst. Dieser weckte auch Rawls' Interesse an Religion und Philosophie. Nachdem Rawls im Januar 1943 seinen Bachelor of Arts erhielt, meldete er sich ab Februar 1943 zur Armee. Er wurde daraufhin in den Pazifik abkommandiert und diente in Neu Guinea, den Philippinen und Japan. Nachdem er vom Kriegsdienst zurückgekehrt und eine Laufbahn als Offizier abgelehnt hatte, setzte Rawls das Studium an der Universität Princeton fort. Nach seinem Abschluss promovierte er und beschäftigte sich in seiner Dissertation mit den Wesen von Charakterbeurteilungen.
Während der Arbeit an seiner Dissertation lernte Rawls seine spätere Ehefrau Margarete Warfield Fox kennen. Sie heirateten im Jahre 1949. Margaretes Interesse galt eher der Kunst und Kunstgeschichte, dennoch unterstützte sie ihren Ehemann bei der Erstellung seiner Werke. Trotz seiner mittlerweile begonnenen Lehrtätigkeit, setzte Rawls seine Studien außerhalb der Universität Princeton weiter fort. Hierfür verbrachte er ein Jahr in Oxford, das für Rawls eine besondere Bedeutung hatte. Hier lernte Rawls die wichtigsten Philosophen Oxfords, John Austin, Isaiah Berlin, Stuart Hampshire und Herbert Hart, kennen. Nachdem Rawls aus Oxford zurückgekehrt war, begann er zunächst als Assistenzprofessor an der Cornell University zu lehren und wurde dort 1956 zum Associate Professor ernannt. Dort lehrte Rawls bis zu seinem Ruf an die Universität Oxford 1962, an welcher er insgesamt 30 Jahre lehrte.
2
In der Zeit zwischen 1962 und 1971 vollendete er sein Hauptwerk „A Theorie of Justice“. Er brachte dafür seine Theorie in die Lehrveranstaltungen ein und verteilte zudem Manuskripte seiner Arbeit an seine Studenten und Kollegen. Deren Anregungen und Einwände bezeichnete Rawls als „unschätzbare Hilfe“ für sein Werk. 4 Er erhielt ab 1979 den Rang des University Professors, der dem höchsten Rang der Universität entspricht. Rawls veröffentlichte neben seinem Opus magnum noch weitere Werke, die sich zum Teil an „A Theorie of Justice“ anschließen und sie ergänzen. Dazu zählen insbesondere "Political Liberalism" (1993), "The Law of Peoples" (1999), "Collected Papers" (1999), "Lectures on the History of Moral Philosophy" (2000), and "Justice as Fairness: A Restatement" (2001). John Rawls verstarb 2002 im Alter von 81 Jahren. 5
C. Gerechtigkeit als Fairness
I. Gerechtigkeit für die Grundstruktur der Gesellschaft
John Rawls stellt in „Eine Theorie der Gerechtigkeit“ die Gerechtigkeit selbst in den absoluten Vordergrund seiner Überlegungen, indem er behauptet, „die Gerechtigkeit ist die erste Tugend sozialer Institutionen, so wie die Wahrheit bei Gedankensystemen“. 6 Dieser Grundthese verleiht er weiterhin Nachdruck, indem er beteuert, „eine noch so elegante und mit sparsamen Mitteln arbeitende Theorie muss fallen gelassen oder abgeändert werden, wenn sie nicht wahr ist; ebenso müssen noch so gut funktionierende und wohlabgestimmte Gesetze und Institutionen abgeändert oder abgeschafft werden, wenn sie ungerecht sind.“ 7
Diese einleitenden Sätze sind ebenso imposant, wie auch einleuchtend. Denn in der heutigen Zeit erscheint es nicht neu, eine gerechte Gesellschaft durch eine gerechte Rechtsordnung zu schaffen. Ein moderner Bürger der westlichen Welt kann sich wohl schwerlich eine Rechtsordnung vorstellen, in der der Aspekt der Gerechtigkeit keine Rolle spielt. Dagegen war die Einbeziehung der Gerechtigkeit in die Rechtslehre des 20. Jahrhunderts keine Selbstverständlichkeit. Rawls grenzte sich damit deutlich von der Theorie des Rechtspositivismus ab, die insbesondere durch Hans Kelsen geprägt wurde
4 Rawls, ThdG, S. 13.
5 Vgl. Pogge, S. 11 ff.
6 Rawls, ThdG, S. 19.
7 Rawls, ThdG, S. 19.
3
und in der Rechtsphilosophie viele Anhänger hatte. 8 Auffällig ist, dass Rawls in keiner Weise auf Kelsens reine Rechtslehre eingeht, obwohl dies aufgrund der diametral entgegengesetzten Richtung seiner Theorie hätte erwartet werden können. Stattdessen stellt er seine Theorie kritisch dem Utilitarismus gegenüber, dessen Nutzenprinzip er kategorisch ablehnt. 9 Dabei erläutert Rawls nicht, aus welchen Gründen die Gerechtigkeit einen derartig hohen Stellenwert verdient, sondern statuiert dies schlichtweg als Tatsache. 10 Das erscheint allerdings auch nicht weiter verwunderlich. Denn aus dem Gedanken, dass grundsätzlich jedem Bürger eine Gerechtigkeitsvorstellung innewohnt, die in einer Demokratie über verschiedene Wege, wie z.B. über Wahlen, in die gesellschaftlichen Institutionen findet, ergibt sich, dass letztlich jedem Rechtssystem zwangsläufig eine Gerechtigkeitsvorstellung zu Grunde liegt. 11
Rawls geht es nicht darum, die Gerechtigkeit in ihrer Gesamtheit zu betrachten. Stattdessen konzentriert er sich auf die Lösung der Probleme, die sich für die „Grundstruktur der Gesellschaft“ ergeben. Dabei beschränkt er sich auf die Betrachtung der internen Struktur eines geschlossenen Systems, das keine Beziehung zu anderen Gesellschaften hat, also auf den Bereich einer Nation. 12 Rawls erhebt nicht den Anspruch, mit Hilfe seiner Theorie für alle Eventualitäten eine gerechte Lösung zu finden. Vielmehr geht es ihm um die Bildung eines „sozialen Hintergrundrahmens, indem Tätigkeiten der Verbände und der Individuen ausgetragen werden“. 13 Mit anderen Worten soll festgelegt werden, welche Rechte und Pflichten den Bürgern übertragen und welche gesellschaftlichen Güter an sie verteilt werden sollen. Daneben fordert Rawls auch die Schaffung von Grundsätzen, die für jedes Individuum verbindlich sind. Hierunter versteht er die Übereinkunft über „Grundsätze für Begriffe wie Fairness und Treue, gegenseitige Achtung und Wohltätigkeit“. 14
8 Dieser vertrat in seinem Werk über die „Reine Rechtslehre“ von 1934 eine sehr strenge Version des
Rechtspositivismus. Kelsen hat im Gegensatz zu Rawls die Frage nach Gerechtigkeit geradezu aus der
Rechtslehre verbannt. Vgl. Braun, Rph, S. 13 ff.
9 Rawls, ThdG, S. 44 ff. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit können nicht in gebotener Weise eine Ein-
führung des Utilitarismus einerseits und eine Gegenüberstellung zu Rawls Theorie andererseits stattfin-
den. Eine ausführliche Darstellung findet sich bei Kliemt, in Höffe, ThdG, S. 97 ff.
10 Braun, Rph, S. 123.
11 Braun, Rph, S. 123.
12 Rawls, ThdG, S. 24.
13 Rawls, GaF, S. 32.
14 Rawls, ThdG, S. 132.
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